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Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

Erstellt von Otto-Nongkhai, 01.05.2003, 00:51 Uhr · 180 Antworten · 41.919 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Otto-Nongkhai

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    Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Im Gefängnis sitzen viele kleine Fische
    ( Leute die Glücksspiel betrieben haben ,oder illegale Einwanderer ) die ihre Strafe von 1000-3500 Bath zum Tagessatz von 70 Bath/Tag absitzen.
    Wine Gefängniszelle sieht so aus:
    An einem Gang sind Räume von 5 x 5 Meter mit einer offenen Toilette in einer Ecke und einem Wasserbecken aus Beton hinter einer hohen Betonwand.
    Der Fussboden ist aus Zement ,oder aus Holz.
    Aus jedem Ritz des Holzbodens kommen Ungeziefer und dicke Käfer ,die nachts über die Körper krabbeln.
    Rund um die Toilette ist der Holzboden verfault .
    Dort steht auch der Abfallkorb ,der Lieblingsplatz der dicken Käfer.
    In den Ritzen ist ein feiner Dreck ,der mit Wasser zu neuem Fäulnis kommt.
    Die Toilette ist meist verstopft ,da es kaum Wasser gibt.
    Das wenige Wasser kommt tropfenweise aus der Leitung und wird nur als Trinkwasser verwendet.Dieses ungereinigte Brunnenwasser erzeugt schnell Durchfall.
    An der Rückfront ,fast an der Decke ,sind vier vergitterte Fenster.
    Diese werden aber oft von Kleidungsstücken zugehängt.
    Zum Gang hin ist der Raum mit Eisenstäben vergittert.
    Eine schwere Eisengittertür mit grossem Vorhängeschloss verschliesst das Ganze.
    Die Ventilatoren in den Zellen sind oft defekt und dadurch ist die Luft heiss und es stinkt gewaltig.
    In diesem Raum befinden sich im Schnitt 50 Personen.
    Diese Menschen müssen sitzen ,liegen und die Beine ausstrecken ist unmöglich.
    In dieser menschenunwürdigen ,unbequemen Haltung müssen Tag und Nacht verbracht werden .
    Wer Glück und dünne Beine hat ,sitzt an den Gitterstäben und kann seine Beine dort hindurchstecken.
    Als Kissen dienen 2 zusammengebundene Plastikflaschen ,aber meistens liegt der Kopf auf dem Körper des anderen.

    Zu essen gibt es trockener Reis und etwas Gemüse und einen Löffel voller Fleisch = 2 kalte Mahlzeiten am Tag.
    Wer einen Plastiklöffel hat ,hütet ihn wie ein Goldschatz.
    Metallöffel gelten als Waffe und sind verboten.
    Das Essen wird vom Teller auf eine Plastiktüte oder Zeitungspapier geschüttet und mit der Hand gegessen.
    Ausser Essen oder das tägliche Abzählen gibt es nichts zu tun.
    Die groesste Abwechslung ist ,wenn ein Neuer eingeliefert wird.
    Seinen Taback muss der erst mal beim Sprecher abgeben ,auch Uhr ,Ring ect.
    Dafür bekommt er aber auch einen guten Platz an der Gitterfront ,wo die Luft noch am Besten ist.


    Wenn ein Starker einen Schwachen findet ,dann hat er einen Adjutanten.
    Der muss ihm dann das Essen bringen ,Zigaretten besorgen ,Luft zufächeln ,Trinkwasser besorgen und ihn massieren.
    Sollte er einmal einschlafen ,dann wird er durch Schläge wieder aufgeweckt.
    Wer am stärksten ist ,oder am lautesten Brüllen kann ,der ist der Sprecher der Zelle.Was ersagt ist Gesetz.
    Er schlichtet auch Streit und sieht zu ,dass keiner verhungert.

    Die Leute von der Aufsicht sind immer im Gang ,oder im Depot ,wo auch Fingerabdrücke gemacht werden.
    Das sind auch Gefangene ,die in der Hierachie etwas höher stehen als wie der Zellensprecher.
    Sie verteilen das Essen ,schliessen neue Gefangene ein , machen Fingerabdrücke ,zählen die Insassen und geben die von Besuchern mitgebrachte Waren weiter.
    Zigaretten werden beim Oberaufseher abgegeben ,der das Päckchen für 40 Bath an den Zellenaufseher weiterverkauft und sich noch vorher einige Zigaretten aus dem Päckchen nimmt.
    Eiskaltes ,sauberes Trinkwasser und Süssigkeiten werden unter der Aufsicht verteilt.
    Die Polizei ,die also nur die wenigen Aufsehen zu kontrollieren haben ,schaut bei diesem Treiben in Sehlenruhe zu.

    Wer Geld hat kann sich in eine Spezialzelle mit fliessendem Wasser ,sauberer Toilette ,laufenden Ventilator und täglich 3 warmen Malzeiten erkaufen.
    Der Preis liegt bei ca.1.000 Bath ,bis alle bestochen wurden.


    Da gibt es noch das Kuk Yai ,die Strafanstalt ,wo die Schwerverbrecher sitzen ,also Mörden ,Messerstecher und Dealer ,die oft schon mit ihrem Leben abgeschlossen haben.
    Viele von den Insassen haben eine grosse ,schwere Eisenkette an den Beinen.
    Eigentum wird total missachtet.Jeder muss zwischen den Mahlzeiten arbeiten ,wie z.b.das Herstellen von Moebeln ,kleine Regale ,Besen ,Buersten ,Papiertuecher und Aehnliches.
    Wer nicht genug arbeitet bekommt Schläge mit dem Knüppel.
    Wer hier wegen Heroinschmuggel 25 Jahre einsitzt ,überlebt diese Zeit selten.


    ----------------------------

    Im Gefängnis ist kein Platz mehr frei
    Nicht einmal ein qm Fläche je Häftling
    Thailands Drogenpolitik lässt die Gefängnisse aus den Nähten platzen. Die meisten der heute Verhafteten oder von Gerichten verurteilten Straftäter sind Drogenhändler oder -konsumenten.
    Jetzt hat die oberste Gefängnisbehörde angekündigt, innerhalb von zwei Jahren die Zahl der Häftlinge um 40 Prozent zu reduzieren.

    Gefangene, die sich gut betragen, werden frühzeitig entlassen.
    Sie sollen arbeiten und der Gesellschaft nicht mehr zur Last fallen. Zudem will das Corrections Department die hohe Zahl der Untersuchungshäftlinge reduzieren.

    Rund 88.000 Frauen und Männer, knapp 40 Prozent aller Häftlinge, warten auf ihren Prozess.
    Bis ein Urteil gefällt wird, können Jahre vergehen.
    Viele dieser U-Häftlinge und rund 20.000 Drogentäter, zu einer Geldstrafe verurteilt, könnten in Freiheit sein.
    Doch ihr Vermögen reicht nicht für Kaution oder Bussgeld.

    Ende März 2002 zählte die Gefängnisverwaltung 253.370 Häftlinge in 127 Strafanstalten.
    Darin dürften nur etwa 102.000 Frauen und Männer untergebracht sein. Und jeden Monat kommen 2.500 weitere Insassen hinzu.

    Die Überbelegung hat dazu geführt, dass jedem Gefangenen in der Zelle mal gerade 0,83 Quadratmeter zur Verfügung steht. International geltende Standards schreiben 7,5 Quadratmeter Fläche vor. Auf 24 Häftlinge kommt ein Wärter, das Verhältnis sollte 5:1 sein.

    Viele Insassen sind krank und werden kaum behandelt.
    Es gibt oft Meuterrei und Ausbrueche.
    Unfaure Behandlung der Aufseher und der leichte Zugang zu Drogen sind zu erwaehnen.

    Teile in der SOA gelesen und aus Erzählungen von Thais.

    Gruss

    Otto

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Otto-Nongkhai

    Registriert seit
    05.11.2002
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    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    @ Moderator.
    Waere toll ,wenn du den Beitrag von Garni ( Leben in Bangkok Thread ) hierhin koppieren koenntest.

    Hallo Kali!
    Wohl kein Vergleich mit deutschen Verhältnissen.
    Beim Wolfgang Ullrich wird die Haftzeit in Thaigefängnis doppelt auf die Gefängnisstrafe in Deutschland angerechnet.
    Ausländer mit Geld können sich aber im Gefängnis in Thailand eine Art Luxus erkaufen ,dazu sollen gehören :
    Drogen und .......

    Gruss

    Otto

  4. #3
    Lung Peter
    Avatar von Lung Peter

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Hallo

    Mich würde mal interessieren, wieviele Ausländer in Thailändischen Gefängnissen sitzen. Gibst eine öffentlich Liste oder Statisktik darüber?

    Harte Strafen bei Mord etc. sind ja ok, aber die Regierung übertreibt ein wenig, bei kleineren Delikten.
    Andere Länder, andere Sitten.
    Der Bericht schreckt ganz schön ab. Was sagen denn Menschenrechts- organisationen dazu, über die Zustände in den Gefängnissen?

    Lg
    Peter

  5. #4
    Avatar von conny

    Registriert seit
    27.07.2002
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    896

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Ach Otto ...

    das die thailändischen (und die in vielen anderen Ländern auch) Gefängnisse nicht so edel sind, wie die deutschen Gefängnisse, das ist doch nichts Neues.

    Toll fände ich, wenn du dich - bewaffnet mit deiner Digitalkamera - mal in ein Gefängnis begibst (wie auch immer ;-D ;-D ) und uns mit einigen Fotos "überraschst" .


    Gruß
    Conny

  6. #5
    Avatar von Tschaang-Frank

    Registriert seit
    26.05.2004
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    4.213

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Koennt ihr euch hier runterladen:

    Kurzfilm Thai Knast

  7. #6
    garni
    Avatar von garni

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Wer mehr Infos ueber Thaigefaengnisse haben moechte,
    (Amn.Int.,Gefangenenhilfe,Berichte von Ex-Gef.,usw.)
    einfach bei Google > Klong Prem < eingeben.
    Gruß Matthias

  8. #7
    Avatar von Otto-Nongkhai

    Registriert seit
    05.11.2002
    Beiträge
    12.292

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Zitat Zitat von conny
    Ach Otto ...



    Toll fände ich, wenn du dich - bewaffnet mit deiner Digitalkamera - mal in ein Gefängnis begibst (wie auch immer ;-D ;-D ) und uns mit einigen Fotos "überraschst" .


    Gruß
    Conny
    Hallo conny!
    Wenn einer von euch mal dort reinkommt ,gehe ich ihn garantiert besuchen.

    Normalerweise ist es schwer ,eine Besuchserlaubnis zu bekommen ,da die Thai Behoerden sich schaemen ,wenn Berichte und Bilder an die Öffentlichkeit kommen.
    Ist nicht im Interesse Thailand ,
    dem Land wo angeblich nur Milch und Honig fliesst.

    Gruss

    Otto

  9. #8
    Avatar von seven

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    1.676

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Nachdem ich dieses Thread gelesen habe, dachte ich nicht, dass ich so schnell in die Naehe eines thailaendischen Gefaengnisses komme. Ein guter Bekannter der Familie meiner Freundin muss wegen irgendeiner Bagatelle 3 Monate in Khorat absitzen und gestern haben wir ihm ein paar Mangos und Nam Prik gebracht. Wie nicht anders zu erwarten durfte ich nicht mit rein, was aber gar nicht so schlimm war.

    Vor dem Eingang des Gefaengnisses in Khorat sind einige Resozialisierungsprojekte fuer die Haeftlinge, darunter ein Massagesalon. Thai-Massage gibt es da fuer 60 Baht die Stunde, das konnte ich mir nicht entgehen lassen.
    Drinnen waren neben einigen Thais auch 2 Hollaender, die wohl genauso verbluefft geschaut haben mich in diesem Laden zu treffen wie ich. Aussen findet man naemlich kein englisches Schild und als Tourist verirrt man sich nur schwer in die Gegend.

    Die Massage war besser als erwartet, auch wenn die Maedels die ganze Zeit Fragen gestellt haben und die Chance sich mit einem Farang zu unterhalten grunedlich nutzten.
    :-)

  10. #9
    Avatar von Otto-Nongkhai

    Registriert seit
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    12.292

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    In den Thai Gefängnissen sitzen z.Z. mehr als 4.000 Ausländer ,
    darunter ca.500 aus westlichen Ländern.
    Viele Ausländer wollen mit Heroin und Jaa Baa auf schnelle Art und Weise das grosse Geld machen.
    Sie wissen aber nicht ,das die Belohnung für denjenigen ,der bei ihnen Drogen findet oft höher ist ,als der Preis ,den sie für die Droge bezahlt haben.
    Die Beamten am Flughafen wissen also schon im Voraus ,wer Drogen schmuggelt und können gezielt zugreifen.

    Nach 7 Tagen wir der Gefangene von der Polizeihaft in ein reguläres Gefängnis überwiesen.

    Normalerweise muss die Polizei die ausländische Botschaft innerhalb von zwei Tagen über die Festnahme unterrichten.

    Ein Konsularbeamter besucht die Gefangenen ,erklärt ihnen die thailändischen Gesetze und das Justizsystem ,stellt eine Liste von Anwälten zur Verfügung und benachrichtigt die Familienangehörigen.

    Einige Botschaften geben mittellosen Gefangenen kleine Darlehn ,so das sie sich Schlafmatten ,Toilettenartikel ,Kleidung und Nahrungsmittel zur Aufbesserung der minderwertigen Gefängniskost kaufen können.

    Danach erfogt ein Besuch im Monatsrytmus .

    Jedes mal ,wenn ein Gefangener vom Gericht ins Gefängnis zurückgebracht wird ,wird er gründlich ,äuserlich und innerlich untersucht.
    Das kann äusserst erniedrigend sein.

    Bei der Gerichtsverhandlung soll aber ,nach neuestem Gesetz .
    ein Dolmetscher zur Verfügung stehen und Dokumente müssen übersetzt sein.
    Das war früher nicht so und der Gefangene konnte der Gerichtsverhandlung kaum folgen.

    Thailand hat mit einigen Ländern ein Gefangenenaustauschprogramm abgeschlossen und nach 4 Jahren ( bei Lebenslänglichen nach 8 Jahren ) können die Gefangenen in ihre Heimatländer überführt werden.


    Im Klong-Prem Gefaengnis sitzen im Block 13 nur Gefangene ,die mit Aids infiziert sind.
    Momentan sind es ca 350 Gefangene ,aber die Dunkelziffer ist gross ,da man die Gefangenen nicht zu einem Bluttest zwingen kann.
    Für sie alle ist die positive HIV-Diagnose ein Todesurteil ,eine zusätzliche Strafe ,die weit grausamer ist als die ,
    die sie für ihr Vergehen gegen die Gesellschaft verbüssen.

  11. #10
    Lung Peter
    Avatar von Lung Peter

    Re: Ein paar Eindrücke aus dem Gefängnis in Thailand.

    Wie hart sind denn die Strafen für Farangs die Drogen konsumieren, nicht verkaufen?

    Ich frage deshalb, weil mir aufgefallen ist, daß vermehrt Drogen angeboten werden. Auf Ko Samui und auf der Full Moon Party herrscht eine reger Handel mit Drogen. So extrem wie diese Jahr ist es mir aber noch nie vorgekommen.

    Kann mir denken das einige Farangs von der Polizei festgenommen werden. Bekommen die auch hohe Strafen?
    Auch habe ich mal gelesen, daß solche Menschen auf Lebenszeit "Thailand Verbot" bekommen...

    LG
    Peter

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