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KOTAU in Thailand

Erstellt von DisainaM, 11.10.2003, 12:45 Uhr · 7 Antworten · 2.178 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

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    KOTAU in Thailand

    Wir kennen den Begriff des KOTAU aus dem Chinesischen;

    http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/k/kotau.htm

    Kotau (chines.), aus dem kaiserl. China stammende Unterwürfigkeitsbezeigung, Verbeugung.[/url]

    Diese Autoritäts- und Unterwürfigkeitsbezeugung haben in China eine alte Tradition, denen heute noch eine besondere Bedeutung zukommt.

    Vor dem Familienaltar werden kleine Speisen als Opfergaben für die Ahnen ausgebreitet. Manchmal wird auch Salz ins Feuer gestreut; so soll den Ahnen Respekt erwiesen werden. Von ihnen erwarten sich Chinesen Schutz und Beistand. Die Jungen wünschen den Alten alles Gute und vollziehen in konservativen ländlichen Familien vor dem ältesten männlichen Familienmitglied den traditionellen Kotau als Zeichen der Verehrung und Anerkennung der Autorität. Dafür erhalten sie von ihren Eltern Geschenke, die diese im Trubel der vorfestlichen Zeit eingekauft haben. Symbolisch werden den Kindern auch kleine rote Umschläge (Hongbao; so werden in China auch Bestechungsgelder genannt) geschenkt, in denen mit rotem Papier umwickeltes Geld enthalten ist.
    http://www.google.de/search?q=cache:...hl=de&ie=UTF-8

    Bei diesen rituellen Handlungen, welche im Westen oft fälschlicherweise als Höflichkeitsfloskeln verstanden werden,
    und schließlich sogar von unseren politischen Vertretern angewendet werden,
    http://www.falundafa.ch/de/Meinungen...ikel/kotau.htm
    geht es um eine weit aus größere Bedeutung von Angebotender Dienerschaft.
    Daher entsteht bei der Person, vor der gehuldigt wird, eine Erwartungshaltung.
    Wird jedoch die angebotene Dienerschaft nicht erfüllt,
    (nicht eingehaltende Bringschuld)
    steht dem damit verletzten das Recht für ein Bestrafungsritual zu.

    Jeder, der sich ein wenig mit diesen Automatismen beschäftigt,
    kann Angst und Bange werden, wenn unsere Staatsvertreter so manche Erwartungshaltung produzieren.

    Eindrückliches Beispiel lieferte etwa Konrad Seitz, viel gerühmtes Wunderkind der Diplomatenriege des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher. Gleich bei seinem Amtsantritt in Peking, ließ Seitz 1996 den chinesischen Außenminister wissen, "lassen sie uns das Gerede von den Menschenrechten vergessen, uns geht es um Wirtschaft." Nachfolger Hans-Christian Überschaer stand dem in nichts nach.

    Als er sich 1999 bei einem besonders tiefen Kotau im Pekinger Außenamt in einem vorauseilenden Akt des Gehorsams dafür entschuldigte, dass der deutsche Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa einen Satelliten an Pekings feindlichen Bruder in Taiwan liefern wolle, vermasselte er zwar das Geschäft. Dennoch war er offenbar guten Glaubens, den bilateralen Beziehungen einen großen Dienst erwiesen zu haben, weil ja in China immer noch größere Geschäfte winken.
    http://www.google.de/search?q=cache:...hl=de&ie=UTF-8

    Das der Umgang mit Unterwerfungsritualen nicht nur in der Politik,
    sondern auch in multikulturellen Beziehungen zu katastrophalen Konstellationen führt, liegt auf der Hand.

    In Thailand exsistieren eigene Formen des KOTAU,
    wobei die hier Beteiligten wohl am ehesten mit einer bestimmten Verbeugung vor dem Familienoberhaupt der Ehefrau zutun haben.

    Vereinfacht gesagt, wer vor dem Familienoberhaupt durch eine falsche Verbeugung die Dienerbereitschaft dokumentiert,
    darf sich nicht wundern,
    wenn diese mit all ihren Konsequenzen eingefordert wird.

    Dem gegenüber die richtige Verbeugung wäre diejenige,
    wo jemand, von einem höheren Stand bereit ist,
    die Dienerschaft der Tochter vom Vater zu übernehmen.

    Das würde jedoch vorraussetzen, das der Farang zunächst seine Verhaltensformen und Gestiken perfektioniert,
    bevor er sich auch nur annähernd mit dem Gedanken trägt, zu heiraten.

    Da solche Entwicklungen meist anders ablaufen (wie in der Politik),
    ist bei vielen das Erwachen er später.

    Wer dann seine Bringschuld nicht erfüllt,
    weil er seine finanzielle Hilfe nicht in dem Moment leistet,
    wo sie angefordert wird, darf sich später nicht wundern,
    wenn das Familienoberhaupt aus Thailand seiner Tochter wissen läßt,
    das der Farang für seine Respektsverletzung zu bestrafen ist.

    Meist ist dies dann der Hintergrund für die Riege von enttäuschten Farangehemännern,
    die sich dann plötzlich von ihrer Frau übervorteilt fühlen.

  2.  
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  3. #2
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: KOTAU in Thailand

    Interessant, kann man das auch auf den Isaan übertragen, weil, das kam mir eher so kumpelhaft vor...

  4. #3
    Avatar von DisainaM

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    Re: KOTAU in Thailand

    Interessant, kann man das auch auf den Isaan übertragen, weil, das kam mir eher so kumpelhaft vor...
    Wenn Du Deinem Schwiegervater kumpelhaft einen Klapps auf den Rücken gegeben hast, mag das in der Situation vielleicht wirklich das Beste gewesen sein.


    Gruss

    DisainaM

  5. #4
    Avatar von DisainaM

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    Re: KOTAU in Thailand

    There are two different styles of sitting in salutation : the formal “benchangapradit” style and the “pubpiab” (“half prostration”) style. The “benchangapradit” style is used to venerate the “triple gems” of Buddhism i.e. the Lord Buddha, his Dharma teachings, and the Sangkha order of monks. The name derives from the fact that five (bencha) bodily extremities : the forehead, both hands and knees, are profferred on the ground to the worship of Buddhism. In action, the person sits upright on his haunches. He performs the “panom mue”, brings the hands up to his face to “wai” while bending the whole body forward to “krab” on the floor. The palms are actually placed flat on the floor and the forehead touches

    the floor between them. The process is always repeated three times. To “krab” highly respected people such as members of the royalty, the other seated attitude “pubpiab” is used. Here the person sits on the floor with both legs folded to one side of the body. He bends the torso forward and places both hands on the floor. In this case, however, the hands maintain the “panom mue” attitude on the floor.

    http://www.thaimyway.com/article/Sal...alutation.html

    ‘Kowtow’ or ‘Kotou ’ in Chinese means paying obeisance, ‘ Kow ’ means knock and ‘ Tow ’ means head. The Kowtow is the Chinese custom of touching the ground with the forehead, as an expression of respect, submission or worship. This is similar to the Burmese word ‘Gadau’ (written as Kantaw) means to pay obeisance with one’s hands clasped palm to palm and raised to touch one’s forehead and bow down to the ground.
    http://www.google.de/search?q=cache:...art=8&ie=UTF-8

  6. #5
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: KOTAU in Thailand

    Ich denke manchmal wird aber auch zuviel in diese fremdartigen Verhaltens- und Umgangsformen hineingelesen. Schließlich stehen doch Farangs außerhalb des Beziehungsgeflechtes in Thailand.
    Ich meine, die Thais wissen auch im Isaan, dass ich ein ignoranter Farang bin. Sie freuen sich zwar, wenn ich mal einen Wai (hoffentlich dem richtigen gegenüber) mache, aber ansonsten schien es bisher auch nicht so schlimm zu sein, wenn ich nicht versucht habe alles zu verstehen und dementsprechend zu handeln.

  7. #6
    Avatar von DisainaM

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    Re: KOTAU in Thailand

    ja Chak,

    es ist richtig, das viele Unterwerfungsrituale uns fremdartig erscheinen.

    Aus diesem Grunde hatte ich bewußt den Bogen über China gespannt.

    Wenn dort die deutsche Industrie die Auftragslage eruiert hat,
    und durch ihre 'Berater' feststellte,
    das Deutsche Politiker auf ihrer nächsten Chinareise den KOTAU machen müssen;
    (natürlich kriechen die Politiker nicht unbedingt körperlich vor den Füssen ihrer chinesischen Gesprächspartner)
    so überzeugen schließlich Lobbyisten die Berater im Aussenministerium,
    das es bei den richtigen Demutsgesten möglich sei,
    neue Aufträge für die deutsche Wirtschaft zu bekommen.

    Obwohl es auch möglich wäre, sich auf eine andere Gestikform in China zu verständigen;
    Zum einen wird das Grundprinzip der chinesischen Höflichkeit ‚sich selbsterniedrigen und andere respektieren’, zibei er zunren, zunehmend durch ‚Selbstachtung und gegenseitige Respektierung’, zizun hujing, ersetzt. Im zwischenmenschlichen Umgang sind deshalb immer weniger selbsterniedrigende Ausdrucksformen zu beobachten, während Respektierungen bzw. Aufwertung des Anderen nach wie vor eine dominierende Rolle in einem höflichen Miteinander spielen.
    http://www.chinapur.de/Knigge_fur_As..._web-gruen.htm

    will und kann Deutschland nicht unbedingt den Weg von Frankreich, Anfang der 90 Jahre gehen (Atombombenversuche),
    und auch nicht den Weg der USA gehen (Irakkrieg, Demonstration militärischer Stärke und Überlegenheit).

    Trotzdem wäre mehr Selbstachtung in einer kontrollierten Gestik besser, als sich zu klein zu machen.

    ---------------------------------------------------------------

    Wenn Farangs in Thailand aus ihrer Touristenrolle heraustreten,
    und in ein familiäres Beziehungsgeflecht einsteigen,
    dann kann man sich vor einigen unangenehmen Überraschungen schützen,
    wenn man nicht nur 'sein Ding macht', oder wie Du sagst,
    als ignoranter Farang sich auf 'mai pen rai'-Modus zurückziehst,
    sondern versuchst, die familiären Zusammenhänge, welche Einfluss für Deinen Partner haben, zu erkennen, und dabei ein respektiertes Verhaltensmuster zu entwickeln.

    Setzt natürlich vorraus, das man sich nicht nur als Patient in einer Beziehung verarzten lassen will.

    Je weiter man dabei erfolgreich ist, kann man sich einen Stand in der neuen Familie schaffen.

    Der Nachteil ist allerdings, das man die notwendigen Erfahrungen dafür nur durch vorherige, zerbrochende Thaibeziehungen bekommen kann.
    (dann macht man bestimmte Fehler nicht nochmal, und kann von Anfang an seine Position besser in einer neuen Familie einbauen.)

    Im Grunde fängt das Lernspiel schon in der ersten Thaibeziehung an, wo es darum geht, die Grenzen abzustecken,
    und dabei, je nach Schicht des Partners, die richtige Gestikform zu finden.

  8. #7
    Iffi
    Avatar von Iffi

    Re: KOTAU in Thailand

    @Chak,

    deine Bemerkung entbehrt nicht einer gewissen non-chalance.

    Es ist auch eine Frage des Standpunktes in der Argumentation.

    Wenn du dich selber in den Mittelpunkt stellst, und nicht weiter in die Tiefen der Thai-Verhaltensforschung einsteigen möchtest, kommst du mit deiner Einstellung wahrscheinlich für den Moment nicht schlecht über die Runden. So nach dem Motto: sie lächeln ja noch und mir ist nichts passiert.

    Aber vielleicht passiert was in den Köpfen der anderen. Welches du übrigens nie erfahren wirst. Zumindest nicht in einer Weise, das du bei irgend einem späteren "Schicksalsschlag" ein kausale Verbindung zu deiner "Ignoranz" (nicht böse gemeint) herstellen könntest.

    Dann stehste plötzlich da, und weisst nicht, was du falsch gemacht haben könntest, und noch schlimmer, bist für die Zukunft im Sinne von Vermeidung nicht gewappnet.

    Also ich fand es immer gut, mich ein bisschen schlauer zu machen. Reiner Selbstschutz und Zukunfst-Schicksals-Planung.

    Aber davon mal abgesehen. Ein Bemühen wird ja schon anerkannt und führt eigentlich nicht zu unangenehmen karmischen Erfahrungen eines späteren Tages.

    Da stimme ich mit DisainaM durchaus überein.

    Versuch mal das "Augenblinken" in einem anderen Posting von MrLuk so zu interpretieren. Dann könnte es vielleicht einleuchtender werden, warum das Schicksal von einem selber vorbestimmt ist, aber der Hammer (positiv oder negativ empfunden) von aussen kommt.

  9. #8
    Chak
    Avatar von Chak

    Re: KOTAU in Thailand

    Vielleicht kam in meinem obigen Kommentar der mai ben rai Effekt zu sehr in den Vordergrund.
    Ich meinte damit eigentlich, dass ich mich zwar schon bemühe, mir es aber auch egal ist, wenn ich nicht alles bis zum letzten verstehe. Da müssen die Thais sich eben auch ein wenig anpassen.
    meine Frau nutzt das übrigens auch wunderbar aus, indem sie, wenn sie unangenehme Dinge überbringt (etwa dieses oder jenes nicht will) mich vorschiebt.