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Wann ist man Deutscher?

Erstellt von Tramaico, 05.07.2006, 14:17 Uhr · 116 Antworten · 5.198 Aufrufe

  1. #101
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Zitat Zitat von Micha",p="365933
    Doch wie gesagt wenn man den Takt ausblendet und nur die Tonfolgen vergleicht....
    Micha,
    hier hast Du mir neben Vorspruengen in der thailaendischen Rechtschreibung noch etwas voraus: Musikalitaet.

    Bin so musikalisch wie ein Schlosshund. Kenne zwar die thailaendische Hymne vom Wortlaut, doch wenn ich sie anstimme, wird meine Tochter kreidebleich und ich muss jedesmal mit einer Anzeige wegen Verunglimpfung des Staates rechnen

    Viele Gruesse,
    Richard

  2.  
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  3. #102
    ffm
    Avatar von ffm

    Registriert seit
    06.08.2005
    Beiträge
    3.997

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Zitat Zitat von Tramaico",p="366249
    These: Ein Auslaender kann niemals zum Thai werden, selbst nicht mit Thai ID, thailaendischem Pass und Namen im Hausregister. Man bleibt das, als was man geboren wurde.

    Praktisch auch nicht nach 100 Jahren und staendigem Lederhosentragen, Schweinshaxenkonsum und Weissbier kann ein Japaner oder Schwarzafrikaner nicht zum Bayern tranferieren.

    Globalisierung hin und Globalisierung her, scharfkantige Trennlinien scheinen existent zu bleiben. Visuelle Erscheinung und Vorpraegung werden als die Asse im Spiel gesehen. Solange dieses gilt, wird es auch immer Auslaendergettos geben und echte Integration nicht zu realisieren sein.
    Richard, deine Sichtweise ist die eines radikalen Individualisten der sich selbst fast ausschliesslich durch seine eigenes Tun und seine eigene Leistung definiert und frei sein moechte von allen Bindungen. Meiner Meinung nach ist das eine sehr einseitige Sicht, denn du klammerst einfach alles aus was nicht zu diesem Ideal des freischwebenden Individuums passt.

    Im uebrigen hast du das Zitat, das zu als Ausgangsposting verwendet hast, so verdreht dass du bei einer ganz anderen Aussage angekommen bist. Mir ging es darum darauf hinzuweisen dass du bestimmte Praegungen in der Kindheit und Jugend mitbekommst und die auch Zeit deines Lebens nicht mehr loswirst, so sehr du dich auch darum bemuehst. Diese Praegungen verstehe ich als Deutsch sein. Man wird in diesem Sinne nicht zum Deutschen geboren sondern sozialisiert.

    Die Erziehung die deine Eltern dir mitgegeben haben, die fruehkindlichen Erlebnisse, der Erwerb der Muttersprache, der Besuch deutscher Institutionen wie Kindergarten, Schule, Ausbildungsbetrieb, Militaer und Universitaet, die Geschichten die dir deine Grosseltern immer von frueher erzaehlt haben, die Spiele die du als Kind gespielt hast, die Lieder und Gedichte die du gelernt hast, all das und noch viel mehr setzt sich zu etwas zusammen was ich als Deutsch sein verstehe. Deutsch sein in diesem Sinn ist ein kultureller Begriff, unabhaengig von Blut und Boden auf der einen Seite oder Staatsangehoerigkeitsrecht auf der anderen Seite.

    Dass du das Glueck hattest schon frueh unterschiedliche Kulturen kennen zu lernen hat dich zwar zu einem weltoffenen Menschen gemacht, aber du bist dadurch nicht weniger Deutscher als jemand der nie seinen bayerischen Heimatort verlassen hat.

    Selbstverstaendlich kann in diesem kulturellen Sinn ein Kind japanischer oder tuerkischer Eltern auch Deutscher werden. Genauso wie ein Deutscher auch Thai werden kann. Aber meiner Ansicht nach gehoert mehr dazu als sich ein paar Jahre im jeweiligen Land aufzuhalten und den jeweiligen Pass zu bekommen.

    Vielleicht gelingt es dir auch dich so in die thailaendische Denk- und Lebensweise, Sprache und Kultur einzuarbeiten dass du dich selbst als Thai siehst und von deiner Umgebung als solcher wahrgenommen wirst. In diesem Fall wirst du aber - und das war die Grundaussage meines Postings das du als Zitat verwendet hast - immer noch gleichzeitig Deutscher im kulturellen Sinn bleiben, weil deine Erziehung, deine Werte, deine Bildung und deine Muttersprache, alles das was man unter Sozialisation versteht, immer deine Persoenlichkeit bestimmen werden.

  4. #103
    ray
    Avatar von ray

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Servus,

    Ich kann diese Frage leider nicht beantworten, weil ich bayerischer Staatsbürger bin! :bravo:

    Gruß Ray

  5. #104
    Avatar von Palawan

    Registriert seit
    29.04.2005
    Beiträge
    704

    Re: Wann ist man Deutscher?

    @ffm

    Sehr gut geschrieben und in etwa auch meine Gedanken.

    Ich sehe bei so manchem Auswanderer oder Secondos ( Ausländer in 2er/3er Generation ) eher noch die Gefahr, dass man zwischen Tisch und Bank fallen kann.

    Die eigenen ursprünglichen Wurzeln kann / will man nicht mehr Greifen und die neue "Identität" wird man nie ganz erlangen können.


    Gruss Palawan

  6. #105
    Avatar von x-pat

    Registriert seit
    06.11.2003
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    7.208

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Ich sieht für mich danach aus, als ob Deutschsein (oder Thaisein, oder was-auch-immer-sein) jenseits der normalen Möglichkeiten der Selbstdefinition liegt. Die meisten Menschen wachsen in einem bestimmten Land auf und haben Eltern mit einer bestimmten Nationalität. Diese beiden Faktoren bestimmen die nationale Identität. Ffm hat das schon sehr eloquent anhand von den frühkindlichen Prägungen erklärt und die meisten Entwicklungspsychologen würden ihm vermutlich zustimmen.

    Ich habe mir in der Vergangenheit hier und da den Spaß erlaubt, mein Deutschsein in einer internationalen Gruppe zu verschweigen, aber das war trotz aller Bemühungen, wie z.B. falscher englischer Akzent, Diskussion über die US Außenpolitik, intime Kenntnis des australischen Arbeitsmarktes, nur selten erfolgreich. Früher oder später wird man enttarnt. Irgendwer fragt dann: "Hey, are you from Germany." - "Me? äh, Germany? äh, how did you guess?" Und das obwohl ich weder blond noch blauäugig bin, noch eine "D" Plakette am Kopf trage.

    Meine Frau behauptet, dass sie inzwischen einen Deutschen auf 100m Entfernung ausmachen kann. Es muss also so etwas wie kulturelle Identität geben, die zusätzlich zur genetischen Identität das Selbstbild bestimmt. Man kann es sich leider nicht aussuchen. Karma sozusagen.

    Zum Glück bin ich kein Franzose geworden.

    Cheers, X-Pat

  7. #106
    Avatar von Joerg_N

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    15.172

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Man hat mich früher in Thailand auf Samui meisst für einen Schweden oder Norweger gehalten,
    auch im Gespräch mit Engländern,

    wenn ich dann sagte ich wäre Deutscher war die Verwunderung gross

    aber ich trug die Haare hinten auch nicht lang ;-D

  8. #107
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Zitat Zitat von ffm",p="366266
    Richard, deine Sichtweise ist die eines radikalen Individualisten der sich selbst fast ausschliesslich durch seine eigenes Tun und seine eigene Leistung definiert und frei sein moechte von allen Bindungen. Meiner Meinung nach ist das eine sehr einseitige Sicht, denn du klammerst einfach alles aus was nicht zu diesem Ideal des freischwebenden Individuums passt.
    @ffm
    Ja, Du triffst tatsaechlich mit Deiner Aussage und Bewertung meiner Person den Nagel voll auf den Kopf. Nicht sarkastisch oder in irgendeiner Weise negativ gemeint

    Mit radikal kann ich mich nicht 100%ig anfreunden wenn es um andere Personen geht, aber ich bin unzweifelhaft mein schaerfster und gnadenlosester Kontrolleur.

    Warum bin ich so? Weil ich mein Leben lebe und es nicht fuer andere lebe. Meist geht es immer nur darum die Erwartungen anderer zu erfuellen, obwohl man eigentlich lieber links als rechts an der naechsten Kreuzung abbiegen moechte.

    Jeder sollte Individualist sein, anstatt sich sein Gesicht grau anzustreichen, weil eben Grau die Farbe ist, die die Gruppe traegt. Falls man dies nicht tut und sich nicht seinem Individulismus hingibt, lebt man seinem Leben vorbei und wird dann letztendlich niemals Zufriedenheit finden.

    Viele Jahre habe ich mich dem Zwang der Zwaenge immer wieder unterworfen zu Gunsten meiner Mitmenschen und bin nach deren Willen immer rechts an der Kreuzung abgebogen, bis zu einem Donnerstag im Februar 1999, als ich den Entschluss fasste, dass das letzte Mal tatsaechlich das letzte Mal sein wird anderen nur einfach recht zu machen.

    Ich wurde zum bedingungslosen Individualisten, der seine Entscheidungen ausschliesslich selber trifft und auch selbst verantwortet. Zwar lagen die Individual-Gene bereits in der Wiege, doch wurden sie jahrzehntelang immer wieder unterdrueckt. Meiner Meinung leider ein Zwang, dem sich viel zu viele Menschen unterwerfen und dadurch keine echte Zufriedenheit erlangen koennen:

    "Du musst, nicht weil Du moechtest, sondern weil man es von Dir erwartet."

    Eigentlich gibt es gar kein richtiges echtes diktiertes muessen, denn man hat meist mehrere Optionen, die nur einfach vorschnell als "unmoeglich" vom Tisch gewischt werden und somit wird dann das innere Potential niemals erreicht, sondern faellt einfach der Gewohnheit oder gar der Furcht vom Anderssein zum Opfer.

    Ich lebe im Jetzt und Gedanken mit der Vergangenheit zu "verschwenden" ist unnoetig, denn es ist eben Vergangenheit. Ja, ich bin in Brasilien geboren, ja ich bin in Deutschland aufgewachsen und meine Eltern sind deutsch, aber JETZT lebe ich in Thailand und meine Familie ist Thai.

    Wird von mir erwartet, dass ich meine deutschen Wurzeln einfach nicht vergessen darf oder suggeriert, dass ich sie nicht vergessen kann? Ja, eine gewisse Vorpraegung ist da, aber mit jedem weiteren Jahr verliert sie an Bedeutung. 99,9% aller Deutschen wuerden mit Sicherheit nicht ihre deutschen Wurzeln aufgeben wollen, aber wie Du sagst, ich bin gemaess meinem eigen Wunsch Individualist und somit aus der Sichtweise vieler sogar ein Radikaler.

    Dabei mache ich aber eigentlich nur eines: ICH lebe MEIN Leben. Eine Aufgabe die mir niemand abnehmen kann und die ich mir auch von niemanden (mehr) abnehmen lassen wuerde. Meiner Meinung nach eine Philosophie, die viel mehr Menschen annehmen sollten, dann faellt Ihnen auch das Laecheln viel leichter. Eine Eigenschaft, die speziell in den modernen hochentwickelten Industriestaaten immer mehr verloren zu gehen scheint. :-)

    Viele Gruesse,
    Richard

  9. #108
    Avatar von tira

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    17.260

    Re: Wann ist man Deutscher?

    Zitat Zitat von Tramaico",p="366351
    ....dass ich meine deutschen Wurzeln einfach nicht vergessen darf oder suggeriert, dass ich sie nicht vergessen kann? Ja, eine gewisse Vorpraegung ist da, aber mit jedem weiteren Jahr verliert sie an Bedeutung.....
    tach richard,

    kein balast des deutschtums hättest du, könntest du ein erase.* durchführen,
    selbst nach einem black out stellt sich zumeist nach und nach die erinnerung ein.
    dein bewusstes agieren als individuum iss eine sache, das unterbewusstsein bekommst
    du auch in den griff :???:

    gruss

  10. #109
    Avatar von maphrao

    Registriert seit
    19.01.2006
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    6.604

    Re: Wann ist man Deutscher?

    @Tramaico: sehr schöne Ansicht, die ich weitestgehend teile.

    Was das Deutschsein angeht, sicher ist vieles Anerzogen und wer in Deutschland aufgewachsen ist, kann nicht alle "typisch deutschen" Eigenschaften von heute auf morgen ablegen. Aber wenn man selbst einige dieser Eigenschaften loswerden will, was spricht dagegen?
    Ich sehe mich auch nicht als typisch deutsch an, habe meine Eltern schon als Kind nach jedem Urlaub gefragt, warum ich in Deutschland wohnen muss. Nunja, muss ich ja nicht, ich habe die deutsche Ordnung, Bürokratie und Kleinlichkeit in einigen Dingen schon immer missbilligt, ich habe mich schon immer zu sehr bevormundet gefühlt und habe früh gemerkt, dass meine Einstellung in Deutschland immer auf viel Unverständnis trifft.
    Nun muss man sich natürlich fragen, was eigentlich typisch deutsch ist und was einfach nur durch Gesetze Unmut in mir hervorruft.
    Ich glaube, Deutschland hat unbestritten viele vorteilhafte Dinge hervorgebracht, welche aber immer weniger genutzt werden bzw. totdiskutiert werden.
    Gerade im Bereich Wissenschaft/technoligischer Fortschritt und Philosophie würde die Welt ohne Deutschland um einiges ärmer sein, aber sind nun die Verantwortlichen dafür typisch deutsch? Wenn ja, gibt es nicht viele typisch Deutsche auf der Erde. Wenn wir von der mehreit auf das typische Deutschsein schliessen, sind Unzufriedenheit, Gejammer, schlechte Laune, Hektik und Uneigenständigkeit wohl einige der Haupteigenschaften des typischen deutschseins.
    Jeder sollte für sich selbst feststellen, ob er sich als deutscher fühlt oder nicht, wobei ich es eigentlich für gar nicht wichtig befinde.
    Wichtig ist doch nur, dass man sein Leben lebt und nicht seine eigenen Wünsche ignoriert, um es anderen Recht zu machen.
    Wenn man sich daran hält, ist es doch egal, ob man sich in Timbuktu lebend deutsch fühlt oder sich in Deutschland lebend jamaikanisch fühlt.
    Ich habe selbst aus diesen Gründen jahrelang recht unzufrieden in Deutschland gelebt, nicht weil mein eigenes Leben so sinnlos war, sondern weil die Rahmenbedingungen eine Entfaltung meiner Selbst nur bedingt zugelassen haben und ich falsche Rücksicht auf die Erwartungen meiner Familie genommen habe.
    Ich fühle mich jedenfalls sowohl in Australien, als auch in Thailand wohler als in Deutschland, was möglicherweise auch daran liegt, dass es hier nicht so viele Deutsche gibt.

  11. #110
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Wann ist man Deutscher?

    @maphrao schreibt:
    "Ich fühle mich jedenfalls sowohl in Australien, als auch in Thailand wohler als in Deutschland, was möglicherweise auch daran liegt, dass es hier nicht so viele Deutsche gibt."

    Schade, daß es im Nittaya so viele Deutsche gibt.

    Gruß
    Monta

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