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Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

Erstellt von petpet, 11.12.2009, 14:15 Uhr · 92 Antworten · 5.930 Aufrufe

  1. #1
    petpet
    Avatar von petpet

    Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Alle vier Minuten verlässt ein Deutscher sein Land. An jedem einzelnen Tag verliert Deutschland ein ganzes Dorf, womit die Zahl der Auswanderer Dimensionen erreicht, wie seit 120 Jahren nicht mehr. Zum Weihnachtsfest 2009 bieten deutsche Fluggesellschaften sogar einen Weihnachtsbaumtransport für Auswanderer an.

    Was die Angelegenheit so heikel macht: Es sind die Besten und Jüngsten, die genug haben und gehen. Im Gegensatz zu den Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts verlassen nicht etwa Analphabeten, Bauern und verzweifelte Arbeiter das Land. Wir erleben keine Elendsflucht, sondern einen Exodus des gebildeten Mittelstands.

    Das Durchschnittsalter unserer Auswanderer beträgt 32 Jahre, es sind junge Ärzte und Ingenieure, Wissenschaftler und Facharbeiter, Handwerker, Techniker und ehrgeizige Dienstleister. Nach Angaben der OECD verliert Deutschland besonders viele Akademiker. Als die Auswanderungswelle aufbrandete, dachte man zunächst an Steuerflüchtlinge oder einen gesunden Globalisierungseffekt beim Exportweltmeister. Inzwischen gibt es kaum eine Familie mehr, die nicht betroffen ist, kaum ein Fernsehabend mehr ohne Serien wie "Mein neues Leben" (Kabel 1), "Goodbye Deutschland - die Auswanderer" (Vox), "Lebe deinen Traum" (Pro7) und "Umzug in ein neues Leben" (RTL). Nach einer Allensbach-Umfrage würde jeder fünfte Deutsche es den Fernsehvorbildern gerne gleichtun.

    Der Migrationsforscher Klaus Bade warnt unmissverständlich: "Wir befinden uns in einer migratorisch suizidalen Situation." Während unser Sozialstaat hunderttausende Unqualifizierter aus den Randzonen Europas anzieht, fühlen sich die jungen Vertreter des Leistungsmittelstands hierzulande immer fremder. Der Handwerksmeister, der in Australien nicht vom Bürokratenstaat bedrängt wird, der Arzt, der in Norwegen nicht zum Krankenhausbeamten degradiert wird, der Wissenschaftler, der in den USA bessere Forschungsbedingungen hat, die Hotelfachfrau, die in der Schweiz das Doppelte verdient aber weniger Steuern zahlt, der Bauingenieur, der in Arabien oder China sein Können vergoldet bekommt - die Motive wechseln. Aber eines eint sie alle: Anderswo geht es ihnen besser als daheim.

    Das ist für die Deutschen, die sich für Jahrzehnte als die Wirtschaftswunderklassenbesten gefühlt haben, eine schockierende Erfahrung. Auf einmal arbeiten sie als Gastarbeiter in fremden Ländern, und wenn die Wirtschaftselite der Welt sich demnächst wieder in Davos trifft, dann sind die Hotelkellner die Deutschen.

    Man spürt bei Auslandsreisen, dass die Dinge sich anderswo besser entwickeln als bei uns.

    Die Überlegenheitsgewissheit, die jeden Sommerurlaub im Süden zu einem Selbstbestätigungs-Event gemacht hat, ist verschwunden. Avantgarde, wirtschaftliche oder technologische, spürt man nicht mehr daheim, sondern in der Fremde. Doch damit sind die Kategorien der Orientierung für die nächste Generation der Talentierten vertauscht. Die Fremde wird zum Ort der Ambition.

    [highlight=yellow:bc9d242943]Wenn die Autobahnen in Andalusien inzwischen besser sind als im Ruhrgebiet, unsere Schulen neben denen in Skandinavien wie Baracken aussehen, wenn ein deutscher Krankenhausarzt nur noch so viel verdient wie ein Pförtner in Abu Dhabi, wenn eine Facharbeiterfamilie so hohe Steuern und Sozialabgaben zahlt, dass ihnen weniger übrig bleibt als einem Koch in Zürich, dann gehen sie eben.[/highlight:bc9d242943] Immer mehr Menschen merken, dass ihnen Deutschland immer weniger bietet. Alleine 16000 deutsche Ärzte haben inzwischen das Land verlassen. Ihre teure Ausbildung ist damit zu einer Subvention der Schweiz, Norwegens, Englands, der USA geworden.

    Während wir endlos über die Extreme von oben (Topmanager und deren Gier) und unten (Mindestlohn-Empfänger und gewalttätige Migrationsjugendliche) diskutieren, vollzieht sich ein Bruch der Gesellschaft in der Mitte. Die Politik erörtert über Jahre, wie man den Wohlstands-Kuchen noch ein bisschen gerechter verteilen könnte, doch unterdessen flüchten diejenigen aus der Küche, die den Kuchen backen sollen. Sie zahlen immer höhere Abgaben, erleben Wohlstandsverluste, werden von Radarfallen bis Steuererklärungen schikaniert, schicken ihre Kinder in schlechte Schulen und werden dem Wettbewerbsdruck der Globalisierung mit viel weniger Schutz ausgesetzt als die ganz unten und ganz oben.

    Die Flucht aus der Heimat ist eine Volksabstimmung mit den Füßen geworden, ein Alarmsignal aus der Mitte der Gesellschaft. Die Auswanderer revoltieren nicht und krakeelen nicht, sie haben keine Gewerkschafts- oder Politkampagne hinter sich, sie gehen einfach still und leise fort. Und lassen sich den Weihnachtsbaum nach Spanien fliegen.

    http://www.handelsblatt.com/meinung/...n-dorf;2497975

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Sammy33

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Immer mehr Rentner wandern aus
    Quelle:
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/...957912,00.html

    Sammy33

  4. #3
    Avatar von messma2008

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    ja was soll man den noch machen in D.???
    Wenn ich familiär nicht gebunden wäre (meine Mutter lebt in D. und ich bin ihr einziger naher Verwandter, sehe es als meine Verantwortung an ihr beizustehen bis zum Ende) , ja dann wäre ich auch schon weg. Dieser Abzockerstaat geht mir auch ziemlich auf den Sack. weit über 50% kassiert der Staat von meinem Jahresgewinn. Und was macht er damit? Führt Krieg, Alimentiert Leute die keine Lust auf Arbeit haben ( damit meine ich nicht nur H4ler, sondern auch GKV-Angestellte, Beamte, Politiker, IHK-Mitarbeiter und und und...
    Sei sicher, wenn ich keine fam. Bindung mehr habe , sind wir hier auch weg.

  5. #4
    Avatar von Yenz

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    und das ist auch alles gut so -
    auf das alle blinden und dummen mal wachgerüttelt werden

  6. #5
    Avatar von kcwknarf

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Perfekte Analyse! Aber das merken die da oben erst, wenn auch die ersten Städte leer sind. Man darf eben nicht nur das Volk abzocken, man muss ihnen eben auch etwas bieten. In aller erster Linie Freiheit, um sich entwickeln zu können.

  7. #6
    Avatar von messma2008

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Zitat Zitat von kcwknarf",p="802982
    Perfekte Analyse! Aber das merken die da oben erst, wenn auch die ersten Städte leer sind. Man darf eben nicht nur das Volk abzocken, man muss ihnen eben auch etwas bieten. In aller erster Linie Freiheit, um sich entwickeln zu können.
    na in erster Linie, wäre es schön wenn ich von meinem Geld mehr behalten könnte, und nicht alles von X-Steuern, Abgaben, GEZ sowie Beiträgen aller Art aufgefressen wird.
    Aber wie schrieb der U. Wickert schon so zutreffend??
    DER EHRLICHE IST DER DUMME

  8. #7
    Avatar von

    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    messma, genau das sind auch mein einziger Grund warum ich noch hier bin, meine Mutter. Sonst waeren wir schon lange weg.

    Wohn jetzt nicht in der Gegend der es in Deutschland am schlechtesten geht, ganz im Gegenteil.
    Aber: Mein Wohnort hat letztes Jahr 5 % der Einwohner verloren, Tendenz weiter steigend. Bisher haben das die zuziehenden "Ossis" aufgefangen. Aber die Abwanderung laesst sich auch in Bayern nicht mehr kompensieren.

    Dazu kommt noch die Geburtenrate. Auch wenn niemand wegzieht bedeutet eine GEburtenrate von 1,5 eine Schrumpfung der Bevoelkerung auf 10 %. Also von heute 80 Mio auf 8 Mio. Bei eienr Geburtenrate von 1,0 was gar nicht so unrealistisch ist verringert sich die Bevoelkerung auf 1/100. Also auf gerade mal nioch 800.000 Deutsche.

    Und das alles ohne die Abwanderung ueberhaupt einzurechnen.
    Wenn m,an dann bedenkt, dass die heutigen Rentenberechnungen auf jaehrlich 200.000 Einwanderungssaldo beruhen.......

  9. #8
    Avatar von messma2008

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Zitat Zitat von Extranjero",p="802985
    messma, genau das sind auch mein einziger Grund warum ich noch hier bin, meine Mutter. Sonst waeren wir schon lange weg.
    Also dass ich mit dir mal ne echte Gemeinsamkeit habe, hätte ich ja nie gedacht ;-D ;-D

  10. #9
    Avatar von Joerg_N

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    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Ich würde wegen dem Wetter auswandern,

    obs mir aus den anderen Gründen woanders besser geht ?

  11. #10
    Avatar von Yenz

    Registriert seit
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    1.415

    Re: Jeden Tag verliert Deutschland ein Dorf

    Zitat Zitat von Joerg_N",p="802988
    Ich würde wegen dem Wetter auswandern,

    obs mir aus den anderen Gründen woanders besser geht ?
    kommt wohl drauf an was du unter "besser geht" verstehst...
    überall gibt es gute und schlechte dinge.
    die frage ist eben ob man die schlechten dinge aktzeptieren kann und damit leben und vor allem was das für schlechte sachen sind.
    wenn man nur noch verarscht wird, dagegen aber machtlos ist, könnte das tatsächlich sein, dass das schelchte woanders besser ist...

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