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Kurs ‚Thailändisch Kochen’

Erstellt von Mang-gon-Jai, 29.06.2002, 12:19 Uhr · 61 Antworten · 3.556 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    Ich habe gerade einen VHS-Kurs beendet (abgebrochen) – ‚Thailändisch Kochen’. Ich muß Euch einfach davon erzählen, es war nämlich recht lustig.
    Ich hatte von diesem Kurs in der Zeitung gelesen. Da ich abends nichts besseres zu tun hatte, beschloß ich also hinzugehen. Jindi wollte mich nicht begleiten, sie hatte es nicht nötig, Jindi ist Köchin.
    Die Kursleiterin war eine Thai. Sicher war sie eine gute Köchin, hatte aber einige Probleme. So sprach sie zum Beispiel kein Wort Deutsch.
    Aus diesem Grunde hatte sie ihren Ehemann mitgebracht. Der sprach natürlich deutsch, immerhin war er ja Deutscher.
    Der Ehemann hatte jedoch auch ein paar Probleme. Er sprach kein Thai. Weiterhin war er total betrunken.
    Gemeinsam versuchten nun die beiden, den Kursteilnehmern allgemeine Dinge, Organisation usw. zu erklären. Kein Mensch verstand auch nur ein Wort.
    Schließlich bot ich mich als Übersetzer an. Das löste allgemeines Erstaunen unter den anderen Kursteilnehmern aus. Wie kann man denn nur solch eine Sprache verstehen?
    Der Ehemann der Thaifrau guckte mich böse an. Dann ging er, kam jedoch nach ein paar Minuten zurück. Er hatte sich ein paar Flaschen Bier vom Kiosk nebenan geholt. Jetzt saß er an einem freien Tisch und goß sich langsam aber sicher zu.
    Mit meiner Hilfe erklärte die Thaifrau den Kursteilnehmern das weitere Vorgehen.
    Außer den Kursgebühren, die bereits an die Volkshochschule bezahlt worden waren, würde sie regelmäßig etwas Geld einsammeln um die Zutaten für die Gerichte einkaufen zu können.
    Einspruch von einer Teilnehmerin: „Ich habe alles schon im Voraus bezahlt. Daß jetzt noch weitere Kosten für Lebensmittel hinzukommen, hätte man mir sagen müssen. Da kann ich ja gleich im Restaurant essen gehen (es war allerdings im Programmheft der VHS daraufhingewiesen worden, sie hatte es jedoch nicht gelesen).
    Nachdem sie sich murrend gefügt hatte, kamen die nächsten Probleme: Die Teilnehmer (12 Leute) wurden in sechs kleine Gruppen zu je 2 Personen aufgeteilt. Es gab nämlich sechs hervorragend eingerichtete Küchenzellen.
    Hier wollten nun unbedingt fünf Frauen zusammenbleiben. „Wir sind Freundinnen“, erklärten sie. „Niemand und nichts kann uns trennen“ (jedenfalls nicht heute Abend).
    Nach endlosen Diskussionen (ich mußte übersetzen) fügten sich endlich auch die fünf Frauen.
    Fast hätte es losgehen können, wenn nicht eine Teilnehmerin (es waren übrigens außer mir alles Frauen) gefragt hätte, was den mit den zubereiteten Speisen gemacht werde.
    „Die werden wir essen“, übersetzte ich die Antwort der Kursleiterin.
    Großes Erstaunen bei der Frau: „Das essen wir selbst? Ich dachte das spenden wir an Kinder- oder Altenheime!“
    Der Ehemann der Kursleiterin hatte sich zwischenzeitlich wieder neues Bier geholt und bot mir auch eine Flasche an. Er schien etwas traurig, als ich ablehnte. Doch er trug diesen Schicksalsschlag mannhaft und goß sich allein weiter zu.
    „Machen wir denn das Essen so scharf, wie thailändisches Essen?“, mußte ich übersetzen.
    „Natürlich“, antwortete die Kursleiterin. „Wir werden natürlich Chilis verwenden. sonst schmeckt es nicht, sonst ist es ja auch kein thailändisches Essen.“
    Allgemeine Empörung! Nach weiterer Diskussion einigten wir uns (ich wurde überstimmt), Thaiessen zu kochen, aber keine Chilis zu verwenden.
    „Und keine Fischsauce!“, wandte eine andere Teilnehmerin ein. Auch ihr wurde zugestimmt. Stinkende Fischsauce im Essen? Igitt!
    „Ich habe gehört, daß die Thai viel Glutamat ins Essen tun“, erklärte eine weitere Teilnehmerin. „Von Glutamat bekomme ich Kopfschmerzen. Glutamat ist sehr ungesund. Wenn Glutamat ins Essen kommt, mache ich nicht mit!“
    Es folgte eine längere wissenschaftliche Abhandlung über die Schäden, die Glutamat im menschlichen Körper, besonders im Gehirn, anrichtet. Diese Frau war Lehrerin, sie mußte es ja wissen.
    Nachdem nun allen Teilnehmern die Schrecken des Glutamatverzehrs klargemacht worden war, wurde mehrheitlich die Verwendung von Glutamat abgelehnt.
    Auf meine Frage, ob denn etwas gegen Gemüse einzuwenden sei, wurde ich lediglich strafend angesehen und man versuchte mich zu ignorieren.
    Auch der Ehemann der Kursleiterin meldete sich zu Wort. Lallend warf er ein paar Sätze in die Diskussionsrunde, wurde jedoch von niemandem verstanden. Er erntete ebenfalls abwertende Blicke.
    Zum Kochen kam es nicht mehr. Alle Teilnehmer waren sich einig, daß man mit den praktischen Übungen am zweiten Kursabend beginnen wolle.
    Nachdem nun alle organisatorischen Dinge geklärt sein, könne man heute etwas früher Schluß machen und vielleicht irgendwo gemeinsam noch etwas essen gehen.
    „Ja, thailändisch!“, warf eine Teilnehmerin ein.
    Ich bin nicht mit essen gegangen. Ich hatte Sorge, daß in dem Restaurant Chilis, Fischsauce oder gar Glutamat verwendet wird.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Jinjok

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    Re: Kurs ,Thailändisch Kochen'

    Hallo MangGon
    Ohne Deine literarischen Fähigkeiten schmälern zu wollen: Die besten Satiren schreibt das Leben selbst. ;-D

    Mann was mußt Du an dem Abend durchlitten haben. Die "Dozentin" tut mir fast noch mehr leid. Sie hat diesen Mann am Hals und jetzt noch den Kurs der Ignorantinnen. Au Backe!

    Bekommst Du jetzt Dein Geld zurück weil Du dem Kurs nicht hättest folgen können, da Du permanent überstzen müßtest?


    In abwandlung eines Spruches eines ehemaligen Doppelpartners: Eigentlich wäre es ja traurig, wenn es nicht so lustig wäre!


    Jinjok

  4. #3
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    @Jinjok
    Die besten Satiren schreibt das Leben selbst.
    Stimmt! So etwas kann man sich nicht ausdenken.
    Übrigens stimme ich Dir voll zu: Die Kursleiterin tat mir auch sehr leid. Sie gab sich wirklich Mühe, konnte sich jedoch leider gar nicht durchsetzen. Das Verhalten ihres Gatten war ihr sichtlich peinlich. Schließlich stimmte sie allem zu (ahaan thai ohne nam-plaa, chu-rot und prik).
    Wenn ich etwas Zeit finde, werde ich Euch noch vom zweiten Abend berichten. Ich bin nämlich zwei Abende hingegangen.

    Gruß

    Mang-gon Jai

  5. #4
    xenusion
    Avatar von xenusion

    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    @MGJ

    selten habe ich so gelacht beim Lesen eines Postings. Wenn ich mir nun noch vorstelle, dass die das neu erworbene Wissen bei der nächsten Tupperparty (r) zur Anwendung bringen werden!
    Kommt bei Teil II Heinz-Catchup ins Spiel?
    Das muss ja schmecken wie bei "Thai-Wochen bei McDoof".

    Xenu

  6. #5
    Avatar von Peter-Horst

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    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    die irgnoranz macht ja selbt vor einem Kochkurs nicht halt.

    Dachte immer man geht dahin um was zu lernen nicht um
    zu diskutieren und zu motzen.


  7. #6
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    Mangonjai, ich weiß nicht,was ich mehr bewundern soll: Die Trinkfestigkeit des Ehemannes oder Dein mangelndes Durchhaltevermögen.

    Soetwas gibt's wirklich in keinem Film, nur im richtigen Leben.

    Gruß, Kali

  8. #7
    Avatar von Mang-gon-Jai

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    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    Kurs ‚Thailändisch Kochen’ - Teil 2

    Der zweite Abend:
    Ich fuhr zur Schule. Unterwegs sah ich sie, unsere Kursleiterin. Zu Fuß schleppte sie Tüten und Taschen in Richtung Schule.
    Natürlich hielt ich an und forderte sie auf, einzusteigen.
    Sie war sichtlich froh, die vielen Taschen nicht weiter tragen zu müssen.
    Auf der Fahrt erzählte sie mir, daß ihr Mann heute nicht mitkomme. „Samii hüng (mein Mann ist eifersüchtig)“, meinte sie.
    Eifersüchtig auf mich etwa? Dazu gab es eigentlich keinen Grund.
    Wir schafften die vielen Taschen hinauf (3 Treppen) in die Lehrküche. Erst eine Teilnehmerin wartete bereits dort.
    Ihr müßt Euch die Räumlichkeiten etwa so vorstellen:
    In einem recht großen Raum sind, um die Mitte herum, sechs kleine, hervorragend eingerichtete Lehrküchen angeordnet. Die Trennwände sind lediglich etwa 120 cm hoch. Der Lehrer (Ober-Chefkoch) befindet sich im Mittelpunkt dieser Anordnung und kann von hier aus die Küchen einsehen.
    Unsere Kursleiterin gestand mir, daß sie Angst habe - Angst vor dieser Gruppe. Die Teilnehmer sind alle ‚phuu jai’ wichtige Leute, während sie nur ein Bauernmädchen aus dem Issaan sei.
    Sie machte wirklich den Eindruck, Angst zu haben. Irgendwie tat sie mir leid.

    Langsam kamen auch die anderen Kursteilnehmerinnen und wir waren vollständig. Unerwartet schnell klappte es, die sechs Gruppen zu je zwei Leuten zu bilden, die sich dann je eine der Lehrküchen teilten.
    Wie nicht anders zu erwarten, war ich mit der Lehrerin zusammen, der Fachfrau zum Thema ‚Glutamat’.
    Sie erzählte mir, daß sie bereits zwei andere Kochkurse besucht habe. Erst türkisch, dann chinesisch und jetzt diesen Kurs. Sie wolle in ihrer Schule ein Projekt mit den Kindern starten. Das Thema sollte ‚Die Küchen unser Welt’ heißen. Zwar wisse sie grundsätzlich über die thailändische Küche Bescheid, doch könne es sicher nicht schaden, sich das ganze einmal praktisch vor Augen zu führen. Nein, schaden konnte es sicherlich nicht.
    Ich erfuhr auch recht viel neues über Thailand:
    Die Thai zerstören ihre Umwelt durch die ungeheure Ansammlung von ‚Shrimps-Farmen’ an den Küsten.
    „Shrimps esse ich für mein Leben gern, wenn sie nur nicht so teuer wären – aber soooo gesund“, war ihr weiterer Kommentar.
    Auch daß Thailand wirtschaftlich viel weiter sein könnte, erfuhr ich. Wenn der König die richtigen Berater ins Land hole (etwa sie?), würde das Land geradezu wirtschaftlich explodieren. Die Einwohner (glücklicher Weise sagte sie nicht ‚Eingeborenen’ ) Thailands sind nämlich großen Teils gar nicht so dumm, erfuhr ich.

    Gleich am ersten Tag sollte es mein Leibgericht geben – Thom khaa gai.
    Mit Hilfe meiner Übersetzungskünste gelang es, die Zutaten auf die Gruppen aufzuteilen. Hier blamierte ich mich etwas, denn es fiel mir beim besten Willen nicht der deutsche Begriff für die ‚Khaa-Wurzel’ ein.
    Meine Lehrerin bestand darauf, daß es sich um Ingwer handele. Sie war durch nichts zu überzeugen. Als ich ihr ein ganz kleines Stück zum probieren gab, fühlte sie sich auch noch bestätigt: „Malaiischer Ingwer“! Man lernt eben nicht aus.
    „Von diesem ‚Malaiischen Ingwer’ wollen wir nur ganz wenig nehmen“, schlug sie vor. „Der Geschmack macht das Essen für Europäer ungenießbar. Gewürze jeder Art nimmt man stets nur so wenig, daß man das Gewürz nicht herausschmecken kann“, lernte ich hinzu.
    Außerdem waren ihr die Nebenwirkungen des ‚Malaiischen Ingwer’ momentan entfallen. Schon aus Sicherheitsgründen sollten wir also recht sparsam damit umgehen.
    Erstaunlicher Weise war Frau Lehrerin ein Fan von Kokosmilch. Ich erwischte sie sogar, als sie einen Eßlöffel davon naschte.
    Kokosmilch kam also recht viel in unser Essen. Kokosmilch und Hühnerfleisch – mehr nicht, denn auch die anderen Zutaten waren ihr recht suspekt. Zitronengras war zu hart (sicher auch ungesund), also ungenießbar. Die Zitronenblätter hielt sie für Lorbeer. Lorbeer mochte sie nicht.
    Unsere Kursleiterin empfahl, einige kleingeschnittene Zwiebeln hinzuzugeben. „Sicher lecker aber nicht gut – wegen der Verdauung.“
    Letztlich hatten wir warme Kokosmilch mit einigen Stücken Hühnerfleisch darin. Genauso schmeckte es auch.
    „Nicht schlecht und auch nicht zu scharf“, war ihr Kommentar, „aber der richtige Pfiff fehlt bei all diesen exotischen Speisen. Da ist unsere Eßkultur doch irgendwie weiter. Unser Essen hat Geschmack, nicht nur Schärfe.“
    Sie hatte ja so recht.

    Eigentlich müßte ich am nächsten Donnerstag wieder hin, aber ich glaube, ich bleibe zu Hause und lasse mir von Jindi eine ungenießbare und ungesunde thailändische Speise zubereiten. Ich denke da an Tom jam gung. Shrimps sind ja soooo gesund.


    Guten Appetit

    Mang-gon Jai

  9. #8
    Farang
    Avatar von Farang

    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    Bitte höre nicht auf zu erzählen ich lieg vor lachen , am härtesten finde ich den Mann der Kursleiterin.. Ballert sich den Kopp zu während seine Frau versucht Thailändischen Kochkurs zugeben heheh

    Gruß

    Edit: Meine freundin würde mich totschlagen wenn ich mir vor sovielen Menschen die Kante geben würde und sie wäre auch noch ausgerechnet dabei.

    Letzte Änderung: Farang am 29.06.02, 16:37

  10. #9
    Avatar von Peter-Horst

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    2.314

    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    Bitte Bitte geh wieder hin.
    Deine Bericht sind einfach durch nicht zu schlagen.
    Ich hab gerade meine geküsst und den Zufall und dem
    Schicksal gedankt das ich nicht eine von Deinen Kursteil-
    nehmerinnen meine Frau sind. Denn dann wäre nur noch der Tot ein
    ausweg.

    Aber geh bitte wieder hin und begräftige Sie in Ihrer
    doch so 9mal Klugen Meinung über die Thai Küche.

    Da kaufen Die uns wenigsten nicht die Zutaten weg.

    Denn auch bei mir geht die Liebe durch den Magen.

  11. #10
    Avatar von Peter-Horst

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    2.314

    Re: Kurs ‚Thailändisch Kochen’

    Die von Dir genannte Wurzel ist Galgant.

    Hab gerade Sangwian um die Übersetzung gebeten.


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