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Thailandmüde?

Erstellt von x-pat, 27.10.2014, 04:56 Uhr · 1.179 Antworten · 87.793 Aufrufe

  1. #651
    Avatar von x-pat

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    Da in diesem Thread mittlerweile mögliche alles von Krankenversicherung bis zur Meldepflicht diskutiert wurde, erlaubt mir bitte wieder zum ursprünglichen Thema zurückzukommen, nämlich Thailandmüdigkeit. Heute: Ursachen und Symptome.

    Zum Thema Ursachen schlage ich die These vor, dass es zur Anpassung an die thailändische Mentalität kaum eine tragfähige Strategie gibt. Entweder man ist von Natur aus ähnlich gepolt, was bei wenigen Europäern der Fall ist, oder man arrangiert sich. Das Arrangieren erfordert ein gutes Maß an Toleranz und interpersonellen Fähigkeiten, manchmal auch viel Energie.

    Thailänder haben eine ganz andere Einstellung bei der Kommunikation und Problemlösung. Sie gehen emotioneller an Probleme und Dialoge heran. Die oberste Maxime ist bei den Thais die Zufriedenstellung der partizipierenden Parteien, daher wird auch häufig gar nicht auf der Sachebene diskutiert, sondern man bemüht sich nach einer Handlung/Lösung zu suchen, die den Gegenüber emotionell zufrieden stellt. Die einhergehende Vermeidung von verbalen Konflikten ist den Thailändern ebenfalls sehr wichtig.

    Ein Gesprächsthema gilt als gelöst wenn die Teilnehmer mit einem Lächeln davon gehen, und zwar unabhängig davon ob man für das Problem auf der Sachebene tatsächlich eine Lösung gefunden hat. Manchmal wird nicht einmal ein Konsens gesucht, wenn dieser von vornherein unerreichbar erscheint. Wichtig ist, dass die Gesprächspartner nicht "ihr Gesicht verlieren" und mit dem Gefühl des Respekts aus der Diskussion scheiden.

    Überspitzt kann man sagen, dass in Thailand die intellektuelle Ebene einer Auseinandersetzung durch emotionale Ebene beherrscht ist, während das in westlichen Ländern meist umgekehrt ist.

    Dieser Sachverhalt ist für die meisten Menschen die nicht in Thailand oder in einer ähnlichen Kultur aufgewachsen sind schwierig verständlich. Noch schwieriger ist es damit in einer Weise umzugehen, die eine produktive Auseinandersetzung mit thailändischen Partnern in schwierigen Situationen erlaubt, zum Beispiel bei Verhandlungen, Beschwerden, oder Mitarbeitergesprächen.

    Ich würde sogar sagen, dass das Erlernen von kulturell angepassten Dialogstrategien wichtiger ist als das Erlernen der Sprache. Überraschenderweise gibt es keine Institute die das vermitteln. Die meisten Farangs sind auf sich selbst angewiesen; mit etwas Glück findet man einen erfahreneren Mentor.

    Cheers, X-pat

  2.  
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  3. #652
    Avatar von Amsel

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    Interessante Beobachtungen und Gedanken. Teilweise habe ich aehnliche Erfahrungen gemacht.

    Was ist mit den Faellen, wo alle Freundlichkeit und Ehrerbietung nicht fruchtet?

    Wie kommt ein "Geschaedigter" dann zu seinem Recht?

  4. #653
    Avatar von lucky2103

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    Bin jetzt den zweiten Tag wieder im Land.
    Ich guck mir dieses und jenes an, höre mir die Stories von Verwandten meiner Frau an und denke: Nee danke, in so einer Gesellschaft will ich nicht mehr leben müssen. Alles Schmu, Lug und Trug.

  5. #654
    Avatar von Cantor

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Da in diesem Thread mittlerweile mögliche alles von Krankenversicherung bis zur Meldepflicht diskutiert wurde, erlaubt mir bitte wieder zum ursprünglichen Thema zurückzukommen, nämlich Thailandmüdigkeit. Heute: Ursachen und Symptome.

    Zum Thema Ursachen schlage ich die These vor, dass es zur Anpassung an die thailändische Mentalität kaum eine tragfähige Strategie gibt. Entweder man ist von Natur aus ähnlich gepolt, was bei wenigen Europäern der Fall ist, oder man arrangiert sich. Das Arrangieren erfordert ein gutes Maß an Toleranz und interpersonellen Fähigkeiten, manchmal auch viel Energie.

    Thailänder haben eine ganz andere Einstellung bei der Kommunikation und Problemlösung. Sie gehen emotioneller an Probleme und Dialoge heran. Die oberste Maxime ist bei den Thais die Zufriedenstellung der partizipierenden Parteien, daher wird auch häufig gar nicht auf der Sachebene diskutiert, sondern man bemüht sich nach einer Handlung/Lösung zu suchen, die den Gegenüber emotionell zufrieden stellt. Die einhergehende Vermeidung von verbalen Konflikten ist den Thailändern ebenfalls sehr wichtig.

    Ein Gesprächsthema gilt als gelöst wenn die Teilnehmer mit einem Lächeln davon gehen, und zwar unabhängig davon ob man für das Problem auf der Sachebene tatsächlich eine Lösung gefunden hat. Manchmal wird nicht einmal ein Konsens gesucht, wenn dieser von vornherein unerreichbar erscheint. Wichtig ist, dass die Gesprächspartner nicht "ihr Gesicht verlieren" und mit dem Gefühl des Respekts aus der Diskussion scheiden.

    Überspitzt kann man sagen, dass in Thailand die intellektuelle Ebene einer Auseinandersetzung durch emotionale Ebene beherrscht ist, während das in westlichen Ländern meist umgekehrt ist.

    Dieser Sachverhalt ist für die meisten Menschen die nicht in Thailand oder in einer ähnlichen Kultur aufgewachsen sind schwierig verständlich. Noch schwieriger ist es damit in einer Weise umzugehen, die eine produktive Auseinandersetzung mit thailändischen Partnern in schwierigen Situationen erlaubt, zum Beispiel bei Verhandlungen, Beschwerden, oder Mitarbeitergesprächen.

    Ich würde sogar sagen, dass das Erlernen von kulturell angepassten Dialogstrategien wichtiger ist als das Erlernen der Sprache. Überraschenderweise gibt es keine Institute die das vermitteln. Die meisten Farangs sind auf sich selbst angewiesen; mit etwas Glück findet man einen erfahreneren Mentor.

    Cheers, X-pat
    Lebe jetzt 14 Monate hier in TH. Kann dir uneingeschränkt in allen Punkten beipflichten.

  6. #655
    Avatar von MadMac

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    Bei uns sind es jetzt mehr als 13 Jahre. Davon der Großteil in Singapore. Ich hab ehrlichgesagt nicht eine einzige Minute bereut, Deutschland den Rücken zu kehren.

  7. #656
    Avatar von lucky2103

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    Zitat Zitat von MadMac Beitrag anzeigen
    Bei uns sind es jetzt mehr als 13 Jahre. Davon der Großteil in Singapore. Ich hab ehrlichgesagt nicht eine einzige Minute bereut, Deutschland den Rücken zu kehren.
    Wenn du als Expat, also Entsandter, oder mit nem passiven Einkommen herkommst, dann kannst Du in TH wie das Fett auf dem Wasser schwimmen - was Dir nicht passt, blendest Du aus oder läßt es links liegen...das ist natürlich komfortabel.


    Das Beste ist aber der Vorspann zu den Hauptnachrichten im TV. Die beginnen mit "Und nun die Nachrichten vom....der buddhistischen Zeitrechnung."

    Was ein Brimborium. Fehlt nur noch Lametta.

  8. #657
    Avatar von MadMac

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    Bin ziemlich rock solid bodenständig, Marko. Erzähl ich Dir, wenn wir essen gehen Anfang Januar

  9. #658
    Avatar von Volker M. aus HH.

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Thailänder haben eine ganz andere Einstellung
    Thailaender sind vor allem eine ebenso mutiple Gesellschaft wie andere Voelker. Mit Verallgemeinerungen legt man bestenfalls den Grundstein fuer seine Thailandmuedigkeit.

  10. #659
    Avatar von Micha

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    Zitat Zitat von x-pat Beitrag anzeigen
    Thailänder haben eine ganz andere Einstellung bei der Kommunikation und Problemlösung. Sie gehen emotioneller an Probleme und Dialoge heran. Die oberste Maxime ist bei den Thais die Zufriedenstellung der partizipierenden Parteien, daher wird auch häufig gar nicht auf der Sachebene diskutiert, sondern man bemüht sich nach einer Handlung/Lösung zu suchen, die den Gegenüber emotionell zufrieden stellt. Die einhergehende Vermeidung von verbalen Konflikten ist den Thailändern ebenfalls sehr wichtig.

    Ein Gesprächsthema gilt als gelöst wenn die Teilnehmer mit einem Lächeln davon gehen, und zwar unabhängig davon ob man für das Problem auf der Sachebene tatsächlich eine Lösung gefunden hat. Manchmal wird nicht einmal ein Konsens gesucht, wenn dieser von vornherein unerreichbar erscheint. Wichtig ist, dass die Gesprächspartner nicht "ihr Gesicht verlieren" und mit dem Gefühl des Respekts aus der Diskussion scheiden.

    Überspitzt kann man sagen, dass in Thailand die intellektuelle Ebene einer Auseinandersetzung durch emotionale Ebene beherrscht ist, während das in westlichen Ländern meist umgekehrt ist.
    Gewiss spielt der jeweilige Mensch bzw. dessen Gegenüber eine größere Rolle bei der Kommunikation, als man es vielleicht aus unserem Kulturkreis kennt. Wäre es aber grundsätzlich nur so wie Du es beschreibst, dann dürfte kaum ein Flieger aufsteigen, ohne vom Himmel zu fallen. Die Züge auf den Einschienenstrecken würden ständig zusammen stoßen, vermutlich würde auch kein Haus gerade stehen usw..

  11. #660
    Avatar von x-pat

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    Zitat Zitat von Volker M. aus HH. Beitrag anzeigen
    Thailaender sind vor allem eine ebenso mutiple Gesellschaft wie andere Voelker. Mit Verallgemeinerungen legt man bestenfalls den Grundstein fuer seine Thailandmuedigkeit.
    Welche Verallgemeinerung? Es handelt sich um einen Versuch der Charakterisierung der thailändischen Kultur und Mentalität. Du wirst kaum in Frage stellen, dass Nationen beschreibbare Charakteristiken haben, oder? Wenn ich zum Beispiel sage, dass die Deutschen eine ausgeprägte Bier- und Braukultur haben, versteht es sich von selbst nicht jeder Deutscher Biertrinker ist. Ebenso ist nicht jeder Thailänder Reisbauer, obwohl Thailand eine ausgeprägte Reisbau Kultur hat.

    Es ist für Leute die in Thailand leben und arbeiten wichtig die Mentalität nicht nur zu verstehen, sondern auch lernen damit umzugehen. Das ist leichter gesagt als getan. Das führt nicht zu Müdigkeitserscheinungen, sondern erst einmal zu einem besseren Verständnis. Allerdings trifft das bereits Gesagte zu, nämlich dass Strategien zur Anpassung sich als schwierig erweisen können, wenn man nicht von Natur aus in Richtung thailändische Kulture gepolt ist.

    Der Grund dafür liegt darin, dass zur Anpassung an die Thai Mentalität nicht nur Werte und intellektuelle Positionen zu korrigieren sind, sondern dass man die emotionale und interpersonelle Ebene bei der Interaktion mit Thailändern vollkommen in den Vordergrund ziehen muss, eventuell sogar unter Vernachlässigung der intellektuellen Ebene. Das fällt den meisten westlich geprägten Menschen schwer.

    Nach einer Weile Aufenthalt im Land lernt man die nonverbalen und die subtilen verbalen (zwischen den Zeilen) Zeichen der Thais besser zu verstehen. Man lernt gewisse Verhaltensschema, Dos & Don'ts, hilfreiche Phrasen, Strategien, Taktiken und erprobte Lösungen. Nach einigen Jahren verfügt man über ein gewisses Arsenal, mit dem verschiedenste Situationen erfolgreich auf die Thai Art bewältigt, und ein erwachsener Mensch braucht dazu sicher nicht sein komplettes Denken umzustellen.

    Wer nicht in der Lage ist, diese interkulturellen Fähigkeiten in ein bis zwei Jahren zu erlernen, überlebt ganz einfach nicht in Thailand und gesellt sich zu der beachtlichen Gruppe von Frührückkehrern, da die Müdigkeitserscheinungen in diesem Fall sehr schnell und vernichtend zuschlagen. Das ist allerdings nicht die Thailandmüdigkeit die ich in diesem Thread bisher thematisiert habe. Die hat andere Gründe.

    Zitat Zitat von Micha Beitrag anzeigen
    Gewiss spielt der jeweilige Mensch bzw. dessen Gegenüber eine größere Rolle bei der Kommunikation, als man es vielleicht aus unserem Kulturkreis kennt. Wäre es aber grundsätzlich nur so wie Du es beschreibst, dann dürfte kaum ein Flieger aufsteigen, ohne vom Himmel zu fallen. Die Züge auf den Einschienenstrecken würden ständig zusammen stoßen, vermutlich würde auch kein Haus gerade stehen usw..
    Selbstverständlich operieren die Thais auch unter Sachzwängen wie zum Beispiel Bau- oder Verkehrssicherheit. Aber es ist offensichtlich, dass der Umgang damit wesentlich laxer ist.

    Cheers, X-pat