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Thais: ein verschlossenes und undurchsichtiges Volk ?

Erstellt von socky7, 27.04.2011, 09:08 Uhr · 427 Antworten · 38.786 Aufrufe

  1. #361
    Avatar von Yogi

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    Zitat Zitat von Bukeo Beitrag anzeigen
    nein, nur Muban ist für mich das krasseste. Wir haben aber auch einen Farang in der Nähe hier, der nicht im Muban lebt, hat nur eine Mauer um sein Grundstück, nur da dürfen halt Thais nicht rein, ausser Familie.
    Wenn er Samstags am Dorfmarkt einkauft, seine Frau die Nase hoch - er vermeidet Kontakt zur einheimischen Bevölkerung - dann darf man sich halt nicht wundern, das so einem auch in einem Notfall nicht geholfen wird. Da sind die Dorf-Thais stur wie Maulesel - der kann zusammengeschlagen werden, da greift niemand ein, garantiert - oder auch bei einer Autopanne würden die Thais vorbei fahren, ohne sich umzudrehen.

    Das meinte ich damit. Ich bin mit der Bevölkerung hier im gesamten Amphoe-Bereich verzahnt, muss mittlerweile viele Einladungen zu Parties ausschlagen, weil ich einfach nicht auf Dauer soviel trinken kann, ohne Alkoholiker zu werden
    Trotzdem freut mich jede Einladung und auch wenn ich eine Party gebe, kann ich damit rechnen, dass das gesamte Dorf kommt.

    Hauseinweihungsparty vor ca 5 Jahren - da kam in der Tat das gesamte Dorf, von Kind bis 80j. - in einem Muban nicht so leicht realisierbar.
    Wie lange hast du eigentlich in einem Moo Baan gelebt, dass du genau weisst, wie es da zugeht, dass du genau weisst wie gefrustet die Farangs hinter der Mauer sind?
    Ich hab in Thailand oft und lange in Hotels gelebt. Deshalb denke ich kann ich meine Erfahrung hierzu kundtun. Ich habe noch nie, so wie du, inmitten einem thailändischen Dorfverbund gelebt. Deshalb werde ich mich auch nicht zu den Lebensumständen hierzu äussern. Würde wahrscheinlich nur dummes Zeug bei rauskommen.

  2.  
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  3. #362
    Bukeo
    Avatar von Bukeo
    Zitat Zitat von Yogi Beitrag anzeigen
    Wie lange hast du eigentlich in einem Moo Baan gelebt, dass du genau weisst, wie es da zugeht, dass du genau weisst wie gefrustet die Farangs hinter der Mauer sind?
    Ich hab in Thailand oft und lange in Hotels gelebt. Deshalb denke ich kann ich meine Erfahrung hierzu kundtun. Ich habe noch nie, so wie du, inmitten einem thailändischen Dorfverbund gelebt. Deshalb werde ich mich auch nicht zu den Lebensumständen hierzu äussern. Würde wahrscheinlich nur dummes Zeug bei rauskommen.
    ich spreche jetzt mal von normalen Mubans und nicht, wie etwa das Palm Springs in Chiang Mai - wo Häuser auf 1 Rai stehen und so etwa 10+ Millionen kosten.
    Wir kennen einige Farangs von Mubans, eines ist gleich um die Ecke - Fenster an Fenster, bei einem Furz fliegen dem Nachbarn vermutlich die Fliegengitter weg
    Bei geöffneten Fenster ist mit Sicherheit jedes Wort des Nachbarn, jeder Streit usw. zu verstehen - nein, danke.
    Geht die Verwaltung pleite, verkommt das Anwesen schneller als du denkst - eines der Muban hier, sieht aus wie nach einem Bombenangriff, Schlaglöcher, verdorrte Hecken usw.

    Aber mir ist bewusst, das es Leute gibt - die ihre Ruhe haben wollen. Viele ziehen auch ein Condo einem Haus vor - auch nichts für mich. Ich liebe die Idylle einer ruhigen Soi bei sehr angenehmer Nachbarschaft, aber doch ein wenig weiter entfernt, als 1 Meter.
    Bei einem Muban höre ich mit Sicherheit in der Nacht viele Kompressoren von Aircons - oder sind die alle so leise, das man diese keine 2 Meter hört?
    Unsere Aircon höre ich in der Nacht meterweit.

  4. #363
    Tramaico
    Avatar von Tramaico
    Zitat Zitat von alder Beitrag anzeigen
    Das hab ich eigentlich nicht so empfunden.

    Im Gegenteil - ich glaube eher, dass denen alles am Arsch vorbei geht, solange es sie nicht betrifft.

    Mir fallen da spontan die kambodschanischen Gangster ein, die Nachts mit ihren gemieteten Säuglingen durch die Tourispots ziehen.
    Obwohl sogar mittlerweile sporadisch von der Polizei Massnahmen gegen diese Schweinebacken ergriffen werden, habe ich nicht ein(n) Thai erlebt, die mal gegen die aufmuckt, sich empört oder versucht dieses Treiben zu unterbinden.

    Achselzucken heisst die Devise.
    Nun ja, die Devise ist eher "kuemmere Dich nicht um Angelegenheiten, die Dich nichts angehen". Dieses steht natuerlich im Gegensatz zu notorischen Weltverbesserern. Aktivisten, die irgendwelchen Firlefanz betreiben, sich nackt auf die Strasse setzen, sich mit Benzin anzuenden, hungerstreiken etc. Wuerde kaum ein Thailaender machen, ausser er wurde vielleicht verwestlicht. Halte ich im uebrigen genauso. Machen mir auch keinen Kopf ueber die besagten kambodschanischen Gangster. Wuerde ich es, dann wuerde ich mich allerdings nicht darueber aufregen, sondern darum kuemmern. Geht mir etwas wirklich auf den Zeiger, dann wird es zu meiner Sache und es ist Zeit fuer Massnahmen. Nein, keine Leserbriefe in der Bangkok Post oder ein Blog im Internet, sondern was wirksameres, einpraegsameres. Dieses ist nach meinen Erfahrungen mehr der thailaendische Stil. Nicht im Protest erbost mit dem Fuss aufstampfen sondern eine verstaendlichere Botschaft schicken.

    Letztes Jahr sass ich in einem Bahtbus, in einem Megastau - als wir an einer riesigen Blutlache vorbeischlichen, die von einem völlig zermatschten Mopedfahrer stammte, der gut verteilt auf der Strasse lag.
    Einzige menschliche Reaktion einer jüngeren Thaifrau , die ein Spontanbrecherchen auf meine Schuhe machte.
    Der zermatschte Mopefahrer ist tot. Ihm ist nicht mehr zu helfen. Was wird erwartet, was ist politisch korrekt? Traenen, Schreie des Entsetzens, Schimpfen auf eine ungerechte Welt? Der Mopedfahrer wird sich nicht mehr erheben. Sich damit abzufinden ist jetzt aber wiederum nicht typisch thailaendisch sondern buddhistisch. Habe auch selbst lange daran arbeiten muessen, ehe ich diesen rationellen Weg des Denkens verinnerlichen koennte. Zwischenzeitlich habe ich in dieser Hinsicht sogar meiner Frau einiges voraus und muss sie manchmal entsprechend erinnern. Z. B. wenn da ein totgefahrenes Tier auf der Strasse liegt. Es ist tot. Es leidet nicht mehr. Nur Lebende leiden und wenn sie es tun, dann ist es Zeit es zu korrigieren. Die Toten haben hier den Lebenden einiges voraus.

    Ein anderer Thai rief einem Polizisten zu: "Thai oder Farang?" Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hab die Frage nicht verstanden. Es würde mich mal interessieren wie die Reaktionen der Leute bei einem ähnlichen Unfall in D wären wenn einer fragt: "Ein Deutscher oder ein Türke.....?"
    Hm, steht jetzt natuerlich so aus dem Zusammenhang gerissen da und es stellt sich hier die Frage. Wer war dieser andere Thai? Vielleicht ein Polizist in Zivil oder ein thailaendischer Beamte?

    Nun ja, handelts es sich bei dem Toten um einen Farang, dann bedeutet dieses mit Sicherheit einige Probleme und mehr Aufwand. Ist es ein Thai, nun gut dann ist es eher eigentlich Tagesgeschaeft. Problem ist hier, dass Farangs oftmals die thailaendische Lebensphilosophie nicht verstehen und daher eben auch die Furcht vieler Thais bestimmte Situationen koennte ein schlechtes Bild auf das Land werfen. Man versucht somit das Gesicht zu bewahren.

    Im Grunde sind wir stolz und zufrieden Thai zu sein. Wir lieben unser Land, wir lieben unsere Freiheit und manchmal bedauern wir die armen Nichtthais, die sich das Leben so unendlich schwermachen. Sich ueber Kleinigkeiten tierisch aufregen, sich so tierisch kompliziert geben muessen. Im Grunde holen wir hier im Thailand das Kehrblech raus, fegen die Ueberreste des Mopedfahrers auf und das Leben geht unbeirrt weiter. Eine sehr hemdsaermlige aber ansich sehr sinnvolle Philosophie. Wer weiss, vielleicht bin ich ja morgen selbst schon ein plattgefahrener Mopedfahrer. Warum also mit dem Schicksal handern. Das Unveraenderliche bleibt trotzdem unveraenderlich. Ja, dies kann manchmal als extrem kalt und asozial rueberkommen. Ist es aber nur scheinbar, wenn man tiefer in Thematik einsteigt. Thais bezeichnen sie sich ja gerne als die Freien. Sie sind es im Grunde auch. Durch ihre pragmatische Hemdsaermlichkeit. Sicherlich nicht jedermanns Sache aber es macht die unertraegliche Leichtigkeit des Seins tatsaechlich ertraeglich. Mai pen rai. Es ist wie es ist. Kann ich etwas nicht aendern warum damit hadern oder gar daran zerbrechen? Verursacht mir etwas jedoch Leid und es liegt in meiner Macht es zu korrigieren, nun dann ist es an der Zeit dieses zu tun. Change it or forget it. Im Leben zu leiden ist eigentlich ein Frevel, denn im Grunde wird ein Leben einfach fuer nichts und wieder nichts verschenkt.

    Recht komplex, nicht wahr? Da mag leicht der Eindruck aufkommen, dass es sich bei Thais um ein verschlossenes und undurchsichtiges Volk handelt. Aber im Grunde nur fuer den Aussenstehenden. Wenn man erst einmal ein Teil des Systems ist, sieht man viele Dinge oftmals anders. Die Furcht schwindet und Leben hat laengst nicht mehr den Stellenwert, der ihm oftmals in der westlichen Welt zugesprochen wird. Nein, ein Leben ist nicht die kostbarste Sache in der Welt. Leben zerbricht sehr leicht und oftmals ist dieses nicht zu aendern. Unnoetig deshalb gross Traenen zu vergiessen. Schauen wir uns die Sache einmal aus einem etwas objektiveren Blickwinkel an. Morgen koennte ich bereits schon tot sein. Mai pen rai, es ist ausserhalb meiner Reichweite. Warum deswegen damit hadern?

  5. #364
    Avatar von DisainaM

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    Zitat Zitat von Socrates010160 Beitrag anzeigen
    Eine Meldung aus der Tagesschau von gestern Abend (09.06.2011): in einer Stadt in Deutschland wurde ein 20 jähriges Mädchen von einem Ehepaar und dessen Sohn über 1 Jahr gefangen gehalten und 5exuell missbraucht. Gestern gelang ihr die Flucht.

    Sind nun alle deutschen Verbrecher ? Oder ist es Tradition sich eine Frau als 5exsklavin zu halten ?
    .
    nun hat die deutsche Kultur sich ja derart verändert, (Thailand 64. Mio und Deutschland 80. Mio Einwohner liegen ja relativ nah zusammen)
    dass die Jugend einfach nicht bereit wäre, freiwillig in grosser Zahl, also ca. 50.000, sich auf eine Rotlichtausbildung,
    zugunsten einer finanzieller Versorgung der Eltern einzulassen.

    Jeder th. Jugendliche weiss, was er tun muss, um seine Schwester wirkungsvoll aus ihrem gewohnten Umfeld zu entkoppeln,
    hinzu kommt, dass in Thailand in grossem Stiel Findelkinder, Fremdkinder, oder wie man sie auch nennen mag,
    also weggegebende Kinder, grossgezogen werden, die schon frueh auf ihre spaetere Aufgabe,
    naemlich ihr Leben lang zu dienen, zum finanziellen Wohl der Gasteltern,
    (wie ein Festgeldkonto) grossgezogen werden,
    von denen auch einige den Weg ins Rotlicht finden werden.

    Nun muessen das keine schlechten Menschen seien, weil keiner per se sagen kann,
    welcher Glaubenskultur die Betroffenden angehoeren,
    das Haus Tara hat z.B. andere Rituale, als der Machimawat.

  6. #365
    Avatar von strike

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    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    *
    Gefaellt mir, die Erklaerung.
    Sogar richtig gut und dies ist fuer mich auch nachvollziehbar.

    Unser Problem scheint also das Begreifen und die taegliche Uebung dessen zu sein, was Du hier beschreibst "Habe auch selbst lange daran arbeiten muessen, ehe ich diesen rationellen Weg des Denkens verinnerlichen koennte."

    Da werde ich mal weiter drueber nachdenken .....


  7. #366
    Avatar von Yogi

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    Zitat Zitat von Bukeo Beitrag anzeigen
    ich spreche jetzt mal
    Due hast mich bestätigt.
    Deshalb werde ich mich auch nicht zu den Lebensumständen hierzu äussern. Würde wahrscheinlich nur dummes Zeug bei rauskommen.

  8. #367
    Tramaico
    Avatar von Tramaico
    Zitat Zitat von DisainaM Beitrag anzeigen
    Für mich persönlich nicht umbedingt erstrebenswert, auf Getthokultur eingestellt zu werden,...
    Ich sage mir, der ideale Zustand ist, auf jegliche Situation eingestellt zu sein. Sowohl in der Zivillisation wie auch im Ghetto ueberleben zu koennen. Nein, dies heisst natuerlich nicht, dass das "Recht des Staerkeren" praegend auf dem Lebensweg sein sollte und man dadurch letztendlich zu einem Bullie wird. Denn irgendwann kommt mal ein staerkerer Bullie und es hat sich fuer einen ausgebullied.

    Jemand, der nur im Elfenbein lebensfaehig ist, ist fuer mich nicht komplett. Er geht spaetestens dann ueber den Deister, wenn er im Elfenbeinturm irgendwann mal wirklich unangenehmen Besuch bekommt. Z. B. aus dem Ghetto. Was dann? Ich rufe die Polizei, ich habe eine Rechtsschutzversicherung, ich kenne meine Rechte. Nee, nichts fuer mich. Ich habe mich darauf eingestellt, es moeglichen Ghettobesuchern so schwer wie moeglich zu machen. So, ihr wollt mir den Hintern aufreissen. Okay, verstehe Euer Anliegen, aber seid sicher, dass es kein Kirchgang werden wird. Wenn ich zu Boden gehe bin ich erledigt, das weiss ich, aber das selbe gilt auch fuer Euch. Einen am Boden liegenden in's Gesicht zu treten ist nicht fair, aber das interessiert im wirklichen Leben niemanden. Die Gangs und Strassenschlaeger sind im Prinzip nur wirklich hart, wenn sie meinen im Vorteil zu sein und ungeschoren davonzukommen.

    Ist doch in zwischenzeitlich Usus in Deutschland. Drei Jugendliche treten einen unbescholtenen Familienvater zusammen, der mit dem Ghetto absolut nichts am Hut haben will. Er hat keine Wahl, denn das Ghetto kommt zu ihm. Die Regeln des Ghettos zu kennen, ist hierbei hilfreich. Die beste Chance zu ueberleben, sollte es mal zur Stunde X kommen. Die aus dem Ghetto suchen im Prinzip Feinde. Personen, die auf die Ghettobewohner herabschauen, sie als minderwertig verachten. Tut man es nicht, kann man sogar mit den meisten Ghettokameraden ganz gut auskommen. Ich bin und sehe mich nicht anders als ihr. Wenn einer jedoch meint, er muesste mir das Leben schwer machen, dann kann das auch leicht in's Auge gehen. Das ist nichts persoenliches. Ghettolaw wie alle wissen. Nein, ein Leben im Ghetto ist sicherlich nicht erstrebenswert, aber ein Leben im Elfenbeinturm ist es fuer mich persoenlich auch nicht. Lebe stattdessen in Thailand wie viele Thais unter Thais. Einfach nur eine durchschnittliche thailaendische Mittelklassefamilie. Nun ja, es kann leicht passieren, dass ein Familienvater einer thailaendischen Mittelklassefamilie einem Angreifer ein Stueck Blei verpasst. Viel wahrscheinlicher als z. B. in Deutschland. Das ist eben in einem Schwellenland einfach so. Da kann das naechste "Ghetto" kilometerweit entfernt sein.

    Nun ja, die USA sind aber auch nicht anders, obwohl sie ja eher zu den Premiumlaendern als zu den Schwellenlaendern gezaehlt werden. Hier haben die Amerikaner eben dann auch ihre ganz eigene Menthalitaet, wie wir wissen. Ein feier Mann hat das Recht sein Haus und Hof und sein Haben mit der Waffe zu verteidigen. Das ist ein Grundrecht. Alles andere waere eine Beschneidung der Freiheit.

    Unterschiedliche Philosophien eben. Im Grunde koennte ich ueberall problemlos leben und ueberleben. Selbst in einem echten Ghetto. Hatte mich auch in meinen zwei Jahren USA bestens zurechtgefunden und an die landestypischen Gegebenheiten angepasst. Man draengte mich staendig, ich sollte doch in den deutschen Club in Clark, New Jersey gehen, denn da waere ich ja unter meinesgleichen. Bin nie hingegangen. Meine Freunde und Bekannte waren im wesentlichen eines. Amis. In den zwei Jahren war ich einer von ihnen und habe sogar in der Firmenmanschaft Softball gespielt.

    Deutschland war mir immer zu sehr Elfenbeinturm. Nein, ich bin deswegen nicht nach Khlong Toei in Bangkok umgezogen, denn das waere in der Tat das andere Extrem. Sagen wir es so, mein Leben ist weder Elfenbeinturm noch Ghetto sondern irgendwo dazwischen und dieses entspricht dann eben meiner Vortellung.

    Meine Eltern waren anfangs darueber entsetzt, als ich meinen sicheren und gutbezahlten Job aufgab und nach Thailand ging. Nachdem sie dann zwoelfmal hier waren, konnten sie bei jedem Besuch meine Entscheidung mehr nachvollziehen. Bei einem unserer letzten Telefongespraeche sagte meine Mutter dann sogar, dass meine damalige Entscheidung voll und ganz richtig war und sie sich absolut nicht mehr vorstelle koenne, dass ich im heutigen D lebensfaehig waere. Natuerlich haette sie es immer vorgezogen, wenn ich mit meiner Familie im nur ca. 300 Meter entfernten Haus gewohnt haette, aber nun ja, es kam einfach alles anders. Sie hat mir zwischenzeitlich nur eine einzige Direktive gegeben. Ich duerfe auf keinen Fall vor ihr ableben. Der Verlust Ihrer Tochter (48 Jahre) und ihres Ehemannes vor drei Jahren im Elfenbeinturm nagen nach wie vor an ihr. Auch meine thailaendische Ehefrau hat mir Sterbeverbot erteilt. Kurzum, dass respektiere ich und werde mein moeglichstes tun dem Wunsch zu entsprechen. Werde mich somit nicht aufmachen, um ein paar kambodschanischen Gangstern das Handwerk zu legen, aber wenn sie bei mir an die Tuer klopfen wuerden...

    Das mag jetzt wieder sehr thailaendisch rueberkommen, aber nun ja, ich lebe ja auch in Thailand, da sollte dieses eigentlich nicht verwunderlich sein.

  9. #368
    Avatar von DisainaM

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    Zitat Zitat von Tramaico Beitrag anzeigen
    Lebe stattdessen in Thailand wie viele Thais unter Thais. Einfach nur eine durchschnittliche thailaendische Mittelklassefamilie. Nun ja, es kann leicht passieren, dass ein Familienvater einer thailaendischen Mittelklassefamilie einem Angreifer ein Stueck Blei verpasst. Viel wahrscheinlicher als z. B. in Deutschland. Das ist eben in einem Schwellenland einfach so. Da kann das naechste "Ghetto" kilometerweit entfernt sein.
    mir ging es bei den Überlegungen eigentlich weniger um die Frage, ob ich in einem Gettho leben könnte,
    sondern um die Überlegung, was eine Getthoumgebung aus meinen Kindern machen würde.

    Wenn Dir eines Tages Dein ausgerissender Sohnemann Dir volltätoviert entgegen tritt, und seine mittlerweile yabaa angefütterten Augen Dich drohend ansehen,
    wirst Du Dir diese Frage ev. auch stellen.

    Klar, auch in einem Mittelstandsumfeld kann plötzlich Gewalt hereinbrechen,
    und eine Situation entstehen, wo man seine Familie mit Haut und Haaren verteidigen muss,
    doch passieren solche Ereignisse in Getthoumgebungen wesentlich häufiger.

    Du kennst aus den brasilianischen Barios die Gesetze der Strasse wahrscheinlich wesentlich besser, als mancher anderer,
    doch ist es erstrebenswert, dass die eigenen Kinder so einen Blick auf die Welt bekommen ?

    Kleines, dass ist nur der Nachbar, den Du da hörst,
    der muss seiner Frau mal wieder in die Fresse hauen,
    damit sie ihm gehorcht.

  10. #369
    Tramaico
    Avatar von Tramaico
    Zitat Zitat von DisainaM Beitrag anzeigen
    mir ging es bei den Überlegungen eigentlich weniger um die Frage, ob ich in einem Gettho leben könnte,
    sondern um die Überlegung, was eine Getthoumgebung aus meinen Kindern machen würde.

    Wenn Dir eines Tages Dein ausgerissender Sohnemann Dir volltätoviert entgegen tritt, und seine mittlerweile yabaa angefütterten Augen Dich drohend ansehen,
    wirst Du Dir diese Frage ev. auch stellen.
    Nein, ich habe keine Sohnemann im eigentlichen Sinne und haette ich einen, dann wuesste er, dass er bei mir mit der von Dir angekuendigten Show absolut an der falschen Adresse waere.

    Schau, unsere 1. Tochter fuehlte sich im Alter von um die 16 Jahren extrem zum Ghetto hingezogen. Sie meinte, sie waere in ihrem derzeitgen Leben nicht frei genug. Sie suchte praktisch die Gesellschaft zum Abschaum. Nach -zig Chancen, laufendem Schule schwaenzen, manchmal die ganze Nacht nicht nach Hause kommen und einmal haben wir sie persoenlich um 23.00 Uhr aus dem echten Khlong Toeier Slum geholt, stellte ich sie vor die Option:

    Es gibt Regeln bei uns im Haus, die einzuhalten sind. Fuer Dich gelten die Regeln zur Schule zu gehen und abends puenktlich zu Hause zu sein. Du kannst Dich entweder daran halten oder hier nicht wohnen. Sie packte ihre Sachen und zog aus. Es flossen natuerlich Traenen bei meiner Frau, ist verstaendlich. Sie wusste aber auch, dass ich die Familie schuetzen musste und es somit nicht dulden konnte in irgend ein Milieu hineingezogen zu werden. Nun ja, besagte Tochter wurde mit 17 Mutter und von ihrem Freund, dem Kindesvater, regelmaessig geschlagen. Bekam anfangs davon gar nichts mit und hatte sie Beulen, dann sagte sie ihrer Mutter, dass sie gestuerzt sei. Man verheimlichte die wahren Begebenheiten vor mir, weil man sich vor meinem Intervenieren fuerchtete. Einmal kam es zu einem echten Problem und meine Frau hatte den Punk am Telefon, nachdem er vor einem Besuch durch uns das Weite gesucht hatte. Er fing sogar an zu drohen und meinte, er wuerde dafuer sorgen, dass meine Familie nicht mehr in der Gegend wohnen koennte. Natuerlich hatte er das grosse Maul nur am Telefon, denn bei einem persoenlichen Intermezzo waere ihm das mit Sicherheit schlecht bekommen. Anyway, wir stellten uns darauf ein und meine Frau ging im Dunkeln nur noch in meiner Begleitung auf die Strasse.

    Ehe wir dann aber tatsaechlich selbst korrigierende Massnahmen ergreifen konnten, kam es zu einer unerwarteten Wendung. Ein Jugendlicher hatte den Punk bei dessen Arbeitgeber angeschwaerzt und das fand sein grosser Bruder nicht gut. Er griff zum Schwert und wollte dem Petzer und seinen Kumpels einen Besuch abstatten, die sich jedoch im Haus verschanzt hatten, doch kurz darauf auf ihre Weise reagierte. Eine Gruppe von 20 oder 30 bewaffneten Jugendlichen auf Mopeds tauchte auf und wollten dem Schwertbruder die Leviten lesen. Sie trafen ihn nicht an, jedoch den juengsten der drei Brueder. Sie verbeulten diesen ein wenig und gaben die Botschaft aus, dass die Familie in der Gegend nicht mehr willkommen sei. Sie leben zwischenzeitlich in ihrer Heimatprovinz Kanchanaburi und kuemmern sich um den Enkel. Sie wissen allerdings auch, dass der Besuch nicht durch uns insziniert war, sondern dass die Sache auf dem vorher beschriebenen Problem beruhte.

    Die grosse Tochter ist jetzt knapp 23 Jahre alt und versteht zwischenzeitlich unsere frueheren Verhaltensweisen. Sie weiss, dass es um ihre Zukunft ging und wir sie nur deshalb so "einschraenkten". Sie sagt nun, dass wir es auf keinen Fall zulassen sollten, dass die juengere Schwester (jetzt 17 Jahre alt) die selben Fehler macht wie sie und hat diese auch schon mehr als einmal zusammgestaucht, als diese ueber die Straenge schlug. Die Grosse hat es trotz mehrerer Ansaetze nicht geschafft ihre schulische Weiterbildung fortzufuehren. Sie hat derzeit nur einen 9. Klasse Schulabschluss, nachdem sie damals die Wirtschaftsfachschule nach 1,5 Jahren geschmissen hatte. Sie arbeitet zur Zeit in einer Bierbar im Bezirk Nana als Kassiererin. Sie wohnt nicht weit weg von uns und kommt gelegentlich auch vorbei. Zum Essen oder auch mal zum Ausschlafen oder meldet sich schon mal, wenn sie ein echtes Problem hat. Hat uebrigens auch bei mir auf Facebook eine Freundschaftsanfrage gestellt. Meine Frau sagt mir, dass sie sich bis heute nicht immer noch getraut hat mich fuer ihre Missetaten um Verzeihung zu bitten, obwohl es ihr sehr unter den Fingern brennt. Sie ist jetzt mit 23 Jahren natuerlich volljaehrig und fuer ihr eigenes Leben verantwortlich. Sie weiss es. Fragt sie meine Frau, was ich mir denn zum Geburtstag wuenschen wuerde, dann antwortet diese: "Dein Leben in den Griff und in geordnete Bahnen zu bekommen. Vernuenftigen Schulabschluss nachholen, entsprechenden Job, eigene Familie mit einem vernuenftigen Ehemann und natuerlich raus aus dieser Barscheisse.". Bis heute hat sie es noch nicht geschaftt.

    Ihre juengere Schwester hat tatsaechlich angefangen auf den verkorksten Spuren der Grossen zu wandeln, aber nun ja, sie bekommt ja nicht nur Gegenwind von den Eltern sondern auch von der Schwester. Die schlimmsten Zeiten scheinen derzeit ueberstanden und sie hat jetzt mit der 10. Klasse angefangen. Auch haben wir Unterstuetzung durch Djai, ihren Freund. Ein knapp 19-jaehriger Thai-Chinese aus einer Geschaeftsfamilie, der zwischenzeitlich fuer uns so etwas wie ein Sohn ist. Treibt sich nicht mit Gangs rum oder will mit seiner Freundin auf Schwutsch gehen, sondern die beiden verbringen die Abenden bei uns zu Hause. Mit den Tieren. Djai hat ein Faible fuer Tiere. Er ist der ruhende Pol, wenn die Freundin mal wieder eine zickige Phase hat. Kein Junge, der gross um den Brei rumredet sondern direkt Richtung Auge geht. Habe ihn unter meine Fittiche genommen und wir gehen zwischenzeitlich zusammen ins Fitness Center. Hat Potential und mit 85kg nicht unbedingt ein thailaendischer Knochenjuengling. Hat auch einen guten Bums in den Faeusten. Ausreichend genug, um vor ein paar Monaten einen Jugendlichen, der einem Kumpel mit Schusswaffendrohungen bedrohte, in's Krankenhaus zu befoerdern. Hat ihm eine ausgehandelte THB 10.000 (die Eltern des Widersachers wollten THB 50.000) Strafe eingehandelt und zwei Jahre zur Bewaehrung. Klingt jetzt ziemlich prollig, aber der Bursche ist ein guter Junge. Nix mit den Punks gemeinsam, mit denen sich die Maedels vorher rumgetrieben haben.

    Das ist der derzeitige Stand der Dinge. Geht zur Zeit recht harmonsich bei uns zu, nachdem wir in der Vergangenheit durch recht turbulente Zeiten gegangen sind. Okay, am 07.09. steht noch eine Gerichtsverhandlung an, nachdem unsere ehemalige betruegerische Buchhalterin versucht hatte, uns vor 4 Jahren in den Ruin zu treiben. Nein, kein Groll mehr gegen sie, da dies Schnee von gestern ist. Aber nun ja, der thailaendische Staatsanwalt hat Interesse an der Sache. Bei dem Ehemann handelt es sich um einen kleinen Streifenpolizisten, der eindeutig keinen Narren an mir gefressen hat. Meinte zumindest meine Frau, nachdem wir vor ca. 2 Monaten bei einer richterlichen Anhoerung alle vorstellig geworden sind. Mal schauen wie die Sache ausgehen wird. Wie gesagt, mir ist es zwischenzeitlich egal und nun ja, solange der Streifenpolizistmann nicht auf dumme Gedanken kommt und meint meine Familie bedrohen zu muessen, wird sich sicherlich eine Loesung finden lassen. Haengt natuerlich auch vom Staatsanwalt ab, worauf dieser plaedieren wird. Habe dem auch schon gesagt, dass es mir zwischenzeitlich egal ist, ob ich vom Gesetz recht bekomme oder nicht. Habe meine Lektion gelernt und wuerde zwischenzeitlich selbst fuer Gerechtigkeit sorgen, wenn Gesetz und/oder Polizei es nicht koennen. Er verdrehe bei meinen Aussagen die Augen und somit ergaenzte ich: "Ich meine natuerlich damit, dass ich in einem Tempel beten wuerde, damit einem Unhold oder einer Unholdin die gerechte Strafe zuteil wird. Wolle ja schliesslich nicht gegen das Gesetz verstossen." Wir lachten daraufhin zusammen in geloester Stimmung. Haben einen guten Draht zueinander gefunden. Sympathischer Mann, dieser Staatsanwalt von Patumwan. Intelligent, gebildet, 185cm gross und sieht eigentlich eher wie ein Farang aus als ein Thai. Nee, kein Luk Krueng im herkoemmlichen Sinn sondern eher Thai-Chinese.

    Vieles laeuft hier sehr relaxt ab. Pragmatismus und Sanuk spielt eigentlich immer und ueberall eine Rolle. Ansich ist da nur eine aeussere Fassade, die High So vom Ghetto unterscheidet. Unter dem Strich gelten die selben Regeln. Es ist nie gut gegen die Regeln in einem Schwellenland zu verstossen, egal wer man ist und woher man kommen mag.

    Auf thailaendischem Boden gelten auf jeden Fall andere Regeln. Thailaendische und zwar unabhaengig davon auf welcher Gesellschaftsebene man sich befindet und in welchem Umfeld man auch im Lande leben mag.

  11. #370
    Avatar von strike

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    Zitat Zitat von strike Beitrag anzeigen
    ... Da werde ich mal weiter drueber nachdenken .....
    @Tramaico
    Bin zwar noch am Nachdenken, wollte aber noch einmal bei einem anderen, aehnlich gelagertem Punkt nachhaken.

    Wie erklaerst Du das immer wieder beschriebene Verhalten (Ausrauben des Opfers statt zu Helfen) der Thais bei Verkehrs- oder sonstigen Opfern?

    Da ich dies noch nie selbst mit eigenen Augen gesehen habe, mag ich eine Ueberzeichnung der Realitaet nicht ausschliessen.
    Allerdings hat mir auch meine Frau von einem derartigen Verhalten bei einem Unfall ihres Bruders berichtet.
    Insofern scheint es soetwas - ich behaupte mal fuer uns Mitteleuropaeer ein wirklich fremdes und abstossendes Verhalten - in der Tat zu geben.

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