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Isaan Kultur am Ende?

Erstellt von x-pat, 09.07.2004, 12:12 Uhr · 20 Antworten · 1.636 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von Loso

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Gerade gefunden, ein kleines Beispiel zur Untermalung des Themas. Der Sänger Mike Pirom.... in einem Interview:

    Mike, wir haben gehört, dass du ein eigenes Isaan-Restaurant hast. Kümmertst Du Dich auch selbst darum?
    M - Früher konnte ich mich noch selbst darum kümmern. Aber ich bin in letzter Zeit einfach zu sehr beschäftigt, so dass sich meine Vettern darum kümmern. Ich bin der Eigentümer des Restaurants. Eigentlich war es auch nicht unbedingt als gewinnorientiertes Geschäft für mich selbst geplant. Ich wollte mit diesem Restaurant für meine Vettern und für andere Verwandte Jobs schaffen. Viele von ihnen waren vorher arbeitslos und konnten keinen Job finden. Deshalb habe ich das Restaurant aufgemacht. Wenn wir in manchen Monaten mehr Gewinn machen, gebe ich ihnen dann etwas mehr Geld, als sie normalerweise an Gehalt bekommen. Ich fordere sie auf, ihr Geld zu sparen und ihren Eltern in Isaan etwas zuzusenden. Ich möchte sie natürlich nicht unterstützen, damit sie ihr Geld für Alkohol oder für den Kauf von irgendwelchen Luxusgütern ausgeben.

  2.  
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  3. #12
    Avatar von Micha-Dom

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Die Issaan Kultur ist nicht am Ende, sondern im Wandel der Zeit. Diese passt sich an.
    Der Issaan ist DER Issaan ! Bayern bleibt Bayern... Strukturwandel und das globale Kapital.

    Die Menschen werden abwandern, um ihr Überleben zu sichern und das was im TV gesehen und eingeredet wurde, einfacher auszuleben. Kennt man vom Ost D.
    Also bleibt mehr Platz für neue Bewohner aus Europa, nur sind diese hoffungslos in der Minderzahl, sehr hoffungsvoll im Bereich des Monetären.

    Ein für den Falang interessanter erkannter Wandel ist, dass die Töchter Issaan sich gerne an Falangs binden. Eine Zugewinn des Einkommen der Thai Family in Form des Nehmens (äh des Tribut) ist da zu bemerken, sowie das Erstellen von neuen Häusern in Issaan. Rat mal wer diese zahlt?
    Ich meine, wer sich sich gerne abzocken lässt, nur weil die Phanraja Tränen vergießt, denn gebe ich gerne meine LOS Kontonummer an Zahlungswillige. Selber weine ich auch, wenn hier verdiente Geld an meine kleine Family vorbei fließt und dann versickert in LOS. Dann lieber in unsere Projekte. Mei john falang. :O

    Vorbei ist die Zeit, wo man in LOS produzierte, man verlagert sich nach China. Dort wird Kapital gesteigert.
    Da der Erdöl Preis steigen wird, verdient ein Issaan Family dann weniger, da gestiegene Energiekosten den Ertragswinkel abflachen lassen.
    Also wird man vor den Firmen ratlos herumstehen, da die Japaner und Andere die Firmen schließen, abwickeln und verlagern. So einfach.
    So bleiben die alten Geldquellen: z.B. (zukünftig) Mangos oder andere Früchte (für China) anpflanzen, Rinderzucht bzw. Milchwirtschaft oder den fliegenden Händler.
    Mit Reisanbau allein wird man nicht reich, jedoch eine Mühle bringt schon mehr. Für die meisten Dinge des Überlebens braucht man ein Startkapital, Moment, wie viel Töchter habe ich zu Hause herumsitzen als Thai???

    Für die Zukunft bin ich doch froh, dass im Issaan nicht die Industrie im großen Stil Fuß fassen konnte. Bedauerlich für die Hoffungen mancher Bewohner, das Florians Prinzip lässt grüssen. Ich lebe nicht gerne im „Gewerbegebiet“ des Issaans.

    Was kann künftig im Issaan machen?
    Mehrere Dinge … Als Projekt kann mit Viehhaltung eine Biogasanlage kombinieren und etwas Energie verkaufen, neben der Milch. Es gibt in der Autoindustrie Interesse an eine bestimmte Faser, einfach anzubauen und zu gewinnen. Es sind Projekte aus anderem asiatischen Land, jedoch übertragbar, die Infos sind schwer zu erhalten.
    Die Zukunft liegt in Solarinstallationen, eine Förderung sollte es in LOS künftig geben, eine Frage des Energiepreises.

    Damit alte Traditionen erhalten können, kann zB. Stoffe aus den Issaan kaufen, direkt vom Erzeuger. Hat dieser noch von Hand erstellte Stoffe, ist ein Kauf eine Hilfe. Genauso wie bei Möbel etc… Also liegt es an jeden selbst, traditionelle Kultur zu fördern, oder ?
    Anders gefragt, ist es überhaupt für einen Falang eine Überlegung wert sich für die Kultur einzusetzen? Das setzt zumindens Verständnis vorraus.


  4. #13
    Avatar von manao

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Zitat Zitat von x-pat",p="149518
    Thurien,

    Jeder Isaaner der in der Stadt arbeitet hat eine Familie und schickt Geld nach Hause. Das ist allgemein bekannt. Aber das heisst nicht immer das es mit Ausbeutung verbunden ist. In vielen Fällen (in der Mehrheit der Fälle die mir persönlich bekannt sind) ist es jedoch so. Ich denke zum Beispiel an die Isaan Maids die ihre trinkenden und spielenden Männer unterstützen, Bauarbeiter die sich krumm arbeiten um dem kleinen Bruder einen Handy zu kaufen, oder Prostituierte die ihren Eltern ein Haus bauen.

    X-Pat
    Ja, gut beobachtet, für mich ist es eine Symbiose von Opfer und Parasiten. Die jeweilige Rolle wird fast immer klaglos/selbstverständlich akzeptiert. Mit Sicherheit gibt es auch Regeln wer Opfer und wer Parasit wird. Einer moralischen Wertung enthalte ich mich. Die Thais machen das schon selber. Aber besser verstehen würde ich das ganze schon gerne. Meine Freundin ist aus dem Isaan. Meine Fragen nach dem warumd das so ist beantwortet sie mit: Ich liebe meine Familie. Ihre Opferrolle scheint sie nicht zu stören. Ich verstehe das nicht so richtig. Ich glaube es wird sich einiges ändern wenn die Häuser größer werden, nicht mehr alle zusammen in einem Raum im Bett oder auf dem Boden schlafen und auf diese Weise die engen Bindungen schwinden. Der Issan wir niemals eine Industriegesellschaft. Die Voraussetzugen sind meines Erachtens gar nicht vorhanden. Reis, Obst, Männer und Frauen werden auf nicht absehbare Zeit die wichtigen "Exportartikel" und somit Lebensgrundlagen bleiben. Vielleicht setze ich mich mit dieser Auffassung auch in die Nesseln. Vielleich tritt aber auch eine dramatische Entwicklung ein wie in der Dom Rep. Dort gibt es keine "schönen" Mädchen mehr. Die sind alle "ausgewandert" worden. Dieser drain von Erbgut wirkt sich
    schon jezt dramatisch aus. Gut, Dom Rep ist kleiner als Thailand und Isaan, aber ich kann mir schon vorstellen dass es einen ähnlichen Effekt in Thailand gibt. Die Wissenschaftler sind jetzt gefragt !!!

  5. #14
    Avatar von x-pat

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Erst einmal danke für die vielen anregenden Antworten. Mike hatte die sozialen Probleme angesprochen die mit der Landflucht kommen. Das ist natürlich ein Riesenproblem im Isaan und ich glaube das wir heute davon nur die Spitze des Eisbergs sehen. Wenn es zu einem Zusammenbruch des traditionellen Wertesystems kommt und wenn die Regierung nicht einlenkt, dann wird dies zu einer Verschärfung der sozialen Probleme wie z.B. Armut, Klassengesellschaft, Alkoholismus, nach sich ziehen. Dann wären die Menschen im Isaan in einer ähnlichen Position wie heute die Aborigines in Australien.

    Es bleibt natürlich zu hoffen das das nicht passiert und das mehr Geld in Strukturentwicklung fliesst. Micha hatte Solarenergie, Faseranbau, und Biogasanlagen erwähnt. Das sind hervorragende Ideen. Es ware schön wenn man dafür bei der Regierung Interesse wecken könnte. Deutsche und europäische Organisationen, wie z.B. die GTZ, haben solche Projekte in der Vergangenheit schon vorgeschlagen. Dafür gäbe es auch internationale Fördergelder. Der Energiesektor in Thailand wird jedoch von starken Machtinteressen bestimmt und man hat sich bisher nicht ernsthaft mit alternativen Energien beschäftigt.

    Solaranlagen sind schön und gut; meiner Meinung nach herrscht jedoch dringendste Not im Bereich Bildung. Man muss leider sagen das das Bildungsniveau im Isaan auf einem Stand liegt wie man ihn von einem NIC (newly industrialized country) kaum erwartet. Die meisten Isaaner die ich kenne (es gibt Ausnahmen) können meinem neunjährigen Neffen in Deutschland bildungsmässig nicht das Wasser reichen. Ich halte das für äusserst bedenklich! Noch lieber als Solaranlagen würde ich daher Geld in Schulen, Bibliotheken, und Universitäten fliessen sehen.

    Natürlich wird der Isaan der Isaan bleiben, so wie Bayern Bayern bleibt. Damit bleiben sicherlich auch manche regionale Besonderheiten erhalten. Meine eingangs gestellte Frage war ja genau dies: sind Agroaltruismus und Parasitentum eine Besonderheit des Isaans oder trifft man das überall in Thailand an? Ich neige dazu zu sagen das diese Isaan-spezifisch sind. Sogar thailändische Partner aus Thai/Isaan “Mischehen” haben das bestätigt.

    Meine Erfahrungen sind natürlich –ebenso wie die von Chak– subjektiv in dem Sinne das ich akkumulierte Einzelerfahrungen interpretiere und Theorien bilde die diese bestmöglich beschreiben. Ich habe den Isaan bisher nur zweimal besucht und nie dort gelebt. In meiner 10-jährigen Arbeit in Thailand habe ich aber viele Einzelerfahrungen mit Isaanern gemacht, sowohl in meiner eigenen Firma, als auch in der Fabrik meiner Schwiegereltern, wo 90% der Belegschaft aus dem Nordosten stammt. Fast alle Maids, Boten, Arbeiter, und Fahrer mit denen ich gearbeitet habe stammen aus dem Isaan.

    Die oben genannten von G. Ruffert genannten Werteordnungen der Menschen im Isaan sind vielleicht ein wenig überspitzt formuliert, treffen aber die Sache im Kern. Eine interessante Frage ist nun ob die beschriebene Mentalität zur Unterentwicklung und Strukturschwäche führt/beiträgt, oder ob sie sie eher eine Folge der Lebensumstände im Isaan ist. Was meint ihr?

    X-Pat

  6. #15
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Im Isaan hat sich zu früher kaum etwas geändert,
    nur dass heute mehr Touristen dort rumtrampeln.

    Bin ich aber vieleicht auch mit schuld und darum auch meine Zurückhaltung in letzter Zeit!

  7. #16
    MrPheng
    Avatar von MrPheng

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Mir gefällt dieser Teil des Forums sehr gut. Hier besteht die Möglichkeit, den Isaan mal wirklich richtig kennenzulernen. Sozusagen frei Haus werden die Möglickeiten erwähnt, jahrtausend Jahre altes Kulturgut in moderne Strukturen umzuwandeln. Vom einfachen Reiskorn und Bambushütten zu genverändertem Kürbisgemüse und Solarzellengestützten Protondächern! :bravo:

    Da werden die sich aber freuen, wenn alles verändert sein wird, in fünfzig Jahren?!?
    Gruß MrPheng

  8. #17
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Vieleicht sollte ich mir wirklich mal die Arbeit machen diesen Thread zu uebersetzen und den Isaanern zum lesen zu geben.

    Ach ,machmal wuerde ich gern ein Thai sein.....

  9. #18
    Avatar von odysseus

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Servus
    Wahr zwar noch nie im Isann, aber ich muss sagen, eine Kultur geht nicht über Wochen oder Jahre zu Ende, sonder sie verändert sich mit den Laufe der Zeit. Und das ist der Lauf der Ewigen Geschichte.

  10. #19
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    x-pat, Thailand kann man derzeit noch nicht als NIC bezeichnen, zumindest nicht über das ganze Land betrachtet. Dahin ist es auf jeden Fall noch ein weiter Weg, obwohl sich in den letzten 15 Jahren schon viel getan hat.

    Ich habe irgendwie den Eindruck, du warst noch nicht wirklich im Isaan, oder?

  11. #20
    waanjai
    Avatar von waanjai

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Zitat Zitat von x-pat",p="149473
    Die Bedingungen ändern sich jedoch ständig. Aus der Soziologie und Biologie wissen wir das altruistische Strategien instabil sind (Evolutionary Stable Strategies, Dawkins 1976). Eine altruistische Strategie ist nur solange stabil wie altruistisches Handeln belohnt wird; im Volksmund heisst es daher: Gefallen beruhen auf Gegenseitigkeit. In der modernen Industriegesellschaft ist das Prinzip der Gegenseitigkeit jedoch nicht mehr gegeben, da die Menschen heute als wirtschaftlich unabhängige Individuen agieren.
    Möchte eigentlich nur darauf aufmerksam machen, dass die Verwendung des Begriffs des Altruismus (und Parasitentums) zur Charakterisierung sozialer Verhaltensweisen in Thailand - insbesondere im Issaan - wenig treffend ist. Dies muß um so mehr gelten, wenn zur Definition des Altruismus vom Fragesteller selbst der Begriff der "Gegenseitigkeit" (reciprocity) verwandt wird.
    Wenn aber "Gegenseitigkeit" der eigentlich charakterisierende Begriff ist, dann stellt sich als Nachfrage, warum die Issaan Kultur am Ende sei, wenn die gleichen Wissenschaftler festgestellt haben, dass "reciprocity is shown to be an evolutionary stable strategy"?

    Solange auch bei uns noch Großfamilien existierten, gab es diese Gegenseitigkeit. Gegenseitige Unterstützung, wenn auch zumeist in "verschiedenen Währungen". Die finanzielle Unterstützung der nicht mehr arbeiten könnenden Generation der Alten wird u.a. kompensiert durch deren Erziehungs- und Beaufsichtigungsfunktionen gegenüber der dritten Generation sowie der historisch früher erbrachten Unterstützung der zweiten Generation. Mußte vorübergehend Arbeit außerhalb des Familienverbandes aufgenommen, so war diese Migration oftmals nur durch Unterstützung durch den Familienclan möglich. Erst der Aufbau von eigenständigen sozialen Sicherungssystemen wie z.B. der Rentenversicherung - als Inter-Generationen-Vertrag übrigens auch weiterhin das Prinzip der Gegenseitigkeit hochhaltend - mindert auf Dauer die Gegenseitigkeit zwischen Familienmitgliedern.
    Ich sehe deshalb nicht den direkten Zusammenhang zwischen der ökonomischen Entwicklung Thailands und "einem Verfall der Gegenseitigkeit".

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