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Hausnutzungsrecht und Erbe im Falle des Todes der thail. Frau

Erstellt von johjoh, 23.05.2012, 11:34 Uhr · 9 Antworten · 1.351 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von johjoh

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    Question Hausnutzungsrecht und Erbe im Falle des Todes der thail. Frau

    Hallo Forianer,

    ein Fragenkomplex, der mich im Moment beschäftigt, und zu deren Beantwortung ich bisher auf so viele Fragmente hier im Forum stoße; allein, das alles ist noch für mich nicht so recht zu fassen. Darum meine herzliche Bitte an die Experten unter Euch, mir da mal ein wenig Aufklärung zukommen zu lassen.

    Derzeit stellt sich für mich und meine Frau (sie ist Thai) die Frage, ob wir später, wenn wir nach TH übersiedeln, Land kaufen und selbst bauen sollen; oder ob wir ein Haus kaufen sollen; oder ob wir wie hier in D dort in TH zur Miete wohnen sollen. Dabei ist folgende Frage grundlegend und uns bislang unklar:

    Wenn wir kaufen, wie verhält es sich in dem Fall, dass meine Frau vor mir sterben sollte? Gemeinsame Kinder haben wir nicht. Wir wollen beide nicht, dass es in dem Fall zu einem Zugriff auf Land/Haus ihrer Geschwister kommen kann.

    1.) Läßt sich das so vertraglich regeln, dass ich dann dort ein lebenslängliches Alleinnutzungsrecht habe?

    2.) Wie kann ich dann für meinen (in diesem Falle späteren) Tod sicherstellen, dass meine Kinder (die nicht in TH leben) an ihren Erbteil kommen? Reicht ein thailändisches Testament aus?

    3.) Ist es sinnvoll, in Thailand ein Testament bei einem Notar (oder wie die sich dort auch immer schimpfen) zu hinterlegen? Gibt es in BKK empfehlenswerte Spezialisten?

    Wäre sehr schön, wenn Ihr mir helfen könnt und wollt. Besten Dank schon einmal im voraus und herzlichen Gruß -

    Chris

  2.  
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  3. #2
    Avatar von jai po

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    Ausländischer Erbe eines Grundstücks

    Der Leser interessiert sich nun für den unbeweglichen Teil des Nachlasses, sprich Immobilien und konkret ein bebautes Grundstück. Sollte ein Ausländer als Erbe für ein bebautes Grundstück benannt sein, so wird er als Erbe im Grundbuch eingetragen mit dem Vermerk, dass er dieses im Wege der Erbfolge erlangt hat. Die Position des ausländischen Erben ist allerdings nicht vergleichbar mit einer vollwertigen Eigentümerstellung. Er kann die Immobilie zwar benutzen und auch weiterverkaufen, er kann sie aber bspw. nicht mit dinglichen Rechten (bspw. einer Hypothek oder einem mehrjährigen Mietvertrag) belasten. Eine zeitliche Befristung gibt es nicht. Erben müssen auch keine Zwangsenteignung fürchten. Manche mögen nun an die Situation denken, in welcher das Grundbuchamt Kenntnis erlangt, dass ein Grundstück zu Unrecht von jemand gehalten wird. Dann gibt es eine Aufforderung, besagtes Grundstück innerhalb von 180 Tagen zu verkaufen. Sollte dies nicht gelingen, wird die Veräußerung vom Grundbuchamt vorgenommen. Dies findet jedoch auf die Erbfälle keine Anwendung. Wichtig ist aber, dass man Vorsorge trifft, dass man in höherem Alter keine Belastungen mehr in Form einer Hypothek an einem Grundstück vornimmt. Dies kann zu ungewollten Gerichtsprozessen führen.

    DER FARANG

  4. #3
    Avatar von waanjai_2

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    zu 1: Ja. Das relevante Suchwort heißt "usufructus" in der Suche im Forum

    zu 2: Es reicht ein selbst verfaßtes und geschriebenes Testament, welches zweisprachig übersetzt wurde
    in D. empfiehlt sich die Hinterlegung beim Amtsgericht (kostet wenig). Das wird dann rein faktisch beim Personenstandsamt Deines Geburtsortes aufbewahrt. Im Todesfalle (Todesanzeige und ~bescheinigung geht ja über Witwe an Deutsche Botschaft) meldet die Deutsche Botschaft den Tod an den im RP genannten Geburtsort. Von dort dann Benachrichtigung der Erben in D. Vorgang wurde im Forum beschrieben.

    zu 3: Es gibt in TH den Titel des Notary Public in Form einer rein berufsrechtlich geregelten Spezialisierung des Anwaltsberufs. Es stellt sich aber die Frage, warum man innerthail. überhaupt noch speziell tätig sein will, wenn innerthail. zu erwarten steht, dass der Tod Beachtung findet. Da ist Maßnahme #2 deutlich wichtiger.

  5. #4
    Avatar von johjoh

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    @waanjai_2
    Danke für den Hinweis. Zur Sicherheit die Nachfrage: Nießbrauch kann man also für 30 Jahre festschreiben - dann hätten alle potentiellen Erben für diese 30 Jahre keinerlei Zugriff? Sehe ich das richtig so?
    Wenn man so den usus fructus festschreibt, gilt er in TH dann 30 Jahre ab Hinterlegung oder ab Ableben des Vererbers?

  6. #5
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von johjoh Beitrag anzeigen
    ...Zur Sicherheit die Nachfrage: Nießbrauch kann man also für 30 Jahre festschreiben - dann hätten alle potentiellen Erben für diese 30 Jahre keinerlei Zugriff? Sehe ich das richtig so?
    Wenn man so den usus fructus festschreibt, gilt er in TH dann 30 Jahre ab Hinterlegung oder ab Ableben des Vererbers?
    Die Formulierung: keinerlei Zugriff klingt ein wenig protzend. Sie sind die Eigentümer des Landes nach dem Tod der Ehefrau. Müssen aber bei allen Entscheidungen den usufructus-Inhaber um Erlaubnis bitten. Auch bei Absicht eines Verkaufs.
    Der usufructus kann entweder gleich "lebenslang" oder "für die nächsten 30 Jahre" (mit Wiederholungsmoeglichkeit) ab Eintrag in das Grundbuch niedergelegt werden. Es ist ein wenig Sache des Verhandlungsgeschicks der Ehefrau im Landamt.
    Die einen Verwaltungsbeamten finden 30 Jahre - also eine Stichtagsregelung - bürokratisch einfacher zu handeln, die anderen die Feststellung eines Todestages.

  7. #6
    Avatar von johjoh

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    Zitat Zitat von waanjai_2 Beitrag anzeigen
    Die Formulierung: keinerlei Zugriff klingt ein wenig protzend. Sie sind die Eigentümer des Landes nach dem Tod der Ehefrau. Müssen aber bei allen Entscheidungen den usufructus-Inhaber um Erlaubnis bitten. Auch bei Absicht eines Verkaufs.
    Der usufructus kann entweder gleich "lebenslang" oder "für die nächsten 30 Jahre" (mit Wiederholungsmoeglichkeit) ab Eintrag in das Grundbuch niedergelegt werden. Es ist ein wenig Sache des Verhandlungsgeschicks der Ehefrau im Landamt.
    Die einen Verwaltungsbeamten finden 30 Jahre - also eine Stichtagsregelung - bürokratisch einfacher zu handeln, die anderen die Feststellung eines Todestages.
    Danke. Ich hoffe, ich beginne langsam zu verstehen.
    Also bei Land - wäre lebenslanger Nießbrauch grundsätzlich möglich. Mit ggf. späteren Verhandlungen der thailändischen Erben.
    Und Haus? Da scheinen die Thai zu trennen. Kann ich denn als legal alien Eigentümer eines Hauses sein? Wenn ja, gäbe es dann die Möglichkeit, später in TH einen entsprechenden Ehevertrag mit Gütertrennung zu machen; gibt es das in TH überhaupt? Wenn ja, dann tendiere ich zum Hauskauf mit testamentarisch festgelegtem lebenslangen Usus fructus für den überlebenden Nichteigentümer.

    Gruß,

    Chris

  8. #7
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von johjoh Beitrag anzeigen
    Und Haus? Da scheinen die Thai zu trennen. Kann ich denn als legal alien Eigentümer eines Hauses sein? Wenn ja, gäbe es dann die Möglichkeit, später in TH einen entsprechenden Ehevertrag mit Gütertrennung zu machen; gibt es das in TH überhaupt? Wenn ja, dann tendiere ich zum Hauskauf mit testamentarisch festgelegtem lebenslangen Usus fructus für den jeweiligen Überlebenden.
    1. Klar, kannst Du alleiniger Eigentümer eines Hauses sein. Entweder, weil Du es ganz allein bezahlt hast oder es geschenkt bekommen hast.
    2. Eheverträge kann man in Th nicht während der Ehe machen. Die müssen vor der Ehe abgeschlossen werden.
    3. Der Hebel für alle unerwünschten Eingriffe ist eigentlich immer das Eigentum am Land. Deshalb ist halt der Alien-Ehemann zumeist der usufructus-Begünstigte.
    4. Das Eigentum am Haus ist hingegen ganz leicht gegenseitig festzulegen. Die gute Eigenschaft von Testamenten. Insbesondere ist es in TH leicht moeglich, die Frau nach dem Tode zunächst als Alleinerbin einzusetzen.

  9. #8
    Avatar von johjoh

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    Wunderbar, jetzt kriegt die Sache Kontur für mich.
    Also für mich heißt das dann: Hauskauf von mir in meinem Namen und Testament mit lebenslangem Nießbrauch für meine Frau (damit keine deutschen Erben dazwischenfunken können, sollte ich vorher den Löffel abgeben).
    Herzlichen Dank für die Auskünfte, hat mir sehr geholfen.
    Besten Gruß,
    Chris

  10. #9
    Avatar von waanjai_2

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    Zitat Zitat von johjoh Beitrag anzeigen
    Also für mich heißt das dann: Hauskauf von mir in meinem Namen und Testament mit lebenslangem Nießbrauch für meine Frau (damit keine deutschen Erben dazwischenfunken können, sollte ich vorher den Löffel abgeben).
    Nur zur Klarstellung für andere, evtl. flüchtig Mitlesende: Bei dem Hauskauf werden realiter 2 Verträge geschlossen: Der erste von der Frau in ihrem Namen (wenn auch mit dem Geld des Ehemanns). Ergebnis wird sein, sie als Thai, steht als alleinige Eigentümerin des Grundstücks im Grundbuch. Der Kaufvertrag führt zu einer Änderung des Grundbucheintrags des betreffenden Grundstücks. Der zweite Vertrag ist der o.b. Hauskauf im Namen des Mannes.

    Akzessorisch erklärt dann der Alien in seinem Testament den lebenslangen Nießbrauch des Hauses für seine thail. Ehefrau. Wie die Eigentumsverhältnisse nach Scheidung oder Tod aussehen regelt ansonsten "normales" thail. Eherecht.
    Die Ehefrau beantragt beim Landamt die Eintragung des usufructus für den Ehemann für das ihr gehoerende Land, welches auf der Rückseite des Chanots eingetragen wird.

  11. #10
    Avatar von Socrates010160

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    Na geht doch:

    So hatte ich das in einem anderen Thread auch gefragt, Waanjai.. doch Deine Posts in diesem Thread sind wesentlich verständlicher. Jetzt könnte ich mir auch die geplante Firmengründung sparen, wenn ich nicht noch eine Workpermitt haben wollte...

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