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Mädchenhandel vor der Haustür

Erstellt von mipooh, 24.04.2006, 06:32 Uhr · 94 Antworten · 6.387 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von mipooh

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    Mädchenhandel vor der Haustür

    Heute habe ich eine wahre Begebenheit erfahren, die in unmittelbarer Nähe stattfindet und wo ich einzelne beteiligte Personen kenne.

    Aber mal der Reihe nach.
    Neulich war die Restaurantbesitzerin (fred2 wird sich zumindest erinnern, aber evtl auch Leute, die den Aussteiger-Thread gelesen haben) etwas bedrückt und erzählte uns, ihr 15jähriger Sohn sei mit einem 17jährigen Mädel aus der Nachbarschaft durchgebrannt.

    Hintergrund war, dass sie einen Mann aus dem Isaan heiraten soll, den sie überhaupt nicht kennt, nie gesehen hat. Es gab vorher eine Freundschaft mit dem 15jährigen, und er war Manns genug, ihr bei der Flucht zu helfen.

    Möglicherweise oder angeblich kam es auf der Flucht zu einer Romanze zwischen den beiden, was ihre Familie veranlasste, sich zur Mutter (der Restaurantbesitzerin) zu begeben. Ihr wurde erklärt, dass die Entehrung der Tochter eine Heirat zur Konsequenz haben müsse, um die Familienehre wiederherzustellen. Geld wollten sie angeblich keines.

    Daraufhin gelang der Mutter des 15jährigen Kontakt zu ihnen aufzunehmen, sie kamen zurück, wurden natürlich zunächst getrennt und die traditionellen Gespräche begannen.

    In denen war auf einmal von 6/6 die Rede, also 60 000 Bath und 6 Bath Gold. Was die Restaurantbesitzerin keinesfalls aufbringen kann. Der Sohn, ein ziemlich braver traditionell erzogener Thai, ist inzwischen nach BKK abgereist um arbeiten zu gehen. Die Schule will er nicht weitermachen.

    Wendung bei der anderen Familie, das Mädchen wird unter ständiger Bewachung gehalten, damit sie nicht wegrennt. Inzwischen hat sie auch "eingesehen", dass sie sich für die Schulden der Familie opfern muss. Sie muss einige Tage mit dem wildfremden Husband überstehen, etwa nach 3 Monaten kann sie ohne finanzielle Einbußen der Familie weglaufen. Inwieweit das Mädel wirklich umgedreht wurde oder nur mitspielt um evtl doch noch eine Chance zum Weglaufen zu bekommen, ist noch unklar.

    Auf meine Frage (da ja "jeder weiss" was da abgeht), ob denn nun das ganze Dorf sich an dem Mädchenhandel und dem Betrug an dem Isaaner beteiligt, wurde mir gesagt, dass man dagegen nichts tun könne. Würde man dem Isaaner einen Tip geben, könne es dazu führen, dass die Familie zur Polizei geht und der Tipgeber den Schaden bezahlen muss. Ausserdem kümmert man sich nicht um die inneren Angelegenheiten einer anderen Familie. Zur Not würden die Übeltäter genügend zusammenlügen um den "Anschwärzer" zur Strecke zu bringen (was mir wieder unter den zivilisierten menschen bekannt vorkommt). Man findet das zwar auch nicht ok, aber man könne nichts machen.

    Ich kenne nicht das Mädchen und ich kenne nicht die Familie, hoffe ich wenigstens. Ich weiss auch nicht was ich tun würde, wenn ich Näheres wüsste. Ich würde bei irgendeiner Aktion wohl riskieren, unangenehm aufzufallen, mit allen möglichen Folgen. Manchmal kotzt es mich auch an, hier zu leben....

    Nachbemerkung. Ich lebe jetzt 4 1/2 Jahre in TH und davon gute 3 Jahre hier. Dies ist das erste Mal, dass ich eine solche Geschichte so nah erlebe. (Habe sowas früher allenfalls im Forum gelesen) Ich habe selber Sinsot bezahlt und das war meine eigene Idee. Es wäre bei uns locker auch ohne gegangen. Ich finde auch nicht die Tradition des Sinsot erbärmlich, sondern Auswüchse wie diesen, in denen ich nichts anderes als Menschenhandel erkennen kann. Die Schulden der Familie sind für mich keine Rechtfertigung, aber ich gestehe, ich habe sie nicht und ich bin nicht vergleichbar arm. Vielleicht ist es da leichter zu richten.

    Zumindest bin ich heute etwas bedrückt und reichlich nachdenklich. Meine Frau scheint mir momentan wenig berührt (ausser vorhin im Restaurant), sie ist wohl weit Schlimmeres gewöhnt.

  2.  
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  3. #2
    Paddy
    Avatar von Paddy

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Hallo Mipooh,

    dass der Issaner Geld verliert, wenn das Mädchen wieder abhaut, ist m. E. nicht so schlimm, wie der Zwang der ihr angetan wird.

    Da sie wahrscheinlich keine Ausbildung hat und auch weiter weg müsste, würde sich evtl. anbieten, daß sie nach Bangkok geht und sich von goodwillbangkok helfen lässt. Die würden ihr neben einer Ausbildung auch zu einer Arbeitsstelle verhelfen und sie wäre zudem in der Nähe ihres Freundes.

    Schwierig nur, ihr diesen Tipp bzw. die Adresse zukommen zu lassen, ohne sich selbst zu gefährden. Sei da bitte sehr vorsichtig.

    Gruss
    Paddy

  4. #3
    Avatar von mipooh

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    6.152

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Es scheint komplizierter als es sich in der Beschreibung liest. Ich denke kaum, dass dieses Mädel den Mut aufbringt, sich einer Organisation zu offenbaren und auch die Konsequenz, die Familie zu "verstoßen".
    Ich muss mich hüten, da aktiv zu werden, das mindeste was mir angelastet werden würde, ist Mißachtung der Thaikultur.
    Ich sag da nur, von Kultur-keine Spur. Hab ich auch in D über D gesagt.
    Die Bosheit der Menschen ändert sich nur in den konkreten Äusserungen, nicht im Kern. Hier wie dort.

  5. #4
    Godefroi
    Avatar von Godefroi

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Wenn man tief innerhalb eines soziokulturellen Kontexts steckt, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    Aber selbst wenn man ihn sieht, sich zu lösen und das _menschlich_ richtige zu tun erfordert neben dem Empfinden für die Mitmenschlichkeit auch Charakter und Stärke, die viele nicht haben. Denn man muss sich gegen Traditionen stellen, und mit der Kritik derer, die die 'Tradition' auf ihrer Seite wähnen, durchsetzen.

  6. #5
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Zitat Zitat von Achim",p="339580
    Denn man muss sich gegen Traditionen stellen, und mit der Kritik derer, die die 'Tradition' auf ihrer Seite wähnen, durchsetzen.
    Wobei die möglichen Konsequenzen für einen in Thailand lebenden Deutschen andere Dimensionen annehmen können als für einen in Deutschland lebenden Deutschen.
    Der Konflikt und das Ohnmachtsgefühl dürfte für dich, mipooh, ungleich größer sein.

  7. #6
    Avatar von Samuianer

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    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Zitat Zitat von Kali",p="339586
    ...Der Konflikt und das Ohnmachtsgefühl dürfte für dich, mipooh, ungleich größer sein.
    Gut erkannt, geht es hier um "Dinge die einem Nichts angehen".Wie das in der Thaigesellschaft gehandhabt wird, wuerde ich unabdingbar den Leuten, die es betrifft, ueberlassen.

    Der Konflikt, den Kali da anspricht, kann, jeh nach dem wer, oder was da fuer "Elemente" involviert sind, ganz ueble Formen annehmen. Bis hin zu den beruehmten "blauen Bohnen"... Fuer was? Fuer die "Ehre", die "freiheit" einer x-beliebigen Person auf diesem Planeten? Davon hats mal locker 2 Milliarden, locker!

    @mipooh: danke fuer die PN, das ich mir keine Muehe gemacht habe diese zu beantworten wirst du ja mit Sicherheit verstanden haben.

    Frage: "Ist dir 'da Oben' eigentlich ganz derb langweilig?"
    Halte deine Finger aus diesen Geschichten, sonst klemmst du dir sie nochmal ganz boese....das geht dich "Nichts an!" Und kein Mensch wird dir, hier Versstaendniss dafuer entgegebringen, wenn da fuer dich und deine Frau mal ploetzlich was schief laeuft und IHR steht da ploetzlich "im Regen"...dann sieht es in laendlichen, kleinen Kommunenen schlecht fuer "Fremde" aus.

  8. #7
    Avatar von alhash

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    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Das sehe ich genauso. Nach 4,5 Jahren sollte unser mipooh doch eigentlich mitbekommen haben, was hier so läuft.

    Ich gebe zu, auch für mich war und ist es noch ein Umdenkungsprozess.

    Gruß
    AlHash

  9. #8
    Monta
    Avatar von Monta

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    Ähnliche Vorkommnisse und die damit verbundene Ohnmacht als Ausländer, waren mit ein Grund dafür, warum ich wieder nach Deutschland zurück gekehrt bin.

    Gruß
    Monta

  10. #9
    Avatar von alhash

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    4.824

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    [mod:975d9e3f78="Serge"]Beitrag geloescht.[/mod:975d9e3f78]

  11. #10
    Sioux
    Avatar von Sioux

    Re: Mädchenhandel vor der Haustür

    So etwas gibt es genauso in Deutschland.

    Noch immer zahlreich bei unseren islamischen Mitbuergern.

    Bis vor gar nicht langer Zeit war so etwas auch auf dem platten Land noch gang und gaebe.

    Bauer X verheiratet seinen Sohn mit Bauer Ys Tochter.
    Die Kinder hatten da kaum mitzureden.

    Da muss man nicht nach Thailand gehen um so etwas zu erleben.

    Ich gebe Samuianer recht, wer sich da einmischt, der kriegt enorme Schwierigkeiten.

    Sioux

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