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Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

Erstellt von Otto-Nongkhai, 01.05.2003, 00:51 Uhr · 180 Antworten · 41.942 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    12.292

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Richtig ,Peter ,auf der Full Moon Party werden verstaerkt Verhaftungen vorgenommen.
    Es kommt immer auf die Menge an ,mit der man dich erwischt .
    Ab einer gewissen Menge gilts du automatisch als Dealer und nicht mehr als Konsument.

    Gruss

    Otto

    Haende Weg Von Drogen

  2.  
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  3. #12
    Avatar von dawarwas

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    3.385

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Selbst mit kleinsten Mengen Doop, solltest du, wenn einx Amtlich geworden, nicht unter 2000 Euro weg kommen.
    Abgesehen von dem ganzen Trubel drum herum.

  4. #13
    mecki
    Avatar von mecki

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    der wohl bekannteste knast in thailand ist "bang kwan maximum securety prison" in nonthaburi (30 jahre aufwaerts), nordwestlich am stadtrand von bangkok. ich kenne persoenlich einige ehemaliger insassen, sassen wegen mord. sind wegen guter fuehrung vorzeitig entlassen worden, zum teil half auch die jaehrliche begnadigung einiger zum anlass des koenig bumiphols geburtstag (findet keine anwendung bei drogendelikten!).
    die ich da nun kenne sind wirklich herbe drauf, zum groessten teil sieht man es ihnen aber nicht an. nur ihre stories von den gegebenheiten da drinnen sind absolut herbe, das ist kein zuckerschlecken! wer auf sicht ist, verliert, so oder so, da hilft selbst geld nicht. da fallen die haertesten, sie werden langsam aber sicher kaputtgemacht! da gibt es khun dio, hong ron, hong mued, hong fai und aenliches. wer in dieses netz geraet, der muss viel glueck haben um das zu ueberleben. deshalb lieber die fresse halten und klein beigeben wenn es zum aerger mit der polizei kommt, aus welchen gruenden auch immer!

    es gibt aber auch menschen, denen terror spass macht, diesen zu begegnen sollte tunlichst vermieden werden.

    der schnellste weg dieses alles nachzupruefen waere mit drogen erwischt zu werden.

    mecki, bei knast hoert der spass auf

  5. #14
    Exote
    Avatar von Exote

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Ich kann mich immer wieder nur wundern, wie solche Geschichten über Gefängnisse zustande kommen. Grösstenteils beruhen sie nur auf Erzählungen und werden dann nach Sensationsmanier aufgebauscht und als Tatsachenbericht wiedegeben, der dann in der Regel nur noch wenig mit der Realität zu tun hat, und mit Eigeninterpretationen vollgespickt wird.

    Ich konnte das Innenleben des Suratthani Central Prison persönlich kennen lernen und hatte am eigenen Leib miterlebt, was es heisst Gefangener zu sein, wenn auch nur über ein verlängertes Wochenende.

    Mit einer meiner damaligen Tätigkeit in Thailand, im hart umkämpften Markt Touristik, hatte ich verständlicherweise nicht nur Freunde. Auf Grund meines Erfolges als Farang in Thailand, wurde ich schon öfters bedroht. Doch diesmal wurde ich Opfer einer Verleumdungs- und Hetzkampagne eines thailändischen Mitbewerbers, die sich aber später sehr schnell in Luft auflöste. Ich wurde an einem Freitagabend, in einer Nacht- und Nebelaktion, von der Polizei verhaftet. Nicht mal meine Frau hatte was mitbekommen, die in der oberen Etagen im Appartement war, noch wurde sie je darüber informiert. Auf der Polizeistation in Nathon (Koh Samui) wurde ich dann den verschiedensten mutmasslichen Delikten bezichtigt, die völlig aus der Luft gegriffen waren. Es wurde eine Kaution von 150´000.- Bht festgelegt und man klärte mich auf, dass ich ansonsten 48 Std. im Polizeigefängnis zu verbringen habe und anschliessend ins Suratthani Central Prison, zwecks Vorführung dem Haftrichter, überwiesen werden. Es wurde auch mitgeteilt, dass am Sonntag die zulässige Polizeihaft ablaufen wird und ich bereits am Samstag ins Gefängnis überwiesen werde, sollte ich die Kaution nicht aufbringen.

    Die Aktion war also im Vorfeld geplant worden, denn die Banken waren bereits geschlossen und öffneten erst am Montag wieder. Natürlich trug ich die geforderte Summe für die Kaution nicht auf mir und man gestattete mir auch keinen Anruf an meine Frau oder Freunde, die mir die Summe sofort organisiert hätten. Also, ein abgekartetes Spiel! Da ich nichts zu befürchten hatte, sah ich der Sache gelassen entgegen und verbrachte die Nacht im Polizeigefängnis. Um 6.00 in der Früh wurde ich plötzlich aus der Zelle geholt, kurz informiert, dass ich nun nach Suratthani gebracht werde, damit ich um 12.00 Uhr dem Haftrichter vorgeführt werden kann. Meine Frau war immer noch nicht informiert worden und wusste nicht wo ich war. Mit Handschellen am Rücken wurde ich mit 6 weiteren Gefangenen auf einen offenen Polizei Pick-up verfrachtet und an den Pier gebracht. Am Hafen mussten wir auf die Fähre warten und ein zufällig anwesender Immigration-Officer, dem ich gut kannte, kam auf mich zu und fragte mich, was denn los sei. Ich schilderte ihm kurz das Geschen und bat ihn, meine Frau über meinen Aufenthalt zu informieren, das er dann auch tat, wie ich später erfuhr. Die Reise ging also im offenen Pick-up weiter und wir durften während der ganzen Überfahrt weder den Pick-up verlassen noch die Toiletten aufsuchen. Vom Deck aus wurden wir ständig von den Passagieren angestarrt, als sässen hier alles Schwerverbrecher. Das war wohl der erniedrigste Augenblick meines Lebens.

    In Suratthani wurde ich dann dem Haftrichter, ohne den Beistand eines Anwalts (wie auch), vorgeführt, der Aufgrund von fehlenden Unterlagen kein wirkliches Urteil fällen konnte und wurde innert Minuten abgefertigt. Die Kaution wurde auf 60´000 Bht festgesetzt, die frühestens am Montag gestellt werden konnte. Es blieb mir als nichts anderes übrig, als die Tatsache, dass ich nun das Wochenende im Knast verbringen werde, als gegeben hinzunehmen. Ich wurde dann in einen Warteraum gesteckt und wartete auf mein „Check in“ ins Suratthani Cenral Prison. Der Raum war wirklich übel. Da waren an die Hundert Gefangene auf kleinstem Raum und es stank fürchterlich. Es herrschte ein reges Treiben. Da kamen neue Gefangene dazu, andere wurden weggebracht. Dieses Zwischendepot lag direkt an einem öffentlichen Parkplatz vor dem Gerichtsgebäude und draussen tummelten sich die verschiedensten Gestalten, die sich als Anwälte ausgaben. Ich wurde dann sehr schnell von diesen Typen belagert und jeder wollte mir seine Dienste anbieten. Ich lehnte jedoch dankend ab, da ich meinen eigenen Anwalt hatte, der jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem neuen Mandat wusste. Nach ca. 3 Stunden war ich dann auch an der Reihe und ich konnte das Loch verlassen und wurde mit ungefähr zehn weiteren Personen ins Hauptgefängnis gebracht. In einer der beiden Sicherheitsschleusen wurden wir in Reih und Glied aufgestellt. Einer nach dem anderen wurde durchsucht, jedoch nicht so wie in einem Vorpost geschildert, sondern es wurde lediglich eine kurze Leibesvisitation vorgenommen, die nichts mit Erniedrigung zu tun hatte. Ebenfalls wurde uns alles Bargeld und Wertgegenstände wie Uhren, Schmuck, etc. abgenommen, protokolliert und in einem eigens dafür vorgesehenen Umschlag gesteckt und in eine sprichwörtliche Schatzkiste verstaut. Danach wurden die langen Hosen mit einem Teppichmesser auf Knielänge gekürzt und sind dann ohne weitere Informationen oder Instruktionen in das offene Hauptgelände der Anstalt entlassen worden. Der Einmarsch auf das Gelände war wirklich ein Schock. Da am Samstag im Gefängnis nicht gearbeitet wird, war das Aussengelände brechend voll und Tausende von Augenpaare schauten mich an. Es vergingen einige Minuten, bis ich mich Einigermassen gefasst hatte und mir einen kleinen Überblick verschaffen konnte. Ich streifte durch das Gelände und traf unzählige kleine Gruppen von Thais, die mich nach Name, Herkunft, Grund des Aufendhalts, etc. ausfragten. Ich erfuhr durch die Gespräche immer mehr von den Gepflogenheiten der Anstalt und wurde dann schliesslich von einem jungen Thaigefangenen zu einer kleinen Gruppe von Ausländern geführt.

    Aus zeitlichen Gründen unterbreche ich hier einmal meinen persönlichen Erfahrungsbericht und setzte in gerne fort wenn erwünscht.

    Exote

  6. #15
    Avatar von conny

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    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    @ Exote
    Also ... mich interessiert die Fortsetzung sehr.
    Würde mich freuen, wenn du recht bald dazu Zeit hast.
    Viele Grüße
    Conny

  7. #16
    Avatar von Bökelberger

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    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    @Exote
    Mich würde auch interessieren, wie es weitergeht, obwohl ich ja noch einen kleinen Hals auf dich habe !

  8. #17
    Avatar von Jinjok

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    5.556

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    @ Exote
    Wie Du vermutest hattest, ist das für mich tatsächlich der erste Augenzeugenbericht eines Betroffenen. Bin auch gespannt, wie Du da wieder herausgekommen bist und wie das Wochenende/die Nächte abgelaufen sind. Kenn sonst nur die Horror-Geschichten.
    Jinjok

  9. #18
    Exote
    Avatar von Exote

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Fortsetzung Teil 1:

    Die Gruppe der Ausländer bestand aus zwei Pakistani, zwei Holländer, ein Amerikaner, zwei Deutsche und ein Schweizer. Sie sassen in einem Kreis und ein frisch angerührter, löslicher Kaffee wurde herum gereicht. Ich wurde freundlich begrüsst und ich erhielt einen Platz in der Runde. Der übliche Smalltalk begann und ich wurde allen vorgestellt. Ich stellte mich ebenfalls kurz vor und schilderte in einer Kurzfassung „My Case“, wieso und warum ich hier gelandet bin. Im anschliessenden Gespräch erfuhr ich dann ebenfalls einiges von meinen Mitinsassen, warum sie und vor allem wie lange sie schon hier sitzen. Die Informationen über die Delikte flossen jedoch sehr spärlich und alle hielten sich in diesem Punkt sehr bedeckt. Mir wurde der übliche Tagesablauf erklärt und die aktuellen Geschehnisse erzählt. Ein neuer Kaffee wurde angerührt und der Becher machte wieder seine Runde. Nach dem Sonnenstand musste es etwa 16.00 Uhr gewesen sein, als ich von einem Thai, ebenfalls Gefangener, aus der Runde geholt wurde. Er führte mich in eine Holzhütte, die als Registraturstelle diente und mir wurden zum drittenmal an diesem Tag die Fingerabdrücke genommen. Das erstemal war auf der Polizeistation auf Samui, das zweitemal im Zwischendepot beim Gericht und nun nochmals das selbe in grün. Hier wurde ich aufgeklärt, das ich für persönliche Einkäufe, wie Toilettenartikel, Softgetränke, Zigaretten, Essensware, etc. nur ein Budget von 100.- pro Tag zur Verfügung habe, dass natürlich jeweils von meinem Bargeldbestand abgebucht wird, das ich bei der Einlieferung abgeben musste. Mir wurde mitgeteilt, dass ein Helfer mich in Kürze aufsuchen wird und ich dann bei ihm die Bestellung aufgeben kann, die dann in 24 Stunden geliefert wird.

    Na Bravo, ich stand da, nur mit den Habseeligkeiten die ich am Körper trug und sonst nichts. Ich ging zu meiner Gruppe zurück und man sah mir offensichtlich mein Frust und die Enttäuschung an. Schmunzeln ging durch die Reihe und ich wurde freundlich gefragt, was ich denn so alles brauche. Ich war im ersten Augenblick etwas vor den Kopf gestossen, da ich bis anhin noch keine Knasterfahrung hatte. Ich erhielt dann praktisch von jedem etwas wie, Becher, Teller, Esslöffel, eine Decke, etwas Tabak mit ein paar Filtern und eine leere Wasserflasche, damit ich mein Drinkwasser aufbewahren konnte, das jeweils aus einer speziellen Filterreinigungsanlage im Küchen- und Essensbereich abgefüllt wurde. Ebenfalls bot man mir etwas vom Abendessen an, dass während meiner Abwesendheit verteilt wurde. Ich lehnte dankend ab, da mir der Appetit durch meinen ungewohnten Tagesablauf gründlich vergangen war.

    Plötzlich herrschte im Gefängnis Aufbruchstimmung. Jeder kramte seine Habseeligkeiten zusammen und stopfte seine Sachen in Plastik- oder Papiertüten, wickelten Kleidungsstücke in Decken, die zuvor an Leinen zum trocknen aufgehängt waren und ich bekam dann mit, dass es Zeit für den Abendappell war. Ich wusste immer noch nicht, wohin ich wirklich gehen muss, doch man beruhigte mich. Man forderte mich auf, der Gruppe einfach zu folgen. Es werde mir dann schon gezeigt wohin ich gehen soll, wenn ich nicht in der richtigen Gruppe bin. Alle Insassen strömten zum Appellplatz, der sich direkt vor den zahlreichen Baracken aus Stein befand, die als Zellen dienten. Einige waren mit Fuss- und Handketten gefesselt, die als Drogen-Delinquenten oder Schwerverbrecher verurteilt wurden. Wir mussten uns in eine der vier Reihen zu je 10 Mann hin stellen und ein Helfer kontrollierte und zählte schon einmal ab, ob seine Truppe vollzählig ist. Offensichtlich war ich am Richtigen Ort, denn keiner sagte etwas. Ein uniformierter Aufseher ging durch die Reihen. Ein zweiter Aufseher lies dann von 1-10, Mann für Mann, Reihe um Reihe durchzählen und jeder musste bedacht sein, dass er auch die richtige Zahl aussprach. Ich war der fünfte Mann in der zweitletzten Reihe und von hinten wurde mir immer wieder die Zahl 5 in Thai zugeflüstert. Als die zweite Reihe am durchzählen war, wusste ich auch, warum ich immer wieder die Zahl zugeflüstert bekam. Die Nummer sieben vor mir in der Reihe war ein Mann aus Kambodscha, der offenbar der thailändischen Sprache nicht mächtig war. Er sprach immer eine falsche Zahl aus. Es musste wieder erneut durchgezählt werden. Das Spiel ging dann noch zweimal und dann wurde er zum Aufseher gerufen, der ihm dann mit voller Wucht dreimal mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Ich war echt geschockt! Er wurde dann wieder in die Reihe zurück geschickt und es wurde erneut durchgezählt. Als er an der Reihe war, überlegte er einige Sekunden und sprach prompt wieder eine falsche Zahl aus. Der Aufseher stürzte sich regelrecht auf den Mann und prügelte sicher eine halbe Minute ununterbrochen auf in ein, bis er nur noch wimmerte. Ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie soviel Mitleid bei einem Menschen verspürt wie bei ihm. Alle mussten einfach hilf- und tatenlos zusehen. Mich packte eine unglaubliche Wut, konnte mich aber nicht bewegen, ich war wie versteinert. Es wurde ein letztes mal durchgezählt und der Aufseher lies ihn nicht mehr die Zahl aussprechen, sondern sprach sie selber aus. In unserer Reihe waren mit mir vier westliche Ausländer, dessen Zahl der Aufseher jeweils selber aussprach. Wir mussten uns also bei der Zählerei nicht aktiv beteiligen.


    Fortsetzung folgt...

  10. #19
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Ihr könnt ja mal einen Vergleich anstellen:

    Beispiel aus Deutschland...

    ...es Bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass Satellittenfernsehen, Privatkleidung und angemessener Umgangston "Guten Morgen, Herr Fürsorger..." Selbstverständlichkeiten sind...

    Und natürlich alles in gemütlichen Ein- ZweiBett-Appartements, wobei auf die religiösen Besonderheiten, z.B. Ausrollen des Gebetsteppichs in die richtige Richtung, geachtet wird...

    Wir sind ja auch kein Knast mehr, sondern ein Dienstleistungsbetrieb, immer auf das Wohl unserer Gäste bedacht und sie in Schutz nehmend vor dieser Gesellschaft, die ihnen keine andere Chance als die gegeben hat straffällig zu werden. Selbst die Wäsche wird mindestens einmal in der Woche getauscht, nach vorheriger Lautsprecherdurchsage mit angenehmer Frauenstimme :"Jungs, Wäschetausch - Meier tauscht mit Müller."
    Und damit alles korrekt zugehen tut, gibt´s auch einen Gefangenbeirat, der sich der Sorgen und Nöte der armen Gestrauchelten annimmt, wenn einem das Kissen zu hart oder dieser bescheuerte Sozialarbeiter ihn nicht mit seiner Freundin telefonieren liess, die ja immerhin drei Tage nicht geschrieben hat.
    Na ja,------------


    Beispiel aus Thailand

    Unabhängig davon ist die Schilderung - Exote - schon beeindruckend.

    Meine Frau bekam den Mund nicht mehr zu, als sie die ersten Male die Jungs hier in der Anlage arbeiten - bzw. sich sonnen - sah.
    Sie schilderte mir einmal den Besuch im Knast in Udon Thani (ca. 4000 Geefangene): ein grosser Raum, in der Mitte ein Gitter, auf der einen Seite die Besucher - auf der anderen Seite die Besuchten.

    Also, die Schwerhörigen bekommen auf diesem Wege keine Neuigkeiten mit...

  11. #20
    Exote
    Avatar von Exote

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Fortsetzung Teil 2

    Nach dem Appell strömen alle auf die Baracken zu, die in etwa eine Grösse von 8 x 8m auswiesen. Vor dem Eingang bildet sich eine grössere Schlange, da jeder vor dem Eintreten nochmals kontrolliert wird. Die persönlichen Gegenstände, die in Tüten verpackt sind, werden draussen vor der Baracke in eigens dafür vorgesehenen Holzkisten und Behältern verstaut. Man nimmt nur gerade das mit, was unbedingt für die Nacht benötigt wird und das sind die Decken und die vollen Wasserflaschen.

    Der Innenraum der Schlafbaracke war mit einem grauen Zementputz versehen, der Boden ebenfalls aus Stein. In der Ecke auf einem Podest war eine Toilette, die mit einer dünnen Wand geschützt war. Der Raum war mit einigen vegitterten Fenster ausgestattet und mit Moskitonetzen geschützt. Einigen Deckenventilatoren drehen gemächlich ihre Runden und im Fernseher lief gerade eine Soap. Neben dem Eingang war ein Depot mit gerollten Matratzen, Kissen, Decken, etc. aufgetürmt. Jeder nahm seine persönlichen Sachen und begab sich an seinen angestammten Platz. Punkt 18.00 Uhr erheben sich alle der ca. 40 Insassen, der Fernseher wird leise gestellt und in einem Chor wird die Nationalhymne gesungen. Danach wird die Zelle nochmals durchgezählt und der Raum wird für die Nacht vorbereitet. Dünne Matratzen werden ausgerollt, Decken ausgebreitet und mit zusätzlichen Decken Kissen geformt. Einige der Gefangenen, die schon länger hier sind, hatten richtig dicke Matratzen, Kissen und Überzüge.

    Ich hockte an einer Wand, und schaute dem Treiben einfach wortlos zu. Für mich war noch kein Platz vorgesehen und es scherte sich auch keiner wirklich darum. Der Zellenchef mit dem kleinen „Himmelbett“ gab mir dann eine dünne Strohmatte und eine kleine Decke für den Kopf. Eine Decke hatte ich ja bereits bekommen und so richtete ich mich im schmalen Gang zwischen den Reihen ein. Inzwischen war meine Gruppe vom Nachmittag wieder komplett und es wurden weitere Episoden aus dem Knastleben erzählt, die mir doch wieder etwas Hoffnung gaben, dass ich den bevorstehenden Tag ohne grossen psychischen und physischen Schaden überstehen kann. Um 20.00 war Nachtruhe angesagt und der Fernseher wurde ausgeschalten. Die Neonlampen werden dafür die ganze Nacht brennen. In der Zelle wird es immer ruhiger doch die ersten Schnarchgeräusche machen sich bereits bemerkbar. Ich lag regungslos da, lies den Tag in Gedanken Revue passieren und konnte immer noch nicht ganze begreifen, ob der heutige Tag Traum oder Wirklichkeit war. Irgendwann schlief ich dann wohl ein und wurde erst am Morgen wieder durch ein ohrenbetäubendes Klopfen auf die Gitterstäbe aus dem Schlaf gerissen.

    Es war kurz nach 6.00 Uhr und ich musste mich erst einmal orientieren, bis ich begriff, das war kein Traum. Einige der Insassen hatten bereits ihre Nachstätte zusammengerollt. Ich war echt erstaunt, was man so alles in eine Matratze rollen kann. Die Zelle wird fein säuberlich aufgeräumt und die Rollen mit dem Bettzeug wieder neben der Tür aufgestapelt. Alle hatten irgend eine Aufgabe, ausser wir Ausländer. Innert kurzer Zeit war die Zelle so hergerichtet, als ob noch nie jemand in diesem Raum war. Einer nach dem anderen verlies die Zelle, packte draussen seine Sachen aus den Holzkisten und begab sich in den Küchen- und Verpflegungsbereich. Etwas Reis und getrockneten Fisch wurden verteilt. Aus Eimern wurde eine dunkle, trübe Brühe in die Becher geschüttet und die meisten Thais liessen sich an den Tischen nieder und machten sich über ihre Teller her, als wäre es die erste Mahlzeit seit Tagen. Fast wie im Flug wurden die Tische gewechselt, Hunderte von Menschen warteten darauf, bis sie endlich das Essen auf dem Teller hatten. An einen freien Platz an einem der Tische war im Traum nicht mehr zu denken. Es ging zu und her wie in einem Bienenhaus. Meine Gruppe und ich standen einfach daneben in der Schlange und warteten, bis wir an der Reihe waren, um die Wasserflaschen aufzufüllen. Danach begaben wir uns an den angestammten Platz vom Vortag zurück. Einer aus der Gruppe organisierte heisses Wasser, das mit etwas Kaffee getauscht wurde und so kamen wir auch noch zu unserem Frühstück. Alle warten auf den 8.00 Uhr Morgenappell, der in Kürze wieder nach der selben Manier wie am Vorabend über die Bühne gehen wird. An diesem Morgen kassierte der Kambodschaner wieder Prügel, doch diesmal nicht so heftig wie am Tag zuvor.

    Fortsetzung folgt...

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