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Umgebung Münster ?

Erstellt von DisainaM, 06.11.2001, 10:35 Uhr · 8 Antworten · 836 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

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    Umgebung Münster ?

    Wer Zeit hat, und in der Umgebung von Münster wohnt,

    Interessierte sind eingeladen zu Vorlesungen von Prof.Dr.Thongchai Winichakul an der Uni Münster.

    Vorlesungsplan :


    1.Tuesday, 6 November 2001, 11.15-12.45 o=E2=80=99clock, Institut
    f=C3=BCr Ethnologie,Uni
    Muenster
    Topic: The Royal Nationalist History in Thailand: from the
    crypto-colonial
    period to the cults of Fathers among the Thai bourgeoisie in the
    present

    2.. Tuesday, 6 November 2001, 17.15-18.45 (tentative), Department of
    Thai
    and Vietnam Studies, University of Hamburg
    Topic: The film Suriyothai and the way how Thai history is depicted

    3. Wednesday, 7 November 2001, 16.15-17.45 o=E2=80=99clock, Institut
    f=C3=BCr Ethnologie,
    Uni Muenster
    Topic: Writing at the Interstices: the possibilities of a post-national
    history in Southeast Asia

    4. Thursday, 8 November 2001, 13.15-14.45 o=E2=80=99clock, Institut
    f=C3=BCr Ethnologie,
    Uni Muenster
    Topic: The Ambivalent Memories of the 1976 Massacre in Bangkok
    5. Saturday, 10 November 2001, 15.15 o=E2=80=99clock, Internationales
    Kommunikationszentrum =E2=80=9CDie Br=C3=BCcke=E2=80=9D , Muenster

    Public Lecture: The Role of Violence in Thai Political Culture: Lessons
    of
    the 6 October 1976 incident.







    Letzte Änderung: DisainaM am 06.11.01, 10:36

  2.  
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  3. #2
    Stefan642002
    Avatar von Stefan642002

    Re: Umgebung Münster ?

    Hallo,weißt du ob es an anderen Unis auch solche Vorlesungen gibt ?
    zB Uni Erlangen/Nürnberg
    An welchen Unis kann man Südostasiatische Kultur studieren ?

  4. #3
    Avatar von DisainaM

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    Re: Umgebung Münster ?

    hallo stefan,

    von Vorlesungen an anderen Unis weiß ich nichts.
    Solche Veranstaltungen werden meistens durch den Thailändischen Studentenverband, oder durch die Thailand-Mailingliste bekannt gegeben.

    Meines Wissens ist es möglich, an der Uni Hamburg in der Fachrichtung zu studieren.

  5. #4
    Stefan642002
    Avatar von Stefan642002

    Re: Umgebung Münster ?

    danke für den Tip
    Stefan642002

  6. #5
    Avatar von DisainaM

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    Re: Umgebung Münster ?

    Nachtrag :

    Subject: Report on Thongchai Winichakul´s lecture
    From: Suntariya Muanpawong
    Date: Wed, 14 Nov 2001 23:12:27



    Dear friends,

    In the name of the organisers of the last meeting in Muenster, I would
    like to say thank you for all of your co-operations. We really had a
    successful day & night. Prof.Dr. Thongchai Winichakul, from Wisconcin
    Uni, Madison, contributed his full week for us, having given his
    interesting lectures on Thai politics and history at Uni Muenster and
    Uni Hamburg. During the meeting at the Bruecke last Saturday, he
    explained us, what happend in the 6.Oct incident. He told us also, what
    we should learn from that case. All night long with the endless
    discussion at Prof.Volker´s house, he guided more, how we should deal
    with the violence, that stays surrounding us nowadays. We feel very
    thankful for your nice talks!!

    The support from the Deutsche Forscher Gruppe Uni Muenster (organised
    by
    Prof.Volker Grabowsky) pushed this project into reality. Moreover we
    have got the financial supports from the Deutsch-Thailaendische
    Gesellschaft Bonn (a very kind contact with Herrn Hartje and Frau
    Prof.Krass), the Thai Student association in Germany (led by Khun
    Parinya Thaewanarumitkul), the Thailaendischer Verein Berlin (led by
    P´Tuk Sangchan Fraedrich) and sponsors from Berlin (Khun ....sukwan
    &Khun Jarupan). Thanks again for your great help!!

    Let us thank more Khun Sirilack Schmidt (Schau Thai Journal) and Khun
    Fong &Toom for the convenient tranportation of the speaker from and to
    Frankfurt Airport. P´Jettana &Ajarn Grabowsky for the best accomodation
    and food. The Hausfrauen Gruppe & Thai-Deustch familien in Muenster
    (led
    by P´Piak,P´Pat and P´Na) and our Muenster friends (Dr.Muh , Toom,
    Pongpang, N´Cat etc.) for the cooking and dancing works. Besides, Khun
    Rose &John Pohl (www.thailife.de) for the widespread announcement.


    Unbelievable, but true!! Over 40 Thai students came to Muenster, joined
    and enjoyed our program. Thank you very much for your visiting!! Thanks
    N´Onn Berlin &Khun Ehk Parinya for the active moderation. Khun Tinya
    Hamburg for the best translation. The Dek Pin Music group (what a
    name!)
    from Mannheim (Gob&N´Pat), Karlsruhe (Nat) and Heildelberg (Pin) for
    your beautiful songs for life and peace. Nong Cat for your magical Thai
    classical dance. Lek Berlin and Ehk (again) for the music show. Ehk &
    co. (again&again) for the very popular Glong Yau show!! P´Nuch , N´Tik,
    Dr.Tum (Berlin), N´june, N´Bee, N´Ooh, Anke (Hamburg), N´Jay, N´Bier
    (Hannover), N´Nong &N´Mau (Bonn), N´Teuy& N´Ploy (Goettingen),
    Huebscher
    Boonyang (Kassel), Kang, Yut &Meng (Heildelberg), N´Pearl (Bochum) etc.
    for your great participation!! Ball Clausthal and Thinagorn Dortmund
    for
    the long and hard preparation. Last but not least, the best thank for
    Jah (Chonapa Saarbruecken) and Jar (Jarupan Berlin), the real organiser
    of this event!!

    Absolutely, we hope to see you again and wish to have such a chance to
    discuss more about our beloved Thailand in the near future.

    Best regards from Muenster,
    Suntariya Muanpawong

    (P.S. For friends, who could not come, but love to hear what we talked
    about, you can hear the whole talk at;

    http://www.clickthai.de/DL/thongchai.mp3
    (with translation) 14,7 MByte gro?.
    http://www.clickthai.de/DL/Thai.mp3
    (Thai version) 5,6 Mbyte gro?.
    http://www.clickthai.de/DL/diskussion.mp3
    (the discussion after speech) 5,3 Mbyte.

    or please see the details below (sorry, only in Geramn text). Thanks
    Khun Theo Pitsch from Koeln (www.clickthai.de), our deutsch friend, who
    has kindly done that with pleasure!!)





    Gewalt in der thail?ndischen Gesellschaft
    Lehre aus dem Ereignis vom 6. Oktober 1976

    Vortrag von Prof. Dr. Thongchai Winichakul
    anl?sslich der Zweiten Thail?ndischen Kulturveranstaltung
    in M?nster am 10. November 2001

    Eigentlich bildet dieser Ort nicht den geeigneten Rahmen, um ?ber
    dieses

    Thema zu sprechen, und ich bin auch nicht immer in der Verfassung,
    dar?ber sprechen zu k?nnen. Dieses Lied „Ihr seid das Opfer“, welches
    wir soeben dargeboten bekamen, habe ich schon seit zwanzig Jahren nicht
    mehr geh?rt.

    Zur Enth?llung des Denkmals zum 6. Oktober am 14. Oktober 2001 hat der
    Ministerpr?sident in seiner Rede die Meinung vertreten, dass ?ber diese
    Ereignisse nicht l?nger gesprochen werden sollte. Man sollte sich den
    gegenw?rtigen Problemen zuwenden und den Leuten, die von Armut
    betroffen

    sind und nicht nur die Menschen im Blick haben, die damals sterben
    mussten oder verletzt worden sind.

    In den vergangenen 25 Jahren bem?hten sich die Machthaber in Thailand
    immer darum, ein Ende des Diskurses ?ber die beiden Vorg?nge in den
    siebziger Jahren herbeizuf?hren, stets mit dem Vorwand, man sollte
    keine

    Haarspalterei betreiben. Die Mehrheit der Thai stimmt diesen
    Forderungen

    insgeheim zu. Sie ist der Meinung, dass diese Trag?dien, insbesondere
    die vom 6. Oktober, allm?hlich und unspektakul?r aus dem Bewusstsein
    der

    ganzen Nation verschwinden sollte.

    Wer ?ber die Vorf?lle gelesen hat oder die Videos gesehen hat, wird
    verstehen, dass diese Vorf?lle ein komplexes Thema darstellen, und wie
    schwierig es ist, diese Geschehnisse einfach so zu vergessen oder zu
    verdr?ngen. Einige meiner Freunde, die heute zum Teil in Ministerien
    t?tig sind, bringen in ihren Ver?ffentlichungen zum Ausdruck, dass sie
    die Ereignisse weder vergessen noch sich daran erinnern k?nnen.

    Ich werde hier eine Zusammenfassung der Ereignisse geben ohne dabei zu
    sehr in Details zu gehen. Danach wird es Gelegenheit geben, f?r die,
    die

    an Einzelheiten interessiert sind, genauer nachzufragen. Am Ende steht
    meine ganz pers?nliche Meinung ?ber dieses Geschehen und dar?ber, was
    es

    f?r die thail?ndische Gesellschaft reflektiert, welche Lehren man
    daraus

    ziehen kann.

    Was passierte am 6. Oktober 1976? Das Milit?r als Instrument des
    Staates

    bef?rchtete einen linken Aufstand durch Studenten, welcher die
    Institution des Staates, sprich Nation, Buddhismus und Monarchie
    gef?hrden k?nnte. Das Milit?r versuchte, durch Medienkampagnen die
    breite Bev?lkerung davon zu ?berzeugen, dass es sich bei den Studenten
    um Feinde der Nation, ja sogar um D?monen handele. Damit war es in der
    Lage, Teile der Bev?lkerung zu unmenschlichem Handeln zu mobilisieren.
    Ich bezeichne dieses als Staatskriminalit?t, zumal nicht nur die
    staatlichen Machtorgane wie Armee und Polizei eingebunden wurden,
    sondern auch Paramilit?rs und Teile der Bev?lkerung. Dar?ber hinaus
    M?chte und Einfl?sse, die au?erhalb des Staates stehen.

    Eine wichtige Komponente dieses Konfliktes waren die drei Diktatoren
    Thanom, Prabhas und Narong, (XXX) welche in den Folgen des Ereignisses
    vom 14. Oktober 1973 des Landes verwiesen worden waren. Seitdem
    spaltete

    ein Konflikt die Gesellschaft, vor allem die Studierenden und die
    Machthaber, ?ber deren R?ckkehr nach Thailand. Dann geschah etwas
    Unglaubliches, die Studierenden wurden durch eine Inszenierung
    beschuldigt, die Majest?t des Kronprinzen zu beleidigen. Das sollte der
    Beweis f?r das Vorhaben der Studenten sein, die drei S?ulen des Staates
    zu ersch?ttern. In der Nacht vom 5. zum 6. Oktober umstellten
    Polizisten

    den Campus der Thammasat-Universit?t und machten Gebrauch von ihren
    Schusswaffen. Dieses f?r mich unverst?ndliche, unbegreiflich harte
    Vorgehen, f?hrte dazu, dass die Menschen, die an diesem Tag ihr Leben
    opferten, auf unzivilisierte Weise sterben mussten. Die Bilder zeigten
    Opfer, die hinausgezerrt, erschlagen, erh?ngt oder aufgeschlitzt, deren
    K?rper zus?tzlich mit St?hlen traktiert oder ihr Mund mit Schuhen
    gestopft worden waren. Eine oder zwei Frauen wurden mitten auf dem
    Sanom

    Luang (XXX) in Bangkok entkleidet. Was weiter mit ihnen geschah, wei?
    ich nicht, sie wurden jedoch nicht wieder gesehen. Vier Personen
    wurden,

    nachdem sie bewusstlos waren, aufeinandergestapelt, mit Autoreifen
    bedeckt und angez?ndet. Ein Freund, welcher zuletzt noch die Leute aus
    dem Geb?ude heraustrieb, um sicher zu stellen, dass keiner ?brig
    bleibt,

    wenn die Soldaten das Gel?nde st?rmen, schaffte es selbst nicht mehr,
    rechtzeitig zu fliehen. Er bekam ein Tuch um den Hals gebunden und
    wurde

    zu Boden gezerrt und geschleift. Die genannten F?lle sollen als
    Beispiele f?r die unmenschliche Grausamkeit gen?gen.

    Anschlie?end wurden drei- bis viertausend Studenten verhaftet.
    Angeblich, weil er fliehen wollte, wurde einer von ihnen erschossen.
    Ich

    selbst war in dieser Nacht am Mikrofon und sprach anfangs
    Durchhalteparolen und rief zum Sturz der Diktatoren auf. Gegen Morgen
    allerdings versuchte ich, auf die Polizisten einzureden und sie von der
    Gewalt abzuhalten. Dann wurde ich verhaftet, sp?ter vor Gericht
    gestellt

    und f?r zwei Jahre inhaftiert.

    Offiziellen Angaben nach hat es am 6. Oktober 46 Tote gegeben, eine
    Zahl, die relativ niedrig erscheint im Vergleich zu den Opfern von 1973
    oder auch sp?ter, 1992. Aber die Art und Weise, wie die Leute
    umgebracht

    wurden, war um ein vielfaches brutaler und hinterlie? in den Herzen
    vieler eine Wunde, die bis jetzt immer noch nicht geheilt ist. Dazu
    gez?hlt werden m?ssen f?nftausend weitere Opfer, die, die selbst
    verletzt wurden, und die Angeh?rigen der Toten, Verhaftete und
    Angeklagte, Menschen, die ihre Positionen verloren haben wie Adjan Boyd
    (XXX), der seinen Posten als Rektor der Thammasat-Universit?t aufgeben
    und fliehen musste, bei seiner Flucht von der Polizei aufgegriffen und
    ins Gesicht geschlagen wurde. Fast die ganze Generation, die bei diesen
    Ereignissen dabei war, kann das Geschehen nicht vergessen. Dennoch ist
    eine Stille eingetreten, die die Ereignisse unaufgearbeitet hinterlie?.

    Zwanzig Jahre sp?ter werden diejenigen, die versuchen, an das Ereignis
    zu erinnern, verdammt, beschimpft und aufgefordert, die thail?ndische
    Gesellschaft nicht zu spalten.

    Solange die thail?ndische Gesellschaft nicht dar?ber zu diskutieren
    vermag, wie es zu diesen Geschehnissen kommen konnte, kann sie auch
    nicht verhindern, dass so etwas wieder passiert. Denn die thail?ndische
    Gesellschaft ist – genau so wenig wie andere Gesellschaften – vor
    extremen Taten sicher. Und man darf nicht glauben, dass sie eine
    friedliche Gesellschaft durch und durch ist, wie man es immer zu
    vermitteln versucht und es den Kindern in den Schulb?chern beibringen
    m?chte. Zwanzig Jahre lang wurden diejenigen, die den Ereignissen
    entfliehen konnten, alleine gelassen mit ihren Erinnerungen. Wie Adjan
    Boyd (XXX) sind sie alleine gelassen mit den schlechten Erfahrungen.
    Sie

    sind gesch?digt und nicht mehr in der Lage, dar?ber zu reden, diese
    Ereignisse zu reflektieren. Und wie es bei Adjan Boyd (XXX) der Fall
    war, nehmen sie diesen Schaden mit in den Tod. Mehrere Tausend
    Studenten

    f?hlen sich wie Sieger, die anschlie?end hinterr?cks ?berfallen worden
    sind. Sie haben Angst, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht akzeptiert
    werden und sehen sich gezwungen, diese tiefsitzenden Erfahrungen, die
    die H?lfte ihres Lebens ausmachen, zu verdr?ngen. Versuchen sie sich
    einmal vorzustellen, sie m?ssten eine H?lfte ihres Lebens verdr?ngen.
    Die M?tter und V?ter derer, die bei den Ereignissen dabei waren, wollen
    nicht dar?ber reden, wollen nicht als deren Eltern erkannt und
    verurteilt werden. Die dadurch entstandene Verletzung ist nicht
    geheilt,

    die thail?ndische Gesellschaft ist nicht in der Lage, sie zu heilen,
    weil sie vergessen machen m?chte.

    Nach zwanzig Jahren wurde zum ersten Mal 1996 verst?rkt ?ber die
    Vorf?lle des 6. Oktober gesprochen, wenngleich auch nicht ?ber alle
    ersch?tternden Einzelheiten. Die Grundaussage des Diskurses von 1996
    ist, dass es keine Rolle mehr spielt, ob die Gruppen kommunistisch
    waren

    oder nicht, der Staat hat dennoch nicht das Recht, zu t?ten. Der
    Premierminister von Thailand sagte in seiner Rede, dass man nun an
    einem

    Punkt angekommen ist, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. Der
    14. Oktober stelle einen Sieg dar ?ber Diktatur und Tyrannei, doch am
    6.

    Oktober h?tten alle verloren. Aber er fasste alle Oktober-Ereignisse
    zusammen und forderte dazu auf, jetzt dar?ber zu schweigen.

    Jetzt kommen wir zu dem, was diese Ereignisse von der Gesellschaft
    reflektieren.
    Erstens: Die radikale Forderung, man solle die Sache auf sich beruhen
    lassen, zeigt, dass die thail?ndische Gesellschaft nicht in der Lage
    ist, mit Konflikten umzugehen. Es gibt in der thail?ndischen
    Gesellschaft keine Erfahrung, keine Bewegung, keine Bedingung, keine
    Kultur, wie man damit umgehen kann. Es werden zuviele Hoffnungen auf
    den

    K?nig gesetzt. Aber er kann nicht immer helfen. Er kann auch nicht im
    Falle des 6. Oktobers helfen. Und man sollte sich dar?ber im Klaren
    sein, dass er nicht ewig da sein wird, um dem thail?ndischen Volk aus
    Krisen heraus zu helfen.
    Zweitens: Radikalit?t ist immer schon ein Bestandteil der
    thail?ndischen

    Gesellschaft gewesen, aber es wurde nie dar?ber gesprochen, in den
    Schulb?chern stand nichts dar?ber. St?ndig wird dem Volk eingeredet,
    dass Thailand eine friedliebende und konfliktfreie Nation ist.
    In Thailand hat es schon immer Machtk?mpfe gegeben, wo es um Interessen
    und Einfluss ging. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Thailand nicht
    von anderen Nationen. Die F?hrung benutzt ihre Macht, um das Volk zu
    bestrafen und zu tyrannisieren, auch dies wie andere L?nder auch. Es
    gibt noch viele andere Vorf?lle und Ereignisse, wo noch mehr
    geschrieben

    wird, als ?ber den 6. Oktober. Es gibt zwei F?lle von Morden an
    Studentenf?hrer, F?hrer von Farmer- und Arbeiterbewegungen, von 50-60
    Personen, deren Aufkl?rung bis heute noch nicht geschehen ist, wo die
    Verantwortlichen bis heute nicht zu Rechenschaft gezogen wurden. Es
    gibt

    ein weiteres Ereignis im Juli 1974, ein Verkehrsvorfall in Bangkok, wo
    es zu einem Streit zwischen einem Polizisten und einem Taxifahrer kam.
    Dieser Streit f?hrte zu einem Pogrom an 70 Personen chinesischer
    Abstammung in Jabarat (XXX) und Paparachai (XXX). Es hie? offiziell,
    die

    Polizei habe eine Razzia gegen eine Verbrecher-Organisation
    unternommen,

    doch bisher ist nicht gekl?rt, was dabei wirklich geschehen ist. Selbst
    unter den Studierenden, die die Gewalt des Staates kritisch beobachten,
    haben sich nicht mehr weiter mit diesem Vorfall befasst. Dabei ist
    dieses Ereignis keineswegs ein Geheimnis, jeder, der die Archive der
    Zeitungen durchsieht, wird die Berichte dar?ber finden.
    Es gibt noch andere Formen der Gewalt innerhalb der thail?ndischen
    Gesellschaft, die teilweise den Strukturen inh?rent sind. Dabei geht es
    in den meisten F?llen um Unterschiede an Macht, an Einfluss oder
    Verm?gen, Bewohnern der Ebene und den Bergv?lkern, auch zwischen
    Einheimischen und migrierten Einwanderern.

    Es ist in der thail?ndischen Gesellschaft of ?blich, absolut mit so
    einem Konflikt umzugehen. Das hei?t, knallhart durchzugreifen. Als
    Beispiel daf?r lese ich aus einem Text vor:
    Die Mehrheit der thail?ndischen Bev?lkerung bewundert heute noch den
    fr?heren Premier und Diktator Sarit Thanarat (1958-1963), weil dieser
    f?r sein hartes Durchgreifen bekannt war. Es war bei der Polizei
    ?blich,

    Lynchjustiz auszu?ben, dass kriminelle Vergehen nicht zur gerichtlichen
    Aufkl?rung und Verurteilung gelangten, sondern die Polizei selbst als
    Vollstrecker agierte. Viele in der thail?ndischen Bev?lkerung
    bef?rworten dieses Vorgehen. Vor nicht allzu langer Zeit (Januar 2000)
    machte eine Krankenhausbesetzung durch burmesische Rebellen vom Stamm
    der Karen in Ratchaburi Schlagzeilen. Nachdem die Polizei das
    Krankenhaus gest?rmt hatte wurden nur die Leichen der Rebellen
    pr?sentiert. Sie hatten keine Chance auf eine Aufkl?rung durch die
    Gerichte.
    Es war gut, dass es jemand gab, der gegen dieses Vorgehen protestierte,
    doch leider war die Mehrheit der Thail?nder mit dem Vorgehen der
    Polizei

    einverstanden. Es handelte sich doch um Burmesen, Ausl?nder, die den
    thail?ndischen Staat unter Druck setzen wollten.
    Es gibt noch zwei weitere Beispiele. Eines davon geht um das Verhalten
    von Chaloem (XXX), dem Sohn von ??? (XXX), der in Schl?gereien
    verwickelt war. In einem thail?ndischen Webboard wurde die Meinung
    vertreten, dass man den einfach umlegen sollte. Das Zeigt, wie diese
    Gewalt in den K?pfen der Leute steckt. Dass in der thail?ndischen
    Gesellschaft Macht popul?r ist, ist eine alte Geschichte. Dennoch wird
    leicht ?bersehen, dass das mit dem alten Prinzip Amnat (XXX), das
    bedeutet vererbte Macht, gleichgesetzt wird die Gerechtigkeit. Amnat –
    Dharma (XXX). Wer Macht hat, verf?gt auch ?ber das Recht.
    Trotz der Tatsache, dass sich die thail?ndische Gesellschaft im Laufe
    der Zeit gewandelt hat, bestehen diese Bez?ge weiterhin. dass das
    Konzept Amnat (XXX) gleichgesetzt wird mit Dharma (XXX), dem Guten, dem
    Gerechten, und erst im Nachhinein sieht man gegebenenfalls ein, dass
    diese Leute ihre Macht falsch einsetzen. Dabei bedeutet Amnat (XXX)
    eher

    das Gegenteil von Gerechtigkeit.
    Es gibt in der thail?ndischen Gesellschaft einen gro?en Hass auf
    korrupte Politiker. Doch man tr?umt davon, dass irgendwann einmal ein
    starker Mann mit Macht mit diesem politischen Unwesen aufr?umt.
    Wenn wir dem 6. Oktober wirklich auf den Grund gehen wollen, m?ssen wir
    feststellen, dass niemand saubere Westen tr?gt. Ferner ist die
    thail?ndische Gesellschaft gewohnt an die Indoktrination, dass sie eine
    Einheit darstellt. Die Einheit des Landes ist jedoch erst etwa
    einhundert Jahre alt, wird aber heruntergebetet wie ein Mantra.
    Konflikte werden verschwiegen und auf eine unverantwortliche Weise
    beiseite geschoben, was letztendlich einem Selbstbetrug gleichkommt.
    Die

    letzte Lehre ist, die Angeh?rigen und die Opfer des 6. Oktober alleine
    zu lassen, ist menschenverachtend. Und dass Thaksin meint, dass es eh
    nur eine Minderheit ist, ist blanker Zynismus, denn meistens sind die
    Minderheiten die Opfer. Selbst am 14. Oktober war es doch eine
    Minderheit, die auf die Stra?e ging. Und Prabhas (XXX), einer der drei
    Tyrannen jener Jahre meinte im Nachhinein, man m?sse das regeln mit den
    zwei bis drei Prozent der Studenten. Regeln hei?t, wie wir geh?rt
    haben,

    eliminieren. Das zeigt doch, dass die thail?ndische Gesellschaft es
    nicht gelernt hat, mit anders Denkenden umzugehen. Sie hat bisher nicht
    gelernt, Geschichte aufzuarbeiten und daraus Lehren zu ziehen. Sie hat
    weiter nicht gelernt, die Schicksale Einzelner als Schicksale der
    Nation

    zu sehen und daraus Kraft zu sch?pfen.
    Abschlie?end m?chte ich mich daf?r entschuldigen, dass ich als
    Botschafter schlechter Nachrichten hier war. Die Konflikte in der
    thail?ndischen Gesellschaft bestehen auch heute noch fort, sei es um
    nat?rliche Ressourcen und Radikalit?ten flimmern immer wieder auf. Ohne
    die Ereignisse vom 6. Oktober aufzuarbeiten, sich damit auseinander zu
    setzen, kann ein solcher Vorfall jederzeit wieder auftreten. Das
    Wichtigste ist, dass wir lernen, uns nicht selbst zu bel?gen, dass wir
    erkennen, dass jeder Mensch auch das B?se in sich tr?gt und dabei
    gleichzeitig lernen, dieses B?se nicht ausbrechen zu lassen.


    ################################################## ##########

    Diskussion:

    F: Welche Hoffnungen geben Sie den hier anwesenden jungen Thai?

    A: In meiner Generation gibt es viele, die sehr pessimistisch bez?glich
    der heutigen Generation der Jugend und Studenten sind. Sie glauben,
    dass

    die heutige Jugend nur ihren Spa? haben m?chte und sich f?r ihre
    Computer interessieren, w?hrend sie dem politischen Geschehen eher
    Desinteresse entgegen bringen. Ich pers?nlich bin da anderer
    Auffassung.

    Ich glaube, dass jede Generation die Chance und das Potential hat,
    auftretende Probleme zu l?sen.


    F: Wie haben damals der K?nig und die Oberen der Buddhisten, denen der
    meiste Respekt entgegen gebracht wird, zu den Ereignissen Stellung in
    den Medien bezogen?

    A: Von den 200 Radiostationen, die es in der Zeit gab, waren nur zehn
    frei in der Berichterstattung, die restlichen wurden durch das Milit?r
    zensiert. Fernsehen sollte seinem Auftrag nach unpolitisch sein. Zum
    Ereignis am 6. Oktober 1976 ist ein einziger Sender, Kanal 9, vor Ort
    gegangen und hat das Geschehen dokumentiert. Sein Intendant wurde
    sofort

    entlassen.
    Was die oberen Buddhisten angeht, war es doch so, dass der ehemalige
    Diktator Thanom, der seine Zeremonie noch nicht abgeschlossen hatte,
    als

    er 1973 das Land verlassen musste, zur?ckkam und direkt vom Flughafen
    in

    das Wat Bowonniwet verbracht wurde, um dort seine Zeremonie zu Ende zu
    bringen. Wat Bowonniwet gilt als Wat der k?niglichen Familie, und der
    damalige Abt des Wat ist der heutige Sangharatcha (XXX), der oberste
    Buddhist im Sangha (XXX). – Ziehen sie selbst die Schlussfolgerung aus
    dieser Tatsache!


    F: Wie sollte man Ihrer Auffassung nach die Erinnerung organisieren,
    welche Medien des Gedenkens und Erinnerns schlagen Sie vor?

    A: Wir k?nnen eine Menge tun. Auf einer breiten sozialen Ebene haben
    wir

    seit 1996 ein Monument des Gedenkens, das einen Durchbruch im
    Verarbeiten der Geschehnisse darstellt. Wir sprechen ?ber die Dinge
    ohne

    allerdings zu sagen, wo die Verantwortlichkeiten liegen. Teilweise
    wissen wir es nicht, teilweise k?nnen wir nicht dar?ber sprechen, weil
    die Geschehnisse unaussprechbar sind. Wir d?rfen dar?ber sprechen, aber
    wir sollen es nicht. Beispielsweise sollten Sie eine Frage wie die Ihre
    nicht in der ?ffentlichkeit Thailands stellen. Auf der anderen Seite
    haben wir einen Anfang gemacht und die Aktionen der letzten vier-f?nf
    Jahre, so unterschiedlich sie auch beurteilt werden k?nnen, zeigen,
    dass

    wir auf dem richtigen Weg sind.
    Menschen meiner Generation sehen darin insgeheim, dass sich die
    thail?ndische Gesellschaft ?ndert. Sie ist jetzt offen genug, um auf
    unterschiedlichen Ebenen das Geschehen aufzuarbeiten. So haben wir das
    Monument zum Gedenken an den Oktober 1973, das verhindert, dass wir
    vergessen. Wir haben das Monument zum Gedenken an den Oktober 1976 auf
    dem Gel?nde der Thammasat-Universit?t, auch wenn es derzeit keine
    M?glichkeit gibt, ein solches Monument au?erhalb Thammasat zu haben.
    Die

    Universit?t erkl?rte sich bereit, uns einen Platz f?r ein solches
    Monument zu geben, und wir haben uns gesagt, wir machen es so gro?,
    dass

    man es einfach nicht ?bersehen kann.


    F: Was wird Ihrer Meinung nach passieren, wenn der K?nig, der durch
    seine starke Pers?nlichkeit das ganze Staatsgebilde doch einigerma?en
    zusammen h?lt, nicht mehr da sein wird?

    A: Dar?ber m?chte ich nicht spekulieren. Aber ich bin optimistisch und
    glaube, dass jede Gesellschaft in der Lage ist, auf anstehende Probleme
    zu reagieren. Voraussetzung daf?r ist jedoch, dass sie akzeptiert, dass
    sie nur eine normale Gesellschaft ist mit internen Konflikten und
    Auseinandersetzungen, guten und schlechten Seiten, und dass sie lernt,
    aus eigener Kraft damit fertig zu werden. Und statt alle Hoffnungen auf
    eine einzelne Person, einen neuen, einen starken K?nig zu setzen,
    sollte

    ein jeder sich dar?ber im Klaren sein, dass er damit nur seine eigene
    Verantwortung auf einen anderen abschiebt.


    F: Wie konnte es bei den B?rgermeister-Wahlen (23. Juli 2000) in
    Bangkok

    dazu kommen, dass mit Samak Sundaravej ein Mann zum Gouverneur gew?hlt
    wurde, der beschuldigt wird, bei den Geschehnissen des 6. Oktober f?r
    die Massenhetze gegen die Studenten verantwortlich gewesen zu sein?
    Welche Rolle hat er wirklich gespielt?

    A: Mit Sicherheit kann ich sagen, dass Gouverneur Samak nicht bei dem
    Massaker am 6. Oktober dabei war. Aber es ist so, dass er zum
    ultra-rechten Fl?gel geh?rte und die Studenten f?rmlich hasste. Er war
    auch bei denjenigen, die nach dem 6. Oktober die Studenten verfolgten
    und die die Geschehnisse falsch darzustellen versuchten. Durch seine
    Hasskampagnen hat er mit dazu beigetragen, Dr. Boey (XXX) aus dem Land
    zu vertreiben.
    Im Vorfeld der Wahlen kam es nach einem Aufbegehren und Unmut
    hinsichtlich dieser Rolle zu Diskussionen, die letztendlich mit der
    Frage, was denn diese 25 Jahre zur?ckliegenden Geschehnisse ?berhaupt
    mit der Kandidatur zum Gouverneur von Bangkok zu tun h?tten, zum
    Verstummen gebracht worden sind.


    F: Woran liegt es, dass es in den letzten Jahren so ruhig geworden ist
    um die Thammasat-Universit?t?

    A: Jede Generation hat ihre eigenen Wesensz?ge. Den jetzigen Studenten
    vorzuwerfen, nicht mehr politisch aktiv zu sein, w?re falsch. Es gibt
    sowohl negative wie auch positive Aspekte, so dass ich kein Problem
    damit habe, wenn es zur Zeit keine Studentenbewegung gibt.


    (Unsichere Namen und Orte sind mit (XXX) gekennzeichnet)


    Letzte Änderung: DisainaM am 15.11.01, 12:58

  7. #6
    Airport
    Avatar von Airport

    Re: Umgebung Münster ?

    UFF !!!
    Mein lieber Burschi, da muss man ja nen ganzen Nachmittag freinehmen, um dies alles zu lesen und zu verstehen. Muss ehrlich zugeben, dass ich den Text mehrmals lesen musste, um alles zu verstehen. Scheint Dir ja ganz schoen wichtig zu sein, dieses "Meeting" !!
    Ich weiss nicht, ob ich mich fuer so eine Vorleseung begeistern koennte, da es doch ziemlich ins Detail geht, und man muss wirkliches Interresse daran haben. Deshalb Hutab! und danke fuer diese geballte Information...

    [move:ba2b0ad721]FAAG JAI BAI ISAN. !!!!!![/move:ba2b0ad721]

  8. #7
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.824

    Re: Umgebung Münster ?

    Hallo Peter,

    ich dachte nur, weil Stefan Interesse an der Sache gehabt hatte, und der Ort ihm zuweit weg war.

  9. #8
    Stefan642002
    Avatar von Stefan642002

    Re: Umgebung Münster ?

    Danke für den Beitrag,hat mich sehr bewegt.Gibt es ein Video oder Artikel über die Ereignisse ?Habe noch nie darüber gehört.
    Thailand ist nicht nur freundlich es kann auch grausam sein.Unlängst
    geschehen bei der Entführung von der Studentin.Habe von Vorfällen im Süden Thailands gehört wo viele Thais einfach verschwunden sind und später wurde behauptet sie würdem Komunisten sein.Es ist eins wahr der König ist nicht allgegenwärtig.Er kann auch nicht immer alles friedlich lösen.Die Machtstruktur in Thailand ist zu undurchgsichtig.
    ich finde es richtig das über die Ereignisse vom 6 Oktober gesprochen wird.
    Stefan642002

  10. #9
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.824

    Re: Umgebung Münster ?

    Wo es Videos darüber gibt, bin ich auch überfragt.

    Der Respekt für den geposteten Artikel richtet sich an
    Theodor Pitsch
    von
    http://www.clickthai.de
    der sich die Arbeit der Gesamtzusammenstellung des Vortrages gemacht hat.

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