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Vorsicht - Buch

Erstellt von Udo, 29.03.2002, 22:53 Uhr · 2 Antworten · 628 Aufrufe

  1. #1
    Udo
    Avatar von Udo

    Vorsicht - Buch

    Aus der Netzeitung vom 28.3.2002

    Touristen5ex statt 5extourismus

    Die sogenannte Pop-Literatur wurde lange überbewertet, dann fiel der Kurs rapide. Elke Naters' neuer Roman «Mau Mau» stimmt in den Abgesang auf den Hedonismus ein.

    Von Christoph Ribbat
    Schlechte Zeiten für Elke Naters (Wohnsitz: Bangkok, Beruf: Pop-Autorin): Touristenhorden überrennen Thailand. Die Pop-Literatur ist tot. Und abgebrochen sowie vom Feuilleton verrissen wurde Naters' Versuch, mit «ampool.de» und «The Buch» das Netz zum Forum neuen Schreibens zu machen. Die 1963 geborene Schriftstellerin scheinen diese Dinge aber kaum zu kümmern: Mit «Mau Mau» präsentiert sie jetzt ihren bisher besten Roman.

    Sie erzählt von fünf jungen Deutschen. Die machen Ferien: nicht für immer, aber für lange Zeit, in einem nicht benannten, reichlich verwestlichten südostasiatischen Land. Sie betrinken sich. Streiten. Lachen. Kotzen. Schwimmen. Nehmen Pillen, mogeln bei dem Kartenspiel, das dem Buch seinen Titel gibt. Ich-Erzählerin Ida findet all dies einerseits unerträglich und andererseits beglückend. Zur Hälfte des Buchs ist alles also fast normal und fast noch gut.


    Pathologische Selbstdarsteller

    Trotz der fast plätschernden Eröffnung: An «Mau Mau» wirkt nichts oberflächlich, nichts wie «Pop», und es ist kein Zufall, dass der einzige Musiker, der namentlich erwähnt wird, kein Jungstar unserer Zeit ist, sondern der Soul-Klassiker Al Green. Der Spaß nur für den Moment ist vorbei, sagt «Mau Mau»: Jetzt geht es um mehr.

    Abrupt wechselt Naters also die Perspektive; läßt die zweite Hälfte des Romans von Mika erzählen, der laut Ida unerträglichsten Frau der Gruppe. Sie führt den Leser tiefer und tiefer in ihre gruselige Zweierbeziehung, in ihr Leben als pathologische Selbstdarstellerin, die ihren Freund über alles liebt und über alles verachtet. Todkrank wird er, im Strandhotel, und die letzten Seiten des Romans schildern, wie Mika ihn in seinen finalen Stunden als willenloses Geschöpf halb pflegt und halb zugrunde richtet: Es ist der 5exuelle und psychologische Triumph einer Frau, die man niemals kennenlernen möchte.


    Spaß, bis es weh tut

    Fünf Freunde sind die Helden hier, doch Enid Blyton ist weit, weit weg. Harte Machtspiele bestimmen die Tage der szenigen Urlauber. Schon «Königinnen» ('98) und «Lügen» ('99), Naters' erste Romane, zeichneten exakte Psychogramme von Leuten, die Spaß haben, bis es weh tut. In «Mau Mau» aber wird ihr Blick noch schärfer und richtet sich auf den Körper: erst, ganz harmlos, auf die Haut unter den Strandbikinis, dann auf den kranken Körper, dann auf gräuslichen Geschlechtsverkehr.

    Tourismus5ex statt 5extourismus: «Mau Mau» stellt das Konzept von Houellebecqs Thailand-Roman «Plattform» auf den Kopf. Naters analysiert das Paar auf Reisen, das sich nur im Hotelzimmer sicher fühlt, sich dort aber, auf fremden Laken, auch selbst zerstört. «Ich sah auf seinen Kopf zwischen meinen Beinen,» hört man Mika sagen, «und bemerkte eine kahle Stelle auf dem Hinterkopf. Ich hätte ihn gerne darauf hingewiesen, aber das war nicht der richtige Moment.»

    Büßen für Pop

    Es gehört zu den Seltsamkeiten des Literaturbetriebs, dass ein ausgewalzter Kreuzberg-Witz wie Sven Regeners «Herr Lehmann» zum Meisterwerk erhoben wird, Naters' Prosa jedoch den Stempel «leichte Kost» erhält. Gründe dafür gibt es indes: «The Buch» hat den Ruf von Mit-Herausgeberin Naters beschädigt, weil es noch arroganter daherkam als der Web-Vorläufer «ampool.de», weil es schnöselig schien und leer. Hinzu kam «G.L.A.M.» ('01), Naters' Tagebuch-Collage über Jude Law, rosa Schlappen und Burberry-Bikinis. Und plötzlich schien klar, dass diese Autorin über Modezeitschriften-Niveau nicht hinauskommen würde.

    Elke Naters hat zwar Literaten wie Thomas Bernhard weit mehr zu verdanken als der Vogue, hat aber in ihrer Karriere wohl einen Fehler gemacht: Sie hat sich als Pop-Literatin inszeniert und muss nun dafür büßen. Naters hat aber auch, und das ist rar, in den letzten vier Jahren drei kurze, doch fast perfekte Romane geschrieben.

    Jetzt bringt sie selbst die Schwierigkeit des Balanceakts zwischen Bitterkeit und Pop-Geplänkel auf den Punkt. In «Mau Mau» kann Naters' Heldin Ida dem hedonistischen Geplapper ihrer Freunde nicht mehr folgen und sagt: «Ich lächelte anfangs noch freundlich, aber mir verging zunehmend die Laune, und schließlich konnte ich nicht mehr an mich halten und begann meinen Unwillen zu zeigen und zu stöhnen und zu bitten damit aufzuhören. Sie ignorierten natürlich meine Bitte und stellten mich als Spaßverderberin hin, die einen guten Spaß nicht zu verstehen weiß.»

    Elke Naters: Mau Mau. Kiepenheuer & Witsch, 2002. 174 Seiten. Euro 16,90.

    Vorsichtig

    Udo



    Letzte Änderung: Udo am 29.03.02, 22:54

  2.  
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  3. #2
    Jakraphong
    Avatar von Jakraphong

    Re: Vorsicht - Buch

    Zitat Udo

    - Vorsichtig -

    Was willst du uns damit sagen, Udo?
    Jak

  4. #3
    Udo
    Avatar von Udo

    Re: Vorsicht - Buch

    @Jakraphong
    Nur eine kleine Anspielung auf 'Vorsicht - Pattaya Live Bericht!'

    Gruß

    Udo

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