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Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

Erstellt von Rossi, 09.05.2006, 13:14 Uhr · 5 Antworten · 1.783 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Rossi

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    Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

    Hallo
    habe schon viel gesucht, aber leider nichts gefunden...

    Weiss zufaellig jemand, ob Thailand ein Niedrigsteuerland im Sinne des AStG ist? Es geht darum, ob man, wenn man in D seinen Wohnsitz aufgibt "beschraenkt steuerpflichtig" ist oder "erweitert beschraenkt Steuerpflichtig". Der Originaltext lautet wie folgt:

    (2) Eine niedrige Besteuerung im Sinne des Absatzes 1 Nr. 1 liegt vor, wenn

    1.
    die Belastung durch die in dem ausländischen Gebiet erhobene Einkommensteuer - nach dem Tarif unter Einbeziehung von tariflichen Freibeträgen - bei einer in diesem Gebiet ansässigen unverheirateten natürlichen Person, die ein steuerpflichtiges Einkommen von 77.000 Euro bezieht, um mehr als ein Drittel geringer ist als die Belastung einer im Geltungsbereich dieses Gesetzes ansässigen natürlichen Person durch die deutsche Einkommensteuer unter sonst gleichen Bedingungen, es sei denn, die Person weist nach, daß die von ihrem Einkommen insgesamt zu entrichtenden Steuern mindestens zwei Drittel der Einkommensteuer betragen, die sie bei unbeschränkter Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes zu entrichten hätte, oder

    2.
    die Belastung der Person durch die in dem ausländischen Gebiet erhobene Einkommensteuer auf Grund einer gegenüber der allgemeinen Besteuerung eingeräumten Vorzugsbesteuerung erheblich gemindert sein kann, es sei denn, die Person weist nach, daß die von ihrem Einkommen insgesamt zu entrichtenden Steuern mindestens zwei Drittel der Einkommensteuer betragen, die sie bei unbeschränkter Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes zu entrichten hätte.

    Waere klasse wenn Thailand kein Niedrigsteuerland waere, dann braucht man sich schon nicht durch das Kapitel "wirtschaftliche Interessen" quaelen :-)

  2.  
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  3. #2
    Chak3
    Avatar von Chak3

    Re: Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

    So auf Anhieb würde ich sagen nein, denn der Höchststeuersatz liegt in Thailand bei 37%. Ich sehe aber gerne morgen noch mal in unserer recht gut bestückten Fachbibliothek nach.

    Ich kann dir aber jetzt schon sagen, dass dir solch pauschale Aussagen wenig nützen werden. Da müsstest du schon den konkreten Fall schildern, denn auch das Doppelbesteuerungsabkommen müsste geprüft werden. Es scheint ja doch um ein zwei Euro mehr zu gehen, da ist fachkundige Hilfe ratsam.

  4. #3
    Avatar von Netandy

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    Re: Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

    Hallo,

    Thailand ist nach gültiger Rechtslage zur Zeit kein Niedrigsteuerland gem. AStG.

    Bei der im im AStG zugrunde gelegten Bemessungssumme mit entsprechenden Steuerfreibeträgen einer natürlichen Person liegt der Einkommenssteuersatz in Thailand bei 30 %. Die Einkommenssteuerlast ist deshalb NICHT 1/3 niedriger als in Deutschland.

    Lt. deutscher Steuertabelle (§32a EStG) liegt der Steuersatz in Deutschland für 77.000 Euro bei ca. 31,72%. Selbst bei Einbeziehung aller Freibeträge für eine natürliche Person und entsprechendem Steuersatz wird deshalb niemals die 1/3 Differenz erreicht, bzw. 2/3 der in Deutschland zu zahlenden Steuersumme unterschritten.


    Wen es interessiert:

    Die thailändische Einkommenssteuer ist gestaffelt. Das zu versteuernde Einkommen errechnet sich aus den gesamten persönlichen Einkünften:

    Nettojahreseinkommen (Baht) = Steuersatz (%)
    80.001 bis 100.000 = 5 %
    100.001 bis 500.000 = 10 %
    500.001 bis 1.000.000 = 20 %
    1.000.001 bis 4.000.000 = 30 %
    Ab der Summe von 4.000.001 und höher = 37 %

    SEHR WICHTIG:

    Ausländische Einkünfte unterliegen ebenfalls der thailändischen Einkommenssteuer, wenn die Person sich länger als 180 Tage in Thailand aufhält. Dies betrift grundsätzliche alle im Ausland während des Aufenthalts erwirtschafteten Einkommen (z.B. aus Mieteinnahmen, Kapitaleinkünfte etc.). Lediglich Renten bzw. Pensionen sind hiervon befreit, und es gibt ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland.



    Es gibt folgende wichtige Jahres-Steuerfreibeträge:

    Jeder Steuerzahler = 30.000 Baht
    Jedes steuerzahlende Ehepaar = 30.000 Baht
    Schulpflichtige Kinder (1 bis 3 Kinder) = 15.000 Baht
    Zinsen für Wohnungsbaudarlehen = 10.000 Baht


    Sehr wichtig für NICHTSELBSTSTÄNDIGE:

    Ein Standardabzug von 40 %, (jedoch nicht mehr als 60.000 Baht), wird zusätzlich auf das Einkommen aus Erwerbstätigkeit oder geleisteten Diensten, oder Einkommen von Urheberrechten gewährt.


    Sehr wichtig für Aktieninhaber oder Immobilienbesitzer:

    Bei der Einkommenssteuer auf Einkommen von Zinsen, Dividenden, Veräußerungsgewinne vom Verkauf von Wertpapieren wird ebenfalls ein Steuernachlass von 40% (aber nicht mehr als 60.000 Baht) gewährt, von Mieteinkommen (je nach Vermietobjekt) bis zu 30 %.


    Wobei aber die Steuererhebungsarten sich deutlich von den USA oder Deutschland unterscheiden. So ist z.B. die oft benannte "Withholding Tax" eigentlich keine Steuer sondern nur eine Erhebungsart: Das bedeutet:

    Ein Arbeitgeber hat die Pflicht die Einkommensteuer seiner Mitarbeiter an das Finanzamt abzuführen. Der Arbeitnehmer erhält dafür vom Finanzamt dann sog. Tax Credits (Steuergutschriften) die er dann mit seiner Steuererklärung einreichen kann und die von seiner Schuld abgezogen werden (Withholding System).

    Ebenso muss beim Einkommen aus selbstständig ausgefühtren Dienstleistungen und Beratungen (Services) SOFORT (und das bedeutend umgehend!) 3% des Einkommens, sowie bei Einkommen aus Miete und Verpachtung SOFORT 5% als "Withholding" abgeführt werden. Auch hierfür gibt es dann Tax Credits zur späteren Einreichung mit der Steuererklärung. Wobei hierbei aber mit der 12,5% Immobilensteuer die auf alle Einkünfte von (Brutto) Mieten erhoben wird, gegengerechnet werden kann.

    Für alle jährlichen Kleineinkommen < 80.000 Baht ist es jedoch sehr einfach, es wird nämlich im Prinzip keinerlei Einkommenssteuer erhoben.

    Es gibt jedoch sehr viele Ausnahme- und Sonderregelungen (besonders für Ausländer). So kommt man leider in Thailand bei entsprechendem Einkommen, wie in Deutschland oder den USA auch, ebenfalls nicht ohne kompetenten Steuerberater (Fachanwalt) aus. Das solltest du auch in deinem Fall so machen.

    Gruss an alle von

    Netandy

  5. #4
    Avatar von Rossi

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    Re: Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

    Hallo

    viele Dank an Netandy fuer die ausfuehlriche Antwort. Hier ein paar Kommentare:

    Thailand ist nach gültiger Rechtslage zur Zeit kein Niedrigsteuerland gem. AStG.
    Ist das deine eigene Beurteilung oder gibt es hierzu irgendwo was offizielles (Quellen) im Net?

    Bei der im im AStG zugrunde gelegten Bemessungssumme mit entsprechenden Steuerfreibeträgen einer natürlichen Person liegt der Einkommenssteuersatz in Thailand bei 30 %. Die Einkommenssteuerlast ist deshalb NICHT 1/3 niedriger als in Deutschland.
    Das stimmt nicht ganz: Rechnet man die 77.000 EUR mit dem Kurs zu Jahresanfang (ca. 48,5) um, so sind das 3.734.500 Baht. Zieht man hiervon die Freibetraege fuer Singles von 90.000 Baht ab, bleiben noch 3.644.500 Baht uebrig. Die darauf entfallende Einkommensteuer laege bei 933350 Baht, also 24,99%. Quelle http://www.rd.go.th/publish/6045.0.html
    Der in D zu entrichtende Einkommensteuer auf eine Einkommen von 77.000 EUR betraegt 24.426, also 31,72%. Quelle: http://www.parmentier.de/steuer/52.htm

    Es wuerde also aus meiner Sicht jedes Land mit einem Einkommensteuersatz von unter 21,14% als Niedrigsteuerland gelten. Da kann man nur hoffen, das das Finanzamt nicht noch weitere Abzugsmoeglichkeiten in Thailand annimmt (Es fehlen noch ca 143.000 Baht zur Grenze), denn sonst waere man schnell dabei

    Ausländische Einkünfte unterliegen ebenfalls der thailändischen Einkommenssteuer, wenn die Person sich länger als 180 Tage in Thailand aufhält. Dies betrift grundsätzliche alle im Ausland während des Aufenthalts erwirtschafteten Einkommen (z.B. aus Mieteinnahmen, Kapitaleinkünfte etc.). Lediglich Renten bzw. Pensionen sind hiervon befreit, und es gibt ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland.
    Das ist so nicht 100% korrekt. In obiger Quelle steht: " A resident of Thailand is liable to pay tax on income from sources in Thailand on a cash basis, regardless where the money is paid, as well as on the portion of income from foreign sources that is brought into Thailand." Es wird also nur der Teil der auslaendischen Einkuenfte versteuert, der nach Thailand eingefuehrt wird.

    Ansonsten moechte ich mich nochmals ausdruecklich fuer den tollen Beitrag von Netandy bedanken, der mich erst auf die richtigen Seiten gebracht hat.

    Weiss jemand zufaellig, wie das Prozedere in Deutschland wegen dieser Steuergeschichte ist? Ich bin seit Ende 2005 in D abgemeldet und habe meinen Wohnsitz hier in Thailand. Eine Lohnsteuerkarte fuer 2006 habe ich trotzdem bekommen. Gebe ich nun einfach keine Steuerklaerung fuer 2006 ab, oder muss ich hier irgendwelche Nachweise einreichen? Weiss jemand wie ma das ganze einleitet?

    Viele Gruesse
    ROSSI

  6. #5
    Avatar von Netandy

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    Re: Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

    Thailand ist nach gültiger Rechtslage zur Zeit kein Niedrigsteuerland gem. AStG.
    @Rossi
    Ist das deine eigene Beurteilung oder gibt es hierzu irgendwo was offizielles (Quellen) im Net?
    Das ist meine eigene Beurteilung. Es gibt keine Quellen im Netz, da es hierfür keine einheitlichen Regeln bzw. Ausführungsvorschriften gibt. Dies ist auch nicht möglich, da es von zu vielen Faktoren (auch Kursschwankungen) abhängig ist. Hierbei kocht jedes Finanzamt total sein eigenes Süppchen!

    Ich würde alles in dieser Sache einen sehr guten Steuerberater machen lassen, der sich auf internationales Steuerrecht spezialisiert hat.

    Steuerrecht ist nämlich eine "kreative Wissenschaft" bei der nur die Dummen abkassiert werden (bezahlen). Ihm obliegt es dann deinen ganz speziellen Fall darzulegen, und gewissermassen für dich vorteilhaft an das Finanzamt "zu verkaufen". Wenn du eine gute Rechtsschutzversicherung (mit Steuer-Rechtsschutz) hast, würde ich auch empfehlen einen (agressiven) Steuerberater zu wählen der auch gleichzeitig Fachanwalt für Steuerrecht ist. Oft fallen nämlich "KANN" Bescheide in Deutschland vorteilhafter aus, wenn der entsprechende Beamte weis (bzw. schon am Briefkopf sieht), dass er bei "Ablehnung" seinen Standpunkt dann höchstwahrscheinlich vor dem Finanzgericht erörtern muss :-).

    Das stimmt nicht ganz: Rechnet man die 77.000 EUR mit dem Kurs zu Jahresanfang (ca. 48,5) um, so sind das 3.734.500 Baht. Zieht man hiervon die Freibetraege fuer Singles von 90.000 Baht ab, bleiben noch 3.644.500 Baht uebrig.
    Du hast absolut recht. Den jetzt etwas ungünstigeren Kurs hatte ich nicht berücksichtigt. Den Steuerfreibetrag von 40% (max. 60.000 Baht) gibt es dagegen aber nur auf Einnahmen aus Erwerbsarbeit IN THAILAND. Ein Bekannter von mir hatte da mal mit den thailändischen Finanzbehörden so seine Probleme.

    Trotz allem sollte es "BEI RICHTIGER DARLEHGUNG" meiner Meinung nach immer lockker reichen, dass die vorgeschriebene 1/3 Steuerdifferenz nicht überschritten wird.

    Das ist so nicht 100% korrekt.... Es wird nur der Teil der auslaendischen Einkuenfte versteuert, der nach Thailand eingefuehrt wird
    Auch da hast du recht, dass war von mir etwas missverständlich dargelegt. Ich hatte dabei z.B. an Expats gedacht, die aus Kapitaleinkünften oder Mieten z.B. monatlich 2.000 Euro haben, und dieses Geld natürlich dann auch vollständig jeweils nach Thailand einführen. Soll es ja geben. :-)

    Weiss jemand zufaellig, wie das Prozedere in Deutschland wegen dieser Steuergeschichte ist?
    Auch da wird dir nur ein Steuerberater Auskunft geben können, der auch vollständig alle deine Einkommensarten und Lebensverhältnisse kennt. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Oft es weit besser sich ruhig zu verhalten und zu warten bis entsprechende deutsche Stellen sich dann von selbst melden. Und eben mit prof. Hilfe, erst dann "nützliche" Auskünfte "kreativ" zu zu geben... :-)

    Gruss an alle von

    Netandy

  7. #6
    Chak3
    Avatar von Chak3

    Re: Thailand Niedrigsteuerland im Sine des AStG???

    Netandy, prinzipiell hast du Recht, aber zwei grundsätzliche Dinge zu deinen sonstigen Ausführungen:
    Es stimmt nicht, dass gut beratene keine Steuern zahlen. Unserere Steuergesetzgebung hat mittlerweile so viele Ausnahmen aufgenommen um Lücken, auch vermeintliche, zu schließen, dass im Gegenteil meiner Meinung nach selbst Leute die gerechterweise keine Steuern zahlen müssten welche zahlen, Stichwort Mindestbesteuerung zum Beispiel.

    Zweitens ist ein besonders agressiver Anwalt gerade dem Finanzamt gegenüber wenn es nur um die Einkommensteuererklärung geht nich immer taktisch klug, denn da ist eher Fingerspitzengefühl im Spiel, wie mir meine Berufserfahrung gezeigt hat.

    Es gibt keine Quellen im Netz, da es hierfür keine einheitlichen Regeln bzw. Ausführungsvorschriften gibt. Dies ist auch nicht möglich, da es von zu vielen Faktoren (auch Kursschwankungen) abhängig ist. Hierbei kocht jedes Finanzamt total sein eigenes Süppchen!
    Doch, es gibt Ausführungsbestimmungen. Die sagen aber eben gerade nicht, welches Land Niedrigsteuerland ist, weil es auf die Verhältnisse des einzelnen Falles ankommt.