Mir scheint, es herrscht noch ziemlich allgemein eine große Unkenntnis darüber vor, was Tropenkleidung eigentlich ist. So verklemmte Witze wie Tropenhelm und Old Shatterhands Bärentöter sprechen für sich.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach. In Deutschland kennen wir die Hemden und evtl. sogar Unterhemden aus Baumwolle, auf Hochdeutsch cotton. Diese Material saugt sich gerne voll Wasser. Sei es während des Monsunregens, sei aufgrund größeren Schwitzens der noch unangepaßten Farangs. Diese Nässe kann man verdunsten lassen - ohne Zweifel. Leider wird bei der Verdunstung viel Verdunstungskälte produziert. Das will keiner so richtig.
Zuerst waren es die Fahrrad-Rennfahrer, die beinahe auf jeder Tour erkälteten. Viel Schweiß, nasse Klamotten - richtig Klätschnaß wie man im Ruhrpott sagt - dann durch Fahrtwind verdunsten lassen, Viel Kälte. Und die Pips als Ergebnis.
So entwickelte man neue Stoff-Fasern. Fasern, die kaum noch Feuchtigkeit bis zur Nässe, speichern, sondern die sofort alle Feuchtigkeit verdunsten lassen oder sonstwie abführen, und sei es Abtropfen. Zunächst stellte man daraus Rennhemden für Fahrrad-Rennfahrer (sic!) her, dann wurden daraus Wandererhemden, Bergsteigerhemden etc. gefertigt. Schließlich entdeckte man, dass diese Fasern tropenfähig sein würden. Also immer dafür sorgen würden, dass man mit trockenen Hemden, Hosen oder Unterwäsche herumlaufen würde.
Denn die Outdoor-Kleidung, die viele dafür hielten, weil die Models in den Katalogen da immer mit im Freien herumliefen, die besteht nicht nur aus wasseraufsaugenden Cotton, nein schlimmer noch: aus den Jeans-Stoffen, also Segeltuch. Jeder weiß ja noch, woraus die Farmerkleidung von Lewis im Original herkam. Und so laufen bei uns im Isaan massenhaft vor allem die Angelsachsen mit kurzen Shorts aus Segeltuch herum und glauben, sie stünden in der Tradition von Indiana Jones - der allerdings ebenfalls nie in Jeans-Shorts, sondern in langen Hosen aus tropengeeigneten Fasern durch den tropischen Regenwald eilte.
Diese Kleidung gibt es massenhaft in den USA und Europa zu kaufen. Ist aber nicht billig. Deshalb kaufen sich viele lieber noch eine Bermuda-Shorts und ein Hawaii-T-Schirt, um sich fachmännisch auszurüsten. Macht aber alles nix. Man erkältet sich halt in den schlecht trocknenden Hosen und Hemden häufiger und nimmt halt TIFY - ein Kombinationspräparat mit gar kombinierten Nebenwirkungen. Als sporadischer Urlauber, der nur zu den schönsten Jahreszeiten in Thailand ist, merkt man davon ja auch gar nicht so viel. Aber eins ist irgendwie komisch: Die Auswanderer haben die Neigung in Thailand das ganze Jahr über zu bleiben. Vielleicht machen die gar andere Erfahrungen? Andere als die der Urlauber, die hier über das Auswandern sinnieren aber noch nicht einmal einen simplen Umzug nach Thailand auf die Beine stellen konnten.
