Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

Diskutiere Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Kapitel 16 Pairat hatte durch einen Telefonanruf erfahren, dass man ihn gefeuert hatte. Nicht einmal Potaram war persönlich am Apparat gewesen...
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Kapitel 16

Pairat hatte durch einen Telefonanruf erfahren, dass man ihn gefeuert hatte.
Nicht einmal Potaram war persönlich am Apparat gewesen, sondern nur dessen Schwager. Diesen Gesichtsverlust konnte Pairat keinesfalls auf sich sitzen lassen. Er besorgte sich aus Bangkok neue Weggefährten, was nicht allzu schwierig war.
Zum einen hatte sich in der Unterwelt noch nicht herum gesprochen, dass er bei Potaram in Ungnade gefallen war, zum anderen versprach Pairat großzügige Entlohnung für den Erfolgsfall und der hieß:
Die Tochter des Generals Pittayarat wieder zu ergreifen, in den Süden zu bringen und danach bei Presse und Fernsehen durch sickern zu lassen, dass Potaram dahinter steckte.
Als nächstes würde man den Schwager beseitigen müssen.
Aber zunächst galt es, den ersten Schritt umzusetzen.
Pairat machte sich mit seinen Männern auf nach Phuket.


Bernd und Nong wurden mit dem PKW der Zivilbeamten zur Polizeidienststelle von Phuket Town gefahren, um Bernds Aussage am Computer zu protokollieren.
Gerade eben wurde das matt glänzende Präzionsgewehr durch das Zimmer getragen und Bernd fragte, ob er einen Blick darauf werfen dürfe.
“Hm, sieht aus wie eine Arbeit des Meisters Meijer aus Johannesburg, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Ein Einzelstück.”
Bernd betrachtete das Gewehr wie ein Kunstwerk.
“Ihre Angaben haben sich alle bestätigt, Mister Krüger! Wir haben sogar die Patronenhülse gefunden. Im Hinterkopf des Opfers steckt vermutlich noch das Geschoss. Sie dürfen gehen, Mister Krüger, vielen Dank!”
“Und was ist mit Mister Weise? Da das Opfer erschossen wurde, ist er unschuldig.”
“Wir müssen das Ergebnis der Obduktion abwarten, was die maßgebliche Todesursache war”, sagte der Kriminalist ernst.
Nong mischte sich ein: “Mister Krüger, ich selbst und mein Bruder Udai Pittayarat verbürgen sich dafür, dass Mister Weise nicht die Insel verläßt bevor alles geklärt ist!”
Khun Tongthai schien einen Moment zu schwanken, aber der Name Pittayarat war wohl bekannt und gab den Ausschlag.
“Also gut. Mister Weise hält sich zu unserer Verfügung, bis der Fall abgeschlossen ist. Und Sie passen gut auf ihn auf! Da ich Ihnen vertraue”, Tongthai machte eine bedeutungsschwangere Pause, “muss sich Mister Weise nicht jeden Tag bei der Polizei melden. Die Flughäfen und Häfen werden natürlich überwacht.”
Peter wurde von zwei Polizeibeamten eskortiert zu ihnen gebracht und rieb sich die Handgelenke.
“Hattest du Klimananlage und Minibar oder die Thai-Variante zusammen mit Kathoeys, Serienmördern und Krabbeltierchen?” fragte Bernd.
Peters Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen.
“Du ahnst gar nicht, wie ich deine launigen Sprüche vermisst habe!”
“Zweimal Knast in einem Urlaub reicht ja auch oder willst du eine Artikelserie darüber schreiben? Ach übrigens, du und Nong könnt schon mal den Baum putzen, wir feiern Weihnachten hier!"
Da Bernd als Zeuge und Helfer der Polizei gedient hatte, organisierte das Königreich Thailand auch den Rücktransport nach Patong.
Bernd fragte den Fahrer, ob er auf dem Beifahrersitz Platz nehmen dürfe, denn das junge Paar hinten hatte jede Menge Gesprächsbedarf.
Nong umklammerte Peters Hand.
“Ich habe dich vermisst, Peter!”
“Ich dich auch!” Er küsste sie auf die Wange.
“Mich hat nur gestört, dass du nicht dabei warst, als Bernd und die Russen mich befreit haben. Du wolltest das wohl den Profis überlassen.”
Sie lächelte und knuffte ihn in die Seite.
“Die Sache mit Lek tut mir leid. Ich wollte...”
“Lek, diese Schlange! Ich werde kein Wort mehr mit ihr wechseln, sie hat dich verführt!”
Peter riss die Augen auf und verkniff sich jeden Kommentar.


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Pee Niko

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:bravo: :bravo: :bravo:

Habe die Story heute erst "entdeckt" und sie in einem Satz verschlungen!

Ich hoffe, ich riskiere beim Chef nicht ´ne Abmahnung, weil ich mich nicht von der Geschichte lösen konnte...

Nur weiter so :super:

Gruß von Niko
 
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Pee Niko" said:
Ich hoffe, ich riskiere beim Chef nicht ´ne Abmahnung
Mein unmittelbarer Vorgesetzter hat heute in der Messwarte (der Chemieanlage) meine Notizen gesehen und gefragt, ob ich einen Roman über die Chemiebude schreibe und er jetzt aufpassen muss, was er sagt. :-)
Ich konnte ihn beruhigen: Ist ja nur eine Internet-Fortsetzungsgeschichte mit Thailand-Background.
Viel Spass beim Lesen, Pee Niko und allen anderen! :wink:
Fortsetzung jetzt sofort!
 
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Fortsetzung Kapitel 16

Nong hatte die undankbare Aufgabe übernommen, Wan’s Familie zu informieren. Dabei nahm sie es mit der Wahrheit nicht so genau und behauptete, man hätte auf sie geschossen, um sich an ihrem Vater zu rächen. Der Täter hatte aber leider Wan getroffen. Als Nong dann mit dem Onkel telefonierte, bat Peter darum, mit dem Lehrer Mongkut in Rayong selbst sprechen zu dürfen.
Bernd ließ den Fahrer des zivilen Fahrzeugs der Polizei an einem Tempel in der Nähe von Chalong halten.
Sie kauften Lotusblumen und Räucherstäbchen und gedachten der jungen Frau, die so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde.
Bernd beobachtete aus den Augenwinkeln die beiden anderen.
Peter war blass, schien sich aber wieder gefangen haben.
Nong’s Gesicht war tränenüberströmt. Bernd ahnte zumindest, wie es jetzt in ihr aussah.
Nur weil sie in Pattaya Unterschlupf gesucht hatte, musste ihre Freundin sterben.
Während der restlichen Kilometer bis Patong sprach niemand ein Wort.
Peter war immer noch so durcheinander, dass er nicht einmal nach der Handverletzung von Nong fragte.
Sie machten sich auf den Zimmern frisch. Nong bekam ausgerechnet Zimmer Nummer 418, es war kein anderes frei.
Es gab in der Wand von Peter’s und Bernd’s Zimmer eine Verbindungstür zum Nebenraum.
Plötzlich hörten sie, wie ein Schlüssel im Schloss gedreht wurde und die Tür leise quietschend, als wäre sie lange nicht geölt worden, aufsprang.
Bernd war schon halb angezogen, aber Peter kam gerade nackt aus dem Badezimmer.
Nong hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht los zu prusten.
Unglaublich, wie schnell Thaifrauen den Schalter umlegen können, dachte Bernd.
“Gewöhn dich schon mal an den Anblick, wenn du ihn wirklich heiraten willst, meine Liebe!”
“Ich werde heute Nacht die Tür einen Spalt offen lassen und wenn ich schreie, vertreibt ihr die Mörder!”
Peter zog sich hastig an.
“Ich habe noch einen besseren Vorschlag, meine Liebe. Wir tauschen die Zimmer und du kannst dich an Peter’s breite, behaarte Brust kuscheln!”
“Wofür hälst du mich?” Nong warf empört ein Kissen nach Bernd.
Nachdem Bernd sein Hemd zugeknöpft hatte, bat er die anderen, auf dem Balkon Platz zu nehmen.
“Wir müssen vielleicht sogar bis Ende des Jahres hier bleiben, Auflage der Polizei. Das heißt aber nicht, dass wir uns in den Zimmern einschließen müssen. Wir können da draußen herum spazieren. Beachtet bitte folgendes...”
“Ich hatte selbst eine Ausbildung”, schmollte Nong.
“Aber ich habe die Erfahrung, okay? Wir haben eine Chance, alle gesund nach Deutschland zu kommen, wenn wir stets zusammen bleiben. Der beste Schutz sind grosse Menschenmassen. Und ich hoffe mal, dass McCormick gefasst wird, bevor er sich eine neue Waffe beschafft.”
“Und was ist mit Pairat?” fragte Nong.
“Du glaubst also, den sind wir noch lange nicht los?” fragte Bernd besorgt.
“Er hat sein Gesicht verloren und wird sich rächen wollen”, sagte Nong nachdenklich.
Peter verstand nur Bahnhof, denn bisher hatten sie keine Gelegenheit gehabt, über die Ereignisse in Pattaya zu sprechen.
Die Drei schlenderten die Thavee Wong Road entlang, immer darauf bedacht, dass noch Menschen zwischen ihnen und der Bordsteinkante waren. Das war nicht besonders schwierig, denn jetzt in der Hochsaison drängelten sich viele Einheimische und Touristen vor den Verkaufsständen.
Von einer Bühne schallte Musik herüber. Ein Tourist kam auf sie zu und musterte misstrauisch Nong.
“Ich habe schon auf Sie gewartet, Herr Weise. Wir waren doch verabredet!”
Und an Bernd und Nong gewandt:
“Dr. Wolfgang Werner aus Hamburg!”
“Bernd Krüger aus Berlin und das ist Nong, die Verlobte von Herrn Weise”, übertrieb Bernd ein wenig.
Dr. Werner wirkte irritiert, hatte er doch Lek für Peter’s Freundin gehalten.
“Hören Sie, Dr. Werner, wir hatten einen schweren Tag, eine Bekannte ist ermordet worden und Herr Weise war inhaftiert...”
“Ist schon gut, Bernd, das geht klar! Aber nicht hier, nach Musik ist mir heute nicht zumute.”


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Fortsetzung Kapitel 16

Sie gingen ein paar Schritte zurück in Richtung ihres Hotels und nahmen Platz in einem anderen Restaurant. Auf der flachen Bühne wurden sonst traditionelle Thai-Tänze von anmutigen Mädchen dargeboten, wie Peter an anderen Abenden festgestellt hatte, aber heute fand keine Show statt.
Sie bestellten beim Kellner Wasser und Bier und einen Schoppen Weißwein für Dr. Werner.
“Darf ich mich nach dem Befinden der Gattin und der Tochter erkundigen?” fragte Peter zerstreut.
“Nun, meine Frau ist müde und im Hotel geblieben. Meine Tochter ist mit zwei jungen Schweden im Phuket FantaSea.”
Peter runzelte etwas die Stirn.
“Keine Sorge, die kann auf sich aufpassen”, sagte Wolfgang Werner.
Bernd nahm einen Schluck Mineralwasser.
“Was ist denn in dich gefahren, alter Schluckspecht?”
“Eine leichte Alkohol-Allergie nach einem Umtrunk mit russischen Freunden.”
“Darf ich Sie fragen, Dr. Werner, warum Sie sogar im Urlaub Interviews geben?”
“Zunächst mal - ich bin Wolfgang!”
Sie prosteten sich zu und Peter sagte:
“Okay Wolfgang, ich bin der Peter!”
“Nach so einem Tag werde ich wohl doch wieder rückfällig!” Bernd schüttete Singha in sein Glas, nahm einen tiefen Schluck, neigte den Kopf und sagte:
“Nichts geht über eine Hopfenkaltschale! Da wir gerade bei der Verbrüderung sind - ich bin der Bernd!”
Peter hatte Stift und Notizblock ausgepackt und nickte Wolfgang aufmunternd zu.
“Ich habe mich im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts MaxWave bisher mit sogenannten Freak Waves beschäftigt”, sagte Dr. Werner.
Bernd übersetzte es für Nong.
“Monsterwellen? Sind das die, welche an Land grosse Verwüstungen anrichten können?”
Peter spürte einen leichten Kopfschmerz, aber er ignorierte es, denn sein Interesse war geweckt.
“Ihr Journalisten würdet wahrscheinlich keinen Unterschied machen, aber für uns Wissenschaftler sind das zwei Paar Schuhe.”
“Erkläre uns bitte den Unterschied, Wolfgang!”
“Bei einer Freak Wave müssen eine oder mehrere folgender Bedingungen zusammen kommen: Ein Orkan, der zwölf Stunden in eine Richtung bläst, normale Wellen treffen auf gegenläufige, kalte Meereströmungen oder es bilden sich Kreuzseen, die bei wechselnden Winden entstehen. Mit Hilfe eines Satelliten wurde eine Weltkarte erstellt und wir haben in drei Wochen zehn Riesenwellen lokalisiert, die mehr als 25 Meter hoch waren.”
“Was kann passieren, wenn so eine Welle zum Beispiel ein Schiff trifft?” fragte Peter. Auch Bernd und Nong folgten mit gespannter Aufmerksamkeit den Worten des Wissenschaftlers.
“Es hat Fälle gegeben, da wurde ein 200 Meter langer Frachter komplett um die Längsachse gedreht, die Seeleute nennen es ‘durch kentern’. Die Folgen kann sich jeder ausmalen. Jede Woche verschwinden zwei grosse Schiffe, nicht irgendwelche Seelenverkäufer, sondern hoch moderne Containerschiffe mit qualifizierter Besatzung. Sehr häufig sind die Freak Waves die Ursache.
Ich möchte nicht in der Haut eines Kapitäns stecken, wenn 50 Tonnen pro Quadratmeter Druck auf das Schiff einwirken. Im ungünstigsten Fall kann ein Schiff auf dem Wellenkamm unter der Eigenlast zerbrechen.”
“Warum wird darüber in der Öffentlichkeit so wenig berichtet?” fragte Peter.
“Weil es nur die Seeleute, Reedereien und Versicherungen betrifft. Etwas anderes ist es, wenn ein Luxus-Passagierschiff betroffen ist. Die ‘Queen Elizabeth 2’ zum Beispiel , die hatten Glück im Unglück, da wurden nur sämtliche Scheiben des Salons zerschlagen, in 22 Meter Höhe!”
Peter machte sich Notizen.
“Du hast mich gefragt, Peter, warum ich auch im Urlaub Publicity mache.
Ich wurde in eine Kommission berufen, die ein Frühwarnsystem für den Atlantik durchsetzen soll.”
“Für Freak Waves?”
“Ja, das auch, doch dafür brauchen wir einen zweiten Satelliten. Nein, auch die anderen Wellen, mit dem japanischen Namen Tsunami.”
“Und was heißt das im Wortsinne?” fragte diesmal Bernd.
“Hafenwelle oder Welle im Hafen. Vor langer Zeit kamen japanische Fischer mit reichem Fang nach Hause, aber ihr Hafen und ihre Hütten waren komplett zerstört von einer Welle, die sie draussen gar nicht bemerkt hatten.”
“Okay, Wolfgang, Japan und der Pazifik, aber warum der Atlantische Ozean?”
“Es gibt drei Möglichkeiten, wie so eine Tsunami entsteht: Eine Vulkaninsel explodiert, ein Seebeben an der Subduktionszone von Kontinentalplatten oder eine über- oder unterseeische Rutschung grosser Gesteinsmassen.”
“Du bist also der Meinung, so etwas kann in Europa jederzeit passieren?”
“1755 - Erdbeben und Tsunami in Portugal, 60000 Tote in Lissabon; 1908 Tsunami in Sizilien - ebenfalls 60000 Tote”, sagte Dr. Werner ernst.
“Was ist der aktuelle Anlass, sich für ein Frühwarnsystem stark zu machen?” fragte Peter.
“Auf der Kanareninsel La Palma gibt es den Vulkan Cumbre Vieja, der ist seit 1949 instabil, könnte jederzeit ins Meer stürzen.
Wir wissen nur nicht, ob es nächstes Jahr oder erst in 20000 Jahren passieren wird.”
Wolfgang Werner machte eine Pause, um die Worte wirken zu lassen und trank einen Schluck Wein.
“Was passiert, wenn 500 Milliarden Tonnen Gestein in den Atlantik poltern?”
“Man kann zu Fuss nach Amerika laufen”, grinste Bernd.
“Nun, dafür reicht es nicht. An der Technischen Hochschule Zürich wurde dieser Fall simuliert, mit dem Ergebnis, eine 650 Meter hohe Welle würde sich mit 500 bis 900 Kilometer pro Stunde ausbreiten!”
“Und tschüss, New York!”
“Du hast es als Erster erfasst, Bernd!”


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Benji" said:
Hallo Harald,
ich bin neugierig.
Gruesse
Benji
Eine Thailänderin, die Deutsch kann, mich mit "Klarnamen" anspricht -
da sollte ich ein paar Formulierungen sorgfältiger wählen... :O
Ich grüße dich auch, Benji! :wink:
 
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Fortsetzung Kapitel 16

Dr. Werner betrachtete einen Moment lang interessiert die Lichtbrechung im Weinglas, als er es erhob und Bernd zu prostete.
“Die Franzosen und Briten haben Bereitschaft signalisiert, bei der Vorbereitung des Frühwarnsystems mitzumachen, jetzt müssen wir noch die Amerikaner und Norweger ins Boot holen”, sagte Wolfgang mit optimistisch klingender Stimme.
“Warum hat so ein sinnvolles Projekt dennoch so viele Widerstände zu überwinden?” fragte Peter und spielte mit dem Kugelschreiber.
“Weil derartige Katastrophen, anders als in den Mittelmeerländern, nicht in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind.”
“Wann gab es die letzte Katastrophe mit größeren Schäden in Nord- und Mitteleuropa?”
“Das ist ja das Problem, das war vor 8000 Jahren. Damals gab es im Nordantlantik eine Kontinentalhangrutschung. Eine Fläche von der Größe Islands brach ab und rutschte in die Tiefsee. Die Flutwelle verwüstete Schottland und Island.”
“Ich verstehe”, sagte Peter und kaute am Stift, “wäre es vor 80 Jahren passiert, dann würden alle einem Frühwarnsystem erheblich aufgeschlossener gegenüber stehen. Woher weiß man das so genau?”
“Die Geologen haben Sedimentschichten gefunden. Eine globale Katastrophe vor 190 Millionen Jahren und die genannte vor 8000 Jahren im Nordatlantik.”
“Kennt man auch die Ursache?” fragte jetzt Bernd.
“Hat jemand von euch Frank Schätzings ‘Der Schwarm’ gelesen?” fragte Wolfgang Werner in die Runde.
Peter nickte.
“Die Meeresbiologen reißen immer noch Witze auf den Fluren der Institute, so nach dem Motto ‘Pass auf, gleich springt dich eine Qualle an!’, aber das Szenario mit der Instabilität von Kontinentalhängen, hervor gerufen durch das Freiwerden von Methanhydrat, ist sehr ernst und äußerst realistisch.”
“Methanhydrat?” fragte Bernd.
“Stimmt ja, du hast den Roman nicht gelesen.”
“War mir zu dick, die Schwarte”, griente Bernd.
“Eiskristalle umschließen Methanmoleküle. Das Zeug wäre die ideale Energiereserve für die Zukunft, nur dumm, dass es häufig an den Kontinentalhängen lagert und diese sozusagen wie Eiszement stabilisiert.”
Dr. Werner bemühte sich sichtlich, nicht zuviel Fachchinesisch zu reden.
“Wie konnte sich das Methanhydrat in der Steinzeit auflösen?” fragte wieder Bernd.
“Durch eine allgemeine Erwärmung des Nordatlantik zum Beispiel.”
Dr. Werner zuckte mit den Schultern.
“Das ist noch nicht restlos aufgeklärt.”
“Da wären wir bei dem, was die Leser sicher interessiert: Inwiefern trägt der Mensch heute dazu bei, Naturkatastrophen zu provozieren?” wollte Peter wissen.
“Die Prozesse verlaufen sehr langsam. Sicher tragen der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen zur allgemeinen Klimaerwärmung bei - mehr Stürme, mehr Freak Waves. Vergesst auch nicht, dass die Natur selbst der größte Umweltverschmutzer ist. Bei einem Vulkanausbruch werden hunderttausende Tonnen fester Partikel, Schwefeldioxid und vieles andere mehr bis in die Stratosphäre geschleudert.”
“Aber die Industrie macht das täglich, wenn auch nur im unteren Teil der Atmosphäre”, sagte Peter nachdenklich.
“Das ist zweifellos richtig.” Der Kellner kam Dr. Werner zu Hilfe. Man orderte eine weitere Lage Getränke.
Ganz in der Nähe plätscherte ein Springbrunnen. Von der Bar drang gedämpfte Musik zu ihnen herüber.
Nong war auf die Toilette gegangen. Als sie zurück kam, blieb sie etwa zehn Meter entfernt stehen und telefonierte mit dem Handy, das ihr Peter zurück gegeben hatte. Sie kam zum Tisch zurück und sagte:
“Da war ein fremder Mann am Telefon, er hat mich gewarnt, ich solle mich in Acht nehmen und wenn möglich Phuket verlassen.”


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@ Moselbert,

eine Quelle ist z. B. P.M. Perspektive Nr. 01/2005.
Ich hoffe mal, ich habe bestimmte Aussagen nicht zu sehr vereinfacht.
Vorbild für die fiktive Figur Dr. Wolfgang Werner ist Dr. Wolfgang Rosenthal vom GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.
 
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Kapitel 17

Weihnachten stand vor der Tür. Und da alle zusammen los zogen, verlief der Einkauf der Weihnachtsgeschenke völlig anders, als in Deutschland, wo man möglichst einen geheimnisvollen Schleier über alles breitete, um dann am Heiligen Abend in glänzende Augen blicken zu können.
Nong, Peter und Bernd machten sich einen Spass daraus, auf irgendein Produkt in einem Regal zu zeigen und den zu Beschenkenden anzulächeln.
Ein Lächeln zurück oder ein Kopfschütteln genügte als Antwort.
Sie schlenderten durch Patong und kauften eigentlich nur Kleinigkeiten, bis sie an einem Juwelierladen vorbei kamen. Bernd drängte das Paar fast hinein, die beiden wären weiter gelaufen.
Peter zeigte auf die Auslagen mit den goldenen Ringen. Nong machte eine vage, abwehrende Geste, aber ihre Augen leuchteten.
Die Ladenbesitzerin sah, wie unschlüssig die potenziellen Käufer waren und versicherte wortreich zweisprachig, dass es qualitativ höherwertiges Gold sei, als das Thaigold, aus dem die beliebten schweren Ketten gefertigt würden.
Sie probierten verschiedene Ringe. Als Peter nach dem Preis fragte und die Antwort erhielt, ließ Bernd einen leisen Pfiff ertönen.
Nong hob die Hand und verhandelte mit der Ladenbesitzerin, mit dem Ergebnis, dass sie einen erheblichen Rabatt aushandelte. Bernd rechnete nach und kam auf mehr als 10 Prozent.
Peter zückte schweren Herzens die Kreditkarte. Er würde im Januar mehrere Artikel verkaufen müssen, um das Finanzloch wenigstens zum Teil stopfen zu können.
Auf dem Rückweg kamen sie am Ocean Plaza an der Thavee Wong Road vorbei und besuchten den Drogeriemarkt im Kellergeschoss.
Hier gab es ein Wiedersehen mit Familie Werner. Nach der Begrüßung nahm Wolfgang Peter beiseite:
“Schade, dass es gestern so spät geworden ist und wir gar nicht mehr über das modernste Tsunami-Frühwarnsystem der Welt reden konnten. Im nächsten Monat will ich mir das mal im Geo-Forschungszentrum Potsdam ansehen. Es ist serienreif und du wirst es nicht glauben, Peter, es kann starke Tiefenströmungen binnen Sekunden von Tsunamis unterscheiden und meldet der Seefahrt auch Freak Waves...”
“Ich bremse deine Begeisterung nur ungern, Wolfgang. Was heißt ‘serienreif‘? Nach meiner Rechnung braucht man davon nur drei: Atlantischer Ozean, Mittelmeer und Indischer Ozean. Die Amerikaner haben schon eines im Pazifik.”
“Ja, aber das ist veraltet, unzuverlässig und liefert Fehlalarme.”
“Wir treffen uns heute Abend im Hotel, setzen uns zusammen und ich schreibe alles auf, okay?”
“Ja, ich komme. - Weißt du, was mir noch aufgefallen ist?”
Peter schüttelte den Kopf. Manchmal konnte der Wissenschaftler auch nerven.
“Der Drogeriemarkt ist eine Todesfalle, falls das Meer mal überschwappt. Dafür hätte es in Deutschland vermutlich keine Baugenehmigung gegeben.”
Bernd war zu ihnen getreten und hatte das Letzte mitbekommen.
“Kennst du den schon, Wolfgang? Ein Unternehmer aus Amerika und ein deutscher wetten, wer am schnellsten ein Firmengebäude hoch ziehen kann.
Nach ein paar Wochen kommt ein Fax aus den USA: ‘Noch 30 Tage und der Bau steht.’ Der Deutsche schickt ein Fax zurück: ‘Noch 30 Formulare und wir haben die Baugenehmigung in der Tasche!’”


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Fortsetzung Kapitel 17

Nong gingen zwei Dinge nicht aus dem Kopf:
Zum einen wusste sie nicht, wer der Mann war, der sie telefonisch gewarnt hatte. Sie würde auf keinen Fall Phuket verlassen, sondern bei Peter bleiben. Zum Anderen wollte sie unbedingt zum Weihnachtsfest selbst kochen, schon um Peter zu beweisen, dass sie das auch konnte. Aber sie hatte hier keine Küche und ihre linke Hand war auch noch nicht wieder voll einsatzfähig.
Eine Küchenhilfe wäre nicht schlecht. Lek? Nein, die kam nicht in Frage.
Sie verwarf den Gedanken gleich wieder. Nong überlegte weiter. Wen kannte sie noch in Patong? Pon! Warum war sie nicht gleich darauf gekommen!
Pon kannte sie noch aus der Zeit, als diese in der Caféteria des Landwirtschafts-Ministeriums gearbeitet hatte. Dann war Pon nach Phuket gegangen, hatte als Kellnerin begonnen und jetzt gehörte ihr selbst ein kleines Restaurant an der Strasse nach Phuket Town. Nong griff zum Handy.
Während dessen saßen Wolfgang Werner, Peter und Bernd auf dem Balkon des Nebenzimmers, genossen die abendliche Aussicht auf die Patong Bay und tranken Bier.
“Ich würde gern einen Interviewtermin mit dem Vorstandsvorsitzenden des GeoForschungszentrums Potsdam vereinbaren und wir würden uns dort im Januar treffen.”
Peter hatte im Hinterkopf, eine ganze Artikelserie daraus zu machen, denn als freier Journalist musste er jedes interessante Thema aufgreifen, bevor jemand anderes von einem Redaktionsleiter damit beauftragt wurde.
“Das können wir machen“, sagte Dr. Werner, “kein Problem. Nur noch zwei Sätze dazu...”
Bernd rutschte auf dem Plastikstuhl unruhig hin und her. “Zwei Sätze” konnte bei einem Wissenschaftler ein Vortrag in der Länge einer Vorlesung bedeuten.
“Ich sagte bereits gestern, die Kollegen haben das modernste Frühwarnsystem der Welt entwickelt. Vom Grundprinzip unterscheidet es sich nur wenig vom System der Amerikaner. Neu entwickelt wurden die Drucksensoren am Meeresboden. Die Anzahl der Messdaten, die gleichzeitig in Echtzeit ausgewertet werden können, ist beeindruckend. Die Amerikaner haben schon reges Interesse an der Auswertesoftware bekundet und werden die wohl kaufen. Aber das kann dir ja Professor Emmermann nächsten Monat viel besser erklären.”
Bernd war beeindruckt. Wolfgang hatte nur das Dreifache an Sätzen benötigt, wie angekündigt. Aber er freute sich zu früh, Dr. Werner war noch nicht fertig.
“Die Potsdamer haben ein eigenes Netz, um Erd- und Seebeben rechtzeitig zu erkennen - GEOFON, übrigens auch zwei Stationen hier im Indischen Ozean.”
Bernd schenkte Bier nach und Peter vervollständigte seine Notizen.
Die Verbindungstür wurde vorsichtig geöffnet und Nong huschte ins Zimmer.
“Sawadee khaa, Khun Wolfgang. Sie haben gestern vieles über Katastrophen erzählt. Was ist mit meiner Heimat?”
“Die Gefährdung für Thailand? Dazu kann ich nicht viel sagen, weil meines Wissens nach die Topografie des Meeresbodens des Indischen Ozeans nirgendwo vollständig erfasst ist und niemand zuverlässig die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Tsunamis berechnen kann. Viel mehr gefährdet ist Indonesien. Am 27. August 1883 explodierte die Vulkaninsel Krakatau in der Sunda-Strasse. Die davon ausgelöste Tsunami war vierzig Meter hoch und 36000 Menschen verloren ihr Leben. Sogar im Ärmelkanal stieg der Wasserstand.”
Wolfgang Werner nippte am Bierglas.
“Aber das war nicht die Frage. Bangkoks Untergrund ist so beschaffen, dass seismische Schwingungen um ein Mehrfaches verstärkt werden.
Ich bin nicht der Experte dafür, aber ein Beben ab 5,7 Richter-Skala würde ausreichen und Bangkok würde wie ein Kartenhaus zusammen fallen.”
Bernd schenkte Bier nach und Nong zog einen Stuhl heran.
“Wie realistisch ist das?” fragte die junge Frau besorgt.
“Eher unwahrscheinlich. Die meisten Beben werden in Süd-China registriert, weit genug weg.” Dr. Werner lächelte.
“Du hast gestern etwas gesagt von Erdplatten, die gegeneinander stossen”, sagte Bernd.
“Ja, richtig, westlich von hier im Indischen Ozean treffen die Indische, die Australische und die Burma-Platte aufeinander. Diese Platten bewegen sich, schieben sich teilweise untereinander und erzeugen Spannungen. Irgendwann kommt es zur Freisetzung dieser Energie. Ich weiß nur nicht, ob das morgen oder in hundert Jahren sein wird.”



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Fortsetzung Kapitel 17

Pairat hatte diesmal an alles gedacht. Nichts durfte diesmal schief gehen.
Der Plan war eigentlich perfekt. Er hatte eine zusammenklappbare Kiste, blaue Overalls und einen Kleintransporter besorgen lassen, den seine Männer gerade mittels Schablone und Farbspraydosen mit dem Schriftzug eines erfundenen Klempnerbetriebes versahen. Man murrte zwar im Stillen über die ungewohnte Arbeit, aber sie erledigten das zur Zufriedenheit ihres Chefs.
Pairat hatte ihnen unerschöpfliche Einnahmequellen versprochen, wenn erst einmal Potaram gestürzt war und sie an den Schalthebeln der Macht saßen.
In der Patong Bay dümpelte ein gechartertes Schiff vor Anker, keine teure Hochsee-Yacht, die wäre zu auffällig gewesen, sondern ein stabiler Fischkutter. Pairat rieb sich die Hände. Diesmal würde es klappen, es war vielleicht die letzte Chance...


Auch Nong hatte an alles gedacht, nur nicht daran, Pon in alles einzuweihen, was in der Zwischenzeit passiert war. Der Schock über den Tod ihrer Freundin Wan saß noch tief, auch wenn Nong sich das nicht anmerken ließ.
Die quirlige, vor Ideen sprühende Pon hatte ihnen einen Nebenraum in ihrem Restaurant reserviert und dort sogar einen Plastikweihnachtsbaum geschmückt, weil sie wusste, dass die deutschen Gäste sich darüber freuen würden. Nong hatte sehr schnell das Vorhaben aufgeben müssen, selbst zu kochen. Die resolute ältere Köchin ließ sich von niemanden rein reden.
Peter und Bernd waren gerade beim ersten Bier, da traf Familie Werner ein, die man ebenfalls geladen hatte. Sogar die 16Jahrige Susann hatte auf einen Bummel mit ihren skandinavischen Freunden verzichtet.
Nong bat darum, dass man ihr Weihnachtsbräuche aus Deutschland erklärte und Dr. Werner beauftragte mit strenger Miene seine Tochter damit, weil ihre Schulnote in Englisch zur Sorge Anlass gab. Frau Birgit Werner unterhielt sich mit Pon und bat um thailändische Kochrezepte, die sie nach dem Urlaub zu Hause in Hamburg ausprobieren wollte.
Peter unterhielt sich diesmal mit Wolfgang Werner nicht über Frühwarnsysteme und die satellitengestützte Erfassung von Monsterwellen im Südatlantik, sondern sie hatten gemeinsam mit Bernd ein Thema gefunden, über das sich trefflich streiten ließ: Fussball!
Dabei stellte sich heraus, dass Wolfgang Anhänger des Hamburger Sportvereins war und Bernd und Peter Fans von Hertha BSC Berlin.
Es wurde heftig darüber debattiert, ob beide Mannschaften oder nur eine im nächsten Jahr im UEFA-Cup oder Champions League spielen würde.
Pon wirbelte durch den festlich geschmückten Raum und servierte Essen und Getränke. Es gab von allem etwas, was die thailändische Küche zu bieten hatte und alle waren voll des Lobes.
“Mal was anderes, als immer nur Kartoffelsalat mit Würstchen zum Heiligen Abend”, sagte Susann und erntete nur Zustimmung.
Der Abend hätte perfekt sein können, wenn zwei Dinge nicht passiert wären:
Dr. Werner wechselte abrupt das Thema und fragte wenig feinfühlig nach dem Tod der Bekannten, der zwei Tage zuvor erwähnt worden war.
Bernd war gerade dabei, die komplette Story, beginnend im nasskalten November in Berlin, zu erzählen, da fielen Nong und Peter gleichzeitig die Löffel aus der Hand. Lek stand plötzlich im Raum, verharrte kurz, eilte dann lächelnd zu Nong, legte eine Hand auf die Schulter und flüsterte:
“Ich wollte dir nie den Mann weg nehmen. Frieden?”
Sie war von Pon eingeladen worden, die von dem Zerwürfnis zwischen den beiden Freundinnen nichts wusste.
Nong blieb nichts anderes übrig, als aufzustehen, die Freundin flüchtig zu umarmen und zu sagen: “Frieden!” Dabei blitzte der Ring an ihrer rechten Hand auf und Lek sagte “Glückwunsch!”
Nong kannte ihre Freundin lange genug, um zu wissen, dass dies ehrlich gemeint war. Die Situation wurde endgültig entspannt, als Lek neben Bernd Platz nahm und dieser sich sofort um die attraktive Dame kümmerte.
“Mann, die ist umwerfend!” sagte Bernd auf Deutsch.
Peter gab lieber keine Antwort, sondern nickte Lek nur zu.
Nach der Verteilung der kleinen Geschenke, die nur für Familie Werner eine Überraschung waren, fuhr man in zwei Taxen zurück nach Patong.
Bernd gab Lek einen Kuss auf die Wange und vereinbarte ein Treffen am nächsten Tag. Dann musste er los, denn Nong und Peter waren schon zehn Schritte voraus.
“Blöder Job, Bodyguard”, knurrte Bernd, als die beiden vor der Zimmertür heiße Küsse tauschten. Bernd schaute aufmerksam in alle Richtungen. All zu gegenwärtig war noch die Erinnerung an den Heckenschützen McCormick, der exakt von hier geschossen hatte.
Peter löste sich von Nong und knuffte Bernd.
“Noch’n Schlummertrunk oder gleich in die Koje?” fragte er gut gelaunt.
Nong öffnete die Tür und war gerade dabei, die Chipkarte in den Schlitz zu stecken, um Beleuchtung und Klimaanlage zu aktivieren, da wurde ihr ein Tuch vor den Mund gepresst. Sie spürte einen stechenden Geruch und einen üblen Geschmack, dann war sie weg.


wird fortgesetzt...
 
Pee Niko

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Retourniert
...verdammt, immer wenn's spannend wird :heul:

Gruß von Niko
 
MadMovie

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Kapitel 18

Es war relativ einfach gewesen, am frühen Abend in das Hotel zu marschieren und der Dame an der Rezeption einen gefälschten Reparaturauftrag unter die Nase zu halten. Sie kam auch gar nicht auf die Idee, beim Manager nachzufragen, ob alles seine Richtigkeit habe. Da zwischenzeitlich eine andere junge Frau den Dienst übernahm, fiel niemanden auf, dass die angeblichen Klempner Mitternacht immer noch im Hause waren.
Pairat wollte auch nicht, dass seine Männer die ganze Zeitauf dem Balkon von Nong’s Zimmer herum lungerten und eine Zigarette nach der anderen qualmten. Deshalb hatte er sich ein Beschäftigungsprogramm ausgedacht.
Die beiden Farangs würden ihr blaues Wunder erleben. Erleben? - Sie würden vermutlich überhaupt nichts mitbekommen.
Pairat bedauerte ein wenig, dass vor allem dieser nervige, etwas dickere Farang einen so schnellen Tod finden würde.
Nachdem ein ahnungsloser Mitarbeiter ihnen bereitwillig die Tür zu Zimmer Nummer 418 geöffnet hatte, warteten sie einen Moment, um dann durch die Verbindungstür in den Nebenraum zu gelangen.
Einer der neu angeworbenen Männer hatte früher einmal als Feinmechaniker gearbeitet und noch nicht alles verlernt. Dieser Mann stieg auf eine Aluminium-Stehleiter, nahm die Klimaanlage fachmännisch auseinander, installierte ein paar Sachen und schraubte wieder alles zusammen.
Pairat trieb ihn nicht an, sie hatten alle Zeit der Welt.
Es hatte dann bis ein Uhr gedauert, bis Nong zur Tür hinein kam und sofort mit Chloroform betäubt wurde. Sie wurde in die Kiste gepackt und vom dritten Stock abgeseilt. Über das von Palmen bestandene Gelände gelangten sie durch eine Hintertür in das Nebengebäude des Hotels, das zur Zeit nicht genutzt wurde. Pairat schickte einen Mann vor, der vom Fahrer des Lieferwagens das Signal erhielt, alles wäre okay. Der Portier, der sonst Taxen oder Minibusse für die Gäste organisierte, war gerade nicht zu sehen.
Pairat atmete auf. Diesmal hatte alles geklappt! Jetzt zum Schiff und dann ab auf die andere Seite der Insel.


Bernd hatte einen wunderbaren Traum Er hüpfte als kleiner Junge über eine blühende Wiese in der Märkischen Heide, beobachtete Schmetterlinge, Bienen und eine Heuschrecke. Der kleine Junge kam an eine Scheune und schlüpfte hinein. Dort roch es nach frischem Heu und fauligem Obst. Der kleine Bernd wurde stutzig. In einer Scheune müsste es eigentlich auch nach Stroh riechen. Der zuerst wahrgenommene Geruch wurde immer stärker und kitzelte Bernd die Nase. Er musste niesen. Das Gas erreichte die Lunge und Bernd verspürte aufkommende Übelkeit. Plötzlich wurde er wach und sprang aus dem Bett. Bernd riss die Schiebetüren zum Balkon auf. Alle weiteren Handlungen liefen vom Unterbewusstsein gesteuert ab, er war immer noch nicht ganz wach. Bernd hastete zum Eingang, um die Klimaanlage außer Betrieb zu nehmen.
Nur kein Licht machen, sagte eine Stimme ihm, es könnte sich auch um explosives Gasgemisch handeln! Im Bad tastete er im Dunkeln nach zwei Handtüchern, tränkte diese in Wasser und warf dem schlafenden Peter eines auf das Gesicht, worauf sein Freund erwachte.
Peter tastete schlaftrunken zum Lichtschalter, bekam aber sofort einen Schlag auf die Hand.
Bernd öffnete die Zimmertür und ein leichter Luftzug wehte durch den Raum. Jetzt wagte er es, das feuchte Handtuch vom Mund zu nehmen. Es lag immer noch der Geruch nach Heu und fauligem Obst in der Luft.
“Was ist los?” knurrte Peter, der immer noch im Bett lag.
“Ich bin ein Blödmann”, sagte Bernd, “Phosgen ist kein explosives Gas, aber zwei, drei Minuten später, und unsere Lungen wären von Salzsäure zerfressen worden. Wo haben die das nur her?”
Bernd rannte durch das Zimmer, machte nun endlich Licht und griff nach dem Handy. Die Nummer der Polizeidienststelle in Phuket Town hatte er vorsorglich eingespeichert.
Peter schlüpfte in die Jeans. Er wusste zwar immer noch nicht, was eigentlich geschehen war, aber eines wusste er: Wenn dieses Zimmer präpariert worden war, dann auch das Nachbarzimmer. Er klopfte gegen die Verbindungstür.
“Nong? Nong?”
Peter warf sich mit aller Kraft gegen die Holztür, aber Bernd schob ihn beiseite.
“Laß mich mal!”
Die Tür flog aus den Angeln. Das Zimmer nebenan war leer.


wird fortgesetzt...
 
MadMovie

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Pee Niko" said:
...verdammt, immer wenn´s spannend wird
"Fortsetzung folgt..." hat einst schon die Gruppe BAP gesungen.
Am traurigsten ist, dass Ostern vermutlich Schluss ist. :heul:
 
phi mee

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Pee Niko" said:
Nix da, ich bestehe auf ein Happy-End ;-D

Genau!
Peter kriegt Nong!
Bernd kriegt Lek!
Beide schließen sich glücklich der Nittaya-Gemeinde an! ;-)


:wink: phi mee
 
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