Andy, Franz und Harry

Diskutiere Andy, Franz und Harry im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Andy, Franz und Harry 1 Franz beugte sich tiefer über sein Weißbierglas und dachte nur noch: “Alles, nur das nicht!” Er war bereits entdeckt...
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Andy, Franz und Harry

1

Franz beugte sich tiefer über sein Weißbierglas und dachte nur noch:
“Alles, nur das nicht!”
Er war bereits entdeckt worden und eine schmale aber kräftige Pranke sauste auf die Schulter, so dass Franz beinahe mitsamt dem Barhocker umkippte.

“Hallo, Franz, immer noch Steuerflachgehilfe oder biste inzwischen zum Bürodiener aufgestiegen? Fliegste nach Thailand weil deine polnische Lieblingsnutte ihr Handy verloren hat?”
Franz musste sich nicht umdrehen, nur einer schaffte es, in eine Begrüßung mehrere Beleidigungen zu verpacken und das auch noch ungeheuer witzig zu finden.

Franz nippte an seinem Bierglas, betete, dass nicht the worst case eintreten und Andy auch nach Thailand fliegen würde und sagte freundlich:
“Hallo Andy, lange nicht gesehen! Schnauze voll von den Studentinnen, Frau und Kindern und Urlaub machen?”
Schlagfertigkeit war eigentlich eine Stärke von Franz, aber gegen Andy war kein Kraut gewachsen, da konnte man nur den Kürzeren ziehen.
Er trank sein Glas aus und rutschte vom Hocker an der Bierbar des Flughafen Berlin-Tegel.

“Urlaub? Nee, Austausch von Assistenten und Studenten im Rahmen eines internationalen Programms!” strahlte Andy.
“Und wo führt dich der Weg hin, Andy?” sagte Franz heiser und hoffte inständig “Oxford, Stockholm oder Wien” zu hören.
“Ramkhamhaeng University Bangkok! Wahrscheinlich muss ich den Baumaffen erst mal erklären, was ein Computer ist!”
Andy tippte auf eine flache Tasche: “Mein Laptop!”

Da war er nun also, the worst case, der GAU!
Wie konnte man so einen Mann auf Thailand los lassen? Wahrscheinlich wurde das gar nicht überprüft, es ging wohl nur um die fachliche Eignung. Franz wusste von Harry, dass Andy einen IQ von mindestens 140 hatte; der emotionale Quotient bewegte sich irgendwo im Grenzbereich von Null.
Warum hatte ihn Harry nicht gewarnt? Wusste er das selber nicht, dass Andy kommen würde? Hatte sich das kurzfristig ergeben?
Harry war schon eine Woche in Thailand. Franz konnte erst jetzt nach fliegen, weil er noch etwas dringendes für seinen Chef erledigen musste.
Einen Trost hatte Franz: Er würde während des Fluges nicht neben Andy sitzen müssen, da er kurzfristig seine Reservierung umgebucht hatte.
Und wo trieb sich Harry rum? Wahrscheinlich wieder in einem Frisörsalon, vermutlich aber nicht in Bangkapi, nachdem dort Fälle von Eierlikörvergiftung aufgetreten waren.


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MadMovie

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2

In Zürich war Franz der langbeinige, flinke Andy immer zehn Meter voraus, auf der Suche nach einer Raucherinsel. Franz war von der Natur eher etwas benachteiligt worden: Keine prägnante Erscheinung, die man sich merkte.

Andy dagegen war stolz darauf, dass man ihn viel jünger als 35 schätzte. Der älteste Student an der BTU Cottbus, aber die zehn Jahre jüngeren Studentinnen lagen ihm zu Füßen.

Franz hatte schon wieder ein Bierglas in der Hand, während Andy ihm den Rauch ins Gesicht blies und beiläufig bemerkte: “Spiegeltrinker!”
“Mal unter uns, Franz, der Harry ist doch nicht ganz dicht in der Birne! Fliegt zwei Mal im Jahr nach Thailand und ist zu blöd, eine flach zu legen!”
“Der steht eben nicht auf Nutten und die sogenannten bürgerlichen Miezen nehmen ihn nur aus”, ereiferte sich Franz und dachte daran, wie oft sie schon die Zeche bezahlt hatten für Frauen, die sie gar nicht näher kannten.
Der Flug wurde aufgerufen und sie hasteten zum Gate.
“Pah, der hat nur Angst vor AIDS”, sagte Andy selbstsicher, “jeder weiß doch, wie viele AIDS-kranke Prostituierte da rum laufen. Ich wäre auch lieber nach Indien oder Südafrika geflogen, als nach Thailand, wollte aber dem Professor nicht über den Mund fahren”, zischte ihm Andy ins Ohr.
Franz blieb wie immer ruhig und dachte sich, das machst du doch sonst immer.

Es musste hinter Andy`s Mission noch mehr stecken, sonst hätte der das abgelehnt. Franz nahm sich vor, das heraus zu finden.
Während des langen Fluges war Andy mit seinem Laptop und dem Monitor in der Lehne des Vordersitzes beschäftigt, während Franz nach zwei weiteren Bieren einschlummerte.

3

Sie passierten die Kontrollen im Don Muang Airport binnen weniger Minuten. Franz dachte daran, dass Harry dem Andy einen Adelstitel verpasst hatte, weil der nichts selbst machen wollte, aber immer die große Klappe hatte.

In der Ankunftshalle war von Harry nichts zu sehen, nur lauter kleinwüchsige Thaimädels, die die Hälse reckten.
Andy fummelte an seinem Handy. “Der Saftsack hat wieder mal sein Mobiltelefon nicht eingeschaltet!” knurrte er.
“Du bist hier in Thailand, Andy”, wagte Franz zu sagen.
“Mein Handy sagt mir das auch, Schlaumeier!”
“Mag sein, aber Harry hat womöglich eine inländische SIM-Card drin, die dein Handy nicht erkennt, ‘ne neue Rufnummer!”

Also wusste Harry, dass Andy kommen würde und hatte ihm nichts gesagt! Der würde Feuer bekommen beim abendlichen Umtrunk!
Andy rannte mit Koffer und Laptop-Tasche wie ein Bekloppter durch die Glastür und sprang auf die Strasse, um ein Taxi zu stoppen.
Bremsen quietschten und ein dunkelhäutiger Taxifahrerfahrer schüttelte den Kopf: “Farang baa!”
Franz gab sich gar nicht erst der trügerischen Hoffnung hin, dass Andy etwas passiert sein konnte - obwohl der Gedanke etwas faszinierendes hatte -, denn Unkraut vergeht nicht. Franz war schon mal hier gewesen und daher so etwas wie ein Thailand-Experte. Er packte sorgfältig sein Gepäck auf eine Karre, atmete die schwül-warme Luft ein und stellte sich in die Schlange am Glaskasten.
Andy kam angehumpelt, das Taxi musste ihn am Knie erwischt haben.

Franz heuchelte Mitgefühl.
“Musst du zum Arzt, Andy?”
“In dem Entwicklungsland, nur im Notfall! - Was soll’n der Quatsch hier?”
Andy versuchte, sich vorzudrängeln, wurde aber von einer englischen Touristin höflich zurück gewiesen.
“Haste die Titten von der gesehen, mein lieber Schwan, da ist mehr in der Bluse als bei den flachbrüstigen Thaimiezen!”

Als sich die Engländerin mit dem Zettel in der Hand umdrehte, musste Franz dem Andy recht geben: Blonde Haare, super Figur.
Ehe er es sich versah, landete das Gepäck von Andy auf seinen Füßen und der Don Juan sprang wieder mal vor ein heran rollendes Taxi.
Franz überlegte gerade, was er immer falsch machte und keine Frau kennen lernte.
Nach zwei Minuten war Andy zurück.
“Und?” schmunzelte Franz.
“Ihr Freund, der hier arbeitet, erwartet sie. Aber ich glaube, die war nicht abgeneigt,” grinste Andy.
“Telefonnummer?”
“Hab’ ich, aber nicht was du denkst - der Freund arbeitet in der IT-Branche!”

Inzwischen war Franz an der Reihe und trug sein Anliegen im fließenden Englisch vor.
“Die Dame will wissen, wo du wohnst, Andy!”
Der Angesprochene nestelte umständlich einen Zettel hervor. Es war eine Adresse in unmittelbarer Nähe des Rajamangala Stadions.
“Auch das noch!” dachte Franz.


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ChangLek

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.....Klasse: fängt gut an..... :-) :-)
 
MadMovie

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Harry stolperte ihnen auf der Freitreppe des Alexander Hotels in der Ramkhamhaeng Road entgegen, rotgesichtig und schwitzend wie immer.
“Wo hast du denn gesteckt, du Eiermaler?” schnauzte Andy.
“Herzlich Willkommen, Andy und Franz! Ich steckte im Stau und da ich es ohnehin nicht mehr schaffen würde, euch abzuholen, habe ich das Taxi umdirigiert.”

Harry sonnte sich in dem Gedanken, den beiden Newbies mal zu zeigen, wo in Thailand der Bartel den Most holt. Unter den Blinden ist der Einäugige König.
“Andy, du musst doch sicher zur Uni, um dich anzumelden?”
Harry wollte den unliebsamen Zeitgenossen so schnell wie möglich los werden.
Der Taxifahrer trommelte mit den Fingern auf das Blechdach des Autos.
“Also, dann, man sieht sich, Jungs!” sagte Andy und sprang wieder ins Taxi.

“Hoffentlich nicht. - Warum hast du mir nichts gesagt?” zischte Franz.
“Ich habe erst gestern die Email von seiner Frau bekommen. Komm’ erst mal rein, Franz! Freunde kann man sich aussuchen, angeheiratete Verwandte leider nicht! Ich wette eine Kiste Chang gegen zwei Singha, dass der in zehn Minuten sein Gesicht verliert!”
“Kontrollieren können wir es wohl schlecht”, sagte Franz.
“Ich glaube nicht, dass die den ein paar Monate hier behalten werden!”
“Monate?” Franz klappte die Kinnlade nach unten.
“So ein Austauschsemester dauert nun mal länger als ein paar Wochen.”
“Ich hoffe nur, wir sehen den nicht all zu oft”, seufzte Franz.
“Das wird sich nicht vermeiden lassen, ich habe Order, ihn im Auge zu behalten. - Checke erst mal ein, dann sehen wir weiter!”


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Nach zwei Bier im Hotelzimmer, die Harry spendiert hatte, waren sie zum Koh Lanta Restaurant gefahren. Das war ein typisches einheimisches Thai-Restaurant so wie sich Klein Fritzchen ein typisches einheimisches Thai-Restaurant vorstellt: Mit viel Teakholz, einem Teich, schummriger Beleuchtung und zierlichen, hübschen Kellnerinnen.

Harry wusste zwar nach vier Besuchen immer noch nicht so recht, wo sie eigentlich waren, aber der Taxifahrer war geduldig gewesen und hatte aus dem Kauderwelsch aus Englisch und drei Brocken Thai das Richtige heraus gepickt.

“Du bist doch nicht etwa rückfällig geworden?” fragte Franz besorgt nach dem ersten Bier des Abends an diesem Tisch und Harry ließ wieder den Experten heraus hängen in dem er sagte: “Nüng naamkäng!”
Was so viel heißen sollte, wie: “Nur einen Eiswürfel bitte!”
Franz konterte, in dem er nach einen “tikiaburi” verlangte.
Franz war stolz darauf, nach nur einem Thailand-Besuch schon Wortspiele, wie “yung yuung” zu beherrschen, was so viel heißen sollte, wie: “Die Mücke ist beschäftigt!”

“Zu deiner Frage, Franz: Zwei Angestellte meldeten sich nach dem Genuss von falsch gelagertem Eierlikör krank, die Chefin musste selbst arbeiten, seitdem ist endgültig Schluss!”
Franz atmete auf, auch wenn er die Chefin des Frisörsalons nur zehn Minuten entfernt von hier, ganz nett gefunden und sie viel gelacht hatten.

“Und warum hast du dich und mich wieder hier einquartiert?”
“Vertraute Umgebung”, antwortete Harry wortkarg.
Die Kellnerin fragte im gebrochenen Englisch, ob sie das Essen bestellen wollten, aber Franz winkte ab: “Later!”
“Und du bist die letzten fünf Tage allein hier herum getigert, so ganz ohne Reiseleiterin?” hakte Franz grinsend nach.
“Ganz so ist es nicht, aber doch nicht so, wie es immer war”, sagte Harry leise.

Die beiden hatten plötzlich eine Erscheinung, welche den unteren Teil der Gesichtsmuskulatur für einige Sekunden lahm legte.
Es war nicht etwa dem Umstand geschuldet, dass Andy unerwartet hier auftauchte, sondern seine Begleiterin zog alle Blicke auf sich.


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bigchang

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mach bitte schnell weiter,endlich wieder ne geschichte von dir und die faengt auch noch sooooo gut an :super: :bravo: :bravo: :bravo:

gruesse matt :wink:
 
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Falls ich mal nach Guernsey komme, werde ich bei dir speisen!
Du bist wirklich eine treue Seele, Matt! :wink:
Geht heute Abend weiter...
 
Jim Thompson

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@MadMovie, mal wieder recht angenehm und kurzweilig geschrieben. Es wird ja auch noch sehr interessant :super: (ich hab schon mal ein wenig geschnüffelt)
 
bigchang

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guernsey
das haengt einfach mit deiner schreibweise zusammen,liest sich gut und ist sehr kurzweilig und unterhaltsam,wann kommt da mal ein buch?liest sich einfacher als am computer

gruesse matt :wink:
 
bigchang

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guernsey
Jim Thompson" schrieb:
@MadMovie, mal wieder recht angenehm und kurzweilig geschrieben. Es wird ja auch noch sehr interessant :super: (ich hab schon mal ein wenig geschnüffelt)
wo kann man denn das?bin jetzt neidisch :lol:

gruesse matt :wink:
 
Jim Thompson

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@MM oder @SM, ist doch egal, uns scheint es hier recht gut zu gefallen. Also lass Dich bloß nicht blöd anmachen und mach weiter so. :super:
Immer gern gelesen ... :wink:
 
MadMovie

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Ein zufälliger Beobachter hätte schnell ein Urteil gefällt: Schickes, kurzes Kleid, dezentes Make-up, teure Uhr - Freelancerin der höchsten Kategorie!
“Meine Betreuerin von der Uni, Lily!” hörte Harry und zwang sich dazu, die Kinnlade wieder nach oben zu fahren und den Blick auf Andy zu richten.

Deine Betreuerin in jeder Beziehung?” grinste Franz und entblößte seine Schneidezähne.
“Sawadee khrap, khun Lily”, sagte Harry freundlich und machte artig einen Wai, der erwidert wurde.
Franz schüttelte den Kopf. Was nur wieder in Harry gefahren war? Einen Wai gegenüber einer Frau, die er gar nicht näher kannte.
“Soll ich das übersetzen, so wie es gemeint war?” giftete Andy in Richtung des vorlauten Franz.
“Sawadee kaa!” strahlte die Schönheit sie an.
Die zierliche Kellnerin wuselte um den Tisch und Lily bestellte nach einem kurzen Blick in die Speisekarte für alle.
Franz, der immer vehement eine weibliche thailändische Begleitung abgelehnt hatte, überdachte gerade seine Einstellung angesichts dieses akademischen Fotomodells.

“Ich möchte doch darum bitten, dass wir die Unterhaltung in Englisch fortsetzen - es wäre unhöflich gegenüber Lily, weiter Deutsch zu quatschen”, sagte Andy und übersetzte es freundlich grinsend.
Das Essen wurde aufgetragen und alle stopften Reis, Gemüse und frittierten Fisch in sich hinein.

Andy brach als erster die von ihm selbst aufgestellte Regel und erklärte mit vollem Mund auf Deutsch: “Was ihr nur immer habt? Lange nicht so scharf, wie die Fischsuppe von Ferenc in Ungarn!”
Lily schaute ihn mit hoch gezogenen Augenbrauen an und Andy übersetzte artig, was er gerade gesagt hatte.

“Treffpunkt Lokus?” zischte Harry seinem Freund Franz ins Ohr.
Auf dem Weg zum hong naam überlegte Harry, in welchem Teil der dänischen Serie “Die Olsenbande” das gesagt worden war. Auf jeden Fall erinnerte es ihn an seinen Spitznamen, den er 1985 erhalten hatte, als es ihm beinahe gelungen war, ein Hotel in Moskau-Ostankino in die Luft zu sprengen - “Dynamit-Harry”.
“Du hast doch gesagt, Egon, Treffpunkt Lokus!” feixte Franz, den Original-Dynamit-Harry zitierend.
Fasziniert betrachtete er den auf- und abwandernden Strahl.
“Das geht nicht gut, der kann nicht aus seiner Haut!”
“Die Metamorphose hat schon begonnen. Ich hoffe, die Lily hat hervorragende pädagogische Qualitäten!”
“Ein hoffnungsloser Fall”, war sich Franz sicher.
“Bad guys have all the luck”, pfiff Harry vor sich hin.
“Rod Stewart. Du hast nur ein Wort verändert!” Franz war hier der Experte für Rock- und Popmusik.
“Falls jemals zwischen den beiden Süßen da draußen etwas laufen sollte, würde ich es als Letzter erfahren”, sagte Harry und zog den Reißverschluss wieder hoch. Dabei überlegte er, wen man als Spion für den Campus anheuern könnte.

“So, dann wollen wir mal nach fragen, ob die noch Holzkügelchen hin und her schieben oder schon richtige Rechenmaschinen benutzen”, lachte Franz.
“Erinnere den Andy nur nicht daran. Der wird behaupten, so etwas nie gesagt zu haben.”

Als sie an den Tisch zurück kamen, waren Lily und Andy in ein Fachgespräch vertieft. Franz und Harry hatten zwar täglich mit Computern zu tun, waren aber keine Experten. Lily und Andy erklärten ihnen geduldig, worum es eigentlich ging: Sie hatten beide schon das Vordiplom für Business Administration und Informatik in der Tasche. Solche Fachleute wurden weltweit gesucht.
Jeden zaghaften Hinweis, dass er ursprünglich nur widerwillig in dieses “Entwicklungsland” gereist war, hätte Andy entrüstet zurück gewiesen.
Lily musste mal kurz für kleine Mädchen verschwinden und Andy nahm Harry beiseite:
“Überlege dir gut, was du in der Email schreibst. Da läuft nichts und ich habe ihr gesagt, dass ich Frau und Kinder habe!”
Die verheirateten Kerle sind die schlimmsten, dachte Harry, sagte aber nichts.


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Jim Thompson

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Na siehste, es geht doch. Dann kann ich ja jetzt in´s Bett gehen ...

O.K. ich höre jetzt auch auf! :lol:
 
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Andy und Lily verabschiedeten sich sehr bald mit dem Hinweis, morgen wieder zeitig auf dem Uni-Gelände sein zu müssen.
“Wir sehen uns vielleicht am Wochenende”, drohte Andy.

“Es steckt auf jeden Fall mehr dahinter. Es passt gar nicht zu Andy, etwas zu verschweigen, was die eigene Person ins Licht rückt, aber diesmal macht er es”, sinnierte Harry.
“Fortsetzung der Tagung in Zimmer 408?” fragte Franz und nippte am Bier.
“Wir warten.”
“Worauf und auf wen vor allem?” Franz war jetzt neugierig geworden.
“Von zwei verschiedenen Leuten in zwei völlig unterschiedlichen Internet-Foren wurde mir gesagt, ich solle mich treiben lassen.”

“Ich kenne dich schon ein paar Jahre, du lässt dich nicht treiben, du planst! Was hast du diesmal ausgeheckt?” bohrte Franz.
“Außerdem hast du mal gesagt, in den Internet-Foren hauen sich nur selbst ernannte Experten gegenseitig die Taschen voll!”
“Ich halte es mit Andy: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!”
“Das hat mal ein Politiker gesagt, ich weiß nur nicht mehr, ab es Churchill oder Adenauer war. Du weichst mir aus - warum sitzen wir hier noch rum? Ich habe Mekhong und Singha im Kühlschrank gebunkert!”
Die Frage von Franz wurde schneller beantwortet, als er glaubte. Eine junge Frau mit glatten, langen schwarzen Haaren trat an den Tisch, murmelte:
“Sawadee kaa!” und deutete einen Wai an.
Franz hielt die zunächst für eine neue Kellnerin und wollte schon bestellen, aber Harry bat die Dame, Platz zu nehmen.

“Das ist Pom, sie musste heute länger arbeiten!”
“In Patpong?” griente Franz und kam sich ungeheuer witzig vor.
“Jeder andere wäre für diese Frage in den Teich geflogen, das weißt du nur zu gut, mein lieber Franz!” drohte Harry.
Pom machte große Augen und Harry übersetzte das Gesagte ohne den Hinweis auf Patpong. Die junge Frau verstand zwar mangels perfekter Englischkenntnisse nicht alles, hatte aber doch den Namen des verrufenen Distrikts heraus gehört.

“I’m working at Pratuman Market”, sagte sie und überspielte ihre Abneigung gegenüber Franz mit einem Lächeln.
“Warum habe ich nur Franz wieder einfliegen lassen, wo ich doch genau weiß, dass der jedes aufgestellte Fettnäpfchen zielsicher ansteuert”, schalt sich Harry.

Franz musterte Pom und kam zu dem Schluss, dass sich Harry nicht unbedingt verbessert hatte. Sie hatte eine im Vergleich zu anderen Thaifrauen kräftige Statur, war aber nicht korpulent. Sie war ansehnlich, aber kein Vergleich mit der Verflossenen von Harry.

Im weiteren Verlauf des Abends stieg Franz so langsam dahinter, was an der Neuen anders war: Sie hing Harry an den Lippen, sagte kaum ein Wort und gab ihm Feuer, wenn er rauchen wollte. Kein Vergleich mit der selbstbewussten Friseurmeisterin, die zwar nicht wusste, was sie wollte, aber das mit aller Kraft.

Wenn Harry in diesem Fall konsequent weiter machte, mit Einladung nach Deutschland und allem Pipapo, dann sah Franz seine Felle davon schwimmen. Gute Freunde waren nicht so dick gesät und wer erst einmal unter die Fuchtel einer Frau geriet, war zwar nicht verloren, aber nicht mehr derselbe Freund wie vorher. Diese Erfahrung hatte Franz schon mehrfach gemacht.
Er würde versuchen, diese Beziehung zu torpedieren, ohne dass die beiden es merkten. Stille Wasser sind tief, deshalb war diese Pom zehnmal gefährlicher als die Friseurin - so viel stand fest.


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