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Warum es in Thailand keinen Alarm gab

Erstellt von Intruder, 31.12.2004, 10:29 Uhr · 3 Antworten · 828 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Intruder

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    Warum es in Thailand keinen Alarm gab

    Warum gab man in Thailand keinen Alarm?

    Unangenehme Fragen von Feriengästen und Presse
    In Thailand ist kein Tsunami-Alarm ergangen, weil die verunsicherte zuständige Behörde die Tourismusindustrie nicht unnötig stören wollte. Ministerpräsident Thaksin hat jetzt einen altgedienten Experten zu seinem Berater ernannt. Das Königreich wird wohl bald als erstes Land der Region über ein Vorwarnsystem verfügen.

    Am Donnerstag sind in Bangkok zahlreiche von der schwer geschädigten Insel Phuket evakuierte Feriengäste angekommen, die von der kostenlosen Luftbrücke der thailändischen Fluggesellschaften Gebrauch gemacht haben. Zum Teil wollen sie sich in den besser ausgerüsteten hauptstädtischen Kliniken pflegen lassen, zum Teil auch von hier aus direkt in die Heimat zurückfliegen. Zu ihnen gehörte auch das ursprünglich holländische, nun in San Francisco lebende Ehepaar M., das die Katastrophe von Sonntag unversehrt überlebt hat. Wie praktisch alle Touristen sind die beiden des Lobes voll über den Einsatz der einheimischen Retter und Helfer, die gute Koordination der Bergungsarbeiten und der Evakuierung der Opfer und vor allem auch über die unglaubliche Hilfsbereitschaft und die vielen Zeichen der Anteilnahme von Seiten der thailändischen Bevölkerung. Diese sei umso rührender, wie Frau M. anfügt, wenn man sich vor Augen halte, dass viele dieser Thailänder selber Angehörige verloren hätten und häufig wegen der von den Flutwellen angerichteten Schäden vor dem totalen Ruin stünden.

    Kurzfristige Warnung hätte viel verhindert
    Ganz zum Schluss aber werfen die M.s eine Frage auf, die auch von anderen Überlebenden immer wieder gestellt wird: Warum eigentlich ist vor den Flutwellen kein Grossalarm ausgelöst worden. Die M.s als Wahlkalifornier sind mit Erdbeben bestens vertraut und wussten am Sonntag um acht Uhr früh sogleich genau, was sie in ihrem Hotel in Patong auf Phuket unsanft geweckt hatte. Als sie kurz darauf am Strand gewahr wurden, dass dieser plötzlich viel breiter geworden war, weil das Meer sich ungewohnt weit zurückgezogen hatte, wussten sie auch gleich, dass dies das untrügliche Anzeichen bevorstehender Tsunami-Wellen war. Doch als sie andere Spaziergänger warnten, ernteten sie mehrheitlich nur ungläubiges Lachen. Jene fuhren mit dem Sammeln von zahlreichen sichtbar gewordenen Muscheln fort. Sich der eigenen Gefahr bewusst, gaben die M.s ihre Überzeugungsversuche auf und brachten sich gerade noch rechtzeitig in die weit hinter dem Strand gelegene höhere Region Patongs in Sicherheit. Nach dem kurz danach ausgebrochenen Inferno halfen die M.s noch zwei Tage lang, verletzte Überlebende zu bergen und in Lazarett-Stationen zu bringen.

    Im Gespräch beharrt das Ehepaar M. darauf, dass ein geballter Einsatz der Behörden, die danach so gute Arbeit leisteten, vor der Katastrophe viel Leid hätte verhindern können. Sicher, so räumt das Paar ein, hätten die strandnahen Bungalows und Hotels, die Boote und all die Stände und anderen Anlagen entlang der Strände nicht gerettet werden können. Von den Menschen und Einrichtungen auf den kleinen, der Andamanenküste vorgelagerten Inseln ganz zu schweigen. Dennoch hätte ihrer Ansicht nach mit Alarmdurchsagen über alle Radio- und Fernsehstationen, selbst wenn sie nur 20 Minuten vor dem Eintreffen der ersten Tsunami-Welle erfolgt wären, und mit dem Einsatz der omnipräsenten Polizei in Thailand verhindert werden können, dass es Hunderte oder Tausende von Todesopfern gab.

    Folgenschwere Fehleinschätzung
    Tatsächlich haben schon von Dienstag an auch einige der hiesigen Zeitungen die Frage zu thematisieren begonnen, warum kein Alarm gegeben wurde. Dabei ist Peinliches ans Licht gekommen. Laut Zeitungsberichten hatte das für solche Alarme zuständige Meteorologische Departement am frühen Sonntagmorgen eine Sitzung einberufen; seine Angehörigen waren in Minutenschnelle über das Seebeben vor der Küste Sumatras sowie über dessen Stärke informiert und wussten auch um die Tsunami-Gefahr. Sie beschlossen, nicht zu handeln, weil sie laut einem Bericht in der englischsprachigen Bangkoker Zeitung «The Nation» befürchteten, dass ein überflüssiger Alarm in den vollbesetzten Hotels «unnötige Angst» hätte auslösen und das Ansehen Thailands als Ferienziel schädigen können. Einer der Beamten des Büros ging so weit, der «Nation» gegenüber offen zu erklären, sie hätten gefürchtet, in einem solchen Fall ihre Arbeitsplätze zu verlieren.

    In einem Leserbrief zu diesem Thema an die «Nation» beschuldigt Anantachai Hansasuta, ein pensionierter Oberstleutnant der Polizei, den Ministerpräsidenten, Thaksin Shinawatra, genau für diese Ängste direkt verantwortlich zu sein. Demnach hatte das Meteorologen-Büro im Jahr 2002 anlässlich eines Seebebens ebenfalls vor den Küsten der indonesischen Insel Sumatra einen Alarmruf über die elektronischen Medien erlassen; zu Tsunamis kam es dann aber nicht. Laut dem Leserbrief des Polizisten rügte Thaksin daraufhin das Meteorologen-Büro scharf, weil es die Tourismusindustrie unnötig gestört habe. Dem habe Thaksin angefügt, in Thailand habe es seit 300 Jahren keine Tsunamis mehr gegeben und es werde auch in naher Zukunft keine geben.

    Neuer Tsunami-Berater ernannt
    Inwiefern sich Thaksin von diesen Fragen und Kritiken beeinflussen liess, ist unklar, jedenfalls hat er am Donnerstag Smith Thamasaroj zum Mitglied seines persönlichen Beraterstabes ernannt. Dieser ist ein ehemaliger Chef des Meteorologen-Büros, der schon 1998 erstmals vor dem Tsunami-Risiko an der Andamanenküste gewarnt hatte - mit der Folge, dass ihm damals aus Kreisen der Hotellerie in Phuket ziemlich unverblümt mit Mord gedroht wurde, falls er es wagen sollte, diese Insel je wieder zu besuchen. Beobachter werteten am Donnerstag seine Ernennung zum Berater Thaksins als Anzeichen dafür, dass Thailand nun wohl zum ersten Anrainerstaat des Indischen Ozeans werden könnte, der ein richtiges Tsunami-Vorwarnsystem installiert.


    Quelle : NZZ

  2.  
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  3. #2
    papa
    Avatar von papa

    Re: Warum es in Thailand keinen Alarm gab

    Vielleicht hätte eine Vorwarnung noch mehr Todesopfer gefordert. Wie ich die Menschen kenne hätten sich viele an den Strand begeben um dieses Schauspiel zu bewundern.
    Papa

  4. #3
    Avatar von altf4

    Registriert seit
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    365

    Re: Warum es in Thailand keinen Alarm gab

    hab vorhin auf iTV eine videoaufnahme gesehn wo ein vater seine kinder
    gefilmt hat die sich vor der welle gebruestet haben ...

    naja 20 sekunden spaeter ist die laune dann bisschen umgeschlagen ...
    als die erste welle reinkam (knapp nen meter hoch)

    und im horizont immernoch eine um ein vielfaches
    hoehere welle zu sehen ...

  5. #4
    Avatar von Ricci

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    819

    Re: Warum es in Thailand keinen Alarm gab

    Zitat Zitat von papa",p="202160
    Vielleicht hätte eine Vorwarnung noch mehr Todesopfer gefordert. Wie ich die Menschen kenne hätten sich viele an den Strand begeben um dieses Schauspiel zu bewundern.
    Papa
    Papa,

    ich denke mal, dass Du recht damit hast.
    Vielleicht wären es noch mehr Opfer, vor allem unter den Touris, die natürlich gleich von den Hügeln heruntergekommen wären um die Action vor Ort live und uncut zu sehen.

    Warnungen hin oder her. Die Opferzahl wäre nur um eine Winzigkeit geringer. Ja natürlich, jedes gerettete Leben ist sehr wichtig. Aber mal ehrlich. In THL herscht noch dier beste Infrastruktur um so eine Warnung publik zu machen. Auf den indischen Inseln oder auf Sumatra, Sri Lanka etc., hätte solch eine Warnung sich erst mal durch den Dschungel der Zuständigkeiten schlagen müssen. Und dann, irgendwann, bekommt Ranshid -Polizeichef von irgendeinem Fischerdorf eurer Wahl- einen Anruf. Das Problem ist nur, Ranshid und das Polizeihäuschen gibt es nicht mehr. Die beiden liegen seit 2 Stunden 300 Meter weiter im landesinneren.

    Es macht uns alle verrückt, was dort schlimmes passiert ist. Dass jetzt natürlich nach Verantwortlichen gesucht wird, ist verständlich. Natürlich versucht man den schwarzen Peter irgendwelchen Menschen zuzustecken. Aber nicht um sonst nennt man so etwas "Naturkatastophe". Da sind wir Menschen aussen vor.

    Und ob man die Natur zügeln kann? Ich denke nicht.
    Evakuierungen, Frühwarnsysteme..........dann wäre die Welle vielleicht doppelt so hoch und doppelt so heftig gewesen und es hätte die selbe Zahl an Todesopfern gegeben.


    Ciao
    Ricci

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