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Thai. Sprechen, Lesen, Schreiben - oder besser andersherum?

Erstellt von Eutropis, 23.11.2015, 13:40 Uhr · 192 Antworten · 13.332 Aufrufe

  1. #31
    Avatar von Siamfranky

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    Zitat Zitat von ffm Beitrag anzeigen
    Dieses Training an lebenden Objekten ist doch bei den Ausländern, die nach Thailand kommen, durchaus die Regel. Und das Resultat ist das Bierbar-Pidgin-Thaideutschenglisch, mit dem sich so viele verständigen.
    Ich sprach eigentlich nicht von Bier-Bars, sondern von einer konsequenten
    Anwendung der Thai-Sprache im Alltag. Die Thais in meinem Ort, auch in
    verschiedenen Lokalitäten, können kaum Englisch, Deutsch schon gar nicht.
    Fände mein Alltag in einer Bierbar statt, hätte ich vermutlich andere Sorgen.

  2.  
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  3. #32
    Avatar von marekbrodzik

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    Diese intuitive Art des Spracherwerbs ist aber wirklich auf das Kindesalter beschränkt und endet fast immer spätestens mit 12 Jahren.

    Und wirklich perfekt sprechen die Kinder beim Schuleintritt auch nicht (oder nur ganz wenige), sie können sich verständlich machen, aber wenn es darum geht, sich differenziert auszudrücken oder etwas komplexere Sachverhalten zu beschreiben, scheitern sie (das war auch die Erfahrung meiner Mutter nach fast 40 Jahren als Grundschullehrerin). Hier setzt dann der Schulunterricht ein, und erst mit dem Lesen und Schreiben steigt die Qualität der Sprache, weil dann die eigenen Sprachäußerungen auch hinterfragt werden und nicht mehr nur einem unreflektierten Automatismus folgen.

    Thailändisch wird als rein analytische Sprache (also ohne jegliche Flexionsendungen) häufig als "einfache" Sprache mißverstanden (abgesehen von der Schrift und den Tonhöhen - wobei: all die endlos langen Wörter, die aus den indischen Sprachen Sanskrit und Pali entlehnt wurden, sind weder einfach zu schreiben noch zu sprechen), ist aber meines Erachtens extrem komplex.

    "Leicht" wirkt es eigentlich nur, wenn die Kriterien unserer klassischen indoeuropäischen Grammatik hineinprojiziert werden, um dann festzustellen: Die Wörter bleiben immer unverändert, also ist es einfach zu erlernen. Beschäftigt man sich dann näher mit der thailändischen Sprache (das gilt unverändert auch für alle anderen Tai-Sprachen), stellt man zwei Dinge fest:

    1. Eigentlich gibt es meist gar keine "Wörter" in unserem Sinne* - wobei ich "Wort" definiere als feste Fügung ("Lexem") aus einer oder mehreren bedeutungstragenden Einheiten ("Morphem"), die zugleich grammatikalische Informationen trägt und stets dieselbe syntaktische Funktion übernimmt. Ein ähnliches Phänomen gibt es ja auch im Englischen (wenngleich deutlich schwächer ausgeprägt), so kann ja beispielsweise "run" in verschiedenen Fügungen auch völlig unterschiedliche Funktionen übernehmen und Bedeutungen aufweisen (z. B. "first run", "run time", "I run the car into the garage", "I ran into a man" usw.).

    Im Thailändischen gibt es als kleinste Einheit der Sprache "Basis-Morpheme", die in Sinneinheiten zusammengestellt werden (daher erfolgt ja in der Schrift auch keine Getrenntschreibung der "Wörter", sondern eine kontinuierliche Abfolge von Morphemen, bis eine Sinneinheit abgeschlossen ist), die ohne weitere Ergänzung durch andere Morpheme oder Ableitungspartikel nur eine sehr abstrakte Bedeutung aufweisen, während unsere deutschen Wörter sehr konkret sind.

    "kamen" ist eindeutig ein Verb, steht in der Vergangenheit und läßt sofort den Rückschluß auf die Anzahl der Personen zu ("sie kamen" - man spricht hier auch von "Überdeterminiertheit", da die sprachliche Information mehrfach übermittelt wird und dadurch redundant ist), [ma:] im Thailändischen bezeichnet hingegen nur auf sehr abstrakte Weise eine Bewegung von irgendetwas in Richtung von irgendetwas anderem.

    Es kann als Verb verwendet werden, aber auch als Ableitungspartikel, um beispielsweise - am Anfang der Aussage gestellt - einen zeitlichen Verlauf zu beschreiben (im Sinne von "bis jetzt" oder "schon", wenn damit ein bereits verstrichener Zeitraum bezeichnet wird). Oder ich kombiniere es mit [paj] (gewissermaßen dem Gegenteil, also "sich wegbewegen") am Anfang, setze einen Ort oder eine Tätigkeitsbeschreibung dazwischen und nutze diese Konstruktion, um die Information zu vermitteln, daß dies bereits in der Vergangenheit passiert ist: [wir-fortgehen-treffen-gegenseitig-kommen] = Wir haben uns schon mal getroffen.

    Oder [thi:]: dieses Morphem bezeichnet auf sehr abstrakte Weise einen Ort, der aber noch näher definiert werden muss, sei es durch Angabe der Tätigkeit (Büro = Ort-machen-Arbeit) oder durch die Entfernung (hier = Ort-geringe Entfernung, durch weitere Ableitungen mit [nân] oder [nô:n] läßt sich der Abstand variieren, übrigens auch in zeitlicher Hinsicht, dann aber jeweils mit hohem Ton und in Kombination mit einer Zeitangabe). Oder ich stelle es hinter eine Zahl, um damit eine Ordnungszahl zu bilden (ungünstigerweise gibt es aber gleich mehrere Systeme für Ordnungszahlen, die alle aus Indien entlehnt wurden) oder verwende es als Konjunktion in der Bedeutung von "daß" (aber nur in Äußerungen, die in irgendeiner Form eine Empfindung einschließen, bei neutralen Änderungen verwende ich [wâ:]) usw. Meines Erachtens alles nicht ableitbar ohne Kenntnis der Theorie.

    2. Es gibt im Thailändischen eine Vielzahl von grammatikalischen Kriterien, die allesamt durch Partikel realisiert werden, und die in einer Reihe von Fällen grammatikalische Funktionen markieren, die im Deutschen nicht vorhanden sind (beispielsweise die Verlaufsform, ähnlich den englischen Continuous-Formen). Es gibt ein komplexes Honorativ-System (die richtige Anrede, wie bezeichne ich mich selbst und den Angesprochenen in welcher Situation), es gibt alle erdenklichen Fragepartikel (für neutrale Fragen, für Fragen, die eine bestimmte Erwartung ausdrücken, für Fragen, die eher rhetorisch gestellt werden oder eine indirekte Aufforderung beinhalten), es gibt ein aus dem Khmer entlehntes Klassifikatorensystem, das zur Bezeichnung bestimmter und umbestimmter Mengen verwendet wird (Kind-weiblich-zwei-Mensch = zwei Mädchen) usw. Wenn ich bestimmte grammatikalische Kriterien aber aus meiner Muttersprache gar nicht kenne, kann ich diese auch in der Fremdsprache nicht anwenden.

    Und selbst wenn es ein bestimmtes Kriterium in meiner Muttersprache geben sollte (Beispiel: Konjunktiv), kann ich dieses nicht automatisch auch in einer Fremdsprache richtig anwenden, weil hier ganz andere Funktionen erfüllt werden können (Beispiel: Subjonctif im Französischen und Congiuntivo im Italienischen werden ganz anders verwendet als der Konjunktiv im Deutschen - zur Markierung von Ungewißheit oder Empfindungen, nicht jedoch für indirekte Rede).

    Oder kurz gesagt: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, solche grundlegenen Fakten ohne Kenntnis der Theorie einfach durch Zuhören abzuleiten. Vor allem: Wie soll man grammatikalische Strukturen erfolgreich analysieren, die man weder aus seiner Muttersprache noch aus anderen erlernten Fremdsprachen kennt?

    Ein generelles weiteres Problem besteht natürlich darin, daß nur ungefähr ein Drittel der thailändischen Staatsbürger Thai auch als Muttersprache spricht (Tendenz aber steigend) und dadurch auch die Aussprache beeinflußt wird (Beispiel Isan: kein "r", Konsonantenfolgen im Anlaut werden vereinfacht, es gibt Lautverschiebungen wie "tsch" zu "s" usw.).

    *eine große Ausnahme stellen die oben erwähnten Übernahmen aus anderen Sprachen dar, die häufig nur eine bestimmte eindeutige Funktion übernehmen

  4. #33
    Avatar von chonburi

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    Zitat Zitat von ffm Beitrag anzeigen
    Dieses Training an lebenden Objekten ist doch bei den Ausländern, die nach Thailand kommen, durchaus die Regel. Und das Resultat ist das Bierbar-Pidgin-Thaideutschenglisch, mit dem sich so viele verständigen.
    ....vielleicht wird ja im Verlaufe des Threads noch das alte Märchen aufgetischt , dass der Urlauber der seit 2-3 Jahrzehnten immer nach Phuket fährt , dabei stets enorm tief in die Sprachkultur eindringt....

  5. #34
    Avatar von Siamfranky

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    Zitat Zitat von chonburi Beitrag anzeigen
    ....vielleicht wird ja im Verlaufe des Threads noch das alte Märchen aufgetischt , dass der Urlauber der seit 2-3 Jahrzehnten immer nach Phuket fährt , dabei stets enorm tief in die Sprachkultur eindringt....
    Ich biege mich gerade vor lachen - solche Sprüche sind doch wunderbar, danke!
    Aber vergiss nicht wieder das Döschen, auf dem Montag bis Sonntag angeschrieben
    steht. Heute musst du das Fach "Freitag" leeren und ganz viel Wasser nachtrinken.

  6. #35
    Avatar von marekbrodzik

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    Letztlich dürfte es auf Phuket auch kaum thailändische Muttersprachler geben, allenfalls vielleicht höhere Verwaltungsbeamte oder Angestellte in der Tourimusbranche.

  7. #36
    Avatar von Siamfranky

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    Zitat Zitat von marekbrodzik Beitrag anzeigen
    Letztlich dürfte es auf Phuket auch kaum thailändische Muttersprachler geben, allenfalls vielleicht höhere Verwaltungsbeamte oder Angestellte in der Tourimusbranche.
    Wie auch immer - ich brauche gute sechs Autostunden bis Phuket
    und das seit einigen Jahren. Letzter Kurzbesuch ... Oktober 2012.
    Als ich noch auf Phuket lebte, sprach ich so gut wie gar kein Thai.

  8. #37
    Avatar von chonburi

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    Zitat Zitat von Siamfranky Beitrag anzeigen
    Als ich noch auf Phuket lebte, sprach ich so gut wie gar kein Thai.
    wirklich bemerkenswert , wie jemand in nur 3 Jahren im fortgeschrittenen Alter so viel Thai erlernen kann , um sich dann z.B. das Gespraech mit dem Verkehrspolizisten alleine zuzutrauen und diesen dann auch fehlerfrei verstehen zu koennen, moeglicherweise noch mit Dialekt.....
    Mr. Spock wuerde sagen : faszinierend.......

    aber das Problem an "Geschichtenerzaehlern" ist , dass dieser ja stets auf den roten Faden achten sollte bei seinen kleinen Geschichten , damit die Grenzen zum Luegner nicht ineinanderfliessen..........
    Zitat Zitat von Siamfranky Beitrag anzeigen
    Wie auch immer - ich brauche gute sechs Autostunden bis Phuket
    und das seit einigen Jahren. Letzter Kurzbesuch ... Oktober 2012.
    Zitat Zitat von Siamfranky Beitrag anzeigen
    ..... auf der Bangla hat es doch viele hübsche Mädchen, du bist scheinbar sehr anspruchsvoll.
    Der Spass auf der Bangla ist fast das einzige, was ich (ab und zu) in der Provinz vermisse. Und ich
    rede nicht von 5ex. Allein die zwei, drei coolen Live-Bands, ich möchte keine Minute auf der Meile
    missen. In meiner Erinnerung steht zum Beispiel Silvester 2012 - was war das für eine Partynacht!


    bemerkenswert wie schnell "Wahnsinnserinnerungen" vergessen werden....oder wars wieder nur einer Deiner Geschichten ?
    Vielleicht kann Kumpel Arthur ja wieder helfend einspringen ?

    Aber sicher sind es nur ein paar geringfuegige Erinnerungsluecken ...kleine Ungenauigkeiten...., nicht wahr ?

    Waere auch nicht weiter wild und man muesste aus ner Muecke keinen Elefanten machen....wenn....ja wenn Du dann nicht staendig anderen von der Seite in die Beine graetschen wuerdest wie z.B. Dein Luegenvorwurf an Volker M. aus HH. im beste Laender zum leben Thread und einiges mehr.......

    Vor nicht allzu langer Zeit hat hier ein Moderator mal Server Ip's gecheckt, da ein Member ob einiger mmmh ...nennen wir's mal Ungenauigkeiten, Irritationen hervorgerufen hat .

    Aber bei Dir ist es sicher nur ein Tippfehler gewesen......gaaaaaanz sicher......

  9. #38
    Avatar von Siamfranky

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    @chonburi, du hast zielsicher erkannt - die 1 liegt auf der Tastatur neben der 2 und
    selbst die 3 ist gefährlich nah. Sollte ich mal eine Foren-Doktorarbeit schreiben, bitte
    ich dich darum, mein Lektor zu sein.
    Das alles ist nur menschlich, denn wenn ich mit zittrigen Händen, sturzbetrunken vom
    Steintisch komme, kommt so etwas schon mal vor. Auch wenn ich untröstlich bin und
    mir gerade wilde Suizid-Gedanken durch den Kopf schiessen.
    Aber sag mal, du machst zwar unappetitliche Häufchen in diesem Thread, in dem es um
    die Thaisprache geht, aber betreffs deiner Thai-Kenntnisse kann ich nichts Brauchbares
    entdecken. Kann es sein, dass du wieder einmal nur vorbeischaust, um Frust abzubauen?
    Ganz allgemein zu deinen ständigen Stalking-Ergüssen - sorry, ich stehe nur auf Frauen!


    Du rechnest fast so treffsicher wie ein Thai ...

    Zitat Zitat von chonburi Beitrag anzeigen
    wirklich bemerkenswert , wie jemand in nur 3 Jahren im fortgeschrittenen Alter so viel Thai erlernen kann
    Zitat Zitat von Siamfranky Beitrag anzeigen
    Letzter Kurzbesuch ... Oktober 2012.

  10. #39
    Avatar von strike

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    Leute - bitte nutzt für den Austausch zu persönlichen Befindlichkeiten die Möglichkeiten, die PN bietet.
    Alle anderen Leser werden diese Befindlichkeiten nämlich kaum interessieren, ausserdem zerstört so etwas diesen Strang. Danke.


    @strike

  11. #40
    Avatar von Siamfranky

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    Ein sorry von meiner Seite, du hast natürlich vollkommen Recht!

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