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Respekt und Verehrung

Erstellt von dutlek, 01.04.2007, 12:55 Uhr · 24 Antworten · 2.505 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von dutlek

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    Respekt und Verehrung

    Immer wenn ich in einem Tempel bin, meistens Sonntags frueh, beobachte ich unter anderem auch das Verhalten der anderen Besucher den Moenchen gegenueber. Da frage ich mich manchmal, was zum Beipiel ein deutscher Mann denkt, wenn er von seiner Frau aufgefordert oder gebeten wird, nach vorne zu den Moenchen zu gehen. Da spiegelt sich in den Gesichten meistens Unsicherheit und Peinlichkeit wieder. Das kommt wohl daher, weil man(n) weiss, das man(n) von vielen angeschaut wird und auch keine Ahnung hat, wie man(n) sich jetzt "richtig" verhalten soll. Das sehe ich aber nur bei vielen Maennern, die mit einer Thailaenderin verheiratet sind. Obwohl die es ja eigendlich wissen muessten. Des oefteren habe ich auch schon mibekommen, das der/ein Mann sich auch lautstark geweiget hat zu einem Moench zu gehen und den Raum verlassen hat.

    Kommen Besucher, die ueberhaupt nichts mit Thailand zu tun haben, besonders Schulklassen oder VHS usw, haben/kennen die Jugendlichen und Erwachenen ueberhaut keine "Peinlichkeit". Wenn man ihnen vorher sagt, wie man sich verhaelt, ist das fuer die ueberhaupt kein Problem es auch so zu machen.
    Fuer die meisten Thailaender/innen ist es ganz normal, in die Hocke zu gehen, wenn ein Moench reinkommt, nur mal als Beispiel. Das sieht man bei uns, der Farang halt, nicht.

    Ist es denn ueberhaupt notwendig fuer einen Buddhisten, ob hier In D, in TH, oder anderswo (fuer das eigene Ego oder Khama) sich nahezu unterwuerfig einem Moench gegenueber zu verhalten?

  2.  
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  3. #2
    Avatar von wingman

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    Re: Respekt und Verehrung

    ich halte das verhalten nicht für unterwürfig gegenüber den mönchen. richtiger ist eher die achtung vor ihnen. ich bin im wad schon öfters mit zu den möchen gegangen und empfinde keine unsicherheit oder peinlichkeit.
    manchmal besuchten uns mönche daheim im dorf, sie lachen, machen auch sanuk. einige von ihnen sprechen fliessend englisch, oft ergeben sich interessante gespräche.

  4. #3
    Avatar von Micha

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    Re: Respekt und Verehrung

    @Rolf,

    in der von Dir beschriebenen Situation ziehe ich mich auch vorzugsweise zurück. Liegt daran das ich aufgrund von Unerfahrenheit mit deartigen Situationen tatsächlich unsicher bin. Zudem hat mir bisher noch niemand erklärt, wie man sich in so einer Situation richtig verhalten sollte.

  5. #4
    Avatar von tira

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    Re: Respekt und Verehrung

    Zitat Zitat von wingman",p="467186
    ...richtiger ist eher die achtung vor ihnen......
    naja,

    iss dann eher respekt vor der kutte, weil immo den mensch als solchen kennt man ja i.d.r.(noch) net.

    gruss

  6. #5
    Avatar von Conrad

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    Re: Respekt und Verehrung

    Einmal war ich oben am Big Buddha auf Samui. Es war sonst niemand da. Ausser einem älteren Mönch und mir.

    Der Mönch kam auf mich zu, nahm meine Hand in seine raue schwielige Hand. Dann drückte er mir einen Stock in die andere Hand und führte mich einmal um den Big Buddha herum.

    Es hängen dort grosse Glocken und er zeigte mir bei dem Rundgang, jede Glocke mit dem Stock zu schlagen. Es war ein strahlend heller Tag mit knallblauem Himmel und vor Hitze flimmernder Luft und ich hatte ein Gefühl, als bliebe die Welt einen Augenblick lang stehen.

    Ich hatte das Gefühl, als wenn der alte Mönch einen Blick in mein tiefstes Innersten tat, in sämtliche Abgründe meiner Seele, mich durchläuft noch heute ein Schauer, wenn ich daran denke.

    Es war ein spiritueller Augenblick von unsagbarer Authentizität. Den ich niemals vergessen werde.

  7. #6
    Avatar von DisainaM

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    Re: Respekt und Verehrung

    Wer einen Tempel, oder sonstige Religionsstätte betritt,
    sollte auch den nötigen Respekt gegenüber dieser Weltanschauung besitzen.

    Während Thailänder darauf achten, dass ihre Kinder nicht zu verklemmt aufwachsen,
    und bei Festen, wie Songkran oder Loi Kratong darauf achten, dass ihr Stöpske eine Aufgabe auf der Bühne erhält, wo er dann mit den Missen herumspringen kann, oder an einer Tanzaufführung mitwirken kann,
    so fällt es vielen Farang schwer, mit der Weltanschauung adäquat umzugehen.

    Schon alleine der Akt, wie sich mancher beleibte Europäer auf den Boden begiebt, entwickelt eine Geräuschklisse, die man von früher von den alten Diesellokomotiven her kannte.

    Bei dem Vollzug, mit einem Wai dreimal den Boden zu berühren, wobei die Hände beim Bodenkontakt ebenfalls Kontakt mit der Stirn bekommen,
    tritt nun aufgrund des Bauchumfanges eine Organquetschung ein, wobei der Rettungsring einen vernünftigen Wai verhindert.
    Bei diesen Personen ist auch kein eigenständiges zuschnüren der Schuhe mehr möglich.

    Manch so ein Heuler würde sich vor der Situation wohl lieber drücken,
    auf der anderen Seite ist es schließlich egal,
    und niemand sollte sich wegen der Anderen kümmern.

  8. #7
    Avatar von DisainaM

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    Re: Respekt und Verehrung

    Zitat Zitat von Lamai",p="467211
    Einmal war ich oben am Big Buddha auf Samui. Es war sonst niemand da. Ausser einem älteren Mönch und mir.

    Der Mönch kam auf mich zu, nahm meine Hand in seine raue schwielige Hand. Dann drückte er mir einen Stock in die andere Hand und führte mich einmal um den Big Buddha herum.

    Es hängen dort grosse Glocken und er zeigte mir bei dem Rundgang, jede Glocke mit dem Stock zu schlagen. Es war ein strahlend heller Tag mit knallblauem Himmel und vor Hitze flimmernder Luft und ich hatte ein Gefühl, als bliebe die Welt einen Augenblick lang stehen.

    Ich hatte das Gefühl, als wenn der alte Mönch einen Blick in mein tiefstes Innersten tat, in sämtliche Abgründe meiner Seele, mich durchläuft noch heute ein Schauer, wenn ich daran denke.

    Es war ein spiritueller Augenblick von unsagbarer Authentizität. Den ich niemals vergessen werde.
    Das Hauptproblem besteht meist darin, für solche Momente die richtigen Worte zu finden,
    wobei man nicht unbegründet auch die Auffassung vertreten kann,
    diese Momente niemals in Worte zu fassen, um für sich selber länger ihre Tiefe zu erhalten.

    Aber egal, ob festhalten, loslassen, weiterfließen lassen,
    jeder ist auf seinem eigenen Weg der Erkenntnis,
    und dabei gibt es keine Fehler.

  9. #8
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Respekt und Verehrung

    Ist das nicht eine Kombination von Integrationsarbeit für Fortgeschrittene und seinen Mann auch hier stellen zu können?

    Ja, es ist ungewohnt und man riskiert sich zu blamieren, - sogar die sonst so gut sitzende Maske mitsamt dem Gesicht darunter zu verlieren. Aber ist es nicht auch eine einmalige Herausforderung?

    Ich wurde das erste Mal bei der buddhistischen Hochzeit "geprüft" und bin quasi ohne zu wissen was mich genau erwartet in's kalte Wasser gesprungen. Das zweite Mal war bei unsererm Tambun Ban, bei dem 8 ehrenwerte und ein neunzigjähriger Adjahn (alle aus verschiedenen Wats) uns die Ehre gegeben haben. Da musste ich als Hausherr eine ganze Menge an zeremoniellen Handlungen, quasi ohne Vorkenntnisse aus dem Ärmel rütteln. Übrigens: Mr. Karlheinz Huber hat sich den Teil leider entgehen lassen und ist erst nachmittags eingetroffen. Aber das war ja auch mein Job...

    Ich hatte damit eignetlich gar kein Problem - und heute sind die Besuche im Wat viel eher ein Vergnügen, eine Wohltat, meist sogar wie eine seelische Reinigung. Gefühlsmässig gibt es da auch kein Problem, - ich fühle mich weder unterwürfig noch erhaben, sondern ganz normal. Bin ich etwa Jemand dem man den Arm einfach so biegt? :-)

    Vor mehr als 20 Jahren hatte ich übrigens die Gelegenheit das "Wudu", die rituelle moslemische Waschung zu erlernen und mehrere Male in verschiedenen Moscheen (mit allem drum und dran) am Gebet teilzunehmen. Zu dem Zweck hatte ich sogar die zwei Hauptgebete auf arabisch mühsam erlernt. Ich kann nur sagen wunderbar, gefühlsmässig absolut einmalig, einfach nur das Gefühl von Brüderlichkeit und Solidarität - ein Nie zuvor erlebtes Gefühl der Zusammenghörigkeit, ganz ohne Islam, Allah , Ideologie, oder ähnliches... das ist in dem Moment gar nicht notwendig. Ich bin nie Moslem gewesen oder geworden, werde es auch nie werden - ich bin diesem "Fremden und Ungewohnten" aber nahe genug gekommen um zu verstehen wie ein Moslem fühlt, wenn er das Salat (Gebet) verrichtet.

    Und im Falle vom Buddhismus sehe ich es ebenso als ein grosses Privileg an, wenn man als Ehemanns einer praktizierenden Buddhistin, die Möglichkeit hat an Zeremonien und vor allem an Gefühlen teilzunehmen die noch lange nicht Jedem vergönnt sind.

    Traut euch Leute, es kann eine grosse Erlösung vom kleinen Ego sein, oder umgekehrt,- je nachdem!

  10. #9
    Avatar von Conrad

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    Re: Respekt und Verehrung

    Zitat Zitat von DisainaM",p="467218
    jeder ist auf seinem eigenen Weg der Erkenntnis,und dabei gibt es keine Fehler.
    Der Weg der Erkenntnis, sich ausklinken können aus dem Hype.

    Mal nachzudenken über alles... Und anzuerkennen, dass unser Leben auch eine spirituelle Seite hat. Abgesehen von jedweder Religion..

    Dankbarkeit, Demut und Bescheidenheit...was kann falsch daran sein ?

    Jedesmal, wenn ich auf Samui bin, das ist meistens am Beginn eines neuen Jahres, gehe ich zum Big Buddha und sage "Thank you for everything"...

  11. #10
    Avatar von dutlek

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    Re: Respekt und Verehrung

    Zitat Zitat von Micha",p="467200
    ...wie man sich in so einer Situation richtig verhalten sollte.
    Was ist sich "richtig" Verhalten? Wenn ich von einem Moench zu sich gewunken werde, gehe ich normel hin und frage, was er von mir moechte. Verbeugen tue ich mich da auch nicht. Das ist ein richtiges Verhalten, auch ohne Verbeugung.

    Falsch ist, wenn mich ein Moench zu sich winkt und ich aus 5 Meter Entfernung zu ihm rufe, was er von mir moechte.

    Es wird ja auch nicht unbedingt erwartet, das sich der Farang drei Mal verbeugt. Wenn jemand dickleibig ist, wie @DisainaM andeutet, verlangt es auch niemand es zu machen.

    Ich weiss noch ganz genau, als ich damals bei Luang Pho Khuun (ein sehr bekannter Moench) in Wat Baan Rai war. Es waren eine Menge Leute da. die ihn sehen wollten. Er hatte gerade seinen Mittagsschlaf gemacht und als er raus kam und mich sah, winkte er mich gleich zu sich. Meine Frau sagte, das ich mich drei Mal verbeugen solle. Ich sagte: "Das kann ich doch nicht machen, was denken dann da die Leute". Das war mir sehr sehr peinlich. Ich hatte es aber gemacht ohne zu wissen, ob das richtig war. Falsch waehre es gewesen es nicht zu tun, da das ja ganz normal ist und es eine Respecktlosigkeit darstellt, sich nicht zu verbeugen.

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