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Integration der Chinesen in Thailand

Erstellt von woody, 26.01.2005, 15:09 Uhr · 31 Antworten · 2.344 Aufrufe

  1. #1
    woody
    Avatar von woody

    Integration der Chinesen in Thailand

    Wieso ist es möglich, dass die Integration der Chinesen in Thailand so reibungslos und vollständig gelingt, wie in keinem anderen Land Südostasiens?

    Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt und möchte mal eure Meinung dazu hören.

    Hier meine Beoabachtungen und Fakten:

    Es gibt wohl kaum eine Familie in Thailand, die nicht einen oder mehrere Mitglieder aus der chinesischen Minderheit aufgenommen hat. Oft kommt es dann, in der 2. oder 3. Generation zu vollständigen Assimilierung an die ´Leitkultur ;-D ´ ohne die eigene Kultur zu unterdrücken ;-D . Länder wie z.B. Vietnam hatten eine ähnlich starke chinesische Zuwanderung wie Thailand, aber dort verläuft die Integration nicht annähernd so reibungslos wie im LOS.
    In Malaysia und Indonesien sind Chinesen von allen Regierungs- und Verwaltungsämtern ausgeschlossen. Ganz anders in Thailand, der regierende Ministerpräsident stammt aus einer Einwanderer Familie sogar der Gründer der Chakri Dynastie Rama I war der Sohn eines Chinesen.
    Es gibt natürlich auch chinesische Einwanderer , die ihr ganzes Leben lang nur ein paar Wörter Thai gelernt haben und abgeschlossen in ihrer mitgebrachten Kultur weiterleben, aber dieses Verhalten ist meinen Beobachtungen nach, zwar sehr auffällig aber wahrscheinlich nicht typisch für die Mehrheit.
    Eine andere Auffälligkeit ist die thailändische Politik gegenüber China, die sofort nach dem Vietnamkrieg, die Kasernen der Amerikaner waren noch warm ;-D , einen Annäherungskurs an China eingeleitet hat. Vielleicht wird der ein oder andere sagen, das ist doch normal, wenn man aber bedenkt das diese Annäherung von rechtslastigen Militärregierungen an das kommunistsiche Mutterland in einer Zeit geschah, als Deutschland noch das Regime in Taiwan als rechtmässige Vertretung Chinas anerkannte, kann man diese Politik nicht als selbstverständlich abtun.
    Nach dem gegenseitigen Anerkennen, kam es dann auch schnell zu einer Partnerschaft, nicht nur auf dem wirtschaftlichen Sektor.
    Prinzessin Sirindhorn z.B. hat mehrere Bücher über die chinesische Geschichte, Kultur und Sprache verfasst, sie übersetzte chinesische Gedichte und Geschichten ins thailändische. Im Jahr 2001 erfüllte sie sich ihren lange gehegten Wunsch und studierte einen Monat lang an der Universität in Peking.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Dieter1

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Woody,

    als in Bangkok ansaessiger weisst Du doch, dass ohne die Chinesen hier nichts laeuft. Die Chinesen taugen fuers Geschaeft, die Thais lediglich fuer Sanuk und davon allein haelt sich kein Staat ueber Wasser. Jo und deshalb haben die Thais kapiert, dass es ohne die Chienesen nicht geht und sie wunderbar integriert.

    Gruss Dieter

  4. #3
    Avatar von DisainaM

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Es gibt verschiedene chinesische Gemeinschaften, die sehr unterschiedlich organisiert sind.
    So besteht die Minderheit in Indonesien und Malaaysia häuptsächlich aus christlichen Chinesen,
    die sich stark abgrenzen und nur unter ihren Leuten sich verheiraten.

    Ähnliches kann man in Thailand beobachten.
    So sind verschiedene Einwanderungswellen über die letzten Jahrhunderte nach Thailand erfolgt,
    manchmal waren es Gemeinschaften, die in ihrem Land verfolgt wurden.

    Die letzte große Einwanderungswelle trat in Thailand Anfang der 60 Jahre in Bangkok ein,
    wegen der Rotlichtnachfrage durch den Vietnamkrieg brachten thai-chinesische Triaden sehr viele Mädchen nach Thailand.

    Zuvor hatte sich der abgespaltende Teil der Chu-ming-tan Armee,
    die von Maos Truppen geschlagen wurde, und nicht ihren Führer Chankai Chek nach Taiwan folgten, nach Thailand abgesetzt,
    und sich zunächst nahe Mae Hong Son niedergelassen.

    Es gibt beides in Thailand,
    die chinesischen Gemeinschaften, die unter sich bleiben,
    und diejenigen, die offen sind.

  5. #4
    Avatar von Jinjok

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Hallo Woody
    Noch bemerkenswerter wird die Intergation der Chinesen in Thailand, wenn man den Stand der Integration anderer Völkerschaften in Thailand betrachtet.

    Mal abgesehen von den Problemen mit den blutigen Unruhen der Malayen im Süden sind die Thais in den südlichen Provinzen recht gut integriert, stellen trotz ihrer Minderheit fast alle offiziellen Posten in der Verwaltung und Polizei kontrollieren auch einen großen Teil des Bildungssystems.

    Der laotische Nordosten Thailands ist ist zwar fester Bestandteil des Landes, ohne separatistische Bestrebungen wie im malayische Süden, aber inwieweit dort auf dem Lande thailändische Kultur gegenüber der loatischen überwiegt weiß ich nicht recht abzuschätzen. Ob man daher im Isaan vor Intergration sprechen kann weiß ich nicht.

    Die aus China eingewanderten Hilltribes haben sich aufgrund ihrer abgeschotteten Lebensweise auf den unzugänglichen Berggipfeln bis heute kaum integriert. Eine eigene Sprache ist dabei nicht der Hinderungsgrund, wie man im teilweise laotischen Isaan oder den anderen Chinesen überall im land gut sehen kann. Es ist der Mangel sich anzupassen zu wollen, der die Hilltribes jahrhundertelang inherhalb der Gesellschaft isoliert hat und das ist in der heutigen Zeit nun wiederum so etwas einzigartiges, daß man nun die Interagtion verhindern möchte indem man die Anpassung der Hilltribes unterbindet. Nicht von staatswegen, sondern von Organisationen, die entweder ihre Religion unter den Bergstämmen verbreiten möchten oder aber diese Menschen als Tourismusmagnet vermarkten.

    Beiden wäre eine Assimilierung der Hilltribes in die Thaigesellschaft von heute ein Dorn im Auge bzw. eine Schädigung des Geschäfts. Viele Touristen würden kein Geld mehr bezahlen um Frauen mit verstümmelten Hälsen oder bunten Trachten zu begaffen. Dort wo die Hilltribes in das Flachland umgesiedelt worden, dem Schulsystem und der Verwaltung unterworden sind, sehen die Häuser und die Kleidung nicht mehr viel anders aus, als die anderer Thais. Sie gehen normalen Arbeiten nach. Auch gibt es in den Siedlungen im Flachland buddhistische Tempel in denen nicht die Dogmen und angstmachenden Drohungen der religiösen Wanderprediger vorherrschen.

    Wie ergeht es nun aber Laoten, Kambodschanern außerhalb des Isaans in Thailand? Solange sie kein richtiges Thai sprechen nicht besonders gut. Zusammen mit den Burmesen stellen sie auch die Billiglohnarbeiter, die für fast jeden Lohn arbeiten und damit die thailändischen Gesetze für einen Mindestlohn unterminieren. Dafür werden sie allenfalls noch von ihren Arbeitgeben akzeptiert, aber keinesfalls geachtet. Aber besonders unter den Armen Thailands ist Haß gegen sie weit verbreitet, weil sie deren Armut verschärfen.

    Die ärmsten Thailands teilen mit diesen Einwanderern eines, nämlich die unzureichende Bildung. Und ohne die können sie nur um die niedrigsten Arbeiten konkurrieren, wobei die Einwanderer eben den Vorteil haben, das sie ihre thailändischen Arbeitskollegen mit ihren Lohnforderungen gnadenlos unterbieten, da sie hier keine Häuser, Großfamilien usw. zu versorgen haben.

    Doch zurück zu den Chinesen. Deren gute Integration ist in erster Linie einer überdurchschnittlichen Bildung zu verdanken, die ihnen auch später Erfolg im Beruf verspricht. In zweiter Linie aber ist es doch die wirtschaftliche Macht, die es den Chinesen ermöglicht, sich genau soweit im Lande zu integrieren, wie es vorteilhaft ist - ohne ihre nationale Indentität und Kultur ganz aufzugeben.
    Jinjok

  6. #5
    Rene
    Avatar von Rene

    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Stammt nicht die Urbevölkerung Thailands aus dem Süden Chinas? Würde einiges erklären.

    René

  7. #6
    Avatar von DisainaM

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    In der Provinz Yunan gibt es verschiedene Bevölkerungsgruppen, wie die Dai, die Wurzeln bis nach Thailand haben,
    auch ist der Theravada-Buddhismus in Yunan verbreitet,
    und die Sprach dem Thai sehr ähnlich.

    Darum ist es grundsätzlich schwierig, von Chinesen zu sprechen, bei einer Bevölkerung, die sich aus so vielen verschiedenen Kulturen, und Gruppen zusammen setzt.

    Han-Chinesen findet man in Thailand vorwiegend in der China-Town von Bkk.

    Yunan-Chinesen sind wegen ihrer gleichen Religion in Thailand sehr verbreitet,
    obwohl man im Grunde vom Begriff Yunan-Chinesen nur vom regionalen Bezugspunkt her sprechen kann, wegen den verschiedenen kulturellen Minderheiten dort.

  8. #7
    pef
    Avatar von pef

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Man könnte doch Thailand glatt als eigensständige Provinz Chinas ansehen? :-)

  9. #8
    Avatar von Dieter1

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Zitat Zitat von Rene",p="210079
    Stammt nicht die Urbevölkerung Thailands aus dem Süden Chinas? Würde einiges erklären.

    René
    Rene,

    ich lese immer wieder in geschichtlichen Abhandlungen ueber Thailand, dass die Thais aus Suedchina ins heutige Thailand eingewandert sein sollen.

    Gruss Dieter

  10. #9
    Avatar von Armin

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    1.415

    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    @all

    Die Buddhisten fördern jegliche Integration.
    Nur religiöse Fanatiker suchen die Abgrenzung - im Nordwesten und im Süden.

    Leider wird mit TRT ein Nationalismus geschürt, der den ..... nicht viel nachsteht.

    Nur: Thaksin ist Chinese und Adolf war Österreicher.

    DdD - Deutschland den Deutschen.

    Nur so meine Eindrücke.


    Hier in Thailand ist es schwer fundierte Geschichtsdaten zu finden, weil die teilweise mit der Geschichtsschreibung in Schulbüchern kollidieren.
    In Hamburg in der Uni müsste da einiges zu finden sein.

    Gruß Armin

  11. #10
    Avatar von Jinjok

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    Re: Integration der Chinesen in Thailand

    Mit der antiken und mittelalterlichen Geschichtsschreibung ist das so eine Sache in einem Land, das erst im 13. Jahrundert eine Schriftsprache bekam. König Ramkamhaeng soll die Thaischrift erst Ende des 13. westlichen Jahrunderts aus der cylonesischen Schrift entwickelt haben, die buddhistische Mönche von Cylon nach Thailand brachten. Bis dahin gab es Aufzeichnungen über Thailand nur in anderen Ländern, die bereits über eine Schrift verfügten. Bilddarstellungen in Form von Gemälden und Reliefs, überdauerten in dem tropischen Klima leider selten mehr als ein Jahrtausend.

    Die Besiedelung Thailands im Altertum ist also nur zu rekonstruieren, wenn man die Aufzeichnungen aus China und Indien mit archäologischen Funden abgleicht. Bis 40.000 Jahre reichen die Funde von menschlichen Überresten in Thailand zurück. Aber diese Reste lassen sich keinem Volk zuordnen. Das älteste mir bekannte Volk, welches noch heute in Thailand siedelt, sind die Mon. Sie übernahmen als erste den Buddhismus aus Indien und daher gibt es über sie Notizen auf dem Subkontinent.

    Das heißt aber nicht, daß außer den Mon keine anderen Völker im Gebiet des heutigen Thailands siedelten. Aus Aufzeichnungen aus China weiß man jedoch, daß die Thaivölker erst im 8. westlichen Jahrhundert von China aus in das Hochland von Laos und Vietnam auswanderten. Das heutige Thailand dürften sie also noch später erreicht haben.
    Jinjok

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