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Isaan Kultur am Ende?

Erstellt von x-pat, 09.07.2004, 12:12 Uhr · 20 Antworten · 1.634 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von x-pat

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    Isaan Kultur am Ende?

    Da hier auf nittaya.de anscheinend viele mit der Isaan Kultur vertraut sind (einige leben sogar dort) würde ich gerne einmal fragen wie ihr die Isaan Kultur seht und welche Unterschiede ihr zu den anderen drei Kulturräumen Thailands, dem Norden, Süden, und Zentralthailand ausmachen könnt.

    Insbesondere stelle ich die Frage in den Raum ob die Bräuche der familiären Unterstützung, von denen man hier auf Nittaya viel liest, eine Eigenart des Isaans ist, oder ob das in ganz Thailand anzutreffen ist. Mir ist aufgefallen das diejenigen die eine thailändische Familie unterstützen, sei es durch Geldsendungen, Häuslebauen, Pickupkaufen, etc., fast ausnahmslos mit Frauen aus dem Isaan verheiratet sind. Der Löwenateil der privaten Entwicklungshilfe scheint also in den Nordosten zu fliessen. Man hört hier selten von Leuten die ihrer Familie im Süden ein Fischerboot kaufen, oder von Leuten die ein Teakhaus in Chiang Mai bauen.

    Dies ist schon sehr interessant, da sich die Erzählungen hier mit meinen Beobachtungen von Thaifamilien in Thailand decken. Thailänder mit Anghörigen im Issan, die in Bangkok arbeiten zahlen ebenfalls Tribute an die Familie im Isaan und nicht selten gibt es ein oder zwei Mitglieder die mit ihrer Arbeit eine zehnköpfige Familie unterstützen.

    Prinzipiell ist es ja lobenswert. Mit Reichtum kommt Verantwortung. Die Gutverdienenden geben ihren ärmeren Brüder und Schwestern etwas ab. Es ist einzusehen das das in einer Agrargesellschaft mit selbstversorgenden Haushalten durchaus Sinn macht. Man hilft sich gegenseitig; so werden die Überlebenschancen für die Sippe optimiert. Dieser gesellschaftliche Altruismus wird auch vom Buddhismus unterstützt.

    Die Bedingungen ändern sich jedoch ständig. Aus der Soziologie und Biologie wissen wir das altruistische Strategien instabil sind (Evolutionary Stable Strategies, Dawkins 1976). Eine altruistische Strategie ist nur solange stabil wie altruistisches Handeln belohnt wird; im Volksmund heisst es daher: Gefallen beruhen auf Gegenseitigkeit. In der modernen Industriegesellschaft ist das Prinzip der Gegenseitigkeit jedoch nicht mehr gegeben, da die Menschen heute als wirtschaftlich unabhängige Individuen agieren.

    Im Klartext heist das, der Reis wird nicht mehr zusammen eingefahren wie früher. Stattdessen arbeiten heute manche Familienmitglieder in den Städten, während andere zu Hause bleiben. Die in den Städten Arbeitenden sind finanziell besser gestellt und bringen einen Teil ihres Reichtums zurück in den Isaan, wo sie es mit Angehörigen teilen. Die Zuhausgebliebenen merken dann schnell das man leichter an Geld kommt, wenn man ein oder zwei Söhne oder Töchter in die Stadt schickt, statt harte Feldarbeit zu verrichten.

    An dieser Stelle bricht das agrar-orientierte altruistische Prinzip jedoch zusammen. Die Arbeiter in den Städten werden ausgenutzt und erhalten für die finanziellen Leistungen die sie erbringen keine oder nur wenig Gegenleistung. Den angeheirateten Ausländern ergeht es dann ähnlich wie anderen erfolgreichen Mitgliedern einer Isaan Familie. Aufgrund von sozialem Druck, Tradition, und Gruppenzwang ist es möglich das altruistische Prinzip eine Zeitlang aufrecht erhalten. Es vegetiert eine Weile im Zustand des Verfalls, welches von Parasitentum gekennzeichnet ist. Meiner Auffasung nach ist dies exakt der Status Quo der heutigen Isaan Gesellschaft. Ich denke (und hoffe!) das es eine vorrübergehende Erscheinung ist. Mit dem Einzug der Industrialisierung wird muss auch der Isaan von alten Traditionen und Werten Abschied nehmen.

    X-Pat

  2.  
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  3. #2
    Tel
    Avatar von Tel

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Zitat Zitat von x-pat",p="149473
    Mir ist aufgefallen das diejenigen die eine thailändische Familie unterstützen, sei es durch Geldsendungen, Häuslebauen, Pickupkaufen, etc., fast ausnahmslos mit Frauen aus dem Isaan verheiratet sind. Der Löwenateil der privaten Entwicklungshilfe scheint also in den Nordosten zu fliessen. Man hört hier selten von Leuten die ihrer Familie im Süden ein Fischerboot kaufen, oder von Leuten die ein Teakhaus in Chiang Mai bauen.
    Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass doch die überwiegende Mehrheit an Thaifrauen die sich einen Falang angeln, aus dem Isaan kommt? ;)

  4. #3
    thurien
    Avatar von thurien

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Eesaan (Khorat, Nakhon Ratchasima) ist die größte und
    eine der einkommen- u. kapitalschwächsten Provinzen THs:
    Wen wundert, daß der Anteil an vorübergehend auswandernden
    Eesaan- Frauen in allen Gewerben u. der Anteil der
    Eesaan- Männer im "BKK- Fron"entsprechend hoch ist?

    Einkommenstarke Chiang Mai- oder Phuket girls and boys
    (mit bis zu 100% Chinese Origin u. entsprechend potenten
    Netzwerken) brauchen einfach nicht in die Ferne zu schwärmen...

    Ergo: Wer sich im Eesaan liiert muss sich von der 1. Minute an über
    das gesamte dortige Umfeld im Klaren sein - sehr Vieles kann man
    heutzutage intra-familiär schon steuern/mitbestimmen/sich nett
    verweigern aber: es bleibt ein Fass ohne Boden, solange man
    selbst auf Kühlschrank, WarmwasserBoiler, Waschmaschine, Moped,
    Zahnarzt/Arzt privat, vernünftige Schule in Phimai oder ChumPuang,
    GPRS- internet (wir haben keine Telefonleitung u. werden auch
    keine gelegt bekommen!) etc. Wert legt...

    Im MooBaan generell funktioniert das altruistische Prinzip noch
    sehr gut. Die Familienverbände sind recht groß u. es ist ja auch
    jeder in BKK oder HKT oder Saudi-Arabien oder SIN schaffende
    Mensch nur immer begrenzte Zeit dort. Die Netto- Drainage von
    Menschen im Eesaan in andere Regionen ist sicherlich hoch,die
    Mikro- Dorfgesellschaften bleiben m.E. aber stark.

  5. #4
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Ich kann diese Parasitentum so nicht ganz erkennen.
    Wer nach Bangkok geht tut dies in erster Linie um sich selbst bzw. seiner unmittelbaren Famlilie (Frau, Kinder) ein besseres Leben zu schaffen, und nicht unbedingt arbeitsscheuen Geschwistern oder gar Cousins.

    Dass die Eltern was abbekommen, ist selbstverständlich, aber diese Unterstützung gibt es wohl in allen Gegenden Thailands und quer durch alle Gesellschaftsschichten, auch wenn die Eltern mehr Geld haben als die Kinder!

    Sicherlich gibt es an der Schwelle zur Industrialisierung soziale Verwergungen, aber das Problem sehe ich da ganz woanders: Viele Kinder wachsen bei den Großeltern auf, weil die Eltern irgendwo anders zur Arbeit gegangen sind, und diese Großletern haben nicht unbedingt die gleiche Autorität.
    So ist ein großer Teil einer ganzen Generation sich selbst überlassen.

    Übrigens wäre ich etwas vorsichtiger Darwin auf menschliches Zusammenleben zu übertragen. Er selbst hat es so nie gemeint und Sozialdarwinismus wurde ja gerade in Deutschland sehr missbraucht.

  6. #5
    woody
    Avatar von woody

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Zitat Zitat von x-pat",p="149473
    .......... Mit dem Einzug der Industrialisierung wird muss auch der Isaan von alten Traditionen und Werten Abschied nehmen...X-Pat
    Danke X-Pat, das ist eine sehr gute Analyse der gesellschaftlichen Situatiuon in Thailand.


    Zitat Zitat von x-pat
    .....Da hier...viele mit der Isaan Kultur vertraut sind (einige leben sogar dort) würde ich gerne einmal fragen wie ihr die Isaan Kultur seht und welche Unterschiede ihr zu den anderen drei Kulturräumen Thailands, dem Norden, Süden, und Zentralthailand ausmachen könnt.....
    Mir ist aufgefallen das diejenigen die eine thailändische Familie unterstützen, sei es durch Geldsendungen, Häuslebauen, Pickupkaufen, etc., fast ausnahmslos mit Frauen aus dem Isaan verheiratet sind. Der Löwenateil der privaten Entwicklungshilfe scheint also in den Nordosten zu fliessen. Man hört hier selten von Leuten die ihrer Familie im Süden ein Fischerboot kaufen, oder von Leuten die ein Teakhaus in Chiang Mai bauen.......
    Du hast die Fragestellung eigentlich schon gut beantwortet. Thailand ist auf dem Weg zur modernen Industriegesellschaft, der Isaan hat diesen Sprung noch nicht geschafft, deshalb haben sich dort noch agrargesellschaftliche Strukturen erhalten, die aber auch dort nach und nach verloren gehen, da ein grosser Teil der Bevölkerung im Isaan, durch die zunehmende Mechanisierung der landwirtschaftlichen Produktion erwerbslos ist, bleibt auf Dauer nur die Abwanderung in die schon industriealisierten Landesteile (Landflucht).
    Durch die Asienkrise ist diese Entwicklung kurz ins Stocken geraten, aber nicht aufgehalten worden, es wird so weiter gehen.
    Man kann eigentlich nur hinzufügen, dass dieser Prozess nicht nur in Thailand so läuft, sondern überall auf der Welt.

  7. #6
    Avatar von x-pat

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Thurien,

    Im MooBaan generell funktioniert das altruistische Prinzip noch sehr gut. Die Familienverbände sind recht groß u. es ist ja auch jeder in BKK oder HKT oder Saudi-Arabien oder SIN schaffende Mensch nur immer begrenzte Zeit dort. Die Netto- Drainage von Menschen im Eesaan in andere Regionen ist sicherlich hoch,die Mikro- Dorfgesellschaften bleiben m.E. aber stark.
    Ich finde das ist eine interessante Beobachtung. Die Existenz dieser Mikrodorfgesellschaften unterstützen die o.g. These, denn der Agro-Altruismus ala Isaan könnte in einer modernen Großstadtgesellschaft überhaupt nicht überleben. Er existiert nur noch in Gemeinschaften die von der Industrialisierung abgeschnitten sind, wie der strukturschwache Nordosten Thailands. Ich glaube aber das die Drainage von Menschen in andere Regionen nicht nur hoch ist, sondern das dies auch starke soziale Reibungsflächen schafft, wie es immer der Fall ist wenn Reich und Arm aufeinandertrifft.

    Chak,

    Ich kann diese Parasitentum so nicht ganz erkennen. Wer nach Bangkok geht tut dies in erster Linie um sich selbst bzw. seiner unmittelbaren Famlilie (Frau, Kinder) ein besseres Leben zu schaffen, und nicht unbedingt arbeitsscheuen Geschwistern oder gar Cousins.
    Jeder Isaaner der in der Stadt arbeitet hat eine Familie und schickt Geld nach Hause. Das ist allgemein bekannt. Aber das heisst nicht immer das es mit Ausbeutung verbunden ist. In vielen Fällen (in der Mehrheit der Fälle die mir persönlich bekannt sind) ist es jedoch so. Ich denke zum Beispiel an die Isaan Maids die ihre trinkenden und spielenden Männer unterstützen, Bauarbeiter die sich krumm arbeiten um dem kleinen Bruder einen Handy zu kaufen, oder Prostituierte die ihren Eltern ein Haus bauen.

    Übrigens wäre ich etwas vorsichtiger Darwin auf menschliches Zusammenleben zu übertragen. Er selbst hat es so nie gemeint und Sozialdarwinismus wurde ja gerade in Deutschland sehr missbraucht.
    Der Author war Dawkins, nicht Darwin, der sich mit Altruismus und der EES These allerdings auf die Arbeit des englischen Biologen Maynard Smith bezieht. Übertragungen auf menschliches Sozialverhalten liegen nahe. Mit Sozialdarwinismus hat das nichts zu tun.

    X-Pat

  8. #7
    Avatar von MikeRay

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Viele Kinder wachsen bei den Großeltern auf, weil die Eltern irgendwo anders zur Arbeit gegangen sind, und diese Großletern haben nicht unbedingt die gleiche Autorität.

    Darin sehe ich auch die größte " Gefahr", denn dieses altruistische Verfahren wird mit dieser Generation wahrscheinlich nicht mehr weitergeführt werden.Diese haben nämlich durch die jahrelange Entfremdung schon einigen gewissen Teil an emotionaler Bindung verloren.Die Eltern als Bezugsperson waren ja jahrelang gar nicht da.
    Ob man dann noch jeder bereit ist später tamboon an seine Eltern zu entrichten ?

  9. #8
    Chak2
    Avatar von Chak2

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Zitat Zitat von x-pat",p="149518
    Chak,

    Ich kann diese Parasitentum so nicht ganz erkennen. Wer nach Bangkok geht tut dies in erster Linie um sich selbst bzw. seiner unmittelbaren Familie (Frau, Kinder) ein besseres Leben zu schaffen, und nicht unbedingt arbeitsscheuen Geschwistern oder gar Cousins.
    Jeder Isaaner der in der Stadt arbeitet hat eine Familie und schickt Geld nach Hause. Das ist allgemein bekannt. Aber das heisst nicht immer das es mit Ausbeutung verbunden ist. In vielen Fällen (in der Mehrheit der Fälle die mir persönlich bekannt sind) ist es jedoch so. Ich denke zum Beispiel an die Isaan Maids die ihre trinkenden und spielenden Männer unterstützen, Bauarbeiter die sich krumm arbeiten um dem kleinen Bruder einen Handy zu kaufen, oder Prostituierte die ihren Eltern ein Haus bauen.
    Genau das widerspricht eben meinen Beobachtungen, die aber auch keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Es sind vielmehr Beobachtungen aus einem einzigen typischen Isaandorf.

    Mich würde aber interessieren, woher du deine Erkenntnisse beziehst.

  10. #9
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Zitat Zitat von woody",p="149516
    ... Thailand ist auf dem Weg zur modernen Industriegesellschaft, der Isaan hat diesen Sprung noch nicht geschafft, deshalb haben sich dort noch agrargesellschaftliche Strukturen erhalten, die aber auch dort nach und nach verloren gehen, da ein grosser Teil der Bevölkerung im Isaan, durch die zunehmende Mechanisierung der landwirtschaftlichen Produktion erwerbslos ist, bleibt auf Dauer nur die Abwanderung in die schon industriealisierten Landesteile (Landflucht)....
    Und so stehen sie leer...


    ...wie dieses Haus der ´Landflüchtigen´ und einige andere in Ban Tab Kung, Ampö: Nong Saeng, Udon Thani 41340

    Es ist in der Tat so, zumal ja auch die Industrialisierung am Issaan vorbeigehen wird.

    Wobei ich zaghaft noch eine Einschränkung wage: Der Weltmarkt ist gesättigt, und das, was sich auch in Thailand noch bemerkbar machen wird, ist dieser Produktionstourismus, d.h., dass die Produktionsstätten in die Länder weiterwandern werden, welche die billigsten Lohnkosten haben.
    Im Issaan wird letztendlich eine Überalterung eintreten, welche die Armut nur noch verschärfen wird. Unter anderem aus dem Grunde, weil die, die in den Städten arbeiten, egal, in welchem Bereich, sie schon heute z.T. vergessen, die , die in ihrem Heimatdorf auf Unterstützung warten.

    Im Dez. 2002 war´s in Ban Tab Kung so - wie so treffend beschrieben -, dass durch die Mechanisierung für den Einzelnen lediglich nur noch für jeden dritten oder vierten Tag Arbeit vorhanden.

    Am Altruismus - obwohl dieser Begriff der ´Eigenliebe´ die Situation etwas unglücklich beschreibt, wird sich im Issaan nichts ändern.
    Tatsache ist nun mal - wie auch schon so zielsicher angemerkt -, dass die meisten derjenigen, die mit einem Farang verheiratet bzw. zusammen sind, eben aus diesem Gebiet, dem Korat-Plateau, stammen. Genau, wie die meisten der Taxi-Fahrer in Bangkok und ein Großteil der Selbständig Gewerbetreibenden in Pattaya oder sonstwo.

    Von daher ist eben auch so wenig die Rede von Teak-Häusern in Chiang Mai oder Fischerbooten in Südthailand.

  11. #10
    Avatar von Loso

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    Re: Isaan Kultur am Ende?

    Habe erstmal gedacht, was hat das mit Kultur zu tun? Dann dies gefunden:
    Kultur-Definition
    Kultur ist die „Gesamtheit der erlernten Verhaltensweisen und der übernommenen Einstellungen, Wertesysteme und Kenntnisse (...), die von Mitgliedern einer Großgruppe geteilt und tradiert werden. ‚Kultur‘ ist sowohl Ausdruck als auch Bedingungsstruktur für das Verhalten der Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft.“
    Oskar Weggel: Die Asiaten, München 1989, S. 22
    Auch interessant, G.Ruffert
    Wenn man ein paar typische Beispiele für die Werteordnung der Menschen im Isaan anführen sollte, dann wären es etwa die folgenden:
    • Leben in Gemeinschaft geht über Privatatmosphäre
    • Geld machen geht über ethische Regeln
    • Schnell und einfach geht über korrekt und mühselig
    • Freundliche Unterhaltung ist besser als theoretische Diskussion
    • Äusserlichkeiten gehen über innere Werte
    • Das Jetzt ist wichtiger als Zukunftsplanung
    Zuerst habe ich nämlich an die Gesang5experten (Übersetzung von "Mo Lam")in Begleitung der Khene, die traditionelle Kleidung wie sie bei Paraden zu sehen ist oder künstlerische Fähigkeiten dahinter vermutet.
    Der Isaan ist gemessen an seinen natürlichen Resourcen überbevölkert, was Armut zur Folge hat. Diese Armut gibt es so im Norden oder Süden nicht. Daher taucht die Farang-Ehe und das Unterstützungsphänomen da zwangsläufig viel seltener auf. Diese Kultur des Hand-auf-Haltens kann daher gar nicht am Ende sein, solange der Isaan nicht auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht, und es zB. genügend heiratswillige Farangs gibt. Eine rasante Entwicklung zur High-Tech-Dienstleistungsregion oder Spät-Industrialisierung ist für den Isaan wohl kaum in Sicht, selbst die Öffnung der anderen Länder Indochinas bringt eher Arbeitskräfte-Konkurenz als den Aufschwung in den Grenzregionen.
    Im Gegensatz zu einem Thai erhält der Farang übrigens durch einseitiges Geben keinen höheren Status in der Familienhierarchie, idR. bleibt er selbst als Expat ausserhalb der Familienordnung, natürlich auch wg. der Sprachprobleme.
    Der Thread-Titel hätte also ehrlicherweise "parasitäres Verhalten im Isaan" oder ähnlich heissen sollen. Instabil ist das schon in jeder Mikro-Struktur, denn wer nicht gehätschelt wird, der gibt nicht mehr lange, ganz unabhängig von sozialwissenschaftlichen Theorien.

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