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Sprachweise der Thaimädels

Erstellt von Rawaii, 29.10.2003, 12:17 Uhr · 28 Antworten · 1.945 Aufrufe

  1. #1
    Rawaii
    Avatar von Rawaii

    Sprachweise der Thaimädels

    Mir ist schon öfter aufgefallen das viele Thaimädels jüngeren jahrgangs (so bis 25) immer wenn sie von sich selber reden nicht "ich" sagen sondern ihren nickname nennen, ich find das lustig....
    Also Beispiel eine die Ice heisst sagt:

    Ice hat dies gemacht, Ice ist dahin und dorthin gegangen anstatt
    Ich hab dies gemacht, Ich bin dahin und dorthin gegangen...

    Bei männern hab ich dies noch nicht beobachtet, ist das nur bei mädels gang und gebe....

    Wie würden die reagieren wenn ein männlicher Farang auch so reden würde.....

    Gruss Rawaii

  2.  
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  3. #2
    CNX
    Avatar von CNX

    Re: Sprachweise der Thaimädels

    Hallo Rawaii,

    nach meiner Kenntnis ist dies eine "Höfflichkeitsform" und nicht nur bei jüngeren. Immer von "Ich" zu reden - wie bei uns üblich - ist "unschicklich".

    Gruss
    C N X

  4. #3
    Avatar von seven

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    1.676

    Re: Sprachweise der Thaimädels

    Hallo,

    meinst Du das im Deutschen oder im thailändischen?
    In der thailändischen Sprache ist das völlig normal, dass man nicht das Wort "ich" nimmt, erst recht für Frauen. Stattdessen wird der Name oder ein anderes Synonym verwendet. Jüngere Frauen verwenden gegenüber älteren (nicht alten) Menschen das Wort "Nuu", was soviel wie "Maus" bedeutet.
    Das heißt dann "Maus hat dieses und jenes gemacht".
    Üblich ist auch die Bezeichnung Nong oder Phi (also jüngerer / älterer Bruder / Schwester). Im thailändischen verwende ich das auch öfters, wenn klar ist wer älter / jünger ist.
    Viele Thais werden dies wohl auch so ins Deutsche übernehmen.

  5. #4
    Avatar von MichaelNoi

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    Re: Sprachweise der Thaimädels

    Michael kann dazu sagen,
    das seine Noi ( 26 Jahre alt) eher "Tschan" als "Noi" sagt.

  6. #5
    Avatar von DisainaM

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    Re: Sprachweise der Thaimädels

    The Thai expression "thii tam thii soong" literally means "high place
    and low place." Almost everything in the Thais' perception is situated
    in a hierarchical system. People can be "high" or "low" according to
    their age, family background, occupation or professional rank and
    whether they are Buddhist monks or clergymen in other religions. A
    Buddhist monk is treated respectfully even by the king

    Older people are usually honored and respected. People of the same age
    and social status also show respect for one another with the use of
    the title "khun", as mentioned earlier. "Khun" can be literally
    translated as "Your goodness". Among good friends the title becomes
    optional.

    This hierarchical concept of "thii tam thii soong" is most evident in
    the Thai pronominal system, which is one of the most complex system
    among languages. The choice of pronoun reveals the 5ex of the speaker,
    where the speaker places himself and his addressee in the hierarchical
    social system, his opinion about the degree of distance or intimacy in
    their relationship, and his evaluation of the speech situation. The
    choice of pronoun can also be manipulated to reflect the dynamism in
    interpersonal communication exchange. When a fifteen years old young
    lady meets a sixty years old man for the first time, she may use
    "dichan" as first person pronoun and "than" as second person pronoun.

    After an initial conversation in which both will try to establish a
    satisfactory relationship. She may switch to "noo" (lit. mouse) for
    herself and "khun lung" (lit. uncle) for her conversation partner. If
    the relationship should take an unwanted turn, she may switch to
    "dichan" or even "chan" for "I" to indicate her desire to keep a
    distance. If she is angry, the choice can be "chan" for her and "kae"
    for him. If she decides that she needs to be rude to discontinue the
    relationship, she may even go further as to use "koo" and "myng", at
    which time the rift is almost irreparable.

    This "thii tam thii soong" concept also demonstrates itself in the
    honorific system of the language. Vocabulary used in relation to the
    royalty requires an extra effort and is learned only by those who have
    to work with the king and queen and the royal family. Since not all
    princes and princesses enjoy the same status, different sets of
    pronouns as well as nouns and verbs are used according to their royal
    ranks and titles. This is also true, though to a lesser extent, for
    those with ecclesiastic, civil and military ranks and titles. Common
    people have a pseudo honorific system also. Speech style is reflected
    in the lexical choice of a speaker. Speech situation varies and each
    requires different lexical variants of the same word.

    Speech situations range on a parameter of formality. A highly formal
    speech style requires vocabulary which is " penthaangkaan" (lit.
    official) and "phairoh" (lit. pleasant) and the absence of final
    particles for expressing politeness and courtesy on the part of the
    speaker.

    Not only humans are placed in hierarchy. Body parts are also assigned
    "thii tam" (lit. low place) and "thii soong" (lit. high place). Head
    and face are considered higher than other parts of the body. A study
    of metaphor in Thai reveals that there are more terms and more
    metaphorical expressions for head and face than for other body parts.
    This may perhaps explains why no Thai cares to have his head touched
    and they feel offended when a person points at something to them with
    his foot.

    This concept of hierarchy is also expressed in nonverbal language. If
    one has to walk past somebody older or higher in rank, one needs to
    lower one's head and bow slightly, especially when that person is
    sitting or standing in a lower place. This is a gestural expression of
    one's respect for others.
    Quelle

    [highlight=yellow:0469efb30e]After an initial conversation in which both will try to establish a
    satisfactory relationship. She may switch to "noo" (lit. mouse) for
    herself and "khun lung" (lit. uncle) for her conversation partner.[/highlight:0469efb30e]

    Da Farangs ja außerhalb der Thai Struktur stehen, wird häufig das Anrede und Selbstbezeichnungsritual überbrückt.

    Manchmal zeigt es aber auch eine Distanziertheit zur momentanen Situation.
    (Nach dem Motto, solange ich in der Hirarchie zu meiner Phi Nong noch Nuu bin, benutze ich den eigenen Namen in der 3. Person, aber warte mal ab Freundchen, wenn ich in der Hirarchie steige, dann lernst Du mich richtig kennen - alles eingepackt mit einem süssen Lächeln.)

  7. #6
    Avatar von Peter65

    Registriert seit
    17.02.2002
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    471

    Re: Sprachweise der Thaimädels

    @DM

    ich dachte Phi oder Nong.
    Eas ist dann Phi Nong???????
    Und stellt man das Nuu auch vor den Namen (also quasi anstatt Phi)?

    Grüsse,
    Peter

  8. #7
    Avatar von seven

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    1.676

    Re: Sprachweise der Thaimädels

    Zitat Zitat von Peter65",p="93824
    @DM

    ich dachte Phi oder Nong.
    Eas ist dann Phi Nong???????
    Und stellt man das Nuu auch vor den Namen (also quasi anstatt Phi)?

    Grüsse,
    Peter
    Also Peter, ich glaube Du kannst die Eigenbezeichnung "Nuu" im Bezug auf Deine Person gleich wieder vergessen.
    "Phi Nong" heißt nichts anderes als Geschwister, ist keine Anrede oder Eigenbezeichnung.
    Wenn Du Thai redest solltest Du mit "Phom" anfangen (höfliches, männliches "Ich") und der Rest ergibt sich von selbst. Ich benutze immer meinen Namen und manchmal "Nong" oder "Phi" (je nach Alter des gegenüber). Ist schwer pauschal einen Empfehlung zu geben. Mit "Phom" macht man aber gar nichts falsch, ganz im Gegenteil.

  9. #8
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: Sprachweise der Thaimädels

    Mein Schwägerin mitte vierzig redet von sich selbst auch in der dritten person, also am Alter kann es nciht liegen. Im Gegenteil, ich hatte eher den Eindruck, dass eher ältere das machen.

  10. #9
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Sprachweise der Thaimädels

    Ich find´s einfach Klasse: hab´s auch voll in meinen Alltag integriert. Selbst, wenn ich über etwas nachdenke, denke ich Kali und er ;-D

    Doch das ist ja auch bei uns nichts Neues: in grauen Vorzeiten, zu Kaisers Zeiten, sprache er ja selbst von sich als wir Im Plural, als ob er gespürt hatte, daß er immer noch einen neben sich stehen hatte

    Doch im Ernst: Suay spricht auch von sich als Suay oder mia, ist also kein Privileg der Jüngeren...

  11. #10
    Avatar von DisainaM

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    Re: Sprachweise der Thaimädels

    @ Peter,

    ich dachte Phi oder Nong
    Du meinst die Anrede Phi xyz für 'großen Bruder xyz' oder
    Nong xyz für 'kleinen Bruder xyz'; doch hier ist etwas anderes gemeint.
    Phinong ist ein thailändischer Begriff für eine Machtposition.
    Ursprünglich aus der thailändischen Familienstruktur kommend;
    das älteste Kind war unfähig, und fiel heraus, das zweitälteste Kind war geeignet, und bekam die Macht als Phinong, und die jüngeren, als auch der unfähige Älteste mußte sich fortan an die Befehle des Phinong halten.
    Er konnte bestrafen, wenn seine Befehle unzureichend befolgt wurden, er konnte Positionen vergeben, wenn sich einer bewährt hatte, und damit mehr Verantwortung übernehmen konnte. Er hat das Recht, Geschenke, die eins seiner Brüder bekommt, oder einen 'Lottogewinn' zu übernehmen.
    Dieses Phinong System entwickelte sich schnell außerhalb der Familienstruktur.
    Drei gleichaltrige Frauen, wo eine die Funktion einer Phinong hat, hat das Recht, einer anderen Frau, die 'Maus' ist, den Freund zu verbieten. Die 'Maus' muß dann die Gefühle ihres Freundes zerstören,
    manchmal auch in Anwesendheit der anderen Frauen.
    Geschenke des Freundes müssen an die Phinong abgeliefert werden usw.

    Wenn Frauen von ihrer Phinong in eine Ehe entsendet werden, gelten diese Strukturen fort.

    Persönlich interessiert mich manchmal, ob Frauen eine Phuu ying oder einen Phu chai als Phinong haben; daran kann man schnell ersehen, wie hart das Programm war, was die Frau hinter sich gebracht hat.

    Und stellt man das Nuu auch vor den Namen
    Meistens wird Nuu als Name verwendet, es beschreibt schließlich oft das 'Rangabzeichen', das jemand in der Struktur hat.


    @ Seven,

    Wenn Du Thai redest solltest Du mit "Phom" anfangen..Mit "Phom" macht man aber gar nichts falsch, ganz im Gegenteil.
    Das hängt sehr von Personen und Situation ab; denn wenn Du in einer Gruppe mit 'Phom' anfängst, kannst Du Dich schnell zum Aussenseiter buxieren, da das Signal auch heißt, ICH will nicht Teil des WIR Gefühls sein. So umschreibe ich häufiger 'Phom' Situationen, wenn ich noch nicht weiß, woher der Wind in der Gruppe weht, oder wer der 'Sprachführer' ist, und die Entscheidungsstimme hat.

    @ chak,

    Mein Schwägerin mitte vierzig redet von sich selbst auch in der dritten person, also am Alter kann es nciht liegen. Im Gegenteil, ich hatte eher den Eindruck, dass eher ältere das machen.
    Das reden in der 3. Person kann viele Gründe haben, ist auch nie vom Alter abhängig (wie auch das Phinong-System).
    Wenn eine Person eine Entscheidung des Familienrates, oder der Phinong umsetzt, und diese Handlung ist gegen das eigene Gefühl, dann ist es halt XYZ, die dies ausführen muß. Man selber ist jedoch nicht XYZ, man kümmert sich nur zeitweise darum;
    sollte sich die eigene Position verändern, kann dies auch bedeuten, das die Gemeinschaft Dir einen neuen Namen verleit;
    dann kümmerst Du Dich um WVX, und nicht mehr um XYZ, dann wird aus Nuu plötzlich Phi Däng.
    (frag nicht, wie viele Farangs bei solchen Ritualen auf der Strecke gebieben sind / habe Hausfrauen erlebt, die ohne eine Phinong nach Deutschland kamen, und durchs Kartenspielen sich selber verlohren hatten.Die Bekamen dann Trennungsbefehl von ihrem Ehemann, und mußten für ihre Phinong leben.)

    Gruss

    DisainaM


    Das Phinong System wird nach außen oft folgendermassen beschrieben :
    And they have to learn that in society, older people must take care of younger ones and help each other [highlight=yellow:a453250ba4]like sisters or brothers[/highlight:a453250ba4]," said nun Sansanee.

    Because of this phinong (sister and brother) environment, children at Siripongse develop a high sense of helpfulness. It is common to see older children holding hands of the younger ones.
    Quelle

    Diese Verantwortung, die der Erfahrendere für den Unerfahrenden hat,
    muß natürlich erziehungstechnisch durchgesetzt werden; (nix antiautoritär, sondern der herausstehende Nagel wird hereingeschlagen, in guter Konfuzianischer Erziehungstradition)

    Having good self esteem will enable them to have good relationships with others.
    Wer sich unterordnen und einfügen kann, hat ein gutes Verhältnis mit seiner Gemeinschaft.

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