Das sehe ich genau so. Aber Theravada ist das meines Erachtens nicht mehr (das, was es alles ist, wurde auf dem letzten Konzil etwa 1950 festgelegt.
Man muss wahrscheinlich kein Anagami zu sein, um zu erkennen dass es nicht möglich ist, keine Emotionen zu haben solange man ein funktionierendes Gehirn besitzt. Kein psychologischer Prozess kann dazu führen, nur ein Gehirnschaden der die entsprechenden Bereiche im Gehirn deaktiviert. Insofern ist die Interpretation wahrscheinlich falsch, dass ab Anagami Stufe keine Emotionen mehr entstehen. Diesen Widerspruch kann man jedoch auf zwei Arten lösen:
1. Für die fünfte Fessel wird statt dosa auch das Wort byāpāda verwendet, dessen Bedeutung mehr in Richtung Böswilligkeit geht, und damit eine konzeptuelle/intentionale Komponente enthält. Man kann argumentieren, dass diese Komponente beim Anagami nicht mehr vorhanden ist und somit byāpāda unmöglich wird.
2. In der Kette der bedingten Entstehungen erfährt der Anagami nach wie vor sankhāras die von Ärger, Hass, und Ablehnung geprägt sind; diese werden jedoch in der nächsten Stufe (viññana) neutralisiert, und stellen daher lediglich äußerst subtile geistige Regungen dar die sofort enden. Restgeräusche, sozusagen.
Die zweite Interpretation ist, soweit ich die Theravada Gelehrten verstehe, nicht orthodox. Aber wen kümmert's. Ich verstehe die Abidhamma ohnehin nicht als einen essentiellen Bestandteil der Dhamma/Dharma, sondern als Kommentare.
Cheers, X-pat