Ich möchte mal ein Beispiel bringen, wo es mich sehr viel Mühe gekostet hatte, mein Geld loszuwerden.
In einer mir vertrauten Bar hatte "eine Neue" angefangen. Aufmerksam wurde ich erst nach ein paar Tagen, weil sie sehr still und zurückhaltend war und immer allein sass, traurig dreinschaute und offensichtlich gar keine Kontakte zu Männern suchte.
Ich setzte mich also zu ihr und bot ihr einen Drink, den sie auch annahm. Wir kamen ins Gespräch und ich entlockte ihr ziemlich mühselig ihren persönlichen Hintergrund.
Sie war 30 Jahre alt und hatte ein siebenjährige Tochter, die derzeit bei ihrer jüngeren Schwester lebte, welche auch alleinstehend war und ein eigenes Baby zu betreuen hatte. Weitere Geschwister gab es nicht und die Eltern waren beide tot. Weit entfernt von zu Hause, versuchte sie nun diese kleine Familie zu ernähren.
Das aber klappte nicht. Sie hatte Angst vor Männern (auf Grund harter Erfahrungen) und insbesondere fürchtete sie sich vor Farang. Also ein ziemlich auswegloses Bemühen auf diese Weise Geld zu verdienen.
Es dauerte 3 Tage bis ich ihre Geschichte auf der Reihe hatte und immer, wenn sie von ihrem Kind erzählte unterdrückte sie mühsam die Tränen.
Sie war so lieb und sanft, daß ich mich bald in sie verliebte. Nachts lag ich dann allein in meinem Bett und dachte über mein Verlangen und ihre Bedürfnisse nach. Zuerst fragte ich mich natürlich, wie ich sie für mich gewinnen und versorgen könne. Doch dann kamen mir Zweifel, ob das für sie und ihr Kind, sowie für ihre Schwester der richtige Weg sein würde. Schliesslich entschloss ich mich zum Verzicht und fand einen anderen Weg.
An einem der folgenden Abende setzte ich meine Creditkarte ein und zog vom ATM 15.000 Bath. In der Bar steckte ich ihr dieses Geld zu und riet ihr, nach Hause zu fahren und mit diesem Geld sofort einen kleinen Marktstand im Dorf aufzumachen.
Dschum war völlig irritiert und weigerte sich hartnäckig das Geld anzunehmen, verliess sogar trotzig den Tisch, liess das Geld liegen und setzte sich woanders hin. Erst mit grösster Hartnäckigkeit meinerseits und viel Überredungskünsten, unter der Versicherung, daß sie keinerlei Verpflichtungen einzugehen habe, nahm sie nach mehr als 3 Stunden endlich das Geld, nahm mich in den Arm und sagte mir unter Glückstränen, daß von nun an ich ihr Pa sei.
Am nächsten Morgen fuhr sie heim und ich habe sie nie wieder gesehen.
Fast 6 Wochen später saß ich an der Theke einer anderen Bar, sehr traurig und allein, weil ich am nächsten Morgen zurück nach Deutschland musste. Völlig überraschend sprach mich plötzlich eine Blumenfrau an und fragte mich, ob ich die Handynummer von Dschum haben wolle. Ich war ganz irritiert und fragte, woher sie sie kenne. Es stellte sich heraus, daß sie eine Cousine war, Dschum tatsächlich einen Marktstand daheim aufgemacht hatte und sehr erfolgreich, glücklich und zufrieden damit war.
Ich habe die Telefonnummer nicht angenommen, aber diese Nachricht machte mich für den Rest meines letzten Abends in Thailand sehr glücklich.
Es waren nur 300 Euro, aber vier Menschen ermöglichte es ein Zusammenleben und eine bescheidene Versorgung und für mich wird es ewig eine schöne Erinnerung bleiben.
Gruss
Paddy