Teil 29:
Er fand zwar den Ort „Ban Suan Man“ auf der Karte, aber der war rund 6 bis 7km nördlich von Trang, Adolf wusste, dass sie jetzt aber 30km westlich von Trang sind. Eine Umfahrungsstraße von Trang suchte er vergeblich, so biss er in den sauren Apfel, - er fuhr Richtung Trang Downtown!
Oi war das nur recht, sie bestätigte, sich in Trang bestens auszukennen.
Nach rund einer knappen, halben Stunde Fahrt erreichten sie die breite Einfallstraße ins Zentrum. Das dies die Geburtsstadt von Chuan Leekpai war, den ehemaligen Premier Minister, der 1992 diesen Posten das erste mal inne hatte, wusste Adolf nicht, woher und wozu auch?
Aber Oi auch nicht!
November 1997 wurde Leekpai wieder mit seiner Demokratischen Partei Premier Minister. Er setzte sich stark für seine alte Heimat, den Süden Thailands, ein, - konnte man auch, nicht zuletzt an den Kautschuk Preisen ablesen. 2001 wurde er dann vom Dollar Milliardär Shinawatra abgelöst, die Thai liebende Thai Ära begann.
Adolf fielen die dunkelgrünen, lustigen Tuk Tuks sofort auf. Diese Ausführung kannte er noch nicht, diese Dinger sind auch hauptsächlich nur im Süden des Landes vertreten.
Sie schwammen jetzt mit dem starken Verkehr mit, auf sein Nachfragen, wo sie denn jetzt seien und wohin sie mussten, wusste Oi trotz mehrmaligen Nachfragen keine Antwort. „Ich dachte, du kennst dich hier aus...“ brummelte er in seinen nicht vorhandenen Bart.
Er war etwas gestresst, hatte er doch Null Plan, wie er jetzt die richtige Ausfallstraße finden sollte, alles war nur mehr spärlich beschildert und auch nur mehr in Thai Buchstaben. „Telefon your home?“ raunzte er Oi an! “Mai Mi Torasap (kein Telefon)”, antwortete Oi. Adolf wurde immer aufgeregter: „What ist Telefon Nummer Mama Papa?“ wurde er jetzt immer lauter. Oi sah ihn mit großen Augen an... „Was will er denn jetzt von Mama und Papa? Die sind doch schon lange tot!“ Sie lächelte ihn an, doch Adolf war gar nicht nach Lächeln zumute. Er hatte sich aber soweit im Griff, das er keinen cholerischen Anfall bekam. So fuhren sie weiterhin stumm mit dem fließenden Verkehr mit. Adolf überlegte fieberhaft und nun sichtbar sehr erregt, wie sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommen. „Wieso versteht Oi ‚Telefon’ nicht“, dachte er sich verärgert, wie gerne hätte er jetzt Zack, den Südtiroler, gefragt.
„Tilak, STOP, STOP“, meldete sich jetzt Oi lautstark. „What is los?“ schaute er genervt zu ihr auf den Beifahrersitz. „Pi Chai, Pi Chai (älterer Bruder)!“ schrie sie jetzt und deutete auf einen Markt am Straßenrand. „Nein, jetzt wird nichts gegessen, wir wollen in dein Zuhause!“ Adolf fuhr im Schritt Tempo einfach ungebremst weiter.
Oi ließ nicht locker und schrie aus dem runter gekurbelten Fenster: „Pi Chai kha!!!“
„Jetzt sei doch endlich mal ruhig, wir essen jetzt nichts!“ reagierte Adolf genervt, den langen, dürren Thai, der auf den SUZUKI Jeep zurannte, sah er nicht.
„Tilak, Stop now, please!“ Adolf wollte gerade wieder Gas geben, als er den Dürren sah, wie er Oi anpöbelte... - so dachte er zumindest. „Was will denn der Dürre da? Oi, mach sofort das Fenster close!“ „Tilak! Pi Chai!“ „Was?“ Adolf stoppte den Jeep. “Brother me”, stellte Oi den Dürren vor.
Endlich begriff Adolf, das dieser Typ anscheinend einer der Brüder von Oi war. „Du Brother Oi?“ versuchte er den Dürren anzusprechen. „Arai na? (Wie bitte?)“ schaute der Dürre Adolf an und lächelte, er musste so an die 50 Jahre alt sein.
Adolf erkannte die Lage und machte einen holprigen Wai. Sichtlich sehr erheitert lachte der Dürre ins Auto und sagte: „Sawadee Farang“ ...und machte natürlich keinen Wai.
„Ist das dein Farang aus Deutschland?“ fragte der Dürre nun Oi. „Er hat ein gutes Herz und ist stinkreich!“ sagte Oi in lauten Worten. Der Redeschwall schien jetzt nicht mehr abzubrechen, die Beiden plapperten jetzt laut durcheinander und lachten herzhaft oder doch boshaft? Schnell waren 10 Leute an Adolfs Jeep und begutachteten den Beamten aus Mönchen Gladbach.
Adolf war jetzt etwas überfordert, er fühlte sich etwas, wie ein exotisches Tier in einem Zoo. Andauernd kamen Leute an sein Fenster, lächelten ihn an, und palaverten wild durcheinander. Sie wurden zum Aussteigen aufgefordert und an einen Stand auf dem Markt geleitet. Sofort wurde eine Matte ausgebreitet und Adolf und Oi sollten Platz nehmen. Schnell wurde Beiden ein Glas kaltes Wasser gereicht. Unser Beamter war das erste Mal auf einen richtigen, einheimischen Markt. Seine große, rote Nase wurde mit den verschiedensten Gerüchen konfrontiert, die er nicht kannte. Trotzdem genoss er die wahnsinnige Aufmerksamkeit der Eingeborenen, - so im Mittelpunkt stand er noch nie in seinen Leben.
Adolf fiel auf, wie Oi von allen möglichen Leuten angelabert wurde, - kannte sie die Alle?
Da er mit den Leuten keine große Konversation führen konnte, beobachtete Adolf aufmerksam das Treiben um ihn herum. Irgendwie machte Oi Adolf klar, das ihr älterer Bruder Chiap hieße und hier mit seiner Frau einen Marktstand für Gemüse und Obst hätte. In einer Stunde wollen sie nach Ban Suan Man aufbrechen, der Bruder wohnt gleich neben dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist.
Nach rund eineinhalb Stunden wurde der Stand abgebaut und auf zwei uralte HONDA Dream mit klapprigen Beiwagen verfrachtet. Ein Moped wurde vom dürren Chiap gesteuert, das andere von seiner Frau. Adolf wurde klar gemacht, das er ihnen mit dem Jeep folgen sollte.
Natürlich bauten jetzt auch alle anderen Marktleute ihre Stände ab, ein quirliges Getümmel entstand, die Leute liefen kreuz und quer durcheinander, die Mopeds hupten, lautes Hühner Gegacker, der Imam in der Nebenmoschee stimmte sein lautes Abendgebet, in 1000 Watt Lautsprechern, an und unser Beamter vom Arbeitsamt mittendrin. Exotik pur!
Irgendwie schafften sie es, aus dem Gewühl rauszukommen, Adolf folgte brav den beiden Mopeds.
Auch in Trang gibt es eine Art Feierabendverkehr, so brauchten sie rund eine dreiviertel Stunde, um die Innenstadt zu verlassen. Danach ging es nördlich auf eine relativ gut ausgebaute Landstraße. Nach einigen Kilometern bogen sie links in einen Feldweg ein. Inzwischen war es auch schon sehr dunkel, sodass Adolf etwas Mühe hatte, den Mopeds auf diesen engen Weg zu folgen.
Ein komisches Gefühl schien sich immer mehr in Adolfs Magen einzuschleichen.
Nach ungefähr 10 Minuten Schaukelei sah Adolf in seinem Lichtkegel der Scheinwerfer, einen Bretterschuppen, der vermutlich für die Tiere auf der Farm diente.
Die beiden Beiwägen stoppten und wiesen Adolf an, das Auto abzustellen.
Mit weit aufgerissenen Augen blickte Adolf durch die Windschutzscheibe.
- Hang on, Guys -