Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 12

Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

Erstellt von moselbert, 14.04.2005, 23:14 Uhr · 11 Antworten · 1.297 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    In Thailand ist ja alles anders. Oder vieles. Wie man hört oder aus eigener Anschauung erfährt, ist es das Wichtigste, nicht das Gesicht zu verlieren.

    Welcher Menschenschlag kommt in Thailand unter diesen Voraussetzungen am weitesten?

    Die „ewigen Neinsager“ mit Sicherheit nicht. Die werden es aber auch in Deutschland schwer haben.

    Die „zu allem Jasager“ haben es in beiden Ländern sicherlich leichter. Bei uns bei der Arbeit kommen sie relativ hoch auf der Karriereleiter. In Thailand dürfte es ähnlich sein, schätze ich mal. Zu allem Überfluss verlieren ihre Gegenüber in Thailand nicht das Gesicht. Das ist zusätzlich sehr gut.

    Die Lügner können auch weit kommen, wenn die Lügen nicht zu offensichtlich sind. Auch wir (meine Frau und ich) lügen uns ab und zu einen zurecht. Sei es, dass irgendein Essen gut geschmeckt hat. Oder dass wir eine Tasche von Fremden nicht auf den Flug nach Deutschland mitnehmen, weil wir schon unsere 60 Kilo voll haben. Was natürlich nicht immer stimmt. Aber so kleine Lügen sind doch irgendwie zu verzeihen. Ab welcher Größe werden die Lügen unverzeihbar? Denn erst mit großen Lügen kommt man im Leben weiter. Ich schätze mal, dass man in gewissen Positionen sicher mehr lügt als die Wahrheit sagt. Warum fallen mir dabei die Politiker ein? Vielleicht nur Zufall.

    Und was ist, wenn man immer die Wahrheit sagt? Weit kommt man damit sicher nicht. Weder hier noch dort. Aber hier hat man wenigstens den Vorteil, nicht sein Gesicht zu verlieren. Hier kann ich meinem Gegenüber die Wahrheit sagen wenn ich will. Vielleicht bekomme ich eine Watschen. Oder ich werde mit Verachtung gestraft. In Thailand hat der Gegenüber vielleicht sein Gesicht verloren. Und dann kann es eventuell sein, wenn er sehr viel Gesicht verloren hat, dass er jemanden beauftragt, mich aus dem Diesseits zu befördern.

    Das führt dann zu diesen für Mitteleuropäer seltsamen Verhaltensweisen:
    • Auslosen, wer aus der Firma gefeuert wird (wie bei einem meiner Stiefsöhne).
    • Auslosen, wer zum Militär muss (darf) (wie bei allen drei Stiefsöhnen).
    Da gibt es vielleicht noch mehr Beispiele.

    Die Griesgrämigen scheinen in Deutschland eher zurecht zu kommen. Und wenn man in Deutschland lacht wie die Thais (auch wenn einem vielleicht manchmal zum Heulen ist) wird man scheel angesehen.

    Vielleicht ist es ganz gut, dass ich kein Thai bin, sondern ein Deutscher. Vielleicht wäre ich dort schon nicht mehr am Leben, wer weiß.

    Aber, wie man sieht, auch da drüben funktioniert alles. Irgendwie. Und vielleicht wäre ich auch anders, wenn ich drüben geboren wäre. Und vielleicht würde ich öfter lügen, öfter „ja“ sagen, weniger öfter meine Meinung.

    Vielleicht nehme ich aber auch das aus Thailand mit nach Deutschland: die Leute hier so behandeln, dass sie nicht das Gesicht verlieren.

    Vielleicht bin ich im Innern schon ein Mischling.


    Ein paar unsortierte Gedanken hatte ich heute, wie Ihr seht. Vielleicht habe ich zu viel schmalziges TV gesehen.

  2.  
    Anzeige
  3. #2
    Avatar von MadMovie

    Registriert seit
    16.01.2005
    Beiträge
    1.457

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Zitat Zitat von moselbert",p="236583
    Ein paar unsortierte Gedanken hatte ich heute, wie Ihr seht.
    Ich fand es sehr sortiert und nachdenkenswert.

  4. #3
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Bin der Meinung, dass Luegen grundsaetzlich ein schlechter Weg ist, egal wer man ist und wo man ist. Nun wer luegt, ob nun im grossen oder kleinen Rahmen, ist mit Sicherheit eins, naemlich ein "Luegner", also einer Person, der niemand Vertrauen schenken kann. Zu leicht wird Luegen zur Gewohnheit und wer die Unwahrheit sagt, selbst in vermeindlich "guter" Absicht hilft letztendlich niemanden und schadet sich am Ende gar selbst.

    Darum ist sicherlich die beste Alternative lieber im Zweifelsfall zu schweigen, speziell wenn die Aussage sowieso niemanden nutzen wuerde.

    Oft ist leider die Zunge schneller als der Verstand und vermeidbare Probleme werden geboren. Stellt man sich jedoch im Vorfeld die simplen Fragen:

    Wem nutzt meine Aussage wirklich und in welchem Ausmass?
    Bewirkt meine Aussage etwas rein positives oder ist sie auch mit negativem gepaart?

    Ist man sich ueber die Antworten unschluessig, dann schweigt der Weise lieber, speziell wenn es sogar lediglich nur darum geht, das eigene Ego zu befriedigen.

    Luegner, Schmeichler und notorische Noergler sind sicherlich Individien, mit denen niemand Umgang pflegen moechte. Manchmal ist die Wahrheit schwer, aber es gibt ja immer noch die Alternative des Schweigens, die dann besser ist, wenn das wahre Wort in manchen Situationen nicht positives generieren wuerde. Uebrigens eine buddhistische Regel.

    Mit vielen Gruessen,
    Richard

  5. #4
    Avatar von Mr_Luk

    Registriert seit
    17.02.2005
    Beiträge
    3.114

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    @Moselbert,

    Ich fand es auch sehr sortiert, vielleicht einen Deut zu sortiert - zu westlich klassifiziert

    Ich fand es auch nachdenkenswert, sehr nachdenlenswert sozusagen...

    Aber, wie man sieht, auch da drüben funktioniert alles. Irgendwie. Und vielleicht wäre ich auch anders, wenn ich drüben geboren wäre. Und vielleicht würde ich öfter lügen, öfter „ja“ sagen, weniger öfter meine Meinung.
    Wieso sollte es hier nicht funktionieren, es funktioniert auch noch ganz woanders, wo es noch weniger westlich-germanisch zugeht.

    Nun, in meinen Augen besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen beispielweise Lügen und die Situation retten, sowie zwischen "seine Meinung sagen" und seine Meinung hin und da nicht überwichtig nehmen. Was ist wichtiger, die Wahrheit bzw. die "eigene Meinung" oder der allgemeine Seelenfrieden?

    Worin liegt die wahre Qualität als Einzelner: indem man stets seine Meinung hat und seine Person (richtig) darstellt, oder liegt sie etwa eher darin, sich und seine Einstellung als ein persönlicher und subjektiver Teil des Ganzen zu sehen?

    Der gravierende Unterschied besteht doch letzten Endes darin ob man alles nur in seinem eigenen Vorteil und Interesse tut, oder "der Sache wegen".

    Die 'Wahrheit' oder die "eigene Meinung" in ganz eigenem Interesse zu sagen, ist im Grunde genau das Gleiche (Problem) wie nur in eigenem Interesse zu lügen oder sich mit seiner Meinung zurückzuhalten.

    Der Zweck heiligt die Mittel nicht nur für diejenigen denen die Mittel geläufig und orthodox scheinen.

    Zumindest ist es nicht sehr weitsichtig, nur die verschiedenen (eher kulturell 'unorthodoxen') 'Mitte'l und Gepflogenheiten zu bemengeln und dem letzlich gleichen Zweck der "bilateralen Unterschiede" zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

    Schwarzweissdenken führt stets zu harten Kontrasten, das Originalbild ändert sich dadurch aber nicht. Es bleibt für manche in diversen Grauwerten erhalten die fliessend ineinander übergehen. Und Wenige können es wohl in 16,5 Mio Farben sehen, - vielleicht weil sie die reichhaltigen Farbenvielfalt die sie dann sehen können gegen den Kontrast und die klareren Umrisse eines Schwarzweissbildes eintauschen wollen.

  6. #5
    Avatar von x-pat

    Registriert seit
    06.11.2003
    Beiträge
    7.208

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    moselbert: Die „ewigen Neinsager“...

    Neinsager: Der Protogriesgram, dem das Leben eine Qual ist und dem man nichts recht machen kann. Findet egotistische Bestätigung nur durch Ablehnung anderer.

    Jasager: Wirbelloses Kriechtier mit Sozialisierungsproblemen. Findet egotistische Bestätigung nur unterwürfigen Konformismus.

    Natürlich sind beide Typisierungen neurotisch und überspitzt. Die irritierendste Eigenschaft ist vielleicht die Stupidität von kategorischer Ablehnung oder kategorischer Akzeptanz.

    moselbert: Auch wir (meine Frau und ich) lügen uns ab und zu einen zurecht.

    Wirklich? Ich glaube das ist selten notwendig. Wenn das Essen nicht geschmeckt hat, dann erfordert es zwar die Höflichkeit den Gastgeber nicht zu brüskieren, aber man kann ja zum Beispiel sagen, dass es sehr liebevoll zubereitet war, oder dass es etwas "Besonderes" war, oder (im schlimmsten Fall), dass es "sättigend" war. Wenn man keine fremden Taschen mitschleppen möchte, ist es unbedenklich sich damit zu entschuldigen dass man keine Kapazität mehr hat, was keineswegs gelogen ist, denn der Begriff "Kapazität" schließt die Bereitschaft mit ein, fremde Sachen mit sich herumzutragen. Es kommt auf die Formulierung an, da mit einer geschickten Formulierung selten die Notwendigkeit besteht Lügen zu erfinden. Sollte der Gastgeber/Bittsteller darauf bestehen eine höfliche Verneinung weiter zu hinterfragen, dann begibt er sich selbst aufs Glatteis und muß mit einer deutlicheren Absage rechnen.

    Mr_Luk: Der gravierende Unterschied besteht doch letzten Endes darin ob man alles nur in seinem eigenen Vorteil und Interesse tut, oder "der Sache wegen".

    Luk, das kommt auf die Situation an. Ich bin mißtrauisch, wenn Leute Forderung "der Sache wegen" stellen, denn oft verstecken sich hinter der "Sache" persönliche Interessen. Nichts ist bequemer als seine eigenen persönlichen Ziele durch eine "Sache" zu maskieren, und den Eindruck zu erwecken zum Nutzen der Allgemeinheit zu handeln. Menschen sind jedoch immer persönlich motiviert, auch dann wenn sie sich mit einer Sache identifizieren.

    Mr_Luk: Der Zweck heiligt die Mittel nicht nur für diejenigen denen die Mittel geläufig und orthodox scheinen.

    Glaubst du das wirklich? Dann bist du Machiavellist!

    Cheers, x-pat

  7. #6
    Avatar von Peter-Horst

    Registriert seit
    29.06.2002
    Beiträge
    2.314

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Hallo Moselbert,

    Zitat Zitat von moselbert",p="236583
    ....
    Vielleicht bin ich im Innern schon ein Mischling. ......
    ich Glaube das das ein Teil des aufnehmens, lebens, erlebens einen anderen Kultur ist.

    Gerade bei sich integrierenden Einwanderern, X-pats immer wieder zu erleben in Thailand oder auch hier bei uns in Deutschland.
    Wobei wir uns bewusst sein müssen, das nur einer kleiner (wohl eher sehr kleiner) Teil über diese Brücke geht.

    Gruß Peter (der die Veränderung an sich selbst immer erst nach der Rückhehr nach D. gesehen hat)

  8. #7
    thurien
    Avatar von thurien

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Zitat Zitat von moselbert",p="236583
    ....Vielleicht bin ich im Innern schon ein Mischling. ......
    keine Sorge, noch lange nicht!

  9. #8
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
    15.09.2003
    Beiträge
    2.627

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Zitat Zitat von thurien",p="236622
    Zitat Zitat von moselbert",p="236583
    ...Vielleicht bin ich im Innern schon ein Mischling. ......
    keine Sorge, noch lange nicht!
    Wenn es so wäre, würde ich mich nicht sorgen.

  10. #9
    Avatar von Samuianer

    Registriert seit
    04.09.2003
    Beiträge
    17.303

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Dann war ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort! :-(

    Habe weder hier in T. waehrend der letzten 15 jahre, noch auf einer meiner vielen Reisen durch den indischen Subkontinent, noch in SOA kategorische Ja-Sager oder Nein-Sager getroffen. Auch keinen der nur am Luegen dichten war.

    Das mit dem Ja-Sagen ist eine anerzogene Angelegenheit bei einigen vielen ungebildeten Thais. Gerade in dieser Monatsausgabe der in Samui erscheinenden Community Zeitung, ist ein Interview mit einer Thai die leitende Angstellte in einem der groesseren Hotels hier auf der Insel ist, die GENAU das Gleiche bemaengelt, aber gleich hinten dran haengt das es ein Bildungsproblem ist.

    Der aller schaerfste Witz an dem Artikel ist dass diese Aussage NUR im englischen Text zu finden ist, im Thai-Text findet sich eine aehnliche Kritik NICHT wieder!! DAS bezeichnet die ganze Situation am BESTEN! Unangenehmes, durch das sich irgenwer, irgendwie verletzt fuehlen koennte wird einfach verschwiegen - auch wenn die Aussage niemanden direkt betrifft oder rein hypothetisch ist.

    Auf den ´niedrigen´ Dorfschulen wird den Schuelern eigentlich nur demuetiges und Untertanenverhalten abverlangt, nebenbei lernen sie lesen und schreiben. Innerhalb des Hauses aelteren Familienmitgliedern gegenueber wird immer demuetiges Verhalten (immer Kopf runter bzw, ganzen Oberkoerper geneigt) an den Tag gelegt.

    Es geht nicht um etwas wirklich zu verschweigen oder weg-zu-luegen, es geht darum keinen auf den Nerv zu gehen oder unangenehme Botschaften weiterzuleiten.

    Noch wichtiger ist der Gesichtsverlust, darum kann kein ´einfacher´ Mensch sagen: "Wie bitte geht das, ich kann das nicht!" oder :"Ich weiss nicht!" Das waere ein klares Eingestaendniss von Schwaeche.

    Deswegen greift Mensch hier auch lieber zum Los, keiner kann beschuldigt werden den Anderen zu benachteiligen, Leid zugefuegt zu haben durch Rausschmiss oder gar Einzug in die Army - hat alles System - vielleicht auch um dem gefuerchteten Karma auszuweichen oder der Strafe der ´Geister´ wer weiss.... das schon genau.. aber irgendwo in dieser´Region´ sind die Gruende dafuer zu finden.

    Deswegen wird vieles versucht zu vertuschen, gepfuscht, improvisiert, gedaengelt, ´gelogen´..Viele wuerden sich mit grosser Sicherheit lieber einen Finger abschneiden als einzugestehen das Sie dies oder jenes nicht koennen.

    Es ist eine Eigenart der ´einfacheren´ Menschen - und nicht alle sind generell gleich!

    Wir Farangs verstehen das nicht, weil ein wenig anders sind, aber hier versteht das ein jeder und ein kleine Luege, etwas verschwiegen zu haben, was ncht zu koennen wird hier deswegen nicht so auf die grosse Waagschale gelegt.

    Viele von uns Farangs werden oft von genau diesen Menschen genauso nicht verstanden weil sie unserer verhalten oft als anmassend und grosskotzig ansehen - glaubt mir hier gibt es auch Menschen die 'unser' Verhalten nicht begreifen koennen - warum wir immer meinen alles besser zu wissen - und diskutieren koennen bis die Adamsaepfel gluehen etc.

    Wie war das mit erstmal vor der eigenen Haustuer kehren?

    Gut Ausgebildete, geschulte Personen sind fast immer ganezlich anders - Viel selbstsicherer im Auftreten, koennen meist recht gutes englisch oder eine andere Fremdsprache - ich kennen einige die recht gut deutsch, italienisch, franzoesisch sprechen koennen.

  11. #10
    Avatar von Mr_Luk

    Registriert seit
    17.02.2005
    Beiträge
    3.114

    Re: Von Jasagern, Neinsagern, Lügnern und anderen.

    Zitat Zitat von x-pat",p="236602
    Mr_Luk: Der gravierende Unterschied besteht doch letzten Endes darin ob man alles nur in seinem eigenen Vorteil und Interesse tut, oder "der Sache wegen".

    1.Luk, das kommt auf die Situation an. Ich bin mißtrauisch, wenn Leute Forderung "der Sache wegen" stellen, denn oft verstecken sich hinter der "Sache" persönliche Interessen. Nichts ist bequemer als seine eigenen persönlichen Ziele durch eine "Sache" zu maskieren, und den Eindruck zu erwecken zum Nutzen der Allgemeinheit zu handeln. Menschen sind jedoch immer persönlich motiviert, auch dann wenn sie sich mit einer Sache identifizieren.

    Mr_Luk: Der Zweck heiligt die Mittel nicht nur für diejenigen denen die Mittel geläufig und orthodox scheinen.

    2.Glaubst du das wirklich? Dann bist du Machiavellist!
    1. Selbstverständlich kommt es auf die Situation an, das tut es wohl immer. Aber mein Schwerpunkt lag im Grunde nicht auf der Echtheit des "der Sache wegen" handeln, denn ich bin da auch meist eher misstrauisch als zuversichtlich. Im Grunde ging es um das Gegenteil. Wenn ich unbedingt auf die Eigene Meinung und die Wahrheit halte, ist das oft genausowenig der Sache wegen, wie wenn ich meine Meinung nicht äussere oder ausweiche, bzw. lüge. Beide Verhaltensweisen sind oft gleichermassen egozentrisch motiviert. Das meinte ich damit.

    2. Auch hier hast du den Sinn seltsamerweise umgedreht gesehen als ich ihn beabsichtigt habe. Wenn ich sage: Der Zweck heiligt die Mittel nicht nur für diejenigen denen die Mittel geläufig und orthodox scheinen, ist das keineswegs eine 'machiavelische' Aussage! Im Gegenteil, es ist ein Apell an die Toleranz. Wenn ich die fremden 'Mittel' nicht kenne und verstehe, sie als unorthodox einstufe, will das nicht heissen dass ein "unorthodoxer" Zweck damit verfolgt wird. Ursprünglich unorthodoxe Mittel die aber einen guten Zweck dienen sich nicht mehr unorthodox sobald der Zweck eindeutig klar ist.

    Wenn ein Medizinmann dir im Djungel eine selbstgekaute grüne klebrige und übelschmeckende Medizin gegen einen Schlangenbiss einflössen (sozusagen nichtgeläufige und unorthodoxe Mittel anwenden) will, bist du mit recht misstrauisch. Der Zweck ist aber dennoch gut, rettet unter Umständen sogar dein Leben... und plötzlich, wenn die Schmerzen und die Krämpfe nachlassen, (spätestens wenn du die Nacht überstanden hast) zweifelst du keine Sekunde mehr an den Mitteln.

    Demnach heiligen die Mittel nicht nur den Zweck für diejenigen denen die Mittel geläufig und orthodox scheinen, sondern auch schon mal für denjenigen der keine Ahnung hat welche Mittel da (besonders in einem femden Land) verwendet werden! Machiavelismus deluxe, was?

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Urlaub in anderen Ländern?
    Von ChiangMaya im Forum Sonstiges
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 06.08.12, 18:24
  2. Wahlbetrug der anderen Art!?
    Von J-M-F im Forum Politik und Wirtschaft
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 12.07.11, 10:46
  3. Das Leben der Anderen
    Von Paddy im Forum Sonstiges
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 02.11.09, 01:34
  4. Piercing der anderen Art
    Von andaman im Forum Treffpunkt
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 22.10.04, 21:03