Fortsetzung Kapitel 18
Zur gleichen Zeit stieg Lek nur wenige Meter entfernt aus einem Minibus und ging zum Hoteleingang. Sie sah Bernd im offenen Hotelrestaurant sitzen, vor sich ein Glas Wasser und ein Zigarillo, das er nervös zwischen zwei Fingern hin und her rollte. Offenbar wurde er von zwei Beamten in Zivil bewacht.
Bernd sah Lek kommen. Das lange braune Haar, die bronzefarbene Haut - eine Sinfonie in Brauntönen, dachte er. Seine Stimmung hellte sich wieder ein wenig auf. Nur die dunkelbraunen Augen wurden noch von einer modischen Sonnenbrille verdeckt. Lek legte besitzergreifend einen Arm um Bernd’s Schulter, rückte einen Stuhl heran und nahm Platz.
“Verschwinde!” knurrte der eine Geheimdienstmitarbeiter.
“Ich bin die zukünftige Frau Kluga”, sagte Lek etwas unsicher, da sie nicht mehr wusste, wie der Name richtig ausgesprochen wird.
Und Bernd erlebte eine Premiere: Sein Gegenüber verzog den Mund zu einem breiten Grinsen.
Na siehst du, es geht doch, dachte Bernd.
Für das Grinsen gab es nur eine Erklärung...
Lek hatte sehr schnell begriffen, was das anzügliche Lächeln zu bedeuten hatte und knallte ihren TAT-Ausweis auf den Tisch.
“Ich möchte nicht, dass unschuldige Touristen ohne Grund festgehalten werden”, sagte Lek selbstbewusst.
Der Mitarbeiter des Geheimdienstes lächelte noch breiter und zeigte seinen Ausweis.
“Unschuldig?” sagte der Mann.
Mal abgesehen davon, dass ich gemeinsam mit der russischen Mafia thailändische Staatsbürger, die auch nicht gerade rechtschaffen zu nennen waren, festgesetzt habe, bin ich wirklich unschuldig, dachte Bernd.
“Ich möchte ihren Vorgesetzten sprechen, unverzüglich!”
“Sie wünschen mich zu sprechen, Herr Krüger?” sagte ein Herr in nahezu akzentfreiem Deutsch, der einen maßgeschneiderten dunklen Anzug trug.
Die beiden anderen sprangen auf, machten einen Wai und bezogen Posten - der eine an der Strasse, der andere in der Nähe der Rezeption.
Der junge Mann, dessen stechende Augen Lek und Bernd musterten, nahm auf einem der frei gewordenen Stühle Platz.
“Sie können von mir aus hier bleiben als Vertreterin der Tourismusbehörde, wenn Sie Wert darauf legen”, sagte der Neuankömmling zu Lek.
“Ich bin Rangsan Saithong, habe an der Humboldt Universität zu Berlin Politwissenschaften studiert, dann im Außenministerium gearbeitet und bin jetzt Koordinator für die Suchmaßnahmen nach unserer Mitarbeiterin.”
Das wurde aber auch Zeit, dachte Bernd fast ein wenig erleichtert.
Andererseits war ihm sofort klar, dass mit dem Mann nicht gut Kirschen essen war.
“Darf ich fragen, warum die Suche nach Nong erst jetzt so zielgerichtet koordiniert wird?”
“Sie dürfen eigentlich nicht, aber ich habe nichts zu verbergen. Sie waren meinem Vorgänger im Amt immer einen Schritt voraus. Aber jetzt zu ihnen, Herr Krüger! Wir haben unsere alten Datenbanken durchforstet. Sie sind am 15. Februar 1988 als Dipl.-Ing. Dorfmann hier eingereist, angeblich, um Druckereimaschinen zu verkaufen. In Wirklichkeit haben Sie mit Diplomaten aus dem anderen Teil Deutschlands Whiskey getrunken!”
Bernd verschluckte gerade einer seiner vorlauten Bemerkungen.
“Mit einem Diplomaten ein Gläschen Whiskey zu trinken, ist nicht strafbar, wohl aber Spionage für ein kommunistisches Regime! Sie waren Mitarbeiter der Hauptabteilung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, ihre ganzen Alias-Namen möchte ich hier gar nicht aufzählen.”
Rangsan Saithong übersetzte einiges für Lek, aber natürlich nicht alles.
Meine Vergangenheit holt mich ein, dachte Bernd.
“Ich habe dem Königreich Thailand nicht geschadet”, sagte er tonlos.
“Nein, das haben Sie nicht. Aber diesmal sind Sie als Tourist eingereist, um sich mit kriminellen Elementen zu verbünden. Dass die Suche nach Vermissten Aufgabe der Polizei ist, wurde ihnen schon einmal erläutert, Sie haben die Warnung missachtet. Aus diesem Grund wurde entschieden, Sie des Landes zu verweisen. Sie haben bis morgen 12 Uhr Zeit, das Königreich Thailand zu verlassen!”
“Aber ich....” versuchte Bernd einen Einwand.
Saithong stand auf, ging um den Tisch und beugte sich ein wenig herab.
“Das ist nicht meine Idee. Der Befehl kommt von ganz oben. Persönlich habe ich sogar ein wenig Verständnis dafür, dass Sie ihrem Freund helfen wollten.”
Eine beeindruckende Persönlichkeit in Uniform betrat das offene Restaurant.
Selbst ein Mann mit viel Lametta auf den Schultern kann mir jetzt nicht mehr helfen, dachte Bernd.
wird fortgesetzt...