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Verhaltensänderung und Anpassung

Erstellt von moselbert, 12.07.2004, 18:14 Uhr · 31 Antworten · 2.146 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von moselbert

    Registriert seit
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    Verhaltensänderung und Anpassung

    Von meinen Kollegen werde ich ab und zu gefragt, wie ich denn als penibel arbeitender Mensch, der auf ordentliches Erscheinungsbild seiner Wettervorhersagen in Karten- oder Textform großen Wert legt, in Thailand zurecht komme. Denn dort ist ja überhaupt nichts in meiner Umgebung penibel und akkurat. Aus meinen Erzählungen wissen sie, dass bei meiner Familie in Thailand ein gewisses Chaos herrscht. Essen auf dem Boden, Abfälle auf dem Grundstück und im Klong, mangelnde Sauberkeit.

    Ich erzähle dann immer, dass ich inzwischen in Thailand ganz anders bin als hierzulande. Auch hier besteht schon ein Unterschied zwischen der Arbeit und zu Hause.

    Auf der Arbeit machen wir Produkte die von anderen gesehen und gelesen werden. Deshalb sollten diese Sachen ordentlich sein. Es geht um unser Image. Das der Wetterfrösche ist eh nicht das Beste, da sollten wir zumindest ordentlich arbeiten. Weil wir Wechselschichtdienst haben, ist jeden Tag ein anderer für den jeweiligen Arbeitsplatz zuständig. Hier ist auch Ordnung wichtig, denn was ich heute am Arbeitsplatz verlege, findet der Kollege morgen wenn überhaupt erst nach längerer Suche.

    Zu Hause sieht das schon anders aus. Da sind nur meine Frau und ich. Wir beide nehmen das nicht so arg genau mit der Ordnung. Es ist zwar alles sauber, aber man muss schon mal irgendwas längere Zeit suchen. Das stört uns aber nicht und daher macht das auch nichts. Es ist ja nur eine Zweizimmerwohnung die wir bewohnen, da findet sich normalerweise alles irgendwann wieder. Und normalerweise esse ich auch hier am Boden sitzend.

    In Thailand kommt dann noch eine gewaltige Stufe von größerer Unordnung hinzu. Plastikflaschen werden entweder auf den Müll geschmissen, oder auf das brachliegende Nachbargrundstück, oder sie werden auch schon mal in der hauseigenen Müllverbrennungsanlage (Marke Müllhaufen anzünden) entsorgt. Wir haben dieses Jahr mal versucht, den Garten des Grundstücks auf Vordermann zu bringen. Alte Badelatschen, Tennisbälle, Batterien und sonstige Dinge kamen beim Sensen des Unkrauts zu Tage, ein Gemischtwarenhändler hätte seine Freude gehabt. Nach zwei Tagen haben wir den Versuch beendet und wahrscheinlich auf die Zeit nach dem Hausbau Ende 2005 vertagt.
    Ich habe mir inzwischen ein dickes Fell zugelegt. Wenn man mitteleuropäische Maßstäbe anlegen würde, dann würde man manchmal flüchten wollen.

    Also ich komme da inzwischen gut mit klar. Wer mich nur von der Arbeit kennt, würde sich wundern, was ich in Thailand so alles "erdulde". Aber da ich nicht nur so tue als ob ich es ertrage, sondern das akzeptiert habe und mich anpasse, fühle ich mich da pudelwohl. Und die liebenswerten Menschen, aus denen meine Familie besteht, wiegen das allemal wieder auf.

    Wie ist das bei Euch? Anpassung an "the Thai way of life" oder Anpassung der familiären Umgebung in Thailand an die mitteleuropäische Ordnung?

  2.  
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  3. #2
    Avatar von bigchang

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    Beiträge
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    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    :bravo: gut geschrieben,moselbert!
    ich gebe dir da voellig recht
    anpassen muss man sich schon,aber das gilt ja auch fuer unsere frauen die jetzt mit uns in europa leben
    aber man muss sich ja sein ganzes leben anpassen,an irgend was und wenns das wetter ist
    was mir aufgefallen ist,das es im haus der familie penibel sauber gehalten wird,da ist staendig ein familienmitglied am fegen oder staubwischen,aber draussen,naja hast du ja schon geschrieben

    gruss matt

  4. #3
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    Moselbert, deine Beschreibung war, als sähe ich in den Spiegel.

  5. #4
    waanjai
    Avatar von waanjai

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    Gut beschrieben - die Verhältnisse in Thailand. Mit welchem Recht könnte ich drüben - bei den Eltern meiner Frau - meine Vorstellungen von "richtiger" Lebensführung versuchen, durchzusetzen?
    Hier in D wurden die anderen Sitz-, Liege- und Schlafgewohnheiten aber gerne übernommen.
    Inzwischen zeichnet sich jedoch etwas anderes ab: Beim nächsten Besuch in der Provinz wollen meine Frau und meine Stieftochter versuchen, die hier in D schätzengelernten Sitten hinsichtlich des Umgangs mit Abfällen auch drüben einzuführen. Ich werd´ mich zurückhalten und nur als unbezahlte Hilfskraft bei der Generalüberholung des Grundstücks zur Verfügung stehen. :-)

  6. #5
    thurien
    Avatar von thurien

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    Die Inhaltsstoffe unserer "Müllverbrennungsanlage" habe ich erfolg-
    reich auf organische Trockenstoffe u. Papier reduzieren können --
    nachdem ich glaubhaft klarmachte, daß beim Verbrennen von z.B. jeder
    Art von PVC- Artikeln nicht unerhebliche Mengen an Salzsäure freigesetzt
    werden (die beim Heizer/der Heizerin sehr schnell lungengängig werden...)

    Jetzt wird dieses Zeug gesammelt u. periodisch in der Kleinstadt
    entsorgt (leider ist man dort mit der Handhabung auch nicht weiter...)

  7. #6
    Avatar von x-pat

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    06.11.2003
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    7.208

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    Gute Beobachtung, moselbert!

    Anpassen muss sich ja immer der der in einem fremden Land lebt. Bei den meisten hier wird das daher wohl eher die Frau aus Thailand sein die sich mit deutschen Verhältnissen anfreunden muss. Aber wir die in Thailand leben, müssen uns ebenso an thailändische Verhältnisse anpassen.

    Das bedeutet das man sich unter anderem mit geringeren Standards arrangieren muss was Sauberkeit, Wartung, Planung, und Kontrolle angeht. Dies sind ja alles Eigenschaften die in Deutschland sehr gut ausgeprägt sind und in Thailand, ahem..., eben etwas weniger.

    Der feine Unterschied liegt zwischen Akzeptanz und Toleranz. Ich kann zwar einen mülligen Garten oder Haushalt tolerieren, aber ich akzeptiere das nicht für mich selbst. Aus meinem eigenen Garten würde ich die Batterien schon herausharken. Man setzt halt höhere Standards als Deutscher und es ist in meiner Erfahrung auch möglich die Thais für höhere Standards zu begeistern.

    Wenn Leute PVC Artikel verbrennen und danebenstehen (habe ich auch schon gesehen) dann ist das ein Beispiel von Ignoranz. Damit muss man in Thailand ständig leben, da das Bildungsniveau hier recht tief liegt. Man muss es tolerieren, braucht es aber trotzdem nicht als geeignete Entsorgungsmethode zu akzeptieren. Da hilft eben nur geduldiges Erklären.

    Ein anderes Beispiel das mir einfällt ist die Hundehaltung. Die meisten Halter in Thailand haben nicht den blassesten Schimmer von Hundehaltung. Hunde werden hier oft krank weil sie falsch ernährt werden. Sterilisation, Schutzimpfung, und Gehorsamstraining sind absolute Fremdwörter für viele Halter. Grösstenteils ist das einfach ein Mangel an Wissen.

    Nicht das ich mir Verhältnisse wie in Deutschland wünsche (Chip-ID, Hundesteuer, und Hundeführerschein...), aber bei meinen eigenen Hunden lege ich schon höhere Standards an.

    X-Pat

  8. #7
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    X-Pat
    Wie ist das denn, kommen die Hunde eigentlich mit den klimatischen Verhältnissen zurecht? Kenne einen jungen Mann (Thai) aus ChiangMai, der hatte Bull-Terrier und Deutsche Schäferhunde in einem Käfig gezüchtet. Ein Jahr später waren alle Hunde gestorben??, seine erhoffte Einnahmequelle erloschen?

    Gruß Jakraphong

  9. #8
    Avatar von x-pat

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    7.208

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    Hallo Jakrapong,

    Die Hitze kann's nicht gewesen sein. Es gibt viele Bullterrier und Schäferhunde die sich in Thailand eines langen Lebens erfreuen. Für langhaarige Hunde ist das Klima natürlich manchmal ein bischen hart. Ich hatte einen Deutschen Schäferhund, in der heissen Jahreszeit gerne Eiswürfel mochte und vor dem Ventilator einschlief. Die Hunde kühlen sich auch gerne bei einem Bad in einem Teich ab. Aber der DSH ist ja ziemlich robust. Andere langhaarige Rassen -wie z.B. Collies und Cocker Spaniels- sieht man eher selten hier; bin mir aber nicht sicher ob das am Klima liegt.

    X-Pat

  10. #9
    Avatar von x-pat

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    7.208

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    P.S. Kurzer Nachtrag. Was man beim Klima in Thailand in Betracht ziehen muss ist das die Parasiten hier leider besser gedeihen, insbesondere Flöhe, Zecken, und Würmer; man muss also mehr Arbeit in die Pflege stecken. Prävention von Flöhen ist bei freilaufenden Hunden so gut wie unmöglich.

    X-Pat

  11. #10
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Re: Verhaltensänderung und Anpassung

    Ich kann das nicht mehr nachvollziehen. Die Umgebung, also die Hundezwinger, hatten auf mich einen fürchterlichen Eindruck gemacht. Nicht mal unsauber, nein dunkel, irgendwie besorgniserregend?
    Die Tiere waren allesamt am knurren, ein anfassen und streicheln gar unmöglich. Ebenso hatte er mit viel Mühe, eine kleine Zuchtstation gebaut, mit tausenden von Küken, die ebenfalls alle gestorben waren, innerhalb eines Jahres. Ich hab ihn auch nie mehr gesehen, man erzählte mir, dass er in ein Dorf in der Nähe von MaeRim gezogen sei.
    Trotzdem ich war nachdenklich geworden, denn die Idee mit der Hundezucht, war zumindest für mich ein Gedankengang wert, es ebenfalls als Einnahmequelle in Thailand anzusehen.

    vielleicht einandermal
    Gruß Jakraphong

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