Kannst du erläutern was dir an dem kusala/akusala Modell nicht gefällt? Ich kann mir Situationen vorstellen, in denen akusala Emotionen/Regungen wie "tanha" (dein Kürzel) positive (kusala) Effekte hervorbringen. Meinst du das damit?
Ich beschäftige mich mit etwas, was ich als "Soziale Dynamik" bezeichnen möchte. Ich untersuche dort auch Emotionen und Ihre Ursachen.
Die grundlegende Theorie sieht etwa so aus:
Unser Zweck ist es die genetische Information weiterzugeben (das "Überleben" dieser oft auch fehlerhaften Information zu sichern). Es haben sich zwei Systeme gebildet, mit dem wir gesteuert werden. 1. das ältere Emotionale und 2. das neuere Rationale. Hätten wir nur das Emotionale sytem würden wir nur Affektiv handeln. Durch das Rationale System sind wir in der Lage Emotionen nicht affektiv zu folgen, da wir abschätzen können, dass ein Handlung noch negativere Emotionen zur Folge hätte. Wir können aber auch belohnende Emotionen erzeugen, ohne den "Überlebensinn", der dahinter steht, zu folgen. (z. B. durch Süssstoff das angenehme Gefühl für Süße hervorrufen, ohne wertvolle Nahrung zu uns zu nehmen, da es ein Nahrungsmittelübernagebot gibt, von dem das Emotionale sytem nichts weiß). Zusätzlich können wir Medizin entwickeln oder die Belohnungsemotionen für die Fortpflanzung einheimsen, ohne das ein Nachwuchs möglich ist (Pille). Die Folge kann natürlich auch immer ein Aussterben sein. Man wird sehen.
Emotionen versuche ich nun nach Ihrem Überlebenssinn zu kategorisieren. Am Beispiel Wut (im Buddhismus von Dosa/Abneigung, also unheilsam, begleitet) möchte ich das beschreiben.
Ich werde z. B. wütend, wenn sich jemand bei der Post in der Schlange vordrängelt. Meine Wut ist nicht ausfallend, sondern genauso groß, dass ich mit der Energie der Wut meine Schüchternheit/Angst überwinden kann und meines Erachtens angemessen reagiere. Der Buddhismus sagt ich solle nicht reagieren, sondern die Emotion achtsam betrachten, was ich dann auch gemacht habe.
Dabei kam ich aber zu völlig anderen Ergebnissen. Zuerst dachte ich ich werde wütend, weil das ungerecht ist und ich Gerechtigkeit so liebe. Eines Tages wurde ich des besseren belehrt. Ich war wieder in der Schlange und zwei Polizisten traten ein, gingen mir nichts dir nichts an den Schalter und gaben ein Paket auf. ich wurde nicht wütend und auch kein anderer murrte. Zuerst viel mir das gar nicht auf, aber plötzlich kam die Frage auf Warum? Irgendwie schienen die ein Recht darauf zu haben sich vorzudrängeln!
Dann sah ich einen Film über Rangordnung bei Tieren und man konnte sehen, wie sie wütend aufeinander los gingen. Da wurde mir klar, dass Wut hauptsächlich entsteht, wenn ein etwa gleichrangiges eingeschätztes Menschlein einen höheren Rang einfordert, als ihm offensichtlich zusteht. Jemand, der tatsächlich einen wirklich scheinbaren höherem Rang inne hat, erzeugt diese Emotion nicht.
Selbstverständlich gibt es auchfehlerhaft programmierte, veränderte Emotionen (Angst vor Nichtgefährlichem, Lust bei Schmerz etc.), aber grundsätzlich haben die Emotionen ursprünglich den Sinn, das Weitergeben der genetischen Information zu sichern. Hass entsteht z. B. dann, wenn diese Weitergabe von jemanden gefährdet wird.
Fazit: Emotionen sind eine Art Belohnungs-, Bestrafungs- und Aktivierungssystem (Flucht, Energie etc.) keine Davon ist für mich an sich gut oder schlecht, sondern sie sind funktionell. Sie folgen aber natürlich keiner Moral.
Der Buddhismus scheint sich völlig von diesem Gen-Programm lösen zu wollen (ich glaube, dass das nur zu einem Teil gelingen kann), sodass nur noch indirekte aus Erkenntnis/"heilsamen Wurzeln" geborene, zu dem rationalem System gehörende "Emotionen" überbleiben (wie Mitgefühl, Mitfreude etc.) Ich möchte das nicht! Mir gefällt mein Auf und Ab. Für mich ist es wie das Salz in der Suppe. Und da ich nicht an Wiedergeburt glaube (wenn wird nur die Gen-Information wiedergeboren, aber dazu müsste man Kinder haben), mache ich gerne so weiter wie bisher und bleibe lieber durstig.
Beste Grüße
Tanha