Die beiden größten muslimischen Organisationen Indonesiens sind die traditionalistische
Nahdatul Ulama und die
Muhammadiyah, die eine „reformistische“, d.h. orthodoxe Auslegung des Islam vertritt. Die
Nadhlatul Ulama ist mit über 30 Millionen Mitgliedern die größte muslimische Organisation der Welt. Bekanntestes Mitglied ist ihr Mitbegründer, der frühere Präsident Indonesiens Abdurrahman Wahid (Gus Dur). Derzeit prominentester Islam-Prediger ist Abdullah Gymnastiar.
Die Auslegung des Islam unterscheidet sich stark nach Region und ethnischer Zugehörigkeit seiner Anhänger. Als orthodoxe Muslime sind vor allem die Maduresen, Minangkabau, Achinesen und die Makassaren bekannt, während die Javaner und Osing traditionell eine gemäßigte Form des Islam praktizieren. In einigen Provinzen Sulawesis wiederum hat sich in den letzten Jahren ein am arabischen Vorbild orientierter orthodoxer Islam verbreitet. Der Anthropologe Clifford Geertz prägte für diejenigen Muslime, die wie in Java eine synkretische Form des Islam praktizieren, den Begriff Abangan. Den Gegensatz bilden die Santri, die sich stärker am normativen Islam orientieren und sich nochmals in Modernisten (bzw. Reformisten) und Traditionalisten unterteilen lassen. Letztere sind in der Nahdatul Ulama organisiert.
In 16 Provinzen bildet die Scharia mittlerweile die Grundlage der Rechtsprechung. Vor allem aus Aceh wird in diesem Zusammenhang immer wieder von Bestrafungsaktionen wie öffentlichem Auspeitschen für Spieler oder für sich öffentlich küssende Paare berichtet. Auch wurde erst kürzlich in der indonesischen Stadt Tangerang bei Jakarta das Küssen in der Öffentlichkeit verboten, wenn es länger als fünf Minuten dauert. Zusätzlich wurde Frauen polizeilich verboten, nach 19 Uhr alleine spazieren zu gehen. Allerdings erklärte ein dafür zuständiger Polizeibeamter, dass man bei einer Nichteinhaltung des Gesetzes nicht gleich mit einer Verhaftung zu rechnen brauche. In der Hauptstadt selbst verschwanden Anfang 2006 Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 5 % aus den Supermarktregalen.
Weitere Gesetze, die die Verbreitung pornografischer Medien (wie z. B.
Playboy) und freizügiges Verhalten einschränken sollen, sind ebenfalls in Planung. Offenbar fallen auch traditionelle Kostüme und Trachten unter die Kategorie.
Dagegen regt sich allerdings Widerstand von Intellektuellen, Künstlern und Frauenrechtsorganisationen, die eine Stärkung des orthodoxen Islam befürchten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Indonesien