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Thai. Sprechen, Lesen, Schreiben - oder besser andersherum?

Erstellt von Eutropis, 23.11.2015, 13:40 Uhr · 192 Antworten · 13.089 Aufrufe

  1. #101
    Avatar von Micha

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    Zitat Zitat von benni Beitrag anzeigen
    Ich war in den 80ern 3 Jahre im YWCA. Da gabs eine Sprachschule mit Swimming Pool auf der Sathon Tai, bei der man je nach Lust und Laune sich mit der Lehrerin telefonisch Termine zum Lernen der Thai Sprache ausmachen konnte. Also nicht so strikt wie die AUA. Die Lernunterlagen waren Heftchen mit einfachen Bildchen und vereinfachten Tinglish Erklärungen. Währenddessen sprach ich nur mehr Thai, also so gut wie überall in BKK, auch wenn es sich noch so banal angehört haben muß.
    Dann keine Sprachschule mehr in den 90ern, aber weiterhin immer und so gut wie überall Thai sprechen. Das konnte ich inzwischen gut bemüht fliessend, man verstand mich aber nicht so gut und alle sagten im besten Fall ich spreche Thai wie ein Inder, der Akzent. Inzwischen spreche ich seit einem guten Dutzend Jahre verständliches fließendes Thai, so als ob ich deutsch sprechen würde und manchmal denke ich in Thai und manchmal träume ich in Thai.
    Die Thaischrift hat mich nie interessiert, habe sie in den 30 Jahren Leben in Thailand nie gebraucht und deswegen auch nie gelernt.
    Lange im Land zu leben und ausschließlich mit Thailändern in ihrer Sprache kommunizieren, sind freilich beste Vorrausetzungen um diese fremde Sprache zu erlernen. Trotzdem wäre das für mich kein Grund dauerhaft als Analphabet durch meine Wahlheimat zu wandeln.

    Die Frage ob man besser dies oder jenes vorzieht, ist imho genauso sinnlos wie die Frage, ob bspw. die Beine wichtiger sind als die Arme, obschon es zweifellos Menschen gibt, die sich auch ohne Beine besser fort bewegen als andere.

    Genauso gibt es überall Menschen die sich als Analphabeten hervorragend durchs Leben schlagen. Trotzdem gibt es für mich kein vernünftiges Argument für freiwilligen Analphabetismus.

  2.  
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  3. #102
    Avatar von marekbrodzik

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    Im Thailändischen gibt es eigentlich keine Personalpronomina für die Bezeichnung der eigenen Person (mal abgesehen davon, daß die Sprache sehr "ökonomisch" mit Informationen umgeht und alles wegläßt, was nicht unbedingt für das Verständnis eines Sachverhalts erforderlich ist, insbesondere auch Personalpronomina), sondern ein komplexes System aus Platzhaltern, bei dem nicht nur die jeweilige Person als solche bezeichnet wird, sondern vor allem auch deren Stellung gegenüber ihrem Gesprächspartner (eine sogenannte "personale Referenz").

    "phom" ist neutraler Standard für männliche Sprecher bei der Kommunikation mit anderen, insbesondere auch für den Fall, daß deren Status noch nicht genau geklärt ist. "kraphom" drückt hingegen in der Tat eine niedrigere Stellung in der Hierarchie aus (nur für männliche Sprecher), siehe auch:

    K. Attaviriyanupap: Wie 'Haar' zu 'Maus wird: Geschlechtsbezogene pronominale Referenz im Thailändischen

    Zitat:

    Neben diesen bis jetzt aufgeführten Personalpronomina gibt es noch zahlreiche Wörter, die wie das deutsche Personalpronomen ich fungieren. Wie bereits erwähnt, können viele Substantive als eine Form der pronominalen Referenz an dieser Stelle auftreten, wie etwa Verwandtschaftsbezeichnungen, Berufe, Titel, usw.
    Dazu kommen noch die "Spitznamen", die ebenfalls für "ich" stehen können und ebenfalls neutral wirken, aber nur unter guten Bekannten verwendet werden.

    "phom" bedeutet übrigens nicht nur zufällig "Haar", viele "hochstehende" Formen für "ich" nehmen Bezug auf den Kopf oder Kopfbedeckungen, "niederstehende" Formen hingegen Bezug auf den Fuß. Bezeichnet man sich selbst als "Haar", ist man in der Hierarchie ungefähr auf derselben Ebene wie sein Gesprächspartner und verneigt sich z. B. beim Wai auch nur geringfügig auf die Höhe des Haars seines Gegenübers (das ist wohl auch der Ursprung dieses Begriffs).

    Dieser ganze Sachverhalt wird übrigens auch als "Honorativsystem" bezeichnet und ist für viele asiatische Sprachen mit vielfältigen hierarchischen Abstufungen typisch (im Deutschen gibt es ja nur "du" und "Sie"). Soweit meine "nutzlose" Theorie, die sicherlich zugunsten reinen Zuhörens und intuitiv-empirischen Spracherwerbs verzichtbar ist

  4. #103
    Avatar von marekbrodzik

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    Nachtrag: ich meinte eine "pronominale Referenz", keine "personale...", kann ich leider nicht mehr ändern

  5. #104
    Avatar von Chak

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    marekbrodzik, dein theoretisches Wissen ist beeindruckend und übersteigt wahrscheinlich das meiner Frau, die Linguistik studiert hat, aber das hiflt dir wenig um die Feinheiten der thailändischen Sprache, die sehr viele Bilder und Wortspiele verwendet, zu erfassen.

  6. #105
    Avatar von marekbrodzik

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    Bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Sprachsystemen geht es mir gar nicht darum, die Sprache tatsächlich zu erlernen oder in der Praxis irgendwie zu nutzen, sondern eher um die Klärung von sprach-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Aspekten. In manchen Fällen finde ich ein bestimmtes Sprachsystem aber so faszinierend, daß ich die Sprache dann gewissermaßen als "Nebenprodukt" tatsächlich erlernen möchte.

    Das ist im Falle von Thai erstmals seit langer Zeit wieder der Fall, bei der ausgiebigen Beschäftigung z. B. mit Kreolsprachen (speziell: Chavacano und Haitianisch) hatte ich diesen Wunsch nicht, da fehlte es mir zwar nicht an Logik, aber der Funke sprang trotzdem nicht über. Thai vereint meines Erachtens aber auf ideale Weise Eleganz, Logik und gekonnten Minimalismus.

  7. #106
    Avatar von pani

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    Wurde denn hier schon geklärt, wann und weshalb die Phrase 'khrap' (ครับ) eingeführt wurde?

  8. #107
    Avatar von Micha

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    Zitat Zitat von storasis Beitrag anzeigen
    Unser Denkfehler besteht ja schon darin, dass wir sagen "kao" hat diese vielfache Bedeutung, weil wir eben nicht gewohnt sind, dass eine andere Betonung schlicht und einfach ein anderes Wort ist. Damit gleichen wir dem Chinesen, der sagt Reise kann einmal einen Ortwechsel bedeuten und ein anderes Mal geringe Lautstärke - weil er L und R nicht unterscheidet.
    Ein plastisches Beispiel ist das.

    Tatsächlich ist die Verwechslung der Buchstaben von R und L für Thailänder weit weniger dramatisch als bspw. ein fehlendes- oder falsch gesprochenes Tonzeichen.

    So höre ich oft im Zusammenhang mit Wegbeschreibungen das Wort "TangRadd" (ทางรัด); tatsächlich ist aber das Wort "TangLadd" (ทางลัด für Abkürzung) gemeint.
    Einige Frauen nennen "Ladda" obwohl sie sich tatsächlich "Radda" schreiben usw.


    Zitat Zitat von Chak Beitrag anzeigen
    marekbrodzik, dein theoretisches Wissen ist beeindruckend und übersteigt wahrscheinlich das meiner Frau, die Linguistik studiert hat, aber das hiflt dir wenig um die Feinheiten der thailändischen Sprache, die sehr viele Bilder und Wortspiele verwendet, zu erfassen.
    Inwieweit er irgendwann sein theoretisches Wissen anwendet liegt ganz bei ihm.

    Hochinteressant zu lesen sind seine Ausführungen allemal.

  9. #108
    Avatar von Dieter1

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    Zitat Zitat von Micha Beitrag anzeigen
    Einige Frauen nennen "Ladda" obwohl sie sich tatsächlich "Radda" schreiben usw...l.
    Das ist aber eine ziemlich banale Erkenntnis .

  10. #109
    Avatar von marekbrodzik

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    Wurde denn hier schon geklärt, wann und weshalb die Phrase 'khrap' (ครับ) eingeführt wurde?
    Wann sie eingeführt wurde, kann ich Dir leider nicht sagen, weil ich noch kein einziges etymologisches Wörterbuch gefunden habe, in dem die Entstehungsgeschichte von thailändischen Wörtern systematisch und vollständig beschrieben wird.

    Leider ist Thai im Gegensatz zu z. B. Französisch weitaus schlechter erforscht, und es gibt auch fast keine brauchbaren Wörterbücher (kein Wunder, meines Wissens gibt es in Deutschland eine einzige Professur für Thaiistik, und zwar an der Uni Hamburg mit extrem wenigen wissenschaftlichen Mitarbeitern - ähnlich schlecht sieht es übrigens bei guten norwegisch-deutschen Wörterbüchern aus).

    Interessante Infos zur Entstehung von Wörtern gibt es beispielsweise unter Thai 101: etymology - hier wird beispielsweise die Entstehung der heute üblichen Begrüßung mit "sawat" beschrieben, die tatsächlich an der Chulalongkorn-Universität entwickelt wurde (und wie so vieles andere aus den indischen Sprachen Sanskrit und Prakrit (genauer gesagt: Pali) abgeleitet wurde, von "Glück" und etymologisch mit "swasti" verwandt, in Deutschland bekannt durch "swastika", dem brahmanisch-hinduistischen Glückssymbol, das einem nicht gekippten .......... entspricht).

    Ansonsten findet man interessante Infos teilweise im Internet (z. B. zur Entstehung von "isan", einer Neuschöpfung aus dem 20. Jahrhundert für die zuvor als Lao bezeichneten Tai im Nordosten, ebenfalls aus Sanskrit/Pali) oder in Büchern wie "Language Ecology in Thailand" (z. B. zur Entstehung der Anrede mit "khun", die tatsächlich aus dem Mon entlehnt wurde und ursprünglich einen Mon-Adelstitel bezeichnete), allerdings alles als Stückwerk und nirgendwo übersichtlich zusammengestellt.

    Die Bedeutung von "khrap" für Männer und "kha" für Frauen ist die eines Höflichkeits- und Bestätigungspartikels. Ähnliche Partikel gibt es in allen der zahlreichen Tai-Sprachen, im Kham Muang war dies historisch gesehen z. B. "tschao", das wird heute nur noch von Frauen verwendet, Männer verwenden inzwischen das aus dem Standard-Thai entlehnte "khrap", allerdings ohne Aussprache des "r".

  11. #110
    Avatar von croc

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    Krap ist wahrscheinlich von dem Kho Rap ขอรับ abgeleitet ????? ??????? ??????? ?????? ??????? (????????????????-?????? LEXiTRON)

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