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Morgens, abseits von Silom und Sukhumvit

Erstellt von Tramaico, 08.09.2005, 08:11 Uhr · 2 Antworten · 818 Aufrufe

  1. #1
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Morgens, abseits von Silom und Sukhumvit

    7.45 Uhr. Wir, meine Frau und ich, oeffnen die Fronttuer und treten auf die kleine Soi, die um diese Zeit kraeftig befahren wird, durch einen sehr gemischten Personenkreis. Leute, die im eigenen Auto zur Arbeit fahren, Tuk Tuks, Mopedtaxis, viele davon mit Kindern und Jugendlichen in Schuluniform besetzt.

    Es soll zum ca. 1,5km entfernten Park gehen und somit machen wir uns auf den Weg zur naheliegenden Hauptstrasse. An der Ecke treffen wir den Eigentuemer der benachbarten Baustoff-Firma und wie immer wenn wir uns begegnen, tauschen wir ein freundlichen „Sawatdie“ und ein Laecheln aus. Da er diesmal auf einem Fahrrad sitzt, gibt es den zusaetzlichen Rat, es doch auf dem Highway zu versuchen denn da das Fahrzeug nur zweiraedrig ist, wird man vermutlich nur 10 Baht Mautgebuehren verlangen. Als Antwort ein noch breiteres Laecheln und ein „Daumen-ab Zeichen“.

    Weiter geht die Wanderung entlang der Hauptstrasse, vorbei am Polizistenkontrollpunkt. Da die nahe Ampel zwischenzeitlich auf rot geschaltet und sich somit eine Luecke im Verkehr aufgetan hat, wird die Chance genutzt schnellen Fusses auf die andere Seite der Strasse zu wechseln. Troedeln ist bei solch einem Unterfangen niemals angesagt, denn sobald die Lichtzeichenanlage die Farbe wechselt, bricht die Hoelle in Form einer knatternden Wolke blauen Rauches los. Eine breite zweispurige Front aus laermenden Zweiraedern, in zweiter Reihe gefolgt von Taxis, Privat-PKW’s, Containerlastzuegen und Pritschenwagen in jeglichem Erscheinungsbild und Zustand.

    Geschaft und der Fussmarsch wird fortgesetzt. Kurz vor dem Park kommt es immer zu einem Engpass, da dort verschiedene Strassenlaeden und Kleinrestaurants ihre Waren anbieten. Arbeiter verkoestigen sich noch auf die schnelle mit Gegrilltem, Reissuppe, Nudeln und weiteren kulinatischen Kostlichkeiten, gefolgt von den interessierten Blicken der zahlreichen streuenden Strassenhunde. Vor einem bretterverschlagaehnlichen Behausung ein Mann in der hier so typischen Hocke. Blosser Oberkoerper und nur bekleidet mirt Shorts. Sorgfaeltig und schon fast liebevoll, wird einer der Kampfhaehne auf Vordermann gebracht. Mit der flachen Hand streicht er das Gefieder glatt und der Vogel laesst es willig, oder gar geniesserisch, ueber sich ergehen. Ein erfolgreicher Kampfhahn ist ein guter Geldbringer und erreicht somit praktisch den Status eines Familienmitgliedes. Ein Sohn, der sich nur durch sein Auesseres mit Federn und Schnabel abhebt.

    Geschafft, am Park angekommen. Wohlbekannte Gesichter in der Gruppe der Mopedtaxifahrer, die auf Kundschaft warten. Die Hand wird zum Gruss erhoben und ein salopp gerufenes Sawatdie ausgetauscht, ein paar scherzhafte Floskeln gewechselt und manchmal auch im Vorbeigehen die Hand geschuettelt.

    Ebenfalls Begruessung durch den an einem Tisch sitzenden Parkwaechter in Form eines Lachelns und eines Weihs.

    Jetzt geht es auf die Piste, eine 850m lange Laufstrecke, die sich durch eine in sattem gruen praesentierenden Anlage windet. Ueberall bekannte Gesichter. Man kennt und begruesst sich, wie alte Bekannte. Eine Kommune von Personen, zusammengesetzt aus den Vertretern verschiedener Bevoekerungsschichten, die gemeinsam die frische Luft und die vom nahen Fluss herueberwehende Brise geniesst. Elexier fuer Geist, Herz und vor allem auch die durch die Grossstadt gestresste Lunge.

    Von hinten kuendigt sich auf einmal lauthals jemand mit Hallo-Rufen an. Unverkennbar Tong, Mitglied in der ansaessigen Laeufergruppe, im Gefolge drei weitere drahtige Jogger. „Come on“ und auffordernde Gesten unser Tempo zu beschleunigen. Winke ab mit Hinweis auf das eigene bereits fortgeschrittene Alter, mueden Beinen und dass man eben nur ein schwaechlicher Farang sei. Lachend und winkend zieht die Gruppe vorbei.

    Heute nacht hatte es geregnet und der Parcour ist nass und es ist schwuel. Tropen pur, aber zum Glueck ist da noch der leichte vom Fluss kommende Windzug. In der naechsten Biegung eine Ueberschwemmung, der die Parkpfleger mittels einer Pumpe versuchen Herr zu werden. Rufe ihnen zu, ob wir jetzt hier einen neuen See zum Fischefangen haetten und ein durch das Wasser watender gutbekannter junger Parkpfleger mit breitem Strohhut erwidert, dass er jetzt unter die Reisbauern gegangen sei.

    Weiter geht es und dort ist auch Allen, ein seit 12 Jahren ansaessiger Israeli, der sich gerade mit Klimmzuegen beschaeftigt. Ein zugerufenes Hallo und ein paar angedeutete Bodybuildingposen zur Begruessung.

    Somit ein morgendliches bunter Treiben im Park, waehrend sich nahe die mayestaetische Bruecke (sapahn kwaen) ueber den Chayo Prayha spannt. Auf der anderen Seite des Flusses das beeindruckende turmartige Hauptquartier der Kasikorn-Bank. Davor Schiffe und Boote in allen moeglichen Variationen und Groessen. Diese Szenerie gepaart mit der Ruhe im Park mutet fast paradisisch an und hat einen entspannenden Effekt. Dort hinten sitzen zwei weitere Bekannte indischer Nationalitaet auf einer Bank und schauen dem Treiben auf dem Fluss zu. Auf der Wiese die Damengruppe in einem Kreis bei ihren taeglichen Yoga und Streckuebungen. Oh, ihn habe ich schon lange nicht mehr gesehen, den Herren im mittleren Alter der gewoehnlich unter Verwendung eines Stockes Kung-Fu verwandte Gymnastik betreibt.

    In der Ecke die Laeufergruppe, die sich nach vollbrachten Training zum Trinken (Alkoholgenuss wie auch Rauchen ist allerdings im Park verboten), Essen und Schwatzen zusammenfindet. Bei den meisten handelt es sich um Geschaeftsleute mit unverkennbarem chinesischem Einschlag oder auch Beamte, die hier Entspannung vor Beginn des Arbeitstages suchen. Man plaudert, lacht und ist ungezwungen und die Sportbekleidung laesst Raenge und Hierarchie vergessen. Hier ist jeder willkommen und man respektiert sich, doch es gibt auch ungeschriebene Gesetze, die es zu beachten gilt. Ueber Geschaeft, Geld und persoenliche Probleme spricht man nicht, denn dieses ist absolut nicht der Ort dafuer, obwohl es natuerlich immer passieren kann, dass man gegebenenfalls unter anderen Umstaenden einmal aufeinandertrifft.

    Wer weiss, ob es sich dann nicht zeigt wie gut es ist sich zu kennen oder jemanden zu kennen, der jemanden kennt. Ein wichtiges, wenn nicht gar das wichtige Kriterium in Asien.

    Abseits vom Trubel und vom Tourismus zeigt sie ihr anderes Gesicht und laesst voellig vergessen, dass sie einen zweifelhaften Ruf in der Welt hat.

    Idylisch, ruhig, mit Vogelzwitschern, frischer Luft und sattem Gruen und so ueberaus asiatisch praesentiert sie sich hier, diese 10 Millionen Metropole. Bangkok, die Hauptstadt von Thailand, die viel mehr zu bieten hat, als nur eine einzige Nacht.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von x-pat

    Registriert seit
    06.11.2003
    Beiträge
    7.208

    Re: Morgens, abseits von Silom und Sukhumvit

    Tramaico: ...es soll zum ca. 1,5km entfernten Park gehen...

    :O Was zum Teufel? Du sitzt nicht am Computer und arbeitest.

    Tramaico:...denn sobald die Lichtzeichenanlage die Farbe wechselt, bricht die Hoelle in Form einer knatternden Wolke blauen Rauches los.

    Und dann möchte man nicht auf dem Mittelstreifen stehen. Ist mir auch schon passiert.

    Tramaico:Somit ein morgendliches bunter Treiben im Park, waehrend sich nahe die mayestaetische Bruecke (sapahn kwaen) ueber den Chayo Prayha spannt.

    Warst du schon mal abends da? Sehr schöne Sonnenuntergänge über dem Chaophraya und Kasikorn Thai Lichtspiele.

    Cheers, X-Pat

  4. #3
    Tramaico
    Avatar von Tramaico

    Re: Morgens, abseits von Silom und Sukhumvit

    Zitat Zitat von x-pat",p="273443
    [color=indigo]
    :O Was zum Teufel? Du sitzt nicht am Computer und arbeitest.
    Cha, cha noi na khrab. Spaeter dann natuerlich. Erst muss doch der Geist freigemacht werden fuer kreative Hoechstleistungen. Ist heutzutage gar nicht mehr so einfach Kunden von ihrem Geld zu trennen. Das muss wohl durchdacht werden ;-D

    Und dann möchte man nicht auf dem Mittelstreifen stehen. Ist mir auch schon passiert.
    Leben und leben lassen, auf siamesisch ;-D

    Warst du schon mal abends da? Sehr schöne Sonnenuntergänge über dem Chaophraya und Kasikorn Thai Lichtspiele.
    Nee, DANN arbeite ich gewoehnlich. ;-D Aber ich kann zumindest Bruecke und Kasikorn von meiner Behausung sehen und auch ein paar Masten und Schornsteine von den groesseren Schiffen. Ausserdem wenn es dunkel wird gehe ich doch nicht mehr vor die Tuer, denn wer weiss denn, was da alles auf einen lauert, wenn man die vielen Mythen ueber die Stadt und seine Bevoelkerung hoert

    Gruss,
    Richard

    P.S.: Hat ja wieder richtig geschuettet heute nacht, mit Blitz und Donner vom Feinsten. Muss an der Regenzeit liegen. Dafuer waren dann aber die Hunde draussen nicht in der ueblichen Belllaune, doch gluecklicherweise sprangen die Kroeten (kang kog) ein

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