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Im Achterwasser des Weltgeschehens?

Erstellt von x-pat, 22.04.2005, 06:41 Uhr · 9 Antworten · 528 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von x-pat

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    Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Folgendes ist aus dem Geister Thread herübergeschwappt:

    x-pat: Vielleicht sollten wir darüber diskutieren, warum die Nationen Asiens -Thailand und China unter anderem- einst zu den führenden Zivilisationen des Ostens zählten, dann plötzlich stehenblieben, zurückfielen, und heute zu den Ländern gehören, die im Achterwasser des Weltgeschehens dümpeln.

    Dieter: Aber expat, China als eine Nation zu bezeichnen, die im "Achterwasser des Weltgeschehens dümpelt" das kann wohl nicht dein Ernst sein.


    Doch, da ist mein Ernst - zumindest wenn wir von der neueren Geschichte reden. Die Chinesen haben zwar das Papier erfunden, sowie Seide, Streichhölzer, Papiergeld, Eisengießerei, und vieles anderes. Sie sind auch die bevölkerungsreichste Nation der Erde und haben die Chinesische Mauer erbaut, das größte Bauwerk der Welt. Aber alle diese hervorragenden Errungenschaften haben bereits vor dem Jahr 1000 n.Chr. stattgefunden. Seitdem ist China in einer Art Dornröschenschlaf versunken. Das heisst: das China das Marco Polo in der Yuan Dynastie besucht hatte, ist nicht sehr verschieden von dem China unserer Großväter in der späten Quing Dynastie. Erst 1911 ist China mit der Republik aus dem Mittelalter herausgetreten. Die Kommunisten in China haben danach mit ihrer brutalen "Kulturrevolution" mehr Schaden angerichtet, als das sie die Nation tatsächlich in die Moderne gehievt hätten, wie es ihre Absicht war. Erst gegen Ende des 20ten Jahrhunderts ist China aus dem Dornröschenschlaf wieder erwacht. Es ist daher anzunehmen, dass die China nicht mehr lange im Achterwasser fahren wird.

    Andere Nationen Asiens sind ebenfalls mysteriöserweise in der Geschichte steckengeblieben. Thailand, zum Beispiel, hat seinen kulturhistorischen Zenith im 17ten Jahrhundert erreicht, etwa in der mittleren Ayutthaya Periode. Zu diesem Zeitpunkt war Ayuttaya eine große, florierende Handelsstadt mit erstaunlichen Kanälen und Bauwerken, die durchaus mit den europäischen Hauptstädten der Zeit konkurrieren konnte. Bis zur Zerstörung Ayutthayas durch die Burmesen 1767 ist es den Thais gelungen eine dominante Position in Indochina zu erreichen, sowohl politisch als auch ökonomisch. Aber die technologische und geistesgeschichtliche Entwicklung trat auf der Stelle. Während Europa die Reformationskriege hinter sich gebracht hatte und nun kriegsmüde die neuen Wege der Wissenschaft beschritt, zementierte man in Thailand das patriarchalische Feudalsystem und den Buddhismus in die Gesellschaft ein. Es war die Zeit von Galileo, Bacon, und Descartes. Amerika wurde erforscht und erobert. In Europa baute man Akademien und in Thailand Tempel. Es folgten Euler, Newton, Boyle, Laplace, Dalton, Darwin, Einstein und andere, während in Thailand lediglich Könige, Dynastien, und Scharmützel mit den Burmesen einander abfolgten. Gegen Ende des 17ten Jahrhunderts zog sich Thailand unter Phra Phetracha dann in vollständige Isolation zurück, denn Blick starr auf die Vergangenheit gerichtet. Seit dieser Zeit dümpelt auch Thailand im Achterwasser des Weltgeschehens. Erst mit dem Anbruch der Moderne in Thailand unter König V Chulalongkorn hatte die Nation langsam wieder Anschluss an die Welt gefunden. Seitdem ist jedoch in den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Literatur nicht viel aus Thailand gekommen. Die Frage ist: wird mit China auch Thailand wieder wachsen? Oder werden sie zu Rivalen?

    x-pat

  2.  
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  3. #2
    Avatar von walt.

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Hallo x-pat,
    ein klasse Beitrag, auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Fortschrittliche Ideen, Abkehr von Isolation,Oeffnung nach aussen, eine geistige Elite, Akzeptanz dieser Elite in breiteren Bevoelkerungsschichten mit wachsender Bildungsorientierung sind sicher unter anderem Voraussetzungen, dass Thailand das aufholt, was in unseren Augen als Rueckstaendigkeit erscheint. Aus meinen persoenlichen Beobachtungen, also keineswegs repraesentativ, kann ich nur schliessen, dass solche Voraussetzungen nur im geringen Masse vorhanden sind.
    Sich nach anderen zu richten, kritiklos das Konsumdenken und Konsumverhalten der Mehrheit zu uebernehmen, neue Ideen zu ignorieren, den Eigennutz ueber beispielsweise den Schutz der Natur zu stellen, Fremdes und Fremde abzulehnen, die politische Fuehrung zu bejahen, die Auswuechse des Polizeistaates geduldig zu ertragen, die Moeglichkeiten individueller Einschaetzungen und daraus folgend vom Vorbild der Eltern abweichende Lebensgestaltung nicht wahrzunehmen, Bildung, beispielsweise in Fremdsprachen, als nicht besonders erstrebenswert zu halten, positive Aenderungen im Leben von guetigen Geistern und Lotteriegewinnen zu erhoffen, sind beobachtete Verhaltensweisen, die ich nicht akzeptiere.
    Bei der Bildung koennte man ansetzen, aber wozu benoetigt der thailaendische Lehrer den Ratschlag eines follang?
    Gruesse

  4. #3
    Avatar von Sakon Nakhon

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    ...zementierte man in Thailand das patriarchalische Feudalsystem und den Buddhismus in die Gesellschaft ein.
    Wenn mal alle den Buddhismus "einzementieren" würden wäre die Welt friedlicher.

    Apropos: Ist der Islam in den entsprechenden Ländern dann folglich "einbetoniert"?!

  5. #4
    Avatar von zero

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Dass einst politisch und kulturell führende Nationen heute im Achterwasser des Weltgeschehens dümpeln ist ja kein Phänomen, das sich auf Ostasien beschränkt. Man denke nur an Mesopotamien (Irak), Ägypten, das Mogul-Reich in Indien, das arabische Kalifen-Imperium, selbst die Mayas und Inkas. Auch die Griechen sind schon lange nicht mehr die großen Vordenker und miltärischen Beherrscher der Welt (Alexander der Große) die sie einmal waren.

    Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass sich politisches und kulturelles Gewicht von Zeit zu Zeit verlagern, und zwar aus verschiedenen Gründen. Jedes blühende System erstarrt irgend wann einmal und zerfällt von innen (oder, da innerlich geschwächt, auch durch Gewalt von außen). Das macht mir insoferne Mut, als dem rein konsumorientierten und erdölabhängigen Panzerkapitalismus der USA auch irgend wann einmal die Stunde schlagen wird. Ich werde es nicht mehr erleben, aber vielleicht meine Kinder oder Enkel.

  6. #5
    Avatar von Samuianer

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Zitat Zitat von zero",p="238875
    .. dem rein konsumorientierten und erdölabhängigen Panzerkapitalismus der USA auch irgend wann einmal die Stunde schlagen wird. ...
    Well, so koennte es kommen, weil es bisher immer so kam, es muss aber nicht. Das ist eine hypothitische Seiltanznummer mit gehoerigem US-Sentiment.

    Wie auch immer, wenn, dann wird, sofern sich China schon genuegend entwickelt hat, China an deren Stelle treten!! 100% Als erstes werden sie erstmal taiwan "Heim ins Reich" holen, dann die Spratleys und eventuell Japan anektieren - weil die ihnen ´noch was schuldig´ sind.. oder so.. Seit dem es Menschen gibt wird die Geschichte in Blut geschrieben - das ist der Menschen Wesen - seit Zeitengedenken gewesen - Mal die Spanier, Portugiesen, die Griechen, die Roemer, die Mayas, die Franzosen, die Deutschen, die, die, die... willst du weiter malen?

    Ist ein Teil von dem was wir als Leben verstehen, der Herbst und Winter bringen ja auch Tod und Verderben fuer viel Leben, um letztendlich Platz fuer frische Schosse, firsches Leben zu schaffen... (ICh weiss das ich hier stark reduziert habe - aber die ´liebe´ Zeit...)

  7. #6
    Avatar von x-pat

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    walt.: ...wozu benoetigt der thailaendische Lehrer den Ratschlag eines follang?

    Die Wortschöpfung gefällt mir. Ich nehme an ´follang´ ist zusammengesetzt aus ´folly´ (Torheit) und ´farang´ (Ausländer)?

    Was die notwendigen Konditionen für das erfolgreiche Herausrudern aus dem Achterwasser angeht, stimme ich dir zu. Das Bildungswesen ist der einzig sinnvolle Ansatzpunkt um die Veränderungen herbeizuführen, die dann irgendwann einmal -hoffentlich- zu einer "knowledge-based economy" führen und zu vor allen Dingen zu einem umwelt- und sozialverträglichen Wachstum. Die Alternative dazu, die oft von neo-konservativen Kreisen propagiert wird, wie zum Beispiel Mahj-Gen Chamlong und seine Anhänger, aber auch von seiner Majestät dem König Unterstützung findet, ist die sogenannte "self-sufficient economy", also eine weitgehend autarke Binnenwirtschaft, die weniger an marktwirtschaftliche Dynamiken gebunden ist. Inwieweit letztere Alternative im Zeitalter der Informationstechnung und Globalisierung überhaupt realistisch ist, halte ich für fraglich.

    Gruß, x-pat

  8. #7
    Avatar von Dieter1

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Expat,

    diesen Thread halte ich fuer voellig ueberfluessig, denn die Zeit in der China im Achterwasser duempelte ist definitiv vorbei, wie Du ja auch selbst einraeumst.

    Gruss Dieter

  9. #8
    Avatar von x-pat

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Dieter,

    Es wäre schön wenn du nicht nur die ersten zwei Zeilen durchließt, bevor du kommentierst. Dann wäre es dir nämlich auch nicht entgangen, dass es um wesentlich mehr geht als um die China Frage, und du hättest vielleicht was zur Sache sagen können. Diese Oberflächenkommentierung hast du jetzt schon mehrere Male gemacht...

    x-pat

  10. #9
    Avatar von Dieter1

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Expat,

    sorry, aber auch mehrmaliges lesen des Gesamtthreads bestaetigt meine Meinung.

    Gruss Dieter

  11. #10
    Avatar von Samuianer

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    Re: Im Achterwasser des Weltgeschehens?

    Zitat Zitat von x-pat",p="239168
    ..Inwieweit letztere Alternative im Zeitalter der Informationstechnung und Globalisierung überhaupt realistisch ist, halte ich für fraglich...
    ;-D

    Dem schliess ich mich glatt an!

    Bis sich das Bildungsloch gefuellt hat wird noch eine Weile vergehen und Thailand wird unter massiven Druck der Chinesen geraten.

    Erste Anzeichen sind Heute schon zu erkennen.

    Da Thailands Wirtschaft hauptsaechlich auf Agrar-und Tourismus baut, koennte sie gerade im Agrarbereich gegenueber China, noch staerker unter Druck geraten und die Erzeugerpreise weiter ins Nichts versinken.

    Hinzu kommen die stark erhoehten Mineraloelpreise. Vor 2-3 Jahren brachten ein u.A. Kilo Mangkut (Mangosteen) noch bis 90 Baht, Gestern fuhr ein Fahrzeug durch die Strassen, von dem ein Lautsprecher Mangkut, Maaangkut 5 Kilo 100.- Baht in die Umgebung plaerrte... Das sind Preisverfaelle! SO sieht es mit vielen der landwirtschaftlichen Produkte aus.

    Toxin liess den Bauern Kredite aushaendingen die den Anbau foerdern und somit die Einkommen erhoehen sollten. Real geschieht genau das Gegenteil! Sie arbeiten mehr, verdienen weniger.

    Wielange der von ihm angeheizte ´Boom" noch boomen wird, werden wir bald sehen. Machen sich doch die TRT Leute, laut The Nation, schon Gedanken ueber die Nach-Toxin-Zeit.

    Verdient haben ER und seine Komparsen bis dahin ALLEMAL genug. Dann koennen sie sich ihren neu geschaffenen Imperien zuwenden - wer will schon was mit ungebildeten Bauern zu tun haben? (Full Circle)

    China wird als Investitions-Land mit ungeahntem Potenzial hoechstinteressant.

    Toxin, d.h. sein Unternehmen mischt schon stark mit, so CP, die Sang Som Destillerie, u.v.A.m.