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Thailand knapp an einer Rezession vorbei

Erstellt von Jinjok, 19.03.2002, 06:57 Uhr · 0 Antworten · 608 Aufrufe

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    Thailand knapp an einer Rezession vorbei

    Aus der Neuen Züricher Zeitung vom 19.03.2002

    Thailand knapp an einer Rezession vorbei

    Über das Ausmass des Aufschwungs uneinige Experten

    Thailand hat im vergangenen Jahr das Abgleiten in eine Rezession vermeiden können. Für das laufende Jahr ist eine Beschleunigung des Wachstums angesagt. Über dessen Ausmass sind sich die Experten vorläufig uneins: Zu viele unbekannte Faktoren erschweren das Erstellen zuverlässiger Prognosen.


    mo. Bangkok, 18. März

    Nicht nur hat Thailand im vergangenen Jahr das Abgleiten in eine Rezession knapp, aber deutlicher als erwartet vermieden; das Wirtschaftswachstum soll sich im laufenden Jahr sogar wieder beschleunigen, wie aus dem Zahlenmaterial hervorgeht, das Chakkramol Pasukvanich, der Generalsekretär des für das Sammeln und Auswerten ökonomischer Daten zuständigen National Economic and Social Development Board (NESDB), am Montag in Bangkok veröffentlicht hat. Demnach hat Thailands Bruttoinlandprodukt (BIP) 2001 um 1,8% zugelegt. Damit hat das Wachstum die vom NESDB noch Mitte Dezember vorausgesagten 1,5% zwar ganz leicht übertroffen, aber es war immer noch deutlich schlechter als die vergleichsweise sehr robusten 4,6% des Jahres 2000.

    Blockierte Wachstumslokomotive
    Der Einbruch ist eindeutig eine direkte Folge der drastischen Verschlechterung der Konjunktur in den USA, denn wie in den meisten südostasiatischen Ländern ist bekanntlich auch in Thailand seit Jahren die Exportwirtschaft die eigentliche Wachstumslokomotive, und die USA sind der wichtigste einzelne Absatzmarkt für hiesige Ausfuhrprodukte. Indessen hat Thailand es seiner relativen Rückständigkeit im Vergleich mit den mittlerweile fast ausschliesslich Hightech-Produkte exportierenden Nachbarn Malaysia, Singapur und Taiwan zu verdanken, dass der Einbruch von Aussenhandel und Binnenkonjunktur nicht ganz so starke Ausmasse erreichte wie in diesen Ländern. Die thailändischen Ausfuhren gingen im Vorjahresvergleich um 6,9% auf 63,2 Mrd. $ zurück, die Einfuhren um 2,8% auf 60,7 Mrd. $. Daraus resultierte ein Handelsbilanzüberschuss von 2,5 Mrd. $, der zum positiven Saldo in der Zahlungsbilanz im Gesamtwert von 6,2 Mrd. $ beitrug.

    Dass die BIP-Entwicklung letztlich leicht erfreulicher als im Dezember veranschlagt verlaufen ist, war auf ein leichtes Anziehen der Konjunktur im vierten Quartal zurückzuführen, für welches das NESDB ein BIP-Wachstum von 2,1% im Vergleich mit der entsprechenden Vorjahresperiode ausweist. Chakkramol machte dafür in erster Linie einen kurz vor Jahresende einsetzenden Anstieg des Privatkonsums verantwortlich, eine Entwicklung also, die sich offenbar während der ersten zwei Monate des neuen Jahres fortgesetzt hat. Als Gradmesser für die Konsumlust gelten auch in Thailand mittlerweile die Autoverkäufe. Tatsächlich haben sich diese im Januar im Vorjahresvergleich um geradezu phänomenale 45% auf 24 727 verkaufte Fahrzeuge und im Februar nochmals um 36,2% auf 26 802 verkaufte Autos gesteigert. Angesichts dieser Entwicklung geht die Autoindustrie - mittlerweile haben alle weltweit operierenden grossen Hersteller eine eigene Produktionsbasis im Königreich - denn auch davon aus, dass sie im gesamten Jahr «mühelos» 320 000 Wagen wird absetzen können - eine Verkaufszahl, die in Thailand seit dem Ausbruch der Asien-Krise von 1997 nicht mehr erreicht worden ist. Ökonomen machen allerdings warnend darauf aufmerksam, dass kaum eines der neu zugelassenen Autos auf den hiesigen Strassen bar bezahlt worden ist und dass die Verkaufszunahmen vorab Folge sind von mittlerweile (wie in den USA) in Richtung null tendierenden Anzahlungen und Zinsen bei Ratenabzahlung. Überdies weisen sie darauf hin, dass sich der Käuferkreis von Neuwagen und anderen dauerhaften, aber teuren Konsumgütern bisher auf die zahlenmässig dünne Schicht des städtischen Mittelstandes und der wohlhabenden Thais beschränkt. Die populistischen Massnahmen von Regierungschef Thaksin zum Ankurbeln der Binnenwirtschaft wie Dorfkredite und ein Schuldenmoratorium für Bauern scheinen sich noch nicht signifikant auf die allgemeine Kaufkraft und -lust ausgewirkt zu haben.

    Folgen des «China-Faktors» und von «El Niño»?
    Immerhin interpretierte auch das NESDB die Trendzahlen von Januar und Februar dahingehend, dass Thailands BIP im gesamten laufenden Jahr um 2% bis 3% wachsen werde. Mit dieser Prognose befand sich die Behörde allerdings alsogleich im «Offside»: Noch gleichentags sagte Ministerpräsident Thaksin gegenüber Agenturjournalisten, dieser Wert sei viel zu tief gegriffen, die hiesige Volkswirtschaft werde dieses Jahr um mindestens 3,5% zulegen. Tatsächlich haben in den letzten Tagen auch mehrere renommierte ausländische Stellen ihre Wachstumsprognosen für Thailand nach oben korrigiert, so beispielsweise die Citibank von 2,5% auf 3,6%. Ein Grund für die Divergenzen mögen unterschiedliche Wechselkursannahmen bei der Prognosenberechnung sein.

    Mehrere «Unbekannte»
    Die NESDB-Ökonomen warnen allerdings auch vor mehreren «Unbekannten», die gegenwärtig noch überhaupt nicht abschätzbare Folgen für das hiesige Wirtschaftswachstum haben können. Eine davon ist die sich abzeichnende Konjunkturerholung in den USA, von der allerdings niemand weiss, ob sie anhalten wird. Eine weitere Unbekannte sind die noch offenen Auswirkungen des Beitritts Chinas in die WTO auf Thailands Aussenhandel. Eine dritte Unbekannte ist, dass in ganz Südostasien vieles auf eine Rückkehr des Klima-Phänomens «El Niño» hindeutet, das sich in der Vergangenheit schon mehrmals verheerend auf den Reisanbau, eine der Hauptstützen der Volkswirtschaft, ausgewirkt hat. Wie um die NESDB-Vorsicht zu unterstreichen, gingen denn auch am Montag in Bangkok nicht zur Saison passende Regenfälle nieder, während in 46 der insgesamt 76 Provinzen des Landes eine seit Monaten herrschende Dürre anhielt.


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