Was mich an Bangkok fasziniert, ist der Facettenreichtum. Ich habe noch nie eine Stadt erlebt, die so viele unterschiedliche Gesichter hat! Allerdings sollte man ausreichend Zeit mitbringen, um diese Stadt zu entdecken und auch mal abseits der normalen Wege sich treiben lassen. Ich war 10 Tage dort und habe das Gefühl, nur einen superwinzigkleinen Teil dieser schillernden Metropole kennengelernt zu haben.
Weiter mit meinem Bericht:
Schließlich laufe ich zum Banglampoo Pier und nehme das Schnellboot bis Samphan Taksin und von dort den Skytrain zum National Stadium, denn ich will noch ins MBK, um meine Technik-Konsumgelüste zu befriedigen. Der Weg per Boot und Skytrain ist zwar nicht der kürzeste, aber schön, staufrei und preiswert.
Im MBK kaufe ich u.a. das lange ersehnte Dual-SIM-Handy. Es ist ein Noname-China-Produkt mit großem Touchdisplay und es erfüllt seinen Zweck trotz einer recht bescheidenen Software ziemlich gut.
Ich amüsiere mich über ein Plakat in einem Leuchtkasten, das für ein Wäschegeschäft im MBK wirbt
Am Abend folge ich einer Empfehlung unseres @mrhuber und suche ein gutes indisches Restaurant auf. Es befindet sich am Ende einer kleinen Sackgasse, die von der Sukhumvit Soi 9 abgeht, und heißt Namuskaar. Der Inhaber dieses schönen Lokals ist übertrieben freundlich, ich fühle mich behandelt, als sei ich sein Kolonialherr und er mein Lakei - was mir überhaupt nicht gefällt.
Das ist aber schon alles, was ich auszusetzen habe, denn mein nicht vegetarisches Thaligericht ist reichlich, äußerst schmackhaft, fein gewürzt und das Fleisch butterzart. Dazu gibt es ein salziges Lassi, das sehr, sehr intensiv und würzig ist - fast schon gewöhnungsbedürftig scharf, aber mir schmeckt das ausgezeichnet. Den Abschluss bildet ein im Preis inbegriffener kleiner Nachtisch, und ich bestelle noch einen indischen Masala-Gewürztee, auch alles sehr köstlich. Der Spaß war mit insgesamt 420 B nicht billig, aber aufgrund der gebotenen Qualität war es mir das auf jeden Fall wert. Ein etwas legererer Service würde für mich den Wiederholungsfaktor allerdings erhöhen.
Abends sitze ich gerne auf dem Gemeinschaftsbalkon meines Hotels in der Soi 4. Zu mir gesellt sich heute ein sehr nettes australisch-thailändisches Paar, ihn empfinde ich aber als anstrengend, da ich sein australisches Englisch überhaupt nicht verstehe. Sie spricht fast perfekt englisch, aber ich frage mich, wie sie es schafft, seinen Dialekt zu verstehen.
Dabei genieße ich immer wieder den Blick auf das Gewusel auf der Straße. Manche Szenen sind unvergesslich: das "Welcome, come in, kaa!" - Gekreische der Coyote Bar-Ladies, "Welcome Massage!" schallt es von dem Massage-Laden nebenan. Garküchen, Taxis und Tuk-Tuks rollen vorbei. Ein Rollstuhlfahrer wird in der Coyote-Bar willkommen geheißen. Ein Traveller schleppt sich mit seinem mörderisch schweren Rucksack durch die Soi 4, prompt rufen die Coyote-Ladies: "Welcome in Thailand!!!" Dabei machen die Mädels der Bar einen super vergnügten Eindruck. Arme Opfer der Sexindustrie? Ich glaube, kaum. Die Stimmung ist unbeschreiblich, und ich bin vor Rührung, Sehnsucht oder was auch immer kurz vor dem Heulen, während ich das hier niederschreibe und das Erlebte ganz lebendig vor meinem inneren Auge vorüberzieht.
Man beachte das Schild am Eingang der Bar, das soll eigentlich "NO CHARGE", kein Eintritt heißen. Wenn ein Thai "Charge" sagt, klingt das aber wie "Chart", und das landete dann so auf dem Schild
Manchmal spielen sich auf der Straße vor meinem Hotel filmreife Szenen ab, so auch diesmal spät in der Nacht. Ich ärgere mich grün und schwarz, dass ich meine Kamera im Safe habe, denn das Video wäre bei Youtube der Renner geworden: ein super fetter, betrunkener Engländer kommt aus der Coyote-Bar heraus getorkelt und will mit einem Tuk-Tuk ins Hotel fahren. Er versucht mehrfach vergeblich, das Tuk-Tuk zu besteigen, aber es gelingt ihm nicht! Entweder ist der Kopf oder die Wampe im Weg, jedenfalls schafft er es auch im 5. Anlauf nicht, sich genügend zusammenzufalten, um in das Gefährt hineinzukommen! Schließlich gibt er es auf und nimmt sich ein Taxi. Wir schreien vor Lachen, ein Bild für die Götter! Die Straße bietet hier manchmal ganz, ganz großes Kino.