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Rente ins Ausland, wie lange noch?

Erstellt von Netandy, 30.04.2006, 20:03 Uhr · 52 Antworten · 4.778 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Netandy

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    Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Beim Durchlesen verschiedener Threads bin ich nun schon öfters darauf gestossen, dass viele noch die Hoffnung haben sich später einmal die staatliche deutsche Rente nach Thailand auszahlen zu lassen um dort leben zu können. So wie es heute ja noch bei vielen Residenten (z.B. Mallorca) möglich ist.

    Das erscheint mir doch etwas blauäugig. Schon heute gibt es bei fast allen etablierten Parteien Strategiepapiere wie der Kapitalfluss von Deutschland ins Ausland (vor allem ins Nichteuropäische!) unterbunden werden soll. Auch viele Wirtschaftsinstitute und sozialwissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit diesem Thema.

    Einig ist man sich, dass bei privatem Geld dies kaum zu realisieren ist, jedoch besteht für die staatliche Rentenversicherung "formaljuristisch" keine Auszahlungspflicht an im Ausland lebende Personen. Dies ist ein interessanter Aspekt, der ja auch darauf zurückzuführen ist, dass die staatliche Rentenversicherung lt. neuster Definition GAR KEINE VERSICHERUNG ist.

    Wäre sie eine, so müssten sich wohl die Verantwortlichen wegen der Veruntreuung der Gelder bereits verantworten. Dies ist aber ein anderes Thema.

    Die Rentenversicherung ist also KEINE VERSICHERUNG! Dies wurde auch schon von den führenden deutschen Politikern inzwischen so erklärt. So sagte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück in der Talkshow Christiansen: "Es handle sich vielmehr um eine mit hohen Steuerngeldern unterstützte Solidarkasse aller Arbeitnehmer. Nur der Laie würde eben denken, weil das Wort Versicherung im Namen steht, das es eine echte Versicherung wäre, wo er von seine eingezahlen Beträgen (wenigstens die Einzahlungssumme!) auch wieder zurückerhält".

    Wie jeder weis funktioniert die Sache ja so: Die monatlich eingenommene Beiträge + dem entsprechendem staatlichen Zuschuss werden SOFORT (nur einige Wochen Puffer) wieder zur Auszahlung (für die bestehenden Renten) ausgegeben. Die Problematik ist nun, dass der Anteil des staatlichen Zuschusses durch die Ebbe in der Kasse (Differenz der Einnahmen / Ausgaben) von Jahr zur Jahr höher wird.

    Um dies zu begrenzen (also nicht noch mehr Steuergelder in die Rentenkasse zu pumpen) gibt es nur 2 Möglichkeiten:

    1. Die Einzahlungen zu erhöhen.

    Entweder durch höhere Rentenbeiträge (Thema Lohnnebenkosten), oder eben mehr Einzahler. Hierbei kam übrigens diese lächerliche "Kinder-Diskussion" auf. Man braucht nämlich vor allem mehr sozialabgabenpflichtige Arbeitsplätze, mehr Kinder allein nützen absolut gar nichts. Finden die nämlich keinen vernünftigen Job ist sogar der gegenteilige Effekt der Fall, dann hat man Morgen nur ein paar Jugend-Arbeitslose mehr.

    2. Die Auszahlungen zu vermindern.

    Dies entweder durch Rentenkürzungen (z.B. auch durch Rentenbesteuerung) oder Umverteilung (z.B. Einheitsrente), oder eben rigide Auszahlungsbeschränkungen (z.B. für Personen mit entsprechendem anderem Einkommen (Renten?), Vermögen oder nichtständigem Aufenthalt in Deutschland.

    Problematisch ist hierbei, dass sich die Rente in der heutigen Form (Höhe!) mit zugebutterter Steuer eben nur noch ein paar Jahre stabilisieren lässt. Darin sind sich heute alle Experten absolut einig. Selbst bei einer gewaltigen Zuschusserhöhung wird man die fallenden Renten auf Dauer nicht aufhalten können. Eben deshalb, da sich die Bevölkerungsstruktur verändert und es immer mehr Rentner, aber immer weniger Einzahler gibt. Und es ist eben wie gesagt keinerlei Kapitalstock vorhanden.

    Viele werden deshalb im Rentenalter mit Sicherheit auf zusätzliche
    Hilfen angewiesen sein, da ihre Einkünfte zum Leben zu gering sind. Die Rente ist also "schon sicher", aber sie ist eben von der Höhe her "unsicher".

    Einige dieser Hilfen wird dann z.B.Hartz 4 (bzw. wie es dann eben heissen wird) sein. Der Grossteil der Rentner (die keine hohe Eigenvorsorge betrieben haben) werden also eine staatliche "Aufstockung" (Unterstützung) zur Rente zur Sicherung des Lebensunterhalts erhalten.

    Der Staat wird es sicherlich aber nicht so lösen (Image), dass eine komplette ältere Generation zu einem großem Anteil zu Sozialhilfeempfängern wird, sondern wird mit Sicherheit dann dem Ganzen einen neuen Namen geben und für "die Armen" eine Einheits- / Grundrente- Bürgerrente... etc.. schaffen. Diese werden dann ca. 70% der ehemaligen Arbeitnehmer erhalten.

    Die Höhe der früher einmal eingezahlten Beträge wird hierbei meines Erachtens kaum mehr eine Rolle spielen, da sich diese Rente sowieso (allein finanztechnisch da zum hohen Anteil steuerfinanziert) am unteren Level bewegen wird. Die in verschiedenen Zeitungen abgedruckten zukünftigen Rentenbeträge sind übrigens jetzt schon Makulatur. Ebenso die Summe die einem heute noch ausgewiesen wird, wenn man eine aktuelle Rentenberechnung anstellen lässt. Der Auszahlungsbetrag wird sich nämlich von Jahr zu Jahr verrringern!

    Aber es muss natürlich in Deutschland niemals jemand hungern. Die Sicherung des Lebensunterhalts wird stets durch die angesprochene Bürgerrente gedeckt sein. Auf diese wird es aber, wie schon angesprochen, mit absoluter Sicherheit Auszahlungsbeschränkungen geben. Z.B. Anrechnung von anderem Einkommen (anderer Renten?)...etc.. Und eine Auszahlung ins Ausland wird wohl ebenfalls kaum möglich sein da in der Rente ja ein hoher staatlicher Unterstützungsbetrag (also quasi ein Almosen) enthalten ist.

    Dies ist ja auch bei älteren Bürgern im Rentenalter, die keine Rente erhalten (z.B. verarmte Selbstständige), schon heute so. Auch wenn sie dem Arbeitsmarkt nicht mehr zu Verfügung stehen. Diese können sich ihr Hartz 4 Geld (Unterhaltsgeld und Wohngeld) ja auch nicht ins Ausland überweisen lassen.

    Für alle die vorhaben einmal im Alter in Thailand mit staatlicher deutscher Rente zu leben, ist dringend geraten andere Vorsorge zu treffen. Mit der staatlichen Rente (Unterstützung) wird es meiner Meinung nach nicht gehen.

    Gruss an alle von

    Netandy

  2.  
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  3. #2
    Avatar von tira

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Zitat Zitat von Netandy",p="341536
    ....dass eine komplette ältere Generation zu einem großem Anteil zu Sozialhilfeempfängern wird, sondern wird mit Sicherheit dann dem Ganzen einen neuen Namen geben und für "die Armen" eine Einheits- / Grundrente- Bürgerrente... etc.. schaffen. Diese werden dann ca. 70% der ehemaligen Arbeitnehmer erhalten.....
    iss dann der dank dafür dass dieser bevölkerungsteil die wiedervereinigung, beamtenrenten etc.
    weitestgehend alleine geschultert hat. :bravo:

    appropos, selbstredend hat der kaptialabluss der konzerne aus d und der damit häufig verbunden
    arbeitsplätze vernichtenden begleiterscheinung wohl keine volkswirtschaftlicher relevanz.

    gruss

  4. #3
    Avatar von Bogie

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Die Renten-"Versicherumg" ist ein kriminelles Schneeball-System - genauso wie Bausparkassen etc.

    just my 2 cent

  5. #4
    Avatar von kcwknarf

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Wenn man seinen offiziellen Wohsitz und sein Bankkonto in Deutschland behält, dann dürfte auch der Geldfluss weiter laufen.
    Und in Thailand gibt es genügend Bankautomaten zum Abheben.
    Allerdings halte ich eine private Kapitalvorsorge auch für wesentlich sicherer als die staatliche.

  6. #5
    Avatar von koksamlan

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Hi,

    Also die von dir genannte Grundrente gibt es schon, wurde von der Regierung Schröder eingeführt und heißt Grundsicherung. Diese unterscheidet sich von der Sozialhilfe, weil keine Restriktionen daran geknüpft sind. Wer weniger als xxx EUR (ca. 800) an Einkommen (also auch Zinsen, Mieten, ..) kann diese beantragen. Kinder werden erst ab einem Einkommen von über 100.000 Euro im Jahr in die Pflicht genommen (auch das ist anders als bei der Sozialhilfe/Hartz4)

    Die vielzitierten staatlichen Zuschüsse hat man doch nur eingeführt, um die vielen versicherungsfremden Leistungen von der Allgemeinheit mittragen zu lassen (= Rente für Leute, die nix einzahlen) - man hat nach der Wiedervereinigung generös Renten an die ganzen DDR-Funktionäre spendiert. Auch Renten für Erziehungsleistung ist eine Aufgabe der Gesellschaft, nicht nur die von einer Handvoll sozialversicherungspflichtig Beschäftigter.
    Das wird halt von den Politikern gerne vergessen ..

    Das demographische Problem betrifft nicht nur die Renten, sondern auch die Finanzmärkte: Heute gibt es eine hohe Nachfrage an den Finanzmärkten, weil alle fleissig Kapital aufbauen (direkt an den Börsen, über Fonds, Versicherungen, ..). Hohe Nachfrage = hohe Preise / Kurse.
    Wenn nun in 20 Jahren alle anfangen, den Geldfluss umzukehren, sprich, ihr Erspartes langsam wieder abschöpfen, dann kommt es zu einem hohen Angebot. Hohes Angebot = niedrige Preise / Kurse.

  7. #6
    Avatar von Nokhu

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Unter diesen Voraussetzungen quäle ich mich jeden Morgen "gerne" aus dem Bett.

    50 Jahre einzahlen, und dann das Essen in der Bahnhofs-Mission abholen.

  8. #7
    Avatar von Dieter1

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Zitat Zitat von kcwknarf",p="341596
    Wenn man seinen offiziellen Wohsitz und sein Bankkonto in Deutschland behält, dann dürfte auch der Geldfluss weiter laufen.
    Und in Thailand gibt es genügend Bankautomaten zum Abheben.
    kcw,

    stimmt, so einfach geht das wenn man ein bischen flexibel in der Birne ist :-).

    Gruss Dieter

  9. #8
    Avatar von Lille

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    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    na dann ist es ja zeit fuer eine andere loesung. die rentner ab zur bundeswehr und auf allen krisen und kriegsschauplaetzen eingesetzt, wenn dabei einer umkommt hat der ja sein leben schon gelebt und es muss kein junger sterben der das leben und die beitragszahlungen noch vor sich hat.

    die kosten sinken da die rentner kaserniert werden zentral verpflegt und eingekleidet. vermoegen sofern noch vorhanden wird requiriert. ;-D



    mfg lille

  10. #9
    Sioux
    Avatar von Sioux

    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Die Rentenversicherung ist nicht mehr finanzierbar.

    Warum? Liegt das wirklich (nur) an den sinkenden Nachkommen und der weniger vorhandenen Arbeit? Wohl kaum.

    Entscheidender ist doch, die Entsolidarisierung der Reicheren und der grossen Unternehmensfuehrer. Sonst gaebe es hier durchaus konstruktive Loesungen. Wenn von denen keine Solidaritaet mehr kommt, werde ich auch nicht mehr solidarisch mit diesem System sein.

    Bye, bye, deutsche Rentenversicherung.

    Ich kann aber nur jedem raten, sich genau anzusehen, was er privat so fuer Vertraege abschliesst. Z.B. die viel zitierte Riesterrente zahlt beim Wegzug aus D keine staatlichen Praemien!

    Lasst euch blos nicht vorschnell von Versicherungen und Banken etwas aufschwatzen.

    Sioux

  11. #10
    Avatar von MisterB

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    77

    Re: Rente ins Ausland, wie lange noch?

    Netandy schrieb:
    Man braucht nämlich vor allem mehr sozialabgabenpflichtige Arbeitsplätze, mehr Kinder allein nützen absolut gar nichts. Finden die nämlich keinen vernünftigen Job ist sogar der gegenteilige Effekt der Fall, dann hat man Morgen nur ein paar Jugend-Arbeitslose mehr.[/quote]

    Ganz meine Meinung, das Märchen mehr Kindern als Alheilmittel für unsere Sozialversicherung wird durch das ständige Nachplappern unserer politischen Kaste nicht wahrer, solange diese Kinder später keine Arbeit haben. Und wenn ich sehe, wie schwer es schon heute auch für qualifizierte junge Leute ist, einen vernünftigen Job zu kriegen, kann ich mir nicht vorstellen, dass das in absehbarer Zeit besser werden könnte.

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