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Was wird aus einem Deutschen nach längerem Aufenthalt in Thailand?

Erstellt von Heinrich Friedrich, 24.02.2011, 02:43 Uhr · 110 Antworten · 9.832 Aufrufe

  1. #71
    Avatar von waanjai_2

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    Heimat ist da, wo man sich "zu Hause" fühlt. Ist man ein deutscher "Türke in Thailand", dann spricht man genauso wenig Thai wie die Türken in D Deutsch. Aber für die Ausbildung von "heimatlichen Gefühlen" reichen auch schon andere Dinge wie: wo hat man Freunde, seine Frau und seine Familie - sofern man so weltoffen ist, auch "in Familien einheiraten zu können", was in Asien kaum anders geht - seine Freizeitangebote, wo kennt man sich aus, kennt also z.B. Restaurants, sofern man wiederum nicht ein Feind der Landesküche ist, wo holt man die Kinder von der Schule ab, wo liebt man das Schwätzchen auf dem Markt.

    Du siehst "die Heimat" kann entstehen auch zunächst ohne sprachliche Integration und politische Partizipationschancen. Irgendwann werden diese fehlenden Möglichkeiten dann aber sicherlich als Ärgerlichkeiten empfunden. Und solange man kein kommunales Wahlrecht hat, sollte man auf so etwas wie Ausländerbeiräte setzen, die einen Kanal der politischen Einflußnahme schaffen. Als Selbsthilfe auch zunächst als Clubs organisierbar. Das haben uns alle die Türken in Deutschland beigebracht. Und der deutsche Umzügler nach Thailand braucht nicht in jedem Einzelfall deutlich dümmer zu sein, als die angeblich so dummen Türken.

  2.  
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  3. #72
    KKC
    Avatar von KKC

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    Nachdem wir 6 Monate in Deu bzw. in Thailand sind kann Thailand natürlich nicht meine Heimat sein.
    Selbst bei 12 Monaten/Jahr wäre ein Heimatsgefühl daran gebunden, ein Mitbestimmungsrecht in Thailand zu haben (was der Farang in Thailand ja nicht hat, angefangen vom Grundbesitz bis zum Wahlrecht).
    Somit reduziert sich Thailand für mich auf den Status eines Gastlandes (und das ist ja auch ok!)

  4. #73
    Avatar von Hitori

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    Zitat Zitat von KKC Beitrag anzeigen
    Nachdem wir 6 Monate in Deu bzw. in Thailand sind kann Thailand natürlich nicht meine Heimat sein.
    Selbst bei 12 Monaten/Jahr wäre ein Heimatsgefühl daran gebunden, ein Mitbestimmungsrecht in Thailand zu haben (was der Farang in Thailand ja nicht hat, angefangen vom Grundbesitz bis zum Wahlrecht).
    Somit reduziert sich Thailand für mich auf den Status eines Gastlandes (und das ist ja auch ok!)
    Ich denke, dass die thailändische Gesetzgebung es einem schwer macht, sich wirklich 100% in LOS niederzulassen und das Land als 1. Heimat anzusehen. Wie gesagt ist man nur geduldeter Gast und in der Regel nur so lange geduldet solange man genug Geld auf dem Konto hat, vor allem solange man unter 65 ist - und regelmäßige Visaruns dürften dürften einem Heimatgefühl auch nicht förderlich sein.

    Zudem ist die thailändische Gesetzgebung volatil und die Rechtssicherheit gering: das bedeutet,
    a) das sich alle Ausländer die Rechtslage in Bezug auf die verschiedenen Aufenthalts- und Besitztiteln jederzeit zum Negativen verändern kann (die Rechtslage hat sich ja anscheinend in den letzten Jahren verschlechtert)
    b.) individuell, sollte es ernsthafte Probleme mit der thailändischen Familie oder Geschäftspartnern geben, kann man wie man immer wieder hört Haus und Hof und im schlimmsten Fall sein Leben verlieren.

    In einer persönlichen Note: erst nach einem längeren Aufenthalt in Asien wurde mir bewußt wie 'deutsch' ich tatsächlich bin. Das fängt mit typisch deutschen Events wie Weihnachten an, die sich in Asien einfach nicht richtig anfühlten, bis hin zu dem Gefühl des "zu Hause seins", dass man sich in einer Kultur/Land/Stadtviertel wie ein Fisch im Wasser bewegt und einfach dazu gehört und für die tausend Kleinigkeiten des Alltags nicht ewig rumchecken muss. In Asien wird man ein Leben lang ein Farang bleiben. Natürlich kann kann sich natürlich im persönlichen Umfeld integrieren über Sprache/Verwandtschaft/Jobs/etc., aber sobald man dieses verlässt ist man wieder der Farang/Barang/Gaijin/Gweilo, bis ans Endes seines Lebens.

    Bei mir ist sogar die auf dem ersten Blick die paradoxe - aber dennoch nicht unübliche Situation - aufgetreten, dass je länger ich in dem Land lebete desto schwieriger wurde es. Vor allem in den Alltagsbeziehungen mit Freunden und im beruflichen Umfeld. Am Anfang war ich als weißer Ausländer und auf Grund meiner Position (ich war kein ungelernter "VOX Goodbye Deutschland" Auswanderer) noch eine Novität mit der sich sogar geschmückt hat. Übliche Anfängerfehler wurden mir nachgesehen, aber dieser Reiz den Neuen verflog natürlich. Nach einiger Zeit wurde von mir erwartet dass ich auch Alltagssituationen navigieren konnte, die mir trotz Sprachausbildung und vielen Beziehungen zu Locals unbekannt waren. Kommunikationscrashs blieben nicht aus. Zum Glück hatte als erfahrene Expats aus D. an meiner Seite, die mir mit Rat beiseite standen. Dennoch sind zwei mir sehr wichtige Freundschaften zu Einheimischen den Bach herunter gegangen.

    Allerdings war meine Aufenthalt von Anfang an zeitlich begrenzt, da von D. aus finanziert. Als die Zeit rum war bin ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge in den Flieger gestiegen. Bei der Ankunft in D. hat mich dann allerdings der "Reverse Culture Shock" mit voller Wucht getroffen.

  5. #74
    Avatar von benni

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    und so kann es auch in Deutschland sein, wenn die eigene Frau des Deutschen und die eigenen Kinder dort nicht ohne zu absolvierende Hürden leben, arbeiten, studieren...dürfen.

    und so ist es halt wenn man in ein fremdes Land zieht und immer wieder mit daheim vergleicht, ohne sich den Gegebenheiten kulturell-intuitiv anzupassen vermag

  6. #75
    Avatar von Hitori

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen

    und so ist es halt wenn man in ein fremdes Land zieht und immer wieder mit daheim vergleicht.
    Das ist vermutlich der größte Fehler den man überhaupt machen kann: "Also in D. hat man das ganz anders (sprich vieeel besser) gemacht". Nur wer diese ewige Vergleichsmaschine abstellt kommt in Asien an. Wer dies nicht tut verbleibt geistig sein Leben lang in Deutschland und ist total unfähig LOS oder welches Land auch immer als seine 2. Heimat anzunehmen. In meinen Augen sind dies die verbissenen Verlierer, die in der Regel alles besser wissen, keine anderen Meinungen/Erfahrungen zu lassen und extrem negative Vibrations ausstrahlen. Solche Typen meide ich wie die Pest.

    Aber Heimat hat nicht mit Vergleichen, sondern sehr viel mit Bindungen, Erfahrungen und Erinnerungen zu tun. Diese kann und sollte man nicht verdrängen, allerdings sollten diese alten Sachen mit neuen Bindungen, Erfahrungen und Erinnerungen ergänzt und erweitert werden. Ich denke dann kann man eine 2. Heimat finden.

  7. #76
    Avatar von benni

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    das kann man nicht abstellen. Es gibt Menschen, die nun mal nicht an fremden Kulturen interessiert sind und dennoch, irgendwie gezwungener Maßen, nach Thailand ziehen.

    Andere wiederum fühlen sich in fremden Ländern automatisch wie Fische im Wasser, sind in Indien, auf den Philippinen, in Japan und wo auch immer, gleich zuhause und haben keine Probleme sich dem Leben dort anzunähern.

  8. #77
    Bajok Tower
    Avatar von Bajok Tower
    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Der Begriff Heimat ist für mich irrelevant, da sich die Frage nicht stellt und noch nie gestellt hat.
    Mir geht's genauso.

  9. #78
    Avatar von lucky2103

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    das kann man nicht abstellen. Es gibt Menschen, die nun mal nicht an fremden Kulturen interessiert sind und dennoch, irgendwie gezwungener Maßen, nach Thailand ziehen.

    Andere wiederum fühlen sich in fremden Ländern automatisch wie Fische im Wasser, sind in Indien, auf den Philippinen, in Japan und wo auch immer, gleich zuhause und haben keine Probleme sich dem Leben dort anzunähern.
    Der ständige Vergleich mit DACH ist wirklich keine gute Idee, aber vorgestern Abend habe ich unbewusst doch einen machen (müssen):

    Im TV3 kam die Story eines 10-Jährigen, der im KKH Phichit an Blinddarm gestorben ist.
    Nach einsetzenden Schmerzen ist er mit Mutter in sein Amphoe- Krankenhaus gegangen, wo ein Blinddarmdurchbruch diagnostiziert wurde.
    Weil aber die Einrichtungen dort nicht für OPs taugten, wurde er ins KKH Phichit überwiesen.
    Dort angekommen, wurde er in der Notaufnahme nochmals untersucht, aber der Doc dort hat keinen Blinddarmdurchbruch feststellen können - Kurz nach der Untersuchung ist der Doc dann nach Hause gegangen, so dass nur noch Krankenschwestern anwesend waren.
    Später setzte hohes Fieber ein und der Junge fing an zu schreien und zu randalieren.
    Eine Krankenschwester hat ihn dann an der Bahre festgebunden und ins Gesicht geschlagen,, damit er still sei....es trat Blut aus seinen geplatzen Wangen aus.
    Am Ende starb der Junge an Erstickung, weil ihm mit einem Tuch Mund und Nase zugehalten wurde.
    Am nächsten Tag sagte der Direktor des KKHs, dass der Blinddarmdurchbruch nicht erkannt wurde, weil der Junge übergewichtig gewesen sei....TIT.

    Da hab ich sofort einen Vergleich mit D gestellt und befunden, dass so ein ungeheurer Vorgang dort ausgeschlossen gewesen wäre.

  10. #79
    Avatar von Armin

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    Aso Heimat hat zuerst einmal mit örtlichen sozialem Umfeld zu tun und wie stark man sich dort angagiert hat.
    Meine 1. Heimat war das wunderschöne Allgäu mit abschließender Lehre in Garmisch Partenkirchen. Somit konnte ich schon mal zwei Sprachen allgäurisch und oberbayrisch. Mit 18 Jahren bin ich nach Hamburg gezogen und habe etwas plattdütsch gelernt. Hamburg wurde für 17 Jahre meine Heimat und ich habe mich wohlgefühlt. Dazu muss ich sagen das meine Eltern Preußen sind und sie hatten im Allgäu eine sehr schwere Zeit. Der Dorfprediger hatte von der Kanzel gepredigt, diese Heiden müssen von der Bildfläche verschwinden. Ich hatte zwar auch etwas Schuhplatteln und Volkstänze gelernt, bin aber nie recht warm mit den Einheimischen geworden. Die Hamburger entsprachen meiner Erziehung und dem freihen Bürger und ich konnte mir selbst etwas aufbauen, bis das reine Geldverdienen mich auf eine neue Suche brachte. Durch meine Weltreisen bin ich dann auf neue Ziele gestoßen. Heute mus ich manchmal schmunzeln, dass ich mir letztendlich eine Heimat aufgebaut habe, die dem preußischen Großgrundbesitzer sehr ähnlich ist.
    Ich habe aber letztendlich immer für meine Heimat gelebt und gearbeitet. Dies nur als Beispiel was für mich Heimat ist. Auf keinen Fall ist es ein schnell wechselder Aufenthaltsort.

  11. #80
    Avatar von wasa

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    dass ich mir letztendlich eine Heimat aufgebaut habe, die dem preußischen Großgrundbesitzer sehr ähnlich ist.
    Profil = ein Junker mit preussisch/thailaendischem Kolorit,leider vergessen anzugeben mit wieviel Rai.

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