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Journalismus und Thaiforen

Erstellt von Page, 02.05.2009, 08:31 Uhr · 25 Antworten · 2.823 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Page

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    Journalismus und Thaiforen

    Dies ist ein kleiner Versuch zu ergründen was leider im Moment in den Thailand News abgeht. Ein Versuch, dass nach dem lesen dieses Beitrags jeder kurz eine Pause macht und sich überlegt, ob er nicht selbst Manipulationen aufgesessen ist.
    Zumindest soll es ein Anreiz sein wieder zu einem Miteinander und nicht einem Gegeneinander zu finden. Schließlich reicht es, wenn andere am Rad drehen.

    Herzlichst
    Eure Sabine



    Wir leben in einer Zeit der Aufmerksamkeitsökonomie. Medien kämpfen untereinander nicht primär um Auflagen und Publikumszahlen. Sie kämpfen um Aufmerksamkeit.
    Der Kampf um Aufmerksamkeit, das macht ihn speziell, ist eine rein journalistische Domäne. Hier können die Marketingspezialisten aus den Verlagsetagen nichts ausrichten. Geld spielt auch kaum eine Rolle. Aufmerksamkeit entsteht durch Inhalte, verdichtet in Storys und Schlagzeilen. Je sensationeller und kontroverser, um so höher die Chance auf Aufmerksamkeit.

    Dies führt unvermeidlich zur Eskalation und Dramatisierung. Der Inhalt muss sich von einer simplen Nachricht durch einen so genannten Spin abheben. Also etwas, was ihn emotionaler macht. Die tiefste Eskalationsebene ist in der Regel der “Wirbel um…”. Die nächsten Steigerungsstufen sind dann der “Konflikt um…”, die “Krise um…” und der “Skandal um…”.

    Die Erzeugung des Skandals entsteht durch ein dreistufiges Modell der journalistischen Alltagsarbeit, bei dem wir auch einen kleinen Einblick in die Journalistensprache bekommen. Es beginnt erstens mit dem Schrauben, auch Drehen genannt. Dann folgt zweitens das Aufpumpen, auch Aufblasen genannt. Zum Schluss folgt das Zuspitzen, auch Schärfen genannt.

    Das Schrauben:
    Hier wird der Story ein Dreh verpasst. Wenn etwa der Staat neue Gesundheitspläne prüft, besteht das Schrauben meist im Aufbau von Gegenpositionen. Der Journalist klappert dann ein Dutzend politischer Gegner ab. Manche sind dann meist gegen dieses Gesetz, auch wenn sie vorher noch nie davon gehört hatten.
    “Riesenwirbel um neues Gesundheitspläne” ist nun als erster Aufmacher sauber gestützt.


    Das Aufpumpen:
    Hier wird die Story im zweiten Schritt auf die höhere Ebene geschoben. Der Journalist klappert nun alle Pressesprecher, Lobbyisten, PR-Berater und Beamten ab, die er so kennt. Er fragt wie die Pläne im Bundestag diskutiert worden sind. Er bekommt dann meist verschiedene Andeutungen zu hören. Zum Beispiel sei Kollegin X etwas überrascht und mit den Plänen nicht hundertprozentig glücklich.
    “Riesenkrach im Bundestag - Regierung unter Druck” ist nun als Aufmacher sauber gestützt.


    Das Zuspitzen:
    Hier wird die Story auf ihr finales Potenzial ausgetestet. Ideal ist nun das Auftauchen einer Aktennotiz, die nun als “Geheimpapier” deklariert kann. Sehr hilfreich ist eine öffentliche Äußerung oder ein Interview eines Ministers zu den Plänen. Ideal ist eine kleine Indiskretion wie diese, dass z.B. Kollege Y als Einziger vorab von den neuen Gesundheitsplänen Kenntnis hatte. Mindestens ein Aspekt davon trifft fast immer zu.
    “Staatskrise - Regierung völlig gespalten” ist nun als Aufmacher sauber gestützt.

    Nebst dem Aufmacher steht an diesem Tag ein gepfefferter Kommentar der Chefredaktion über das definitive Ende der Koalition.
    Titel: “Mehr als nur ein Skandal”.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Philip

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich die vorgenannten Zeilen bewerten soll.
    Neues habe ich dort nicht gelesen.
    Zudem: Über jeden Journalisten steht noch ein Chefredakteur für die Freigabe.

  4. #3
    Avatar von kcwknarf

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Zitat Zitat von Page",p="719775
    Dies ist ein kleiner Versuch zu ergründen was leider im Moment in den Thailand News abgeht. Ein Versuch, dass nach dem lesen dieses Beitrags jeder kurz eine Pause macht und sich überlegt, ob er nicht selbst Manipulationen aufgesessen ist.
    Freut mich, dass du das Problem erkannt hast und eine Pause einlegen möchtest

  5. #4
    Avatar von strike

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Zitat Zitat von Page",p="719775
    *

    Schließlich reicht es, wenn andere am Rad drehen.

    Herzlichst
    Eure Sabine

    *
    Sabine, danke für die Aufforderung.
    Die ist tatsächlich angebracht.
    Dass sie befolgt wird, nun ja, schauen wir mal.

    Deine(?) Ausführungen zu den Mechanismen wie Stories "gemacht" werden, beschreiben plastisch was wie "produziert" wird.
    Produzieren und Funktionieren kann so etwas aber nur bei einem zunehmend denkfreien Volk.

    In diesem - wie auch in anderen Foren - spielen aber bei der tatsächlichen Auseinandersetzung zu einem Thema ganz wesentlich emotionale Dinge eine Rolle, die sich vorher irgendwo schon aufgebaut hatten.
    Da geht es nicht mehr um sachliche Klärung sondern um Positionieren.
    Man könnte auch Gockelgehabe sagen.
    Warum soll dies hier aber auch anders sein als in der täglich erlebten Arbeitswelt?

    Da wird - selbst wenn klar ist, dass eigentlich Abwarten angesagt wäre (Sondhi - Attentat ist ein gutes Beispiel) - losgelegt und auf "Bedenkenträger" eigeschlagen, dass es nur so kracht.
    Da bleibt keine Zeit für eine Analyse der Informationslage und deren Mechanismen.

    Das aus den Köpfen rauszukriegen dürfte ein grosses Vorhaben sein.

    Gruss,
    Strike

  6. #5
    Avatar von Volker M. aus HH.

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Sabine
    Sei aber nicht allzu enttaeuscht, wenn das Forum den vorgaltenen Spegel nicht sehen will. ;-D

    Gruss Volker

  7. #6
    Avatar von tomtom24

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Zitat Zitat von Page",p="719775
    Wir leben in einer Zeit der Aufmerksamkeitsökonomie. Medien kämpfen untereinander nicht primär um Auflagen und Publikumszahlen. Sie kämpfen um Aufmerksamkeit.
    Den Rest - wie eine (moeglichst) spektakulaere Geschichte entsteht - da stimm ich ueberein. Nur bei o.g. definitiv nicht. Klar wird Aufmerksamkeit benoetigt. Aber nicht anstelle der Auflagen und Marktanteile. Im Gegenteil: Wegen der Marktanteile: je spektakulaerer, desto interessanter, desto mehr Leser/Zuhoerer/Zuschauer. Das bedeutet mehr Marktanteile und das wiederum mehr Geld. Und mehr Geld bedeutet mehr Macht. Und nur darum geht es.

    Klar, dass sich die Medien mehr und mehr ueberschlagen und gegenseitig mit immer noch spektakulaereren Sachen kommen. Denn das sichert wieder die Marktanteile. Schaffen sie es nicht, enden sie wie Die Bunte oder Tele5.

    Das dabei die Wahrheit zugunsten der Superlative auf der Strecke bleibt, duerfte eigentlich jeder wissen. Und trotzdem ist die Beeinflussung dadurch bei vielen nicht unerheblich. Ich bin davon ueberzeugt, dass es viele Probleme ohne sensationelle Medien/Presse nicht gaebe.

  8. #7
    Avatar von Page

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Zitat Zitat von tomtom24",p="720016
    Zitat Zitat von Page",p="719775
    Wir leben in einer Zeit der Aufmerksamkeitsökonomie. Medien kämpfen untereinander nicht primär um Auflagen und Publikumszahlen. Sie kämpfen um Aufmerksamkeit.
    Nur bei o.g. definitiv nicht. Klar wird Aufmerksamkeit benoetigt. Aber nicht anstelle der Auflagen und Marktanteile. Im Gegenteil: Wegen der Marktanteile: je spektakulaerer, desto interessanter, desto mehr Leser/Zuhoerer/Zuschauer.
    Ich habe doch nichts anderes geschrieben.( Erkämpfte Aufmerksamkeit regelt den Rest )

    Herzlichst
    Deine Sabine

  9. #8
    antibes
    Avatar von antibes

    Re: Journalismus und Thaiforen

    Also Sabine,
    vor 1 1/2 Jahren wußtest du nicht einmal wie der Wai geht und inzwischen hast du so viel über LOS gelernt.
    Respekt

  10. #9
    Avatar von tomtom24

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    Zitat Zitat von Page",p="720039
    Zitat Zitat von tomtom24",p="720016
    Zitat Zitat von Page",p="719775
    Wir leben in einer Zeit der Aufmerksamkeitsökonomie. Medien kämpfen untereinander nicht primär um Auflagen und Publikumszahlen. Sie kämpfen um Aufmerksamkeit.
    Nur bei o.g. definitiv nicht. Klar wird Aufmerksamkeit benoetigt. Aber nicht anstelle der Auflagen und Marktanteile. Im Gegenteil: Wegen der Marktanteile: je spektakulaerer, desto interessanter, desto mehr Leser/Zuhoerer/Zuschauer.
    Ich habe doch nichts anderes geschrieben.( Erkämpfte Aufmerksamkeit regelt den Rest )

    Herzlichst
    Deine Sabine
    Dein Zitat sagt aber "nicht primaer um Auflagen sondern um Aufmerksamkeit". Und ich sage "sekundaer (wegen primaer um Auflagen) um Aufmerksamkeit" ;)

  11. #10
    Avatar von messma2008

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    Re: Journalismus und Thaiforen

    mal wieder was neues vom Spon

    http://www.spiegel.de/reise/fernweh/...617965,00.html

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