Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong

Diskutiere Abenteuer in Thailand - Auf der Suche nach Nong im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Kapitel 7 Als Nong erwachte, saß sie in einem Ledersessel und ein Steward machte einen Wai vor ihr. “Ich hoffe, es geht Ihnen wieder besser...
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Kapitel 7

Als Nong erwachte, saß sie in einem Ledersessel und ein Steward machte einen Wai vor ihr.
“Ich hoffe, es geht Ihnen wieder besser, Khun Pittayarat?” sagte dieser freundlich lächelnde Mann im akzentfreien Thai.
Nong kniff sich sofort in den Arm und sah dabei die roten Male der Handfesseln, die sie vor kurzem noch getragen hatte.
Das konnte nur ein Traum sein!
Der Schmerz in ihrem linken Unterarm und ein Blick auf die finsteren Gesellen, die nicht weit entfernt von ihr Platz genommen hatten, belehrten sie eines Besseren.
Aber was sprach dagegen, die neue Situation auszunutzen? In Thailand würde man sie vielleicht wieder in irgendein Loch pferchen. Mit Schaudern erinnerte sie sich an den kalten, feuchten Berliner Keller und den engen Blechcontainer.
“Es geht mir wieder besser, danke! Etwas Som Tam, Khao Pad Gai und ein Glas Wasser!”
“Kommt sofort”, sagte der Stewart lächelnd und verbeugte sich wieder.
Es dauerte nicht allzu lange, da kam der freundliche Mann mit dem blütenweißen Jackett und den goldenen Knöpfen mit einem gut gefüllten Tablett wieder.
Wie hatte sie den Geschmack von Som Tam vermisst!
“Wem gehört denn dieses schöne Flugzeug?” fragte sie beiläufig den Steward.
Nong kannte sich mit Flugzeugen nicht so gut aus, aber die edle Innenausstattung ließ darauf schließen, dass es sich um eine Gulfstream handelte.
Wer sich so etwas privat leisten konnte, war unermesslich reich.
Ihre Frage wurde mit einem Lächeln quittiert.
Einer der finsteren Bodyguards erhob sich, vermutlich, um zur Toilette zu gehen.
“Stell’ nicht zu viele Fragen, wenn dir dein Leben lieb ist!” raunte er im Vorbeigehen.
Nong ließ sich in ihrem Gedankengang nicht stören. Wenn der Auftraggeber so reich war, waren die paar Millionen Baht, die er von ihrer Familie erpressen konnte, so gut wie nichts. Es musste einen anderen Hintergrund geben...
Nong lief wieder ein kalter Schauer über den Rücken. Sie wagte nicht, den Gedanken konsequent zu Ende zu denken.


Peter und Bernd hatten in Windeseile gepackt und es gerade noch rechtzeitig zum Flughafen Tegel geschafft. Der Check-In-Schalter wollte gerade schließen. Nach einem kurzen Flug nach Zürich und dem Umsteigen ohne lange Wartezeiten hatten sie es sich jetzt im Airbus bequem gemacht.
“Du musst jetzt ganz tapfer sein, lieber Freund”, flüsterte Peter.
“Nachtigall, ick hör dir trapsen!” Bernd hatte es geschafft, in der kurzen Zeit in Zürich ein Bier zu inhalieren.
“Ich werde zunächst alleine zur Familie fahren...”
“Dass du mich für die Drecksarbeit brauchst, die garantiert anfällt, war von vornherein klar. Ick danke dir für deine Feinfühligkeit!”
“Sei bitte vorsichtig, du kennst das Land und die Gegebenheiten nicht.”
“Da wär ick mir nicht so sicher!” Bernd tat so, als ob er von einem Hustenanfall geschüttelt wurde und Peter hatte es geschafft, seinem Freund in einer Minute zweimal vor den Kopf zu stoßen.


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Fortsetzung Kapitel 7

Nong hatte geglaubt, man würde auf einem kleinen Flugplatz in Kambodscha landen und sie, eingesperrt in einen Container, was bei der Hitze bestimmt nicht angenehmer als in Berlin wäre, über die Grenze bringen.
Sie erkannte am Fenster die vorbei huschenden Golfplätze am Don Muang Airport. Sie landeten auf einem für Privatjets reservierten Rollfeld. Ihre Bewacher machten sich nicht einmal die Mühe, ihr die Augen zu verbinden.
Auf der schmalen Gangway kam ihr der Gedanke nach Flucht. Was würde passieren? Man würde ihr mit schallgedämpfter Pistole ins Bein schießen, so dass sie als Geisel noch brauchbar war, aber nicht mehr weglaufen konnte.
Vielleicht hatten die für so einen Fall sogar Betäubungsgewehre an Bord.
Sie rechnete inzwischen mit allem.
Für das weit entfernte Flughafenpersonal würde es wie ein Sturz aussehen.
Keine Chance! Heute noch nicht, seufzte Nong.
Aber sie wusste immer noch nicht, was eigentlich gespielt wurde...


Bernd hatte sich mittlerweile damit abgefunden, dass er hier undercover arbeiten musste und Peter ihn verleugnen würde. Es war ihm recht so und entsprach in gewisser Weise seinem Arbeitsstil. So trennten sie sich schon am Gepäckband und vereinbarten einen Treffpunkt in einem Hotel in der Sukhumvit Road. Nachdem die Handys umgerüstet waren, würde man danach telefonisch in Verbindung bleiben.
Bernd hielt es wie immer, auch die engsten Freunde und Vertrauten nicht in alles einzuweihen. Das hatte ihm in den 80er Jahren manchmal das Leben gerettet. So wusste Peter zum Beispiel nicht, dass er von Pjotr in Warschau den entscheidenden Tipp erhalten hatte. Er tauchte ein in die Dunstglocke Bangkoks und winkte ein Taxi herbei. Mein lieber Schwan, dachte Bernd auf dem Tollway, die Stadt der Engel hat sich in den letzten 18 Jahren aber kolossal verändert. Einige der am Fenster vorbei huschenden Wolkenkratzer standen damals noch gar nicht.
Und die ganze Zeit redete der Taxifahrer unermüdlich von Adolf Hitler und der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, die man bald hier begrüßen würde.

Peter sah seinen Familiennamen auf einem Pappschild und eilte zu dem freundlich lächelnden jungen Mann, der das Schild weiter gab und einen Wai machte. Peter verneigte sich nur, da er das Handgepäck umgehängt hatte.
“Willkommen in Thailand, Khun Peter!”
“Vielen Dank für den freundlichen Empfang, Khun Udai!”
Udai geleitete Peter durch den Trubel der Ankunftshalle zum Mercedes der Familie und der Chauffeur verstaute das Gepäck.
Peter hätte am liebsten sofort Klartext geredet, aber Ungeduld war ein Zeichen von schlechten Manieren, und er wusste zwar nicht aus eigener Erfahrung, aber von Journalistenkollegen, die in Asien arbeiteten, wie er sich zu verhalten hatte. So würde ihm auch nie ein Satz über die Lippen kommen, wie: “Hätte ich nur besser auf deine Schwester aufgepasst!”
Stattdessen versicherten sich beide, dass sie in großer Sorge um Nong seien und falls kriminelle Elemente dahinter stecken sollten, sie mit Hilfe der thailändischen Polizei dingfest machen würde.
Jeder von den beiden wusste, das die Sache weitaus komplizierter war und man würde zu einem späteren Zeitpunkt darüber reden.


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Kapitel 8

Khun Potaram* war eine beeindruckende Persönlichkeit. Mit seinen 1,85 überragte er nahezu alle anderen Thais und am liebsten sah er es, wenn sein kahler, polierter Kopf das Blitzlichtgewitter reflektierte. Es gefiel ihm auch, medienwirksam dem Premierminister die Hand zu schütteln.
Genau so sorgfältig achtete er darauf, dass seine zwei Imperien in Thailand niemals miteinander vermischt wurden. Nicht einmal Geldwäsche duldete er, zumindest nicht in Thailand. Das erste Imperium beinhaltete ein Dutzend Baufirmen, welche zumeist die lukrativsten Vorhaben realisieren durften.
Das zweite Imperium nannte er sein Schattenreich, hier wurden Schwindel erregende Umsätze mit gefälschten Markenartikeln, Drogen und Waffen gemacht.
Khun Potaram ließ sich im engsten vertrauten Kreise auch gern “Kattana” nennen, wohl wissend, dass dieser Titel nur einem in Thailand gebührte.
“Kattana” Potaram war erbost und hatte Chakri, einen seiner Manager zu sich bestellt.
Er runzelte die hohe Stirn und fixierte Chakri nur mit einem kurzen Blick.
“Ich möchte keinen Ärger haben, was soll der Quatsch mit der Entführung?”
“Ich möchte mir die Bemerkung erlauben, dass wir damit drei Mücken mit einem Schlag erledigt haben!” Der schleimige Chakri machte einen tiefen Wai.
“Das mag sein”, sagte Potaram. “Aber die Verbindung nach dem Süden gefällt mir überhaupt nicht, jetzt, kurz vor den Wahlen!”
Bevor sein Unterführer, einer der wichtigsten Männer in der Schattenwelt, überhaupt etwas sagen konnte, schnitt ihm Khun Potaram das Wort ab.
“Kassiert das Lösegeld und lasst sie frei! Mit dem Pack im Süden will ich nichts zu tun haben! Habe ich mich klar ausgedrückt?”
Chakri machte wiederum einen Wai.
“Selbstverständlich, Kattana!”
Insgeheim ahnte Mr. Potaram, dass er hier womöglich ausgetrickst werden sollte. Für solche Fälle hatte er eine spezielle, ihm treu ergebene Eliteeinheit.
Der aufmüpfige Chakri war ihm schon lange ein Dorn im Auge.

Peter hatte alles über sich ergehen lassen. Die besorgten Gesichter der Frauen, alle in feinste Seide gehüllt. Zumeist handelte es sich um Tanten von Nong und die Mutter, eine majestätische Erscheinung mit ihrem hochgesteckten Haar. Peter verbeugte sich viele Male und hoffte nur, die Etikette in dieser feinen Villa nicht zu verletzen. Was fehlte, waren Männer, das war auffällig. So blieb ihm nur der Kontakt zum symphatischen Udai.
Sie trafen sich auf der Terrasse der Villa der Familie Pittayarat* mit Blick auf den vorbei strömenden Chao Phraya River.
Udai wusste natürlich, dass Farangs ziemlich ungeduldig waren und alle Probleme sofort analysieren und angreifen wollten und versuchte, sich darauf einzustellen.
Die Eiswürfel klirrten in den geschliffenen Whiskey-Gläsern - kein Maekhong, sondern edelster importierter Scotch von den Highlands.
“Willst du meine Schwester heiraten?” fragte Udai unvermittelt.
“Ich mag sie sehr. Wenn wir sie wieder finden, werde ich sie fragen.”
Peter nippte an seinem Glas und überlegte, mit welcher Frage er Udai aus der Reserve locken konnte.
“Darf ich fragen, wo dein Vater ist? Ich habe nur Frauen gesehen.”
“Du bist kein Farang für mich, sondern ein Freund.”
Peter wusste nicht, dass dies nur eine Floskel war, die man öfter zu hören bekam, wenn man sich nur in den entsprechenden Kreisen bewegte.
“Mein Vater hat den Rang eines Generals und wurde vor kurzem zum Oberkommandierenden der Truppen in der Provinz Yala ernannt.”
Peter blieb erst einmal die Luft weg und er starrte in sein Whiskey-Glas.
Sein Gehirn war noch nicht so vernebelt, um klar denken zu können.
“Ich glaube nicht, dass die Moslem-Rebellen die Entführung in Berlin organisiert haben.”
“Das glaube ich auch nicht”, sagte Udai trocken. “Nong wusste nichts davon.”
Und er fügte als Warnung noch hinzu:
“Dein Begleiter soll sich vorsehen...”
Daraufhin fiel Peter nichts mehr ein, aber er war zuversichtlich. Bernd war mit allen Wassern gewaschen und die Gegenseite würde ihn mal wieder unterschätzen.

* zufällig gewählte Namen
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Kapitel 9

Man hatte Nong weder betäubt noch gefesselt. Sie mussten sich ihrer Sache ziemlich sicher sein. Man hatte nur eine Pistole, die von außen nicht zu sehen war, zwischen ihre Rippen gepresst.
Vermutlich war auch das Wachpersonal bestochen, denn die zwei Autos wurden ohne Kontrolle durch gewunken. Das Auto hatte Scheibengardinen, die zugezogen wurden, so dass Nong nicht wusste, welche Strassen benutzt wurden.
Nong fand sich in einem luxuriösen Gefängnis wieder. Sie wurde in eine mit edlen Möbeln ausgestattete Wohnung gesperrt.
Es gab sogar eine Minibar und eine Küche mit einem gut gefüllten Kühlschrank. Nong konnte sich noch immer keinen Reim darauf machen, warum die Entführer so viel Aufwand betrieben. Sie dachte an ihre Mutter und ihren Bruder. Ob die Familie schon eine Lösegeldforderung erhalten hatte?
Sie dachte auch an Peter, der ihr nur als Sprungbrett, als Legende dienen sollte, um ihren Auftrag in Berlin auszuführen. Sie wusste nicht, ob Peter und sein Freund Bernd baa die Spur aufgenommen hatten. Vielleicht waren sie sogar schon in Thailand?
Nong sank auf das Sofa und krallte ihre Hände in ein buntes Kissen.
Egal, was und wer dahinter steckte - sie musste hier raus!
Ihr musste etwas einfallen!


Peter und Bernd trafen sich in der mondänen Lobby des Landmark Hotel in der Sukhumvit. Das Licht der Leuchten wurde von den blank polierten Marmorplatten reflektiert.
Bernd hockte in einem der tiefen Sessel und rollte ein Zigarillo der Marke Moods zwischen den Fingern, das er hier drin nicht anzünden durfte.
“Gibt es diese Glimmstängel hier auch zu kaufen, oder hast du ausreichend Vorrat mitgebracht?” knurrte Peter zur Begrüßung.
“Ist wohl nicht so toll gelaufen für dich?” grinste Bernd. Er stemmte seine 90 Kilo aus den Polstern.
“Gehen wir erst mal ein Bierchen trinken. Bei dem Klima ist der Flüssigkeitsverlust für Farang-Körper medizinisch bedenklich.”
Sie steuerten einen Biergarten an, aber bevor sie Platz nehmen konnten, waren sie von drei schnatternden Thailadies umringt.
“Hello, handsome men! How are you?”
“Tja, Mädels, mit dem Spruch habt ihr euch entlarvt”, sagte Bernd auf Deutsch.
Und er scheuchte sie mit ein paar Worten auf Thai davon.
“Ist mir zu hektisch hier.”
Und ehe es sich Peter versah, standen sie an der Sukhumvit und Bernd stoppte ein Taxi, als wäre er jeden Tag hier unterwegs. Vermutlich musste er wirklich einmal in das Ausland reisen, um seinen Freund noch besser kennen zu lernen, der voller Überraschungen steckte.
“Wo geht’s hin?” fragte Peter im Taxi. Der Fahrer hatte nicht nur die Air-Con, sondern auch das Autoradio voll aufgerissen.
“Zu einem Restaurant, wo wir ungestört plaudern können. Lässt sich auch besser kontrollieren.”
“Wann warst du das letzte Mal hier?” fragte Peter scheinbar nur am Rande interessiert.
“Erstaunlich, dass ich das in all den Jahren nicht verlernt habe, die paar Brocken Thai meine ich.”
Peter fixierte seinen Freund mit hoch gezogenen Augenbrauen.
“1987, ging um Anwerbungen hier und in Singapur.”
Peter wusste genau, es hatte jetzt keinen Zweck, weiter zu bohren. Bernd sprach nicht gern über seine Vergangenheit.
Bernd hatte nicht zu viel versprochen. Man saß direkt auf einem Steg mitten im See, weitab vom Großstadtgetümmel.
“Bia Singh”, bestellte Bernd bei der freundlichen Kellnerin. Keine Ausländer und die einheimischen Gäste saßen drei Tische entfernt.
“Gefällt mir besser so, Peter. Keine Lauscher.”
Nach einem tiefen Schluck Bier lehnte sich Bernd zurück und fragte:
“Wie ist es nun bei dir gelaufen, Peter?”
“Eine wohlhabende Familie, der Vater General. Vielleicht liegt da der Schlüssel für die Entführung? Ich glaube, der Bruder hat mir nicht alles gesagt.”
“Ach, der Ausbildungschef an der Offiziershochschule der Polizei!”
Peter verschluckte sich am Bier und riss ein Papiertaschentuch aus der Box, die auf dem Tisch stand.


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bigchang

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mir fehlt der taegliche verrueckte film :???: :hilfe:

mach bloss schnell weiter :computer:
bevor die entzugserscheinungen zu heftig werden

gruesse matt :bravo: :wink:
 
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Fortsetzung Kapitel 9

Die zierliche Kellnerin eilte mit besorgtem Blick herbei, um zu sehen, woran sich der Farang verschluckt hatte. Am Essen konnte es nicht liegen, das war noch gar nicht serviert worden. Alles war okay, der Farang hustete noch zweimal, dann wich die rote Farbe aus Peters Gesicht.
Die Kellnerin nahm eine Zange, um Eiswürfel in das Bierglas von Bernd plumpsen zu lassen, doch dieser wehrte mit einer Handbewegung ab.
“Ich glaube, nur noch die Amis schütten mehr Eiswürfel in ihre Getränke, und das bei ihrem relativ ausgeglichenen Klima”, sinnierte Bernd.
“Es gibt so Tage, da könnte ich dich auf den Mond schießen, mein lieber Freund”, krächzte Peter.
“Und ich würde mit der Erkenntnis wieder kommen, die haben das Star Spangled Banner nicht 1969 in den staubigen Boden gerammt, sondern drei Jahre später. Du brauchst mich hier, und sei es nur als Hellseher. Aber du bist zuerst dran!”
Peter merkte, es hatte keinen Zweck. Eine kleine Pause zur Besinnung wurde ihm gewährt, da dampfender Reis, frittierter Fisch und leckeres Gemüse serviert wurden.
“Von seinem Job hat Udai nichts erzählt”, sagte Peter und blickte sein Gegenüber fragend an. Bernd machte nur eine kurze Bewegung mit dem Löffel.
“Lösegeld?” fragte er kauend.
“Zehn Millionen Baht.”
“Hört sich erst mal viel an, ist aber ein Trick. Gibt es was Schriftliches?”
Unversehens war Peter in ein Verhör geraten.
“Ja, aber bevor du fragst: Ich habe es gesehen, es war natürlich Thaischrift und ich habe keine Kopie davon.”
Peter löste das, was Bernd vom Fisch noch übrig gelassen hatte, vorsichtig von den Gräten.
“Der Übergabetermin soll telefonisch übermittelt werden.”
Peter beschäftigte sich wieder mit dem Fisch.
“Das war noch nicht alles”, ermahnte Bernd ihn.
“Ich bin heute Morgen zum Landwirtschaftsministerium gefahren und habe dem Pförtner meinen deutschen Presseausweis unter die Nase gehalten.”
“Sowas kann man in der Khao San Road fälschen lassen”, amüsierte sich Bernd.
“Unterbrich’ mich nicht laufend! Ohne Termin keine Chance. Ich bin dann nachmittags wieder hin, um einen Mitarbeiter zum Feierabend-Kaffee einzuladen...”
“Es war eine Mitarbeiterin und du hast deinen Charme spielen lassen.”
“Hellseher!”
“Genau!”
“Also diese Nit hat sich tatsächlich zum Kaffee einladen lassen, aber sie sagte, Nong wäre schon vor einem halben Jahr versetzt worden.”
Bernd nahm einen tiefen Schluck Bier und nickte.
“Sag mal Bernd, du hast schon zwei Bier weg, wo bleibt denn dein ‘icke, dette, kieke mal’?”
“Es fehlt noch ein Tropfen Maekhong.” Und er winkte die Kellnerin herbei, die bedauernd den Kopf schüttelte.
“Jetzt bist du dran, du Hellseher!”


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bigchang" schrieb:
bevor die entzugserscheinungen zu heftig werden
Leider habe ich von meinem Früh-"Werk" "Traum von Tahiti" nur noch ein Exemplar, ansonsten hätte ich es dir gern auf die Kanalinseln geschickt. Ist vielleicht bei Amazon noch zu haben, schau mal nach!
Und die tägliche Fortsetzung wurde ja prompt geliefert! :wink:
 
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Fortsetzung Kapitel 9

Bernd lehnte sich zurück und zündete umständlich eines seiner Zigarillos an.
“Das grenzt wirklich an Hellseherei, noch nie hatte ich so wenig Anhaltspunkte.”
Er stieß eine Wolke Qualm aus und neigte den Kopf.
“Ich sage dir das nicht gern, Peter, aber unter Freunden sollte Ehrlichkeit selbstverständlich sein.”
Die Kellnerin räumte das Geschirr ab und fragte auf Englisch, ob es geschmeckt hat.
“Aloy maak maak”, und an Peter gewandt sagte Bernd:
“Wirklich erstklassig der Fisch. Hier müssen wir mal wieder her.
Wo war ich stehen geblieben? Ach, ja!”
Er reichte Peter, der geistesabwesend auf die Schachtel Moods starrte, ein Zigarillo.
“Du glaubst doch nicht etwa, so eine Zuckerpuppe aus gutem Hause kommt ins nasskalte Berlin, nur wegen deiner schönen blauen Augen und um sich das Brandenburger Tor anzusehen?”
Bernd erstickte Peters Protest mit einer Handbewegung.
“Dein Hinweis, sie arbeitet gar nicht mehr dort, wo sie eigentlich arbeiten sollte, gab mir die letzte Gewissheit. Wenn Nong das ist, was ich vermute, hat sie sogar Nahkampfschulung und Schießtraining gehabt, und sei es nur ein Crash-Kurs gewesen. Sie wird versuchen, das einzusetzen und sich womöglich selbst befreien. Das gehört aber wieder in den Bereich Hellseherei.”
Peter hatte längst aufgegeben, den Thesen etwas entgegen zu setzen.
“Meine Freunde in Polen haben mir das Kfz-Kennzeichen genannt, exakt das gleiche, das Dieter Wagner gemeldet wurde. Also war bei unserer Ankunft schon klar, dass sie hier ist. Eine Gulfstream III hat in Thailand nur einer, das ist der Bauunternehmer und Immobilienhai Potaram und da seh ich noch nicht ganz klar.”
“Inwiefern nicht?” Peter war es endlich gelungen, eine Zwischenfrage unterzubringen.
“Eigentlich ganz gut so, dass es hier keinen Whiskey gibt, so kann ich klarer denken.”
Ungeachtet dessen nahm Bernd einen tiefen Schluck Bier und ließ sich von der hübschen Kellnerin sofort nach schenken.
“Entweder sind die so selten dämlich, so etwas offen durch zu ziehen oder einer der Untergebenen will seinen Boss zu Fall bringen. Das raus zu finden, wird deine Aufgabe sein, Peter!”
“Und wie soll ich das anstellen?” fragte Peter gereizt.
“Du bist doch Journalist. Du spazierst in die Höhle des Löwen und machst ein Interview, ist doch dein Job?”
“Und der Baulöwe plaudert aus dem Nähkästchen und teilt mir den Aufenthaltsort meiner Freundin mit?”
“Es ist deine Sache, wie du das anstelltst. Ich würde selber gern in die Organisation eintauchen, aber als Farang falle ich da auf wie ein bunter Hund, der Samba tanzt und dazu Gitarre zupft!”


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Kapitel 10

Nong hatte keine Lust, in ihrem goldenen Käfig einfach die Dinge abzuwarten.
Sie hatte durch die verschlossene Tür ein Gespräch ihrer Bewacher belauscht und aus dem wenigen, das sie verstanden hatte entnommen, man würde sie bald woanders hinbringen.
Was hatte das zu bedeuten?
Warum sollte man sie an einen weit entfernten Ort bringen, wenn die Lösegeldübergabe unmittelbar bevor stand?
Das machte alles keinen Sinn.
Sie nahm sich vor, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit auszubrechen. Falls es wirklich nur zwei Bewacher waren - mehr hatte sie bisher nie zu Gesicht bekommen - musste sie das Überraschungsmoment nutzen und versuchen, die Gegner kampfunfähig zu machen.
Nong traute sich das zu.


Peter war überrascht gewesen, so schnell einen Interviewtermin bei Mr. Potaram zu bekommen. Der Pressesprecher der Unternehmensgruppe und die Sekretärin waren am Telefon sehr freundlich und entgegen kommend gewesen.
Nun saß er hier in einem Konferenzraum in einem der Wolkenkratzer Bangkoks und genoss die Aussicht auf den nicht all zu weit entfernten Baiyoke Sky Tower.
Die Tür wurde aufgestossen und eine imposante Persönlichkeit durchmaß mit raumgreifenden Schritten den Raum. Der Mann, den man im Vergleich zu anderen Thais als Hüne bezeichnen konnte, deutete eine Verbeugung an und lud Peter ein, Platz zu nehmen.
Peter verbeugte sich ebenfalls, machte aber keinen Wai.
Als er sich auf den Posterstuhl fallen ließ, dachte Peter noch einmal daran, was für ein weiser Entschluss es gewesen war, die Empfehlungsschreiben der wichtigsten deutschen Nachrichtenmagazine mitzunehmen, des Spiegel und des Focus. Die musste er an das Büro von Mr. Potaram faxen und hatte sofort einen Termin bekommen, aber nur für zwanzig Minuten. Peter beeilte sich, das Diktiergerät auszupacken und einzuschalten und sein Gegenüber strahlte über das ganze Gesicht.
“Es ist mir eine grosse Ehre, Mr. Weise - so war doch ihr Name? - Sie hier zu begrüßen! Es kommt nicht oft vor, dass Journalisten aus Europa sich für meine Arbeit interessieren. Die meisten Interviewwünsche werden an den Premierminister heran getragen, der nicht nur ein weiser Politiker, sondern auch der erfolgreichste Geschäftsmann in Thailand ist.”
Ehe Peter überhaupt eine Frage stellen konnte, hielt Mr. Potaram einen Vortrag über die Entwicklung seines Firmen-Imperiums, zu dem von Zement-Fabriken bis zu Architekturbüros alles gehörte, was mit dem Bau zu tun hat.
Mr. Potaram hatte während der Wirtschaftskrise das schlingernde Schiff erfolgreich durch alle Sturmwellen gesteuert und die Bilanzen waren im neuen Jahrtausend von Jahr zu Jahr besser geworden.
Peter kam nun endlich dazu, auch Fragen stellen dürfen. Aber egal, was er auch fragte, die Antwort war jedesmal eine flammende Wahlkampfrede für die Regierungspartei. Dass man alles Mr. Thaksin zu verdanken habe und sein eigener Beitrag eher bescheiden sei, sagte Mr. Potaram freundlich.
Peter gelang es auch heraus zu finden, wieviel Mr. Potaram für die TRT-Partei spendete und nahm sich vor, wenn alles gut ging, tatsächlich einen Artikel darüber zu schreiben.
Geschickt lenkte er das Interview auf das Privatleben, die Interessen und Hobbys des Industriellen.
“Ist es richtig, dass Sie auch über ein Privatflugzeug verfügen, Mr. Potaram?”
“Nun, dieses Privatflugzeug gehört der Firmengruppe, nicht mir persönlich. Bei Bedarf dürfen auch andere Manager, denen ich vertraue, dieses Flugzeug nutzen.”
“Muss die Nutzung bei ihnen beantragt werden?”
Mr. Potaram schaute demonstrativ auf die Uhr.
“Leider habe ich noch einen anderen Termin. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, Mr. Weise?”
Der Firmenmagnat stand auf, umrundete den Tisch und verbeugte sich nur kurz.
“Leider ruft die Pflicht! Schicken Sie den Entwurf ihres Artikels per Email oder Fax an meinen Pressesprecher, der leider einen anderen Termin wahrnehmen musste!”
Peter hatte zwar nicht viel erfahren, aber der Zufall kam ihm zu Hilfe.
Im Vorzimmer sah er einen Mann, der rasch ein paar Worte mit Mr. Potaram wechselte. Und der sah weder wie ein Manager noch wie ein Bauingenieur aus. Auf Peter wirkte dieser Mann fast wie ein Fremdkörper hier und auch der Chef schien nicht gerade erbaut davon zu sein, ihn hier zu sehen.
Peter nahm einen anderen Fahrstuhl und folgte einfach seinem Instinkt als Journalist, dass dieser schmierige Typ in irgendeiner Weise eine wichtige Rolle spielte. Nong war nun mal mit der Gulfstream von Potaram transportiert worden, die einzige sichere Erkenntnis, die Bernd und er bisher hatten.
Peter rannte auf die Strasse hinein in die brütende Hitze und sah, wie der Mann, dessen einziger Makel war, dass er nicht wirklich zum Umfeld von Mr. Potaram passte, in einen silbergrauen Mercedes sprang.
Peter gelang es wider Erwarten, sofort ein Taxi zu stoppen und er zeigte dem Fahrer einen 1000-Baht-Schein.
“Folgen Sie bitte dem Mercedes! Meine Freundin will gerade durch brennen!” stammelte er auf Englisch. Der Fahrer hatte schon viel verrücktere Farangs erlebt und gab Gas. Und es gelang tatsächlich, den Mercedes im Verkehrschaos von Bangkok im Auge zu behalten.
Peter ahnte nicht, wie nahe er bald Nong sein würde.


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I

irrlicht

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endlich kam ich mal wieder dazu, die story weiter zu lesen. ist ja echt klasse und spannend geschrieben.
weiter so! :super:
 
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@ irrlicht und andere,
ich schreibe das tatsächlich täglich nach der Arbeit und weiß auch nicht so genau, was heraus kommt. das erklärt Schwächen im Plot.
Habe nicht so viel Zeit zum Recherchieren.
Anschnallen, Action!
 
MadMovie

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Fortsetzung Kapitel 10

Mr. Potaram hatte sein Bau-Imperium absolut im Griff. Was ihm Sorgen machte, war das Schattenreich. Da gab es immer wieder welche, die sich profilieren wollten, ihr eigenes Süppchen kochten und seine Weisungen missachteten.
Deshalb hatte er eine Sondereinheit geschaffen, die für Ordnung sorgen sollte. Chef des Rollkommandos war Pairat, genannt der “Schweiger”.
Dieser war früher der Kommandeur einer Militäreinheit an der Grenze zu Myanmar gewesen und hatte Schmuggler gejagt, aber auch in die eigene Tasche gewirtschaftet.
“Was haben deine Leute heraus gefunden, Pairat?”
“Mein Mann in der Gruppe um Chakri meldete mir, dass man nur eine scheinbare Lösegeldübergabe plane mit einem Double und dann entgegen deiner Entscheidung die Tochter des Generals Pittayarat an die Rebellen im Süden weiter reichen will, die wiederum wichtige Gefangene frei pressen wollen!”
Potaram schritt nachdenklich auf und ab. Den letzten Anstoss hatte der neugierige deutsche Journalist gegeben, der ihn darauf hingewiesen hatte, dass er nicht einmal die Flugbewegungen der Gulfstream kontrollieren würde.
Dieser undankbare Emporkömmling Chakri hatte ihn belogen und behauptet, die Tochter des Generals hätte man in Thailand entführt. Der Flug nach Polen war bei ihm gar nicht beantragt worden!
Das konnte Potaram unmöglich durch gehen lassen und fällte eine folgenschwere Entscheidung. Vor allem dachte er dabei an die bevorstehenden Wahlen. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn sein Name im Zusammenhang mit der Entführung genannt wurde.
“Alle beteiligten Personen, die Kenntnis von der Entführung haben, werden eliminiert! Das gilt auch für die neugierigen Jöhramans!”
Das war endlich einmal ein Befehl nach dem Geschmack von Pairat.
Sein breites Gesicht verzog sich zu einem Grinsen.


Nong hörte Stimmengewirr an der Tür ihres luxuriösen Gefängnisses.
Wenn sie nur die Tür einen Spalt offen ließen, würde sie die Chance nutzen.
Ihr Körper straffte sich und sie atmete tief durch.


Peter ließ den Taxifahrer, dem die Verfolgungsjagd sichtlich Spass machte, stoppen und der Wagen kam mit quietschenden Reifen zum Stehen.
Die zwei silbergrauen Mercedes vor ihm waren irgendwo in eine Soi eingebogen und hielten vor einem Grundstück mit einer hohen Mauer.
Peter wies den Fahrer an, zu warten, der dazu gern bereit war, denn der Farang hatte ihm einen 1000-Baht-Schein gezeigt. Außerdem versprach das Ganze, spannend zu werden. Peter versuchte, zur anderen Seite des Grundstücks zu gelangen. Vielleicht gab es da die Möglichkeit, irgendwo einzusteigen.


Chakri sonnte sich in dem Gedanken, jetzt bald am Ziel seiner Wünsche zu sein. Er würde den selbstherrlichen Potaram über die Affäre stürzen lassen und selbst die Geschäfte in die Hand nehmen. Für die Überführung der wertvollen Geisel würde er selbst sorgen. Chakri ließ die Tür aufschliessen.
Nong strahlte ihn an und eilte auf ihn zu.
“Vielen Dank, dass Sie gekommen sind!”
Die junge Frau kam auf Chakri zu, fasste ihn am Kragen und schmatzte ihm einen Kuss auf die Wange. Diese Sekunde Ablenkung genügte Nong.
Sie winkelte ihr rechtes Bein an, stieß mit aller Kraft ihrer 50 Kilo zu und traf die Körpermitte von Chakri. Dieser stieß einen Schrei aus und klappte wie eine Schere zusammen. Einer der Wachmänner eilte herbei und Nong’s Karate-Tritt traf ihn am Kinn. Dabei verlor der Wachmann seine Schusswaffe, Nong machte einen Salto und griff in der Bewegung nach der Pistole.
Ohne nachzudenken, riss sie die Pistole hoch und schoss auf den heran stürmenden Begleiter von Chakri. Dieser kippte sofort vornüber und Nong atmete tief durch. Noch nie hatte sie einen Menschen erschossen!
Nong setzte wie in Trance einen weiteren Mann außer Gefecht und hastete nach draußen.


Peter suchte vergeblich nach einem Eingang an der Rückseite und hörte Schüsse, die durch die dicken Mauern gedämpft wurden.
Er hastete zurück und stieß mit einem Mann zusammen. Einer der Männer von Pairat hielt einen Revolver im Anschlag, aber dieser wurde mit einem Fusstritt in die Luft befördert.
Peter schaute sich um, Diese Gestalt kannte er.
“Ich bin immer an deiner Seite, mein Freund! Überrascht?”
“Eigentlich nicht. Aber wo ist Nong?"


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irrlicht

Gast
@madmovie:

nun wird's aber richtig spannend :bravo:

lass uns nicht so lange mit der fortsetzung warten...

gruss
irrlicht
 
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Berlin/Brandenburg
Fortsetzung Kapitel 10

“Deine Süße ist gerade eben über die Strasse gerannt und im Gewühl verschwunden. Das beste, was sie machen konnte, wenn du mich fragst!”
Peter wollte sofort los stürzen, wurde aber von Bernd daran gehindert.
“Aber wir müssen...”
“Wir stecken selbst knietief in der Schei...” Er riss seinen Freund zu Boden und sie pressten ihre Körper in eine kleine Senke hinter einem Gebüsch.
Derweil fetzten Schüsse Blätter vom Busch, die auf sie herunter rieselten.
“Mindestens zwei Banden und die machen regelrecht Jagd auf uns! Leider habe ich meine Knarre nicht dabei!” Jetzt wurde es auch Bernd ein wenig mulmig. Er sah, wie die Angreifer über die Wiese huschten, und da nicht zurück geschossen wurde, konnte es nur noch ein paar Sekunden dauern, bis sie hier waren. Für eine Flucht war es zu spät.
“Jetzt hilft nur noch ein Wunder oder die Thai Police”, presste Peter hervor.
“Dein Wunsch wurde schon erhört!”
Die Angreifer stiebten in alle Richtungen davon und auch Peter wagte es jetzt, den Kopf ein paar Zentimeter zu heben.
Die Braun Uniformierten machten sich gar nicht erst die Mühe, die Verfolgung in alle Himmelsrichtungen aufzunehmen. Sie kamen mit schussbereiten Waffen direkt auf das Gebüsch zu, als würden dort die wahren Gangster sitzen.
“Unsere Rettung!” freute sich Peter.
“Das kleinere Übel vielleicht, aber Rettung...”
Peter schaute seinen Freund fragend an.
“Wir als Farangs sind erstmal grundsätzlich mitschuldig und außerdem viel leichter zu verhaften.”
Sehr schnell stellte sich heraus, dass Bernd Recht hatte.
Sie wurden ohne Befragung zu einer Hauswand gebracht und mussten sich mit gespreizten Armen und Beinen abstützen.
Peters Protest in englischer Sprache brachte gar nichts. Man nötigte sie zum Einsteigen in einen der Streifenwagen.
So bekamen sie nicht mehr mit, dass andere Polizisten die Kriminalpolizei und die Spurensicherung informierten und drei Leichen gefunden wurden, darunter Chakri.
Auf dem Revier ließ man sie in einem Verhörraum eine halbe Stunde schmoren. Peter kramte sein Handy hervor, aber ein Bewacher, der an der Tür postiert war, eilte herbei und nahm es ihm weg.
Dann erschien endlich ein arrogant wirkender Offizier, der perfekt Englisch sprach. Peter war selbst nicht auf den Mund gefallen, aber er überließ dem gewieften Verhörtaktiker Bernd das Reden.
Der Offizier wurde so zugetextet, dass er gar nicht dazu kam, viele Fragen zu stellen.
Das waren keineswegs harmlose Touristen, die unversehens in eine Schiesserei geraten waren, wie der dickere Jöhraman immer wieder behauptete. Man konnte dies allerdings auch schlecht beweisen. Hätte man die Farangs direkt neben den Leichen gefunden, würden die angeblichen Touristen bereits in einer Zelle sitzen.
Nach einer Viertelstunde hatte der Offizier die Nase voll und befahl dem Polizisten an der Tür, Peters Handy wieder heraus zu geben.
“Sie möchten wohl die Botschaft anrufen und einen Deutsch oder Englisch sprechenden Anwalt anfordern, nur zu!” höhnte der Offizier.
Du wirst dich gleich wundern, dachte Peter und lächelte freundlich.
In den nächsten zwanzig Minuten plauderte man über die Naturschönheiten Thailands. Jeder Versuch einer Frage nach dem Tathergang wurde von Bernd freundlich, aber bestimmt abgeschmettert.
Der Offizier überlegte krampfhaft, wie man die geschwätzigen Jöhramans ins Monkey House bringen konnte.
Der Polizist an der Tür taumelte zur Seite, da er unsanft von der Klinke getroffen wurde. Ein Mann in Zivil stürmte herein und der eben noch so hochmütige Offizier spang auf, machte einen tiefen Wai und flüsterte ungläubig: “Khun Pittayarat?”
Nong’s Bruder lächelte freundlich und sagte:
“Das sind meine Freunde und Gäste und keine Tatverdächtigen!”
“In Deutschland hätte es jetzt ein Donnerwetter gegeben, aber wir sind eben in Thailand”, flüsterte Bernd Peter ins Ohr.


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Kapitel 11

Sie saßen auf der Terrasse und beobachteten ein hell erleuchtetes Restaurantschiff auf dem Fluss, vom dem Musik herüber schallte.
In den Whiskey-Gläsern klirrten leise die Eiswürfel.
“Ein guter Tropfen, der viele Jahre in schottischen Eichenfässern lagerte”, lobte Bernd den Gastgeber.
“Nach den Unannehmlichkeiten möchtet ihr sicher ausspannen und ein paar Tage Urlaub machen”, sagte Udai freundlich lächelnd.
Peter wollte sofort protestieren, aber ihn traf wieder einmal ein durchdringender Blick von Bernd, der ihn verstummen ließ.
“Meine Schwester wird sich sicher bald melden.”
“Das glaube ich eher nicht”, sagte Bernd nachdenklich.
Udai schaute ihn fragend an.
“Als wir hier aus dem Auto stiegen, verschwand ein Mann verdächtig schnell hinter einer Hecke, bevor die Scheinwerfer ihn erfassen konnten. Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, wer in diese Gegend gehört oder nicht, aber ich gehe mal davon aus, dass mehrere Wachposten im Einsatz sind.”
Udai zog die Augenbrauen hoch. Von diesem Jöhraman konnte selbst er noch etwas lernen.
“Deine Schwester hat Angst, sie wird gnadenlos gejagt, weil sie zuviel weiß.
Ich habe keine Ahnung, was sie in der kurzen Zeit hier und in Berlin über die Organisation heraus gefunden hat. Aber sie ist untergetaucht und wir müssen sie finden, um sie schützen zu können”, sagte Bernd eindringlich.
“Meine Schwester hat mir auch nicht alles erzählt”, wand sich Udai.
“Es gibt Aufträge, da dürfen weder Mutter noch Bruder informiert sein, um das Risiko zu minimieren.”
Udai ahnte jetzt zumindest, was dieser Deutsche früher einmal gemacht hatte.
Er hätte nichts dagegen, wenn dieser fähige Mann seine Schwester Nong suchen würde, aber als Offizier der thailändischen Polizei musste er etwas anderes sagen.
“Es ist Aufgabe der Polizei, meine Schwester Nong zu suchen und zu beschützen. Ich schätze euch als Freunde und Gäste, aber ihr dürft zum Beispiel keine Schusswaffen tragen. Wie wollt ihr euch selbst - ihr habt heute nur knapp überlebt - und meine Schwester schützen?”
“Mit deiner Genehmigung schon”, sagte Peter frech und bereute es sofort.
Udai’s Lächeln fror in seinem Gesicht ein.
“Wir werden deinen Vorschlag aufgreifen und uns als Touristen mal das Land ansehen”, versuchte Bernd, die Situation zu entspannen.
“Es ist besser, ihr überlasst das alles der Polizei”, sagte Udai.
Und dem Geheimdienst, fügte er in Gedanken hinzu.
Udai schenkte Whiskey nach und machte Vorschläge, was sich die Gäste an Sehenswürdigkeiten anschauen könnten.
Man musste diese Deutschen auf jeden Fall im Auge behalten. Vor allem diesen Bernd, dachte Udai, als er seine Gäste auf der Freitreppe verabschiedete.
Die gepanzerte Limousine, die Udai extra geordert hatte, fuhr vor.
Peter stieß seinem Freund vergnügt den Ellenbogen in die Rippen.
“Schau mal, was ich hier habe!” Peter benahm sich wie ein übermütiger Schuljunge.
“Is’ mir egal. Ich habe einen trockenen Hals und brauche jetzt erstmal ein Singha”, dämpfte Bernd den Übermut seines Freundes.
“Okay, klappere ich eben allein die Freundinnen von Nong ab.”
Jetzt wurde Bernd doch neugierig.
“Ich habe ihr Handy. Sie hat es damals in der Wohnung liegen lassen!
An Hand der Vorwahlen kann ich dir sagen, was wir uns in diesem schönen Land ansehen werden.”
Bernd ließ den Fahrer weit vor dem Zentrum halten.
“Durst ist schlimmer als Heimweh”, brabbelte Bernd.
“Und wo geht es hin?”
“Drei Telefonnummern in Bangkok, eine in Pattaya und eine auf Phuket.”
“Wird ‘ne schöne Rundreise, wie wir es Udai versprochen haben”, lachte Bernd.


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Ich war gestern mit Schnee schippen (aktiv :fertig: ) und Fussball gucken (passiv) beschäftigt.
Ich bin jetzt bis morgen unterwegs.
Die Geschichte geht auf jeden Fall weiter - versprochen! :wink: :undweg:
 
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Ich danke für eure Geduld - aber jetzt geht es weiter! :wink:
 
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Fortsetzung Kapitel 11

Peter und Bernd hatten sich zwei grosse Singha genehmigt, denn wie Bernd immer behauptete, würde das erste sofort verdampfen, ohne irgendeine Wirkung zu erzielen.
Zusammen mit dem Whiskey, der ihnen bei Udai serviert worden war, lockerte das die Zunge und Bernd fiel nun doch in seinen Berliner Dialekt zurück.
“Nu ruf ma endlich die erste Süße auf der Liste an!”
Peter hatte Nong’s Handy im Hotel aufgeladen, er wählte den Namen Lek.
Aber hier hatte er kein Glück. Nach vier Rufzeichen wurde er auf die Mailbox weiter geleitet und er hörte eine thailändische Ansage.
Bernd schaute ihn fragend an, aber Peter zuckte nur mit den Schultern.
Er wählte den nächsten Namen und die Dame Pad meldete sich nach drei Klingeltönen mit “Sawadee khaa!”
Peter versuchte wirklich alles, um die Dame am Telefon zu einem Treffen zu überreden, aber als der Name Nong gefallen war, wurde die Gesprächspartnerin auffallend einsilbig. Pad erfand immer wieder neue Ausreden, warum sie sich mit den Farangs nicht treffen könnte.
Irgendwann war Peter gezwungen aufzulegen. Hier kam er nicht weiter. Der Normalfall wäre gewesen, dass Bernd wild gestikuliert und verlangt hätte, selbst mit der Freundin von Nong zu sprechen.
Aber Bernd flirtete gerade mit der Kellnerin und bezahlte die Rechnung.
Er hatte einen sicheren Instinkt dafür entwickelt, was wichtig war und was nicht.
Sie stolperten auf die Soi hinaus Richtung Hauptstrasse.
Plötzlich raste mit aufheulendem Motor ein Motorrad direkt auf sie zu.
Auch als der Fahrer nur noch wenige Meter entfernt war, machte er keinen Versuch, auszuweichen oder abzubremsen.
Bernd packte Peter an der Schulter und riss ihn im letzten Moment zurück.
Während der Rückwärtsbewegung geriet Peter mit dem rechten Fuss in eine Lücke zwischen zwei Gehwegplatten und krachte gegen eine Hauswand.
Der Motorradfahrer brauste in die Dunkelheit davon.
Bernd half Peter wieder auf die Beine, dessen Gesicht wachsbleich war.
“Ein Mordanschlag!” keuchte Peter.
“Wenn det eener von Potarams Leuten war, heeß ick Zickenschulze!”
“Aber das war doch eindeutig...”
“Wenn man ernsthaft die Absicht jehabt hätte, uns beede umzunieten, dann hätte ein Sozius auf uns jeschossen!”
Peter stöhnte und schlug sich mit der flachen Hand den Staub aus den hellen Hosen.
“Außerdem kommt so etwas hier schon mal vor, dass Motorräder auf’n Bürgersteig entlang brettern.”
Peter verfluchte wieder einmal im Stillen die Besserwisserei von Bernd, aber er wusste auch, ohne seinen Freund würde er Thailand womöglich in einem Blechsarg verlassen. Erleichtert stellte er fest, dass nichts gebrochen war. Er war vermutlich mit einer leichten Schulterprellung davon gekommen.
Plötzlich schrillte eines der beiden Handys. Es war das von Nong.
Peter klappte das Handy auf.
“Nong?” fragte er ungläubig.


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