In dem mittlerweile geschlossenen Thread
http://www.nittaya.de/thailand-news-17/wieder-ein-todesspringer-pattaya-40957/ hat @
Tramaico behauptet, seine Lesart des Buddhismus komme ohne den Glauben an die Wiedergeburt aus und sei eigentlich nur das Vermeiden von Leid.
Da ich einerseits nicht zu den Bhuddismus-Experten zähle, andererseits aber dennoch ein gewisses "akademisches" Interesse an dieser Religion habe, stelle ich die Frage in die Runde, ob diese (sehr verkürzte??) Lesart eine gewisse Art von Verbreitung im Buddhismus-Milieau hat oder die höchst persönliche Interpretation von Tramaico ist, also doch nicht als Buddhismus bezeichnet werden sollte.
Wir erleben gegenwärtig eine größere Übertragung des Buddhismus aus den asiatischen Ursprungsländern in den Westen. In den zweieinhalb Jahrtausenden, in der sich der Buddhismus von Nordindien in andere asiatische Länder ausgebreitet hat, gab es zahlreiche Adaptierungen, wobei Ausübung und Lehre des Buddhismus oft mit den lokalen Traditionen und Gebräuchen verschmolz. Etwas ähnliches erleben wir jetzt im Westen, d.h. im Zuge der Transmission nach Amerika und Europa kommt der Buddhismus mit der westlichen Kultur in Kontakt, und als Folge dessen verschmilzt die Ausübung und Lehre heute mit westlichen Ideen und Normen. Dabei ist die Idee der Wiedergeburt definitiv ein Reibungspunkt, da sie mit den konventionellen Vorstellungen der westlichen Welt in Konflikt steht.
Einige einflussreiche Autoren, wie z.B. Stephen Batchelor, stellen die Wiedergeburt sowie andere "mystische" Aspekte des Buddhismus vollkommen in Frage. Daraus hat sich eine Strömung gebildet, die sich selbst als "sekulärer Buddhismus" oder "skeptischer Buddhismus" bezeichnet. Wenn man sich diese genauer anschaut, stellt man fest, dass deren Anhänger eher aus Sympathisanten besteht als aus wirklich Ausübenden Buddhisten (Batchelor selbst ist dabei die Ausnahme). Im Gesamtbild der westlichen Buddhisten stellt diese Gruppe außerdem eine Minderheit dar, wenn sie auch im Internet und in den Medien lautstark auftritt. Ich bevorzuge persönlich die Bezeichnung "Buddhism Lite" für diese eklektische Gesinnung.
Jeder der auch nur einen Teil der bekannten und wichtigen Sutras der Tripitaka gelesen hat, wird feststellen, dass die Lehre der Wiedergeburt fest im Buddhismus verankert ist. Sie ist keineswegs ein Add-On Feature, sondern ein elementarer Bestandteil der buddhistischen Lehre. Zur Untermauerung könnte ich jetzt jede Menge kanonische Textstellen zitieren, aber ich verweise nur auf DN1, SN56.11, MN36, MN135, MN135, SN12.65, DN11, MN41, und MN68 für die Interessierten. Wer behauptet, das der Buddhismus auch ohne Wiedergeburt auskommt, hat entweder kein tiefes Verständnis des Buddhismus, oder ist darauf bedacht eine neue Alternativreligion entlang der "Buddhism Lite" Linie zu gründen. Es wird jedoch sicher noch viele Jahre lang interessante Diskussionen um dieses Thema geben.
Cheers, X-pat