Erster Linienflug wird zur Party über den Wolken
"Ich konnte vor Aufregung fast nicht schlafen", sagt Canon Ling, als ihm die Stewardess auf dem ersten Linienflug des Airbus A380 ein Glas Champagner reicht. "Ich wollte Teil der Geschichte werden." So dachten viele der ersten 455 Fluggäste im größten Passagierflugzeug der Welt, die am Donnerstag von Singapur nach Sydney reisten und dafür teils zehntausende Dollar ausgaben. Für sie trübte in der luxuriösen Ausstattung der Fluggesellschaft Singapore Airlines nichts die Party-Stimmung über den Wolken. Siebeneinhalb Stunden nach dem Start setzt Flug SQ380 gegen 9.30 Uhr deutscher Zeit auf der Landbahn in Sydney auf. Pilot Robert Ting hatte zuvor noch eine Ehrenrunde über dem weltberühmten Opernhaus von Sydney gedreht. Lange mussten die Kunden auf diesen Tag warten. Die Lieferung des wuchtigen Flugzeugs hatte sich wegen Produktionsproblemen um rund 18 Monate verzögert. So kam als jüngster Passagier ein zehn Monate altes Baby auf den Premierenflug. Als die Eltern sich zu dem ursprünglich 2006 geplanten Flug entschlossen, war der Kleine noch nicht da. Ältester Gast an Bord war Leong Lou Teck (91). Singapore Airlines hatte für den Premierenflug eigens einen Champagner-Brunch kreiert. In der ersten Klasse wurden Lobsterschwanz und Entenbrust serviert. Unter den Passagieren waren auch vier Deutsche.
73.000 Euro für 2x Erste Klasse
Das erste Mal startet das riesige Flugzeug zu einem kommerziellen Flug - 37 Jahre, 9 Monate und 4 Tage nach dem ersten Passagierflug der Boeing 747 löst die A380 damit den Jumbo als größten Jet im Passagierverkehr ab. Um dem fliegenden Superlativ auch im Inneren gerecht zu werden, gibt's für gut zahlende Gäste etwas besonderes: private Suiten, komplett abgeschlossen wie kleine Kojen mit Bett, Sessel und riesigem Flachbildschirm. Die neue Luxusklasse nennt sich "Singapore Airlines Suites" - mit dem unbescheidenen Zusatz "A Class beyond first" ("Eine Klasse jenseits der Ersten"). In den Genuss des Luxus kommen ab 28. Oktober Fluggäste auf der Strecke Singapur-Sydney. Tickets gibt es beispielsweise im November ab etwa 2600 Euro pro Person und Strecke. Die Tickets für den Premierenflug hatte Singapore Airlines im Internet für wohltätige Zwecke versteigert. Mit Hin- und Rückflug kamen dabei 915.000 Euro zusammen. Die zahlenden Passagiere kamen aus 35 Ländern. Die Tickets im A380 kosten nach Angaben der Airline in der Economy-Klasse genauso viel wie in anderen Flugzeugtypen. Die erste Klasse, die laut Fluggesellschaft luxuriöser ist als alle anderen ersten Klassen, ist dagegen teurer: Ein Rückflugticket von Frankfurt nach Sydney, mit einem A380-Flug zwischen Singapur und Sydney, kostet 14.000 Euro.
A380 startet ab 2008 von Europa aus
Sorgen um die Auslastung macht man sich bei Singapore Airlines nicht: Die Nachfrage nach First Class Produkten sei hoch, die Zielgruppe für die neuen Suiten dieselbe wie für die bisherige erste Klasse, sagt Dr. Norbert Hofmann von Singapore Airlines: "Diese Kunden müssen nicht aufs Geld achten." Die stört es auch nicht, dass der Flug in der "normalen" First Class - zum Beispiel in einer Boeing 747 - etwa 400 Euro günstiger ist. Potentielle Gäste in Europa müssen sich noch etwas gedulden, bevor sie in den edlen Kojen des A380 Platz nehmen dürfen. Laut Hofmann wird es noch bis Anfang 2008 dauern, bis der erste A380 (und mit ihm die Suiten) auf der Strecke London-Singapur eingesetzt wird. Ob und wann auch Frankfurt als Abflughafen folgt, steht noch nicht fest.
Edle Kojen vom Yacht-Designer
Entworfen wurden die Kojen vom französischen Star-Designer Jean Jacques Coste, der normalerweise Luxusyachten ausstattet. Bei den verwendeten Materialien ließ sich die Airline nicht lumpen: Feines Leinen, poliertes Holz und handgenähtes Leder erwarten den Luxusgast hinter automatischen Schiebetüren. Die Kabinen, die im Gegensatz zu gewöhnlichen Business-Class-Sitzen sogar ein eigenes Bett besitzen, lassen sich je nach Wunsch zur Ruhestätte oder zum mobilen Büro umfunktionieren. Der 58 Zentimeter große Flachbildschirm dient je nach Wunsch der Unterhaltung oder als Computer-Ersatz zum Arbeiten. Passend zum großzügigen Platz-Angebot wird aufgetischt: Von Top-Köchen kreiertes Essen wird mit ausgewählten Weinen serviert - natürlich genau dann, wenn der Gast es wünscht. Die Anzahl der Suiten ist höchst exklusiv: An Bord gibt es gerade einmal zehn der Suiten - acht Einzel- und zwei Doppelkabinen.
Singapore Airlines bleibt nicht allein
Die vollmundige Ankündigung der "Klasse jenseits der Ersten" seitens Singapore Airlines sei nicht nur, aber natürlich auch ein Versuch, sich von der Konkurrenz abzuheben, sagte Dr. Hofmann. Zudem habe man als Fluggesellschaft beim A380 den Vorteil, dass sich der Flugzeugbauer nach den Wünschen der Airline richte, und nicht umgekehrt, wie es bei früheren Flugzeugtypen oft der Fall war. Die Konsequenz daraus ist: Auch andere Gesellschaften werden im A380 vor allem in der ersten Klasse mit neuen Konzepten aufwarten. So wird auch die Lufthansa in den eigenen Airbus A380 eine neue First Class präsentieren, sagte Pressesprecherin Amelie Lorenz. Zwar gebe es schon Pläne, aber wie die neue Luxusklasse aussehen wird, bleibt bis zur Auslieferung der Flugzeuge im Sommer 2009 geheim. Nicht geheim dagegen ist die Preispolitik: Im Gegensatz zu Singapore Airlines will die Lufthansa die Tickets für die erste Klasse im A380 nicht teurer verkaufen als in anderen Maschinen.
Quelle:
http://onreisen.t-online.de/c/13/06/43/58/13064358.html