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Geschichte aus dem Isaan

Erstellt von ualan, 26.04.2003, 15:31 Uhr · 8 Antworten · 1.186 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von ualan

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    Geschichte aus dem Isaan

    Es begab sich am 12.4.03,also einen Tag vor Sonkraan,daß wir mit der Familie meiner Frau das Mor Lam Sing Fest einer Freundin in der Provinz Korat besuchten....

    Nach ca. 200 km kamen wir schliesslich in Huai ter leng ,ein kleiner Ort mit Bahnhof,an.Dort warteten wir auf ein Auto dass uns abholen sollte,da das Dorf in dem das Fest stattfand sehr abgelegen und schwer zu finden war.
    Im Konvoi ging es dann weiter noch ca. 5 km befestigte Strasse,dann weitere 30 km gewundene Piste mit etlichen Schlaglöchern an deren Ende sich dann das Heimatdorf der Freundin meiner Frau befand.Das Dorf bestand aus einer Sackstrasse von 50m Länge an der sich vieleicht 15 Häuser reihten.Von dieser eine weitere Sackstrasse abgehend 20 m lang am Ende das Wat,auf dessen Areal das Fest stattfinden sollte.

    Noi,die Freundin meiner Frau ist mit Tom einem 56 jährigen Australier verheiratet.Sie betreiben in BKK eine Minibuslinie und sind eher als ausgesprochen wohlhabend zu bezeichnen.

    Tom ein erfolgreicher Unternehmer lernte sie in Australien kennen und sie beschlossen vor 5 Monaten nach Thailand zu ziehen(mutig,mutig,noch nie in Thailand und dann alles aufgeben...)

    Der Sinn des Festes,so erfuhr ich nun, war dem Kloster aus den Einnahmen des Festes(Losbude,Getränkeverkauf etc.) den Bau eines Krematoriums zu ermöglichen-eine Milchmädchenrechnung bei Kosten von 30000 Baht für die 20 Köpfige Tanztruppe mit Sängern und Moderatoren und Gästen die sich wahrscheinlich nur schwer die abendliche(Plastik-)Tüte Lao Kao am Dorfladen leisten können.Der eigentliche Sinn war natürlich der Ansehensgewinn der ja vielen unserer Thaifrauen soo wichtig ist.
    Da befanden wir uns nun auf dem Platz des Klosters mit den Dorfbewohnern,im wesentlichen die Familie von Noi,ach ja ein freundlicher,dem Alkohol nicht abgeneigter Polizist war auch da...

    Gegen 21.00 begann schliesslich die Aufführung,die Bewohner der umliegenden Dörfer trudelten auch langsam auf ihren Motorrädern und Traktoren ein bis sich schliesslich ca 200 Gäste auf dem Fest befanden.

    Nach einer halben Stunde löste sich die Zurückhaltung der Gäste, die harmlosen Witze der Moderatoren,ihr kennt das ja,der Alkohol,die aufpeitschende Musik taten ihr übriges und das Fest kam langsam in Gange.
    Auch ich wurde langsam lustiger,denn der Moderator vergass nie nach jedem Lied den Namen des edlen Spenders "MR TOM" zu erwähnen,der ja allen dieses Fest ermöglicht habe(das Erwähnen des Namens seitens Moderatoren ist ein untrügliches Zeichen für den Totalverlust grösserer Mengen sauerverdienten Geldes und sollte stets vermieden werden).
    Um 22.00 ein kleiner jedoch auf Mor Lam Sing Festen nicht ungewöhnlicher Zwischenfall:Ein Betrunkener nachträglich nicht mehr Festzustellender schmiss eine Flasche in die am Boden auf Matten sitzende Menge( zu diesem Zeitpunkt auch Fauen und kleine Kinder)-eine grosse zu nähende(nur wer)Kopfwunde war das Resultat.Das macht dem thailanderfahrenen Farang nichts,das kennt er ja schon von diversen Anlässen im Reggae Pub und the Doors und wie immer gilt "mei süak" sich nicht einmischen,insbesondere bei Streit unter Betrunkenen(Thais)Doch es kommt noch bessser...

    Gegen 22.30 dann ein überlastungsbedingter Stromausfall,eine Stunde dauernd,der in Folge dazu führte daß die meisten Frauen und Kinder sich auf den Heimweg machten.
    Gegen 24.00 dann, als nur noch besoffene männliche Thais im Alter zwischen 18 und 25 anwesend waren sagte ich Tom schliesslich daß ich jetzt schlafen gehen würde.Tom der Gentleman erklärte sich sofort bereit mich zu seinem Haus zu begleiten(Fussweg 30m)um mir dabei zu helfen einen Schlafplatz zu finden.(in einem Thaihaus daß etwas auf sich hält schlafen selten unter 20 Personen)
    So machte ich mich schliesslich mit Tom auf den Weg,in einigem Abstand gefolgt von unseren Frauen.Etwa auf halbem Weg stellen wir fest -Frauen kommen nicht- nichts Ungewöhnliches, ihr kennt das sicher,von der Absicht einen Ort zu wechseln bis zum wirklichen Vollzug können leicht Stunden vergehen,wir also zurück und finden Toms Frau in einem handfesten Streit mit einem sichtlich erregten Thai(Marke schwarze Windjacke).
    Gespräch im Nachhinein rekonstruiert:Anzügliche Bemerkung,daraufhin der Hinweis ob er wisse wer sie sei und das Verlangen einer Entschuldigung,natürlich keine Entschuldigung,daraufhin sie -dann rufe ich die Polizei,daraufhin er -versuchs doch ,dreht sich um geht, aber nicht lang, kommt zurück mit einem Schlagring in der Hand hinter ihm 20 bis 30 Männer aus seinem Dorf,teilweise bewaffnet mit Messern,Prügeln und laut Aussage der uns unterstützenden Thais auch Schusswaffen(bün).

    Sofort bedeuteten mir ein paar der befreundeten Thais mit sehr ernsten Gesichtern mich in das Klostergebäude zu begeben,was ich auch sofort tat nachdem ich meine Frau gefunden hatte,die nicht weniger besorgt aussah.Ist ein komisches Gefühl wenn sich so Waffen in der Gegend befinden,ich war ja nicht direkt bedroht,aber Kugeln fliegen weit..

    Wir alle also im Kloster ,ausser uns zwei Farangs nur Frauen,die Türen und Fenster verrammelt,langsam sammeln sich "unsere"Thais vor der noch einen Spalt offenstehenden Tür ,einer nervös mit so einer schwarzen Mappe in der Hand(was da wohl drin war?)Andere bewaffneten sich mit Macheten etc..Meine Frau am Boden mit todernstem Gesicht und Bauchschmerzen und langsam erfahre ich das Problemie andere Seite,also die aus dem anderen Dorf waren zahlenmässig weit überlegen,der Dorfpolizist zur Hilfe gerufen besoffen und uns nicht loyal.
    GOTT SEGNE DIE MOBILTELEFONE rufen wir in der Polizeistation 40km Piste entfernt an,die erklären sich auch bereit zu kommen und kommen auch schliesslich einenhalb Stunden später.Verdammt lange in dieser Situation.

    Man könnte eine gewisse Passivität unsererseits kritisieren,aber in einer Situation mit nicht rational weil betrunken handelnden Thais im Besitz von Schusswaffen empfiehlt sich dies dringend(Khon glua bün ju nan)

    Polizei trifft ein ,wir,neuen Mut gefasst,raus aus dem Gebäude zur Polizei.Vier Polizisten alle die Waffe gezückt vor ihrem Pickup umringt von besoffenen Thais von denen ich nicht sagen konnte wer Freund und Feind.Noi schildert der Polizei was passiert ist und es stellt sich heraus daß die "Bösen" alle nicht mehr da sind.

    Unser Plan ist jetzt nachdem keiner mehr in diesem Dorf übernachen möchte zu Nois Haus zu gehen in dem die Kinder schlafen und auch die Autos stehen und mit diesen zu uns nach Khon Kaen zu fahren(unser Haus liegt unweit Highway BKK Nong Khai)Tom und ich wollen also losgehen zum Haus ,sind ja nur 30-40 m,aber Noi besteht darauf das wir mit der Polizei auf der Ladefläche des Pickup fahren.

    Wir fahren los aber nach kaum 20 m kommt uns aufgeregt eine weinende Frau entgegengelaufen und sagt,daß sich alle vor Nois Haus versammelt hätten, 20-30 Thais bewaffnet mit Knüppeln ,Messern und Pistolen.Die Polizei bringt uns ins nächste Haus,so ein Holzhaus auf Stelzen,wir warten oben ,Klappe verriegelt.

    Wir warten also in dem Haus als 15 Minuten später Schüsse fallen.Wie gesagt so ein Holzhaus keine 20 m von Nois Haus enfernt...

    Weitere 15 min später kommt einer und sagt wir könnten rauskommen,die anderen wären weg.Wir zum Haus Kinder und Kleider zusammengepackt,dann in die Autos.Polizei fährt voraus,mittlerweile 4 konfiszierte Motorbikes auf der Pritsche,gefolgt von meiner Frau mit mir in Limusine,dann Sportrider mit Noi,Tom,Familie und einem Polizisten. Dahinter noch 2 Minibusse ,einer voll mit Kindern.

    Nach einer Stunde Ankunft Polizeistation,Anzeige gemacht (vermutlich sinnlos),dann gegen 6.30 nach Hause .

    Ursächlich dafür war sicher Neid,der Konsum von Alkohol,dennoch lässt mich das Gefühl nicht los als wäre es geplant gewesen.Dafür sprechen die Waffen ,die sie dabeihatten und der Zeitpunkt der Auseinandersetztung.Es muss für sie ausgesehen haben als wollte Noi das Fest verlassen und die letzte Gelegenheit Streit vom Zaun zu brechen.

    Letztlich ist sie aber nicht ganz unschuldig daran ,denn in so einer selbst für Isaanverhältnisse armen Gegend so ein teures Fest zu veranstalten muss ja Neid erzeugen.
    Hätte sie sich für kleines Geld die Anwesenheit von 5-7 Polizisten erkauft wäre gar nichts passiert.So halten wir es bei unvermeidlichen Festen (Beerdigung etc.)

    Abschliessend möchte ich sagen daß mir so etwas in den letzten 15 Jahren(und ich bin häufig und lange in Thailand)noch nicht passiert ist,dem Normaltouristen auch nie passieren wird,Thailand ist kein gefährliches Reiseland an sich,man sollte sich dieses schlummernden Gewaltpotentials vor allem bei jungen Männern zwischen 17 und 25 jedoch bewusst sein.


    Gruss Mathias

    Ich vermute Ihr habt auch einige dieser netten Geschichten,vieleicht machen wir einen neuen Thread auf unter "Räubergeschichten aus dem Isaan"oder "I survived"

  2.  
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  3. #2
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Geschichte aus dem Isaan

    Noch ein Geschichtenschreiber

    Einfach Klasse - ich meine das Geschriebene, erlebt haben möchte ich so etwas eigentlich nicht.

    Da hört sich die Aufforderung meiner Frau vor zwei Jahren (wir kannten uns man gerade zwei Monate) vor einem Fest in ihrem Dorf ja recht harmlos an. Sie fragte mich ernsthaft, ob ich auch mein Messer mitnähme, die Männer, wenn sie dann richtig abgefüllt sind, grabschen schon mal an den Frauen rum.

    Nun, ich hatte nicht vor - das 1. Mal in Thailand - den Löffel abzugeben.

    In besagter Nacht war tatsächlich einer erstochen worden - ich war´s nicht...

  4. #3
    Dieter Kandler
    Avatar von Dieter Kandler

    Re: Geschichte aus dem Isaan

    Wie ich ´verheiratet´ wurde
    [hr:6422847b91]
    POLYGAMIE

    Frauen heiraten, Maenner werden geheiratet. Daran gibt es keinen Zweifel. Waehrend die Frauen wissen, was sie wollen, ist es eine schwere Aufgabe fuer einen Mann, weil Frauen behaupten, es muesse fuer die Ewigkeit und einen Tag sein, wenigstens.

    In Thailand ist die ganze Sache sehr flexibel organisiert, wenn auch das Grundsaetzliche gleich bleibt: Thailaenderinnen heiraten fuer die Ewigkeit, Thailaender werden geheiratet.

    Wenn ein Thailaender verheiratet ist, dann hat er eine [highlight=yellow:6422847b91]mia[/highlight:6422847b91] ([highlight=yellow:6422847b91]luang[/highlight:6422847b91]) eine (Haupt) Ehefrau und keiner runzelt die Stirn - ausser der mia freilich - wenn er noch [highlight=yellow:6422847b91]mia noi [/highlight:6422847b91] (Frau klein), Frauen nebenbei hat, solange es nicht mehr als drei sind, wird gesagt.

    Was mich betrifft so ist die Sache sehr verdaechtig fuer meine Thai Lady. Ab und zu behauptet sie voller Argwohn auf Thai- Englisch: ´You have why!´ You have a wife! Du hast eine Frau! Kann sein, kann auch nicht sein, wen interessiert das schon?

    Sie interessiert es! Einmal nach einem ´Spaetfilm´ forderte sie mich ganz ploetzlich auf: Heirate mich! in englischer Sprache! Natuerlich war ich ueberrascht. ´Ach, komm schon. Das ist nicht moeglich. Du bist so jung und schoen, und ich bin ein haesslicher alter Mann!´ Sie diskutierte das nicht. Sie sagte nicht: ´Das stimmt doch nicht. Du bist kein haesslicher alter Mann!´ [highlight=yellow:6422847b91]´Mai pen rai[/highlight:6422847b91], das macht ueberhaupt nichts.´ das ist es, was sie antwortete.
    Es war ein ganz netter Versuch, und es war nicht ihr letzter.

    In dieser Hinsicht sind Ladies ueberall auf der Welt sowohl beharrlich als auch dickkoepfig.

    Lange musste ich nicht auf ihren naechsten Versuch warten: [highlight=yellow:6422847b91]Yak dja pop kan poh-mae mai[/highlight:6422847b91]? Moechtest du meine Eltern treffen? Nach einigen ´Ach, ich weiss nicht´, ´Glaubst du, das ist eine gute Idee?´ und ´Ist das wirklich notwendig?´ hatte sie mich am Haken sowie ich antwortete ´Warum eigentlich nicht?´ als wir an der Ecke Soi 13/ Sukhumvit mit ihren Freundinnen und einigen geleerten Flaschen [highlight=yellow:6422847b91]Chang [/highlight:6422847b91] Elefant Bier sassen, aber wir wissen natuerlich alle, dass es letztlich meine Entscheidung war.

    Meine Thai Lady war ganz begeistert und erzaehlte die Neuigkeit sofort ihren Freundinnen, waehrend ich mir schon ueberlegte, was ich den Familienmitgliedern als Gastgeschenk mitbringen sollte.

    Eine Strassenverkaeuferin, die riesige Plueschtiere an einem langen Stock auf ihren schwachen Schultern trug, tauchte auf. Meine Lady sagte kein Wort, aber sie starrte auf einen riesigen Teddybaeren wie ein Karnickel auf die Schlange. Nun, ich verstand, und ich kaufte den Baeren fuer ihren Sohn. Das Plueschtier war beinahe so gross wie meine Lady. Genau in der Sekunde, in der sie den Baeren im Arm hielt, hatte sie mich vergessen. Sie presste ihn an sich, sie liebkoste und verhaetschelte ihn, waehrend ich mich einsam und verlassen meinem Elefant Chang Bier zuwenden musste.

    Wir nahmen einen Bus mit Klimaanlage nach Surin. Es war 2.00 Uhr morgens als der Busfahrer ploetzlich mitten auf freiem Feld anhielt, damit wir von Bord gehen konnten: Es war dunkel, kein Baum, kein Haus, keine Bus- Station, kein Bier, nichts ausser mir, dem [highlight=yellow:6422847b91]farang[/highlight:6422847b91] mit grossen Gepaeck und einer Thai Lady mit einem noch groesseren Baeren.

    [highlight=yellow:6422847b91]Djai yen[/highlight:6422847b91], nur keine Panik. Nach acht Stunden in dem Ueberlandbus wollte ich mehr als Staub unter meinen Fuessen und in meiner Kehle. [highlight=yellow:6422847b91]Tii nii tam arai[/highlight:6422847b91]? Was machen wir denn hier? Sie hielt den Baeren umarmt wie einen Liebhaber und sie laechelte gnaedig auf mich, ihren Gepaecktraeger herab: [highlight=yellow:6422847b91]Koi noi[/highlight:6422847b91]! Warte halt!

    Warte und sehe, sagt man. Ich wartete, aber ich sah nichts. Meine Thai Lady verbrachte eine grossartige Zeit mit ihrem neuen Fan, waehrend ich nach einer halben Stunde begann, eine Fata Morgana zu erblicken: reflektierende Lichter auf zwei Flaschen Chang Bier.

    Von irgendwoher tauchten zwei Motorradfahrer auf. Meine Lady hielt die Motorraeder an, und nach einem Schwaetzchen und einigen Baht stimmten die Fahrer zu, uns zum naechsten oertlichen Busbahnhof zu bringen. Ritter in der Nacht: Der erste mit einem farang und grossem Gepaeck, der andere mit einer Thai Lady, die einen uebergrossen Teddybaeren im Arm hielt.

    An dem Busbahnhof warteten einige verlorene Reisende auf die Moeglichkeit, ihre Fahrt fortzusetzen, und dass etwas geschehen moege, was sie zu Hause erzaehlen koennten. Und es geschah: eine schoene zierliche Thai Lady mit einem riesigen Baeren im Arm kam an. Wie interessant! Wie aufregend! Jedermann wandte seine Aufmerksamkeit auf das Baerenfell, keiner bemerkte den armen, durstigen Gepaecktraeger.

    Zwischenzeitlich hatte ich alles verloren: Die Hoffnung, in naechster Zukunft ein Bier zu bekommen, die Zuneigung meiner Thai Lady und die Faehigkeit zur Kommunikation. Alle benutzten die kambodianische Sprache: Khmer. Zufaellig bemerkte meine Lady mich doch einmal. Sie wandte sich mir zu, laechelte ihr gnaediges Laecheln und sagte - den Monster- Baeren immer noch umschlungen haltend: [highlight=yellow:6422847b91]´Srull srull[/highlight:6422847b91]!´ den kambodianischen Ausdruck fuer [highlight=yellow:6422847b91]sanug dii[/highlight:6422847b91], ein Mordsspass.

    Endlich fuhr ein Pick-up Truck vor. Etwa 10 Verwandte von ihr hiessen sie und den sie begleitenden Baeren herzlich willkommen und mich beilaeufig. Wir bestiegen den Truck und die Gesellschaft, die sich bestens auf kambodianisch unterhielt und lachte, wurde zu einem in der Naehe liegenden Markt gefahren.

    In einer [highlight=yellow:6422847b91]soi [/highlight:6422847b91] Gasse liessen sie mich allein in der Dunkelheit mit dem Truck und dem Baeren. Etwa 10 Leute gingen 10 Mal zum Markt und dann zum Truck zurueck und brachten knackiges Gemuese, prozentige Getraenke, rohes Fleisch, getrockneten Fisch, duftende Gewuerze, alles um sicherzustellen, die naechsten paar Stunden zu ueberleben, denke ich.

    Wir bestiegen wieder den Truck. Jetzt war es schwierig, bei all den Lebensmittel einen Platz zum Sitzen zu finden. Wir benoetigten etwa 90 Minuten, um zu ihrem Heimatdorf zu kommen, und ich dachte tatsaechlich, sie sei aus Surin!

    Obwohl es fruehmorgens war - die Sonne ging gerade auf - warteten alle Dorfbewohner auf uns, all die Tanten, Onkels, Schwestern, Brueder, [highlight=yellow:6422847b91]poh [/highlight:6422847b91] und [highlight=yellow:6422847b91]mae[/highlight:6422847b91], Vater und Mutter. Sie boten mir die Hand zum Gruss, ein Willkommens- Laecheln und eine Flasche mit [highlight=yellow:6422847b91]lao khao[/highlight:6422847b91], weissen Reis- Schnaps - Marke ´Geschmolzene Lava´, glaube ich - an.

    Spaeter fluesterte mir meine Thai Lady ins Ohr, trinkt man lao khao ist das hilfreich beim Baby- machen. Sie hat 5 Schwestern und 3 Brueder! Noch so ein Versuch?

    Der Sohn meiner Thai Lady tauchte auf mit einem kreischenden Huhn in einer Hand. Die andere Hand benoetigte er, dem farang zu demonstrieren, wie man ein Land- Huhn mit der Handkante schlachtet. Das war nicht das, was ich mitbekommen wollte, jetzt eher schon ´Wo ist der lao khao, der weisse Reis- Schnaps geblieben?´

    Der coole Junge, so etwa 8 Jahre alt, murkste erst den Vogel ab, und dann sagte er Hallo zu seiner Mama und zu mir in einem Dialekt, den ich nicht verstand. Er schnappte sich den Baeren, der groesser war als er, und war von nun an die Attraktion fuer alle jungen Maedchen in der Nachbarschaft.

    Da es eine Kurzgeschichte ueber ´heiraten´ und ´geheiratet werden´ bleiben soll, werde ich nicht ueber alle Probleme schreiben, denen ich mich gegenueber sah, sondern nur von einem.

    Nach der Willkommens- Tour fragte ich meine Lady, wo ich das Gepaeck unterbringen koennte, und wo sich Schlafzimmer und Bad befaenden, und so weiter, aber das war nicht so einfach in einem Haus ohne Tueren. Das Bett stellte eine Matratze dar, die einfach mitten auf dem Boden lag.

    Nun hatte ich ganz sicher ein Problem.

    Jahre zuvor hatte ich gelesen, dass James Bond nie einen Pyjama trug, und so ziehe ich es auch vor. Wenn ich schlafe habe ich allenfalls das Radio an.

    [highlight=yellow:6422847b91]Mai pen rai[/highlight:6422847b91], macht doch nichts. Meine Lady entkleidete mich hinter einem Schrank, ueberreichte mir einen [highlight=yellow:6422847b91]sarong[/highlight:6422847b91], ein farbenfrohes Stueck Stoff, zeigte mir, wie man es knotete und zog mich wie einen typischen Dorfbewohner an: man traegt in diesem Jahr ein breites Laecheln und so eine Art Rock um die Huefte.

    Als ich zu der wartenden Gesellschaft zurueckkehrte war ich mit meinem nackten Oberkoerper von nun an die Attraktion fuer alle aelteren Ladies in der Nachbarschaft. Nicht etwa weil ich so ansehnlich bin, sondern wegen der weissen Haut.

    Die Dorfbewohner haben einen dunkel- braunen Teint, und sie moegen das ueberhaupt nicht. Ich liebe zum Beispiel meine Thai Lady auch deswegen, weil sie so wunderschoen knackig schokoladenbraun ist. Das Gras ist immer gruener auf der anderen Seite des Zaunes.

    Die Ladies laechelten.mich an, sie beruehrten mich und sie boten mir immer wieder lao khao an, den weissen Reis- Schnaps, eine nach der anderen. Und eine nach der anderen band mir eine weisse Schnur um das Handgelenk und auch um das Handgelenk meiner Thai Lady. Das ist fuer [highlight=yellow:6422847b91]chock dii[/highlight:6422847b91], viel Glueck sagten sie und laechelten so eigentuemlich.

    Als wir genug lao khao hatten nahm meine Thai Lady mich beim Arm und fuehrte mich zu einem freien Feld: Bau mir ein Haus! sagte sie auf englisch. Sie musste diesen Satz vorher auswendig gelernt haben. Es war keine Bitte, kein [highlight=yellow:6422847b91]garuna[/highlight:6422847b91], sondern eine deutliche Aufforderung, und sie wartete die Antwort gar nicht erst ab. Ihr dritter Versuch!

    Jetzt muss ich also Geld besorgen, um ihr ein Haus zu bauen, und ich muss herausbekommen, was es mit den weissen Schnueren auf sich hat, denn als wir nach Bangkok zurueckkehrten gratulierten mir die Leute: Frohe Flitterwochen!

    Aber wer hat wen geheiratet? Heirateten mich alle Frauen, die mir ein weisses Band um das Handgelenk gebunden hatten, all die Frauen hoch in den Achzigern mit schwarzen Zaehnen, wenn sie denn welche hatten und mit den hell-rot schaeumenden Lippen, weil sie staendig eine selbstgemachte Mischung aus Blaettern und Wurzeln kauten und ausspuckten?

    Oder heiratete mich meine Thai Lady und ich weiss es nicht? Bin ich ein Polygamist?

    [highlight=yellow:6422847b91]Chuai duai[/highlight:6422847b91]! Hiiiilfe!!!!

    [hr:6422847b91]
    Weitere Geschichten koennt ihr hier lesen.

    MfG
    Dieter Kandler

  5. #4
    Avatar von dawarwas

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    Re: Geschichte aus dem Isaan

    Tolle Geschichten. :bravo:


    @ualan
    Leider erlebt man solche Sachen aber immer wieder.
    Wenn auch, natuerlich nicht, in diesem Ausmase.
    Aber irgendwie kennen wir das gefuehl doch alle.
    Scheisse viel Angst, nicht wissen was kommt, nicht wissen was tun und deshalb am besten verduften.
    Wenn man dann aber selber noch besoffen ist, auwei.
    Wie auch schon von dir erwaehnt, Reaggae Pup und Green Mango, sind in der Haupsaison Sau gefaehrlich, aber meistens nur fuer Farangs untereinander.
    Und die sind, glaube ich, im gegensatz zu den Thais noch "Harmlos".
    Oder?

  6. #5
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    Re: Geschichte aus dem Isaan

    Räubergeschichten aus dem Isaan"

    Hallo ualan!

    Da tust du dem Issan aber unrecht ,solche Geschichten koennen dir ueberall in Thailand passieren.
    Im Sueden ist es oft gefaehrlicher ,denn die Suedthailander haben mehr ein " heisses Herz " als die im Norden und Nordosten.

    Ja ,wie immer das Problem Alkohol und Jaa Baa.

    Ich habe mir schon lange abgewoehnt mit einem Thai scharfe Sachen zu trinken.Das ist mir zu riskant.
    Auch sollte man vorsichtig sein ,wieviel Geld man in eine Feier steckt.

    Einen Thai aber mit der Polizei zu drohen geht 99 % in die Hose.
    Mache ich frueher auch gerne und brachte nur Aerger mit sich.

    Gruss

    Otto

  7. #6
    Avatar von ualan

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    15

    Re: Geschichte aus dem Isaan

    @otto
    schon wach oder noch nicht im Bett?

    Ich tue dem Isaan gar nicht Unrecht ,ich berichte lediglich ,bewerten kann jeder das selber.

    Das mit dem Dschai roon der Südthailänder wird im Isaan gerne erzählt
    ist aber genauso ein Vorurteil wie die Dummheit der Isaaner (sagen die Südthailänder)

    Ich bin gerne im Isaan ,allerdings habe ich mein Bild davon um ein weiteres Stück ergänzt.

    Gruss Mathias

  8. #7
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    Re: Geschichte aus dem Isaan

    Hallo ualan!

    Vergiss aber auch eines nicht ,

    die Zeiten haben sich hier in Thailand geaendert,
    wie auch überall auf dieser Welt.

    Besonders die Jugend ist nicht mehr so ohne und hat ihr Problem mit Drogen ,Vernachlässigung durch die Eltern und dem immer kronischen Geldmangel.
    Das gibt es aber auch in Deutschland.

    Ich glaube ,noch immer kann man sagen ,dass Thailand eines der sichersten Laender in der Welt ist ,die ein Tourist bereisen kann ,
    besonders auch fuer Frauen.


    Wenn ich dir ein paar nette Geschichten über Spanien erzählen würde ,die mir dort schon vor mehr als 10 Jahren passiert sind ,und wo ich das Messer schon an meinem Hals gespürt habe ,dann wirst du meine Meinung über Thailand verstehen.

    Man sollte Überall nur etwas vorsichtig sein und das gewisse Gefühl für sich anbahnende Gefahren besitzen.
    Lieber feige und weg ,als tapfer und einen Kopf kürzer!

    Gruss

    Otto

  9. #8
    Avatar von dawarwas

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    Re: Geschichte aus dem Isaan

    Hi Otto,
    es wurde gar nichts schlechtes ueber Thailand geschrieben,
    zumindestens nichts so verallgemeinert.
    Er hat doch nur geschrieben was ihm passiert ist, das kann man doch, auch ohne Thailand als sicherstes Reiseland in Frage zu stellen.

    Das es so was ueberall gibt, auch in Thailand, laesst sich ja wohl nicht bestreiten.

    Oder?

    Ich halte Thailand auch immer noch fuer ein Super Reiseland, auch fuer unerfahrene. Nur aufpassen und Situationen richtig einschaetzen, muss man auch hier. :O

  10. #9
    Avatar von Dr. Locker

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    Re: Geschichte aus dem Isaan

    @Ualan

    Erst mal herzlich willkommen hier im Forum.

    Du laesst es ja gleich richtig losgehen. Zwei Geschichten sozusagen gleich als Einstand.

    Klingt vielversprechend.

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