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Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit?

Erstellt von Mr_Luk, 23.04.2005, 07:28 Uhr · 4 Antworten · 1.125 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Mr_Luk

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    Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit?

    Es ist kein neues Thema, es gibt viele Standpunkte - Wahrheit und Lüge (Unwahrheit) kann man fein säuberlich zerlegen... darüber argumentieren - Halt, im Grunde kann man die Lüge am besten differenzieren:

    Notlüge, Lüge zum eigenen Schutz (sogar juristisch legal) im Gegensatz zum Meineid, andere Personen betreffend. Lügen im Interesse seiner Partei oder einer ganzen Nation (Politik). "Schummeln" in geschäftlichem Interesse, Lügen um die Senibilität einer Drittperson zu respektieren (Krankheitsfall), und, und, und...

    Für die Wahrheit braucht man keine Differenzierung, weil die Wahrheit die Wahrheit ist! Zumindest kann man die Wahrheit als vermitteln unverfälschter Informationen, Aussagen definieren. Sie aber auch im Gegensatz zur Lüge definieren. Zumindest gibt es überprüfbare Informationen, wie: "Ich besitze ein Auto dieser Marke" "mein Wohnsitz ist dort und dort", Ich habe die und die Nationalität", "ich habe so und soviel Geld bei mir". Dies sind Fakten- und sie werden entweder richtig oder (mehr oder weniger) verfälscht wiedergegeben. Auch wenn sich die Wahrheit subjektif und differenziert auslegen lässt, eine Menge Sachverhalte bleiben trotztem davon "verschont" und sind zur Not auch nachprüfbar.

    Wenn jemand die Wahrheit sagt, dann lügt er nicht, er verfälscht die Aussage, die er machen will nicht; zumindest nicht absichtlich.

    Wie wir sehen braucht der Begriff Wahrheit trotzdem den Gegensatz des Begriffs Lüge, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben. Wahrheit und Lüge entstehen aus einer Polarität heraus. Beide können ohne ihren Gegenpol nicht existieren. Oder sagen wir so, Wahrheit wird nur zur Wahrheit wenn sie keine eindeutige Lüge ist. Anderenfalls ist alles nur eine Aussage mit subjektivem (vieldeutigem Charakter). Die Absicht ist glaube ich letzten endes der bedeutendste Faktor der entscheidet was Wahrheit und Lüge differenziert.

    In letzter Zeit beschäftigt mich die Frage wie ich mit der Unwahrheit, der Lüge um mich her umgehen soll - und wie ich (aktiv) darauf reagieren soll. Ob ich weiterhin bei der Wahrheit bleiben soll, oder ob ich mich der Tendenz irgendwie anpassen oder anschliessen soll. Nach dem Motto: "ich bin doch nicht blöd!"

    Es ist schon frappierend, wie man auf Schritt und tritt beschummelt wird. Man könnte fast glauben man befände sich im Jahrhundert des Schummelns. Sei dies nun in den Medien, Reklame, kommerzielle Spielfilme, Politik, Pseudoinformation über's Netz, politisierte Aktualität, - oder auch bei persönlichen Kontakten kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren es würde alles verdreht und verzerrt, behauptet ohne zu überprüfen, - und manchmal ebenso bewusst gelogen dass sich die Balken biegen. Das Zeitalter der Information, im Besonderen das Internet bringt ebenfalls eine neue Form des Schummelns mit sich. Da kann man sich tatsächlich in einer halben Stunde eine kleine Doktorarbeit zusammen-googeln, wenn man etwas Übung darin hat. Es gibt einen gleitenden Übergang zwischen Wissen und zusammengoogeln, - was natürlich vor- und nachteile hat. Fakten sind leichter zu überprüfen, - aber neuerdings machen nicht mehr "kleider Leute" sondern googeln macht auch schon mal Leute!

    Ein ganz anderes Beispiel das mir zu denken gab: Gestern war einer meiner Expat-kumpel hier und hat mir sehr gönnerhaft eine gerippte Version (auf 3 SVCDs) des dritten Teils der Herr der Ringe überreicht. "Hier, das ist für dich!" Nun, gestern abend wollte ich mir dann den 'letzten Teil' ansehen. Es war aber nicht der dritte Teil sondern der zweite. Zudem gab es Thai Untertitel und die erste Scheibe hing bereits nach 10 Minuten! Und da viel mir wieder ein dass ich selbst ihm vor etwa 4 Monaten die Original DVD ausgeliehen hatte. Er hatte nicht nur das vergessen, sondern sich zudem noch einer "verbratenen Kopie" entledigt. War übrigens auch nicht das erste Mal. Naja, hier handelt es sich ja nicht direkt um eine Lüge, sondern viel eher um eine spezielle Form von Nachlässigkeit, die zu falschen Informationen führt (wenn ich es großzügig auslege). Ärgerlich ist es trotzdem, und ich weiss jetzt nicht ob ich darüber wegsehen- oder es ihm unter die Nase reiben soll.

    An dieser Stelle könnte ich noch einwerfen dass man in Thailand eine ganz gegenteilige Einstellung zu Wahrheit und Unwahrheit hat. Wo man in unserer westlichen Welt im Grunde davon ausgeht, dass man es (stets) mit der Wahrheit zu tun hat, bei der sich die Lüge gelegentlich einschleicht, sieht man es in Thailand eher umgekehrt. Man hat es gemeinerhand mit der Lüge (oder auch mit Nachlässigkeit) zu tun, in der gelegentlich ein Quäntchen Wahrheit (und Mühe) enthalten ist. Eine andere Version lautet wiederum wie folgt: Man geht nicht von einer Lüge aus, sondern von einer subjektiven Einzelversion, - nicht von einer "Wahrheit" als solchen. Naja, die vorhin erwähnten (überprüfbaren) Sachverhalte machen ja oft auch nur einen geringen Teil einer Aussage aus.

    Meine Frau hällt mir schon mal vor dass ich zu bedenkenlos mit der Wahrheit (sprich mit realen und unverfälschten Äusserungen) umgehen-, und mir damit (im übertragenen Sinne auch noch zuviel Mühe geben) würde. Welch Ironie... aber...

    Sie argumentiert nämlich wie folgt: "wieso solltest du die Wahrheit immer preisgeben, wenn dein Gegenüber das nicht tut (die Wahrheit absichtlich verfälscht - bzw. sich gar nicht dieselbe Mühe gibt, die Dinge Wahrheitsgetreu wiederzugeben), - im Grunde oft nur nachlässig mit der Wahrheit und auch mit dir umgeht?"

    Ich antworte im Prinzip so: "mir ist es wichtig dass ich bei der (meiner) 'Wahrheit' bleibe, die Anderen denken sowieso was sie wollen. Deshalb spielt es gar keine so grosse Rolle ob ich die 'Wahrheit' preisgebe oder nicht!"

    Im Nachhinein frage ich mich aber auch ob ich Wahrheiten preisgeben soll, die mich in eine schlechte (nachteilige) Position bringen könnten oder nicht!? Und ab hier wird's leicht kompliziert, und wenn man so will dreckig - denn was ist nun Fakt? Bringe ich mich durch eine wahre Aussage in eine nachteilige Position, oder bin ich es ohnehin - gebe es lediglich zu - setze mich sozusagen der Wahrheit aus?

    Ersteres (mich unnütz in eine schlechtes Licht oder eine Position bringen) wäre natürlich zu vermeiden, das wäre reine Dummheit. Letzteres hingegen wäre mir wiederum sehr nützlich, da ich mich der 'Wahrheit' stellen würde und somit lernen könnte...

    Aber passt eine solche Einstellung noch in die "allgemeine Tendenz", ist das überhaupt noch zeitgemäss - und vor allem passt das überhaupt 'hierher'? Ich kann ja nur durch Preisgeben (m)einer 'nachteiligen' Wahrheit lernen, wenn ich eine ehrliche (und nicht etwa eine nachlässige) Reaktion bekomme. Anderenfalls werde ich ja lediglich und zusätzlich um "die Wahrheit" betrogen. Lerne im Grunde nichts (gutes). Oder ist ab einem gewissen Punkt der "Einsicht" etwa nur grosse Zurückhaltung und 'Diskretion' angesagt?

  2.  
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  3. #2
    Avatar von x-pat

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    Re: Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit?

    Du sagst:

    Luk: Wie wir sehen braucht der Begriff Wahrheit trotzdem den Gegensatz des Begriffs Lüge, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben.

    Das Gegenteil von Wahrheit ist nicht Lüge sondern Falschheit. Falschheit heisst einfach Nicht-Fakitizität, wie zum Beispiel in dem Satz "Thailand liegt am Atlantik" ausgedrückt. Der Begriff der Falschheit stellt lediglich eine Bewertung des Inhaltes der Kommunikation dar. Der Begriff "Lüge" dagegen bewertet die Kommunkationsmethode, denn "Lüge" ist die bewusste Kommunikation einer Falschheit. Der Gegensatz zu "Lüge" ist dann "Wahrhaftigkeit", nicht "Wahrheit".

    Luk: Die Absicht ist glaube ich letzten endes der bedeutendste Faktor der entscheidet was Wahrheit und Lüge differenziert.

    Die Absicht entscheidet die moralische Qualität des Sprechens, und das geht auch über den Begriff der Lüge hinaus, denn lügen kann man aus vielen Gründen, zum Beispiel um sich einen Vorteil zu verschaffen, eine Ausrede zu erfinden, eine Entscheidung zu beeinflussen, oder auch um Personen oder Dinge zu schützen. Die moralische Qualität müsste man im Einzelfall im Licht des jeweiligen Motivs sehen.

    Luk: In letzter Zeit beschäftigt mich die Frage wie ich mit der Unwahrheit, der Lüge um mich her umgehen soll - und wie ich (aktiv) darauf reagieren soll.

    Ich bin geneigt, Menschen die ich nicht kenne zunächst mein Vertrauen zu schenken (wenn auch nicht blindlings) und erst dann zu urteilen, bzw. zu handeln wenn dasselbe enttäuscht wird. Von Menschen die lügen, wenn ich es herausfinde, trenne ich mich schnell.

    Luk: Es ist schon frappierend, wie man auf Schritt und tritt beschummelt wird.

    Dein Problem mag sein, dass du zu schnell an Leuten zweifelst. Wenn du jemandem kein Vertrauen schenkst, ist die Gefahr, dass du enttäuscht wirst paradoxerweise ungleich höher. Aufgrund von Wechselwirkungen in der Kommunikation ist Vertrauen immer eine gemeinsame Investition.

    Luk: Meine Frau hällt mir schon mal vor dass ich zu bedenkenlos mit der Wahrheit (sprich mit realen und unverfälschten Äusserungen) umgehen-, und mir damit (im übertragenen Sinne auch noch zuviel Mühe geben) würde.

    Im Geschäftsleben gibt es zahlreiche Gründe sensitive Information zu schützen. Es gibt einfach Fakten, die man nicht an jeden kommunizieren will und darf, um den eigenen Wettbewerbsvorteil zu schützen. Die meisten Geschäftsleute haben dafür Verständnis, aber natürlich versucht jeder so viel Informationen zu beschaffen wie er kann. Nun sehe ich aber überhaupt keine Veranlassung, deshalb bewusst falsche Informationen zu kommunizieren. Wenn man etwas nicht mitteilen möchte, dann unterlässt man es eben. Falls der andere darauf drängt, gibt es vielleicht ein paar diplomatische Hinweise und falls diese nicht fruchten die berühmte kalte Schulter.

    Luk: Ich kann ja nur durch Preisgeben (m)einer ´nachteiligen´ Wahrheit lernen, wenn ich eine ehrliche (und nicht etwa eine nachlässige) Reaktion bekomme. Anderenfalls werde ich ja lediglich und zusätzlich um "die Wahrheit" betrogen.

    Eine allgemeine Empfehlung kann es nicht geben. Wie, wann, wem, und wieviel man von welcher Information preisgeben möchte ist eine Sache des eigenen Erwägens und der Erfahrung. Wittgenstein sagt am Anfang seines Tractatus: "Die Welt ist alles was der Fall ist", und am Ende: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen." Eine gute Empfehlung, finde ich.

    x-pat

  4. #3
    Avatar von Mr_Luk

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    Re: Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit?

    Zitat Zitat von x-pat",p="239186
    Du sagst:

    Luk: Wie wir sehen braucht der Begriff Wahrheit trotzdem den Gegensatz des Begriffs Lüge, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben.

    Das Gegenteil von Wahrheit ist nicht Lüge sondern Falschheit. Falschheit heisst einfach Nicht-Fakitizität, wie zum Beispiel in dem Satz "Thailand liegt am Atlantik" ausgedrückt.
    Sorry, aber dein alternativer Ausdruck Falscheit schafft hier keineswegs Klarheit, da er mindestens eine zweite Bedeutung hat.

    "Lüge" dagegen bewertet die Kommunkationsmethode, denn "Lüge" ist die bewusste Kommunikation einer Falschheit. Der Gegensatz zu "Lüge" ist dann "Wahrhaftigkeit", nicht "Wahrheit".
    Das Problem ist ja, dass Aussagen nicht entweder aus Fakten oder in reiner Absicht gesteuerten Kommunikationsmehtoden bestehen, sondern (ausser in seltenen Fällen) aus einer Kombination von Beidem! Deine ´theoretische Aufteilung´ ist zwar interessant, hat aber keinen praktischen Nutzen. Man könnte notfalls bei einem einzelnen Satz oder einer bestimmten Aussage zwischen Wahrhaftigkeit und Wahrheit unterscheiden, - aber dann darf die Person nicht zu lange reden, sonst funktioniert eine solche Unterscheidung nämlich nicht mehr

    Luk: In letzter Zeit beschäftigt mich die Frage wie ich mit der Unwahrheit, der Lüge um mich her umgehen soll - und wie ich (aktiv) darauf reagieren soll.

    Ich bin geneigt, Menschen die ich nicht kenne zunächst mein Vertrauen zu schenken (wenn auch nicht blindlings) und erst dann zu urteilen, bzw. zu handeln wenn dasselbe enttäuscht wird. Von Menschen die lügen, wenn ich es herausfinde, trenne ich mich schnell.
    Das tue ich im Prinzip auch, ausser in seltenen Fällen in denen mich meine Intuition warnt. Der Anfang einer jeden ´Beziehung´ ist bekanntlich leichter als das Kontiuum. Das Problem stellt sich aber dann beim "Frefel" wie gross die Maschen des Netzes sein sollen, - denn sind sie zu gross, fallen auf lange sicht alle Fische durch

    Luk: Es ist schon frappierend, wie man auf Schritt und tritt beschummelt wird.

    Dein Problem mag sein, dass du zu schnell an Leuten zweifelst. Wenn du jemandem kein Vertrauen schenkst, ist die Gefahr, dass du enttäuscht wirst paradoxerweise ungleich höher.
    Hier liegt "mein Problem" glaube ich nicht - denn dieser Mechanismus ist mir vertraut. Es ist eher so (und umgekehrt) dass ich ihn bei der "anderen Seite" beobachte. Viele Menschen sind nur (noch) zögerlich im Schenken von Vertrauen und dehalb wird es auch nur schwerlich und selten erwidert. Es gibt übrigens auch den umgekehrten Grundsatz: "traue niemandem der dir nicht traut!"

    Luk: Meine Frau hällt mir schon mal vor dass ich zu bedenkenlos mit der Wahrheit (sprich mit realen und unverfälschten Äusserungen) umgehen-, und mir damit (im übertragenen Sinne auch noch zuviel Mühe geben) würde.

    Im Geschäftsleben gibt es zahlreiche Gründe sensitive Information zu schützen. Es gibt einfach Fakten, die man nicht an jeden kommunizieren will und darf, um den eigenen Wettbewerbsvorteil zu schützen.
    Ja, das ist mir ebenfalls bewusst. Ich bin zwar über zwanzig Jahre im Geschäft und tue mich immer noch schwer mit geschäftlicher ´Politik´, da es immer noch schwer einzuschätzen ist ob Vertrauen in geschäftlicher Hinsicht lohnt oder nicht. Die Aussagen meiner Frau bezogen sich aber nicht nur (oder nicht im Speziellen) auf geschäftliche Angelegenheiten.

    Nun sehe ich aber überhaupt keine Veranlassung, deshalb bewusst falsche Informationen zu kommunizieren. Wenn man etwas nicht mitteilen möchte, dann unterlässt man es eben. Falls der andere darauf drängt, gibt es vielleicht ein paar diplomatische Hinweise und falls diese nicht fruchten die berühmte kalte Schulter.
    In manchen Branchen ist das Verbreiten von falschen Informationen, einer Art internes (auf Gerüchte aufbauendes) Mobbing aber gan und gäbe. Diese Machenschaften habe ich aber stets verweigert, auch wenn es manchmal nicht zu vermeiden war gleiches in barer Münze durch einfache Aufklärung zurückzuzahlen. Dann werden aber seltsamerweise die Übergänge zwischen Aufklärung (Verteidigung) und Mobbing (Angriff) wieder gleitend. Es ist dann wiederum eine Frage der Interprätation, - was man da eigentlich tut.

    Wittgenstein sagt am Anfang seines Tractatus: "Die Welt ist alles was der Fall ist", und am Ende: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen." Eine gute Empfehlung, finde ich.
    Ich kenne das Tractatus Logicus Philosophicus (war doch so, oder?), ist aber lange her dass ich es gelesen habe. Nur sehe ich letztere Empfehlung eher auf sehr philosophische Sachverhalte-, nicht aber auf den täglichen Hausgebrauch bezogen. Im Alltag ist es ja nicht so dass man nicht reden kann, bzw. etwas nicht ausdrücken kann. Da heisst es dann wohl eher "was man nicht unbedingt erzählen muss, darüber sollte man schweigen" Aber das war ja bereits meine Schlussfolgerung des Eingangsthreads.

  5. #4
    Avatar von x-pat

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    Re: Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit?

    Luk: Sorry, aber dein alternativer Ausdruck Falscheit schafft hier keineswegs Klarheit, da er mindestens eine zweite Bedeutung hat.

    Ja, der Begriff "Falschheit" ist ein Homonym, aber um die Bedeutung klarzumachen hatte ich bereits von Nicht-Faktizität gesprochen, daher ist dein Einwand abgelehnt. :P Der englische Begriff "falsity" würde es noch klarer ausdrücken, aber wir unterhalten wir uns ja in Deutsch. Der Unterschied zwischen Falschheit und Lüge ist keineswegs nur graue Theorie, wie du zu beklagen scheinst. Wenn ich meinen Messenger Brötchen holen schicke, und er gibt mir später zu wenig Wechselgeld wieder, dann macht es schon einen Unterschied ob er mir eine Lüge erzählt, weil er das Wechselgeld behalten möchte, oder ob er mir eine Falschheit erzählt, weil er sich ganz einfach vertan hat. Da muss man schon haarklein zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit unterscheiden, oder findest du nicht?

    Luk: Ja, das ist mir ebenfalls bewusst. Ich bin zwar über zwanzig Jahre im Geschäft und tue mich immer noch schwer mit geschäftlicher ´Politik´...

    Vielleicht solltest du dir dann überlegen, ob dieses Geschäft von dem du sprichst überhaupt das Richtige ist. Es gibt geborene Kaufmänner, und solche die es nie lernen, und solche die es nur widerwillig machen. Ich falle in die letzte Klasse und habe daher kaufmännische Aspekte größtenteils aus meiner Arbeit verbannt. Wenn dir Geschäftspolitik, das Handeln, und das Merkantilistische nicht liegen, dann mach doch lieber etwas das nichts damit zu tun hat. Falls es ein notwendiger Bestandteil deines Unternehmens sein sollte, könntest du einen Partner hinzunehmen, der in diesem Bereich gut funktioniert.

    Luk: Die Aussagen meiner Frau bezogen sich aber nicht nur (oder nicht im Speziellen) auf geschäftliche Angelegenheiten.

    Sondern? Was hast du denn damit gemeint das Lügen vielleicht notwendig ist, und eventuell sogar "im Trend" liegt? Hast du das Gefühl du bist zu ehrlich?

    In deinem ersten Posting machst du einige Andeutungen, die ich nicht ganz verstehe. Zum Beispiel:

    Luk: Das Zeitalter der Information, im Besonderen das Internet bringt ebenfalls eine neue Form des Schummelns mit sich. Da kann man sich tatsächlich in einer halben Stunde eine kleine Doktorarbeit zusammen-googeln, wenn man etwas Übung darin hat.

    Wo liegt hier das Problem? Jeder kann heutzutage seinen Wissensschatz durch die elektonischen Medien fast beliebig erweitern. Google steht jedermann zur Verfügung, insofern gibt es hier keine ungleiche oder unfaire Machtverteilung. Wo wird hier geschummelt?

    Weiterhin sagst du:

    Luk: Ärgerlich ist es trotzdem, und ich weiss jetzt nicht ob ich darüber wegsehen- oder es ihm unter die Nase reiben soll.

    Wo liegt hier das Problem? Erinnere deinen Freund freundlich an die ausgeliehenen DVDs. Wenn du sie zurückbekommst, dann ist alles okay. Falls nicht, verlierst du nur eine DVD, weißt aber das auf den Freund kein Verlass ist.

    Dann weiter:

    Luk: An dieser Stelle könnte ich noch einwerfen dass man in Thailand eine ganz gegenteilige Einstellung zu Wahrheit und Unwahrheit hat. [...] Man hat es gemeinerhand mit der Lüge (oder auch mit Nachlässigkeit) zu tun, in der gelegentlich ein Quäntchen Wahrheit (und Mühe) enthalten ist.

    Ausgemachte Lügen habe ich in Thailand ebenso selten (oder häufig) erlebt wie in Deutschland. Allerdings gibt es hier eine Tendenz, Dinge zu verschweigen und schönzureden um damit das Gesicht zu wahren und Konflikte zu vermeiden. Das ist sicherlich ein Problem, da es mit der westlichen Mentalität in Konflikt steht und zu Missverständnissen führen kann. Allerdings gewöhnt man sich nach ein paar Jahren im Lande an diese Art der Kommunikation und dann weiss man schon, wo die Probleme liegen und das Schönreden und Verschweigen anfängt. Man muss sicherlich Konsequenzen ziehen. Entweder man kommt durch diese Barriere durch, oder -wenn das nicht der Fall ist- muss man die Privat- oder Geschäftsbeziehung eben abbrechen. Wenn man allerdings einmal eine Vertrauensbasis geschaffen hat mit einem Kunden, Lieferanten, Angestellten, oder einer Privatperson dann fallen diese Hindernisse automatisch weg. Ohne diese Vertrauensbeziehungen geht es in Asien ja fast gar nicht.

    x-pat

  6. #5
    Avatar von Taoman

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    Re: Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit?

    Luk: Es ist schon frappierend, wie man auf Schritt und tritt beschummelt wird. Man könnte fast glauben man befände sich im Jahrhundert des Schummelns. Sei dies nun in den Medien, Reklame, kommerzielle Spielfilme, Politik, Pseudoinformation über´s Netz, politisierte Aktualität, - oder auch bei persönlichen Kontakten kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren es würde alles verdreht und verzerrt, behauptet ohne zu überprüfen, - und manchmal ebenso bewusst gelogen dass sich die Balken biegen. Das Zeitalter der Information, im Besonderen das Internet bringt ebenfalls eine neue Form des Schummelns mit sich.

    Ist eben alles Maya im Sinne des ZEN schlicht Verblendung!

    Luk: Meine Frau hällt mir schon mal vor dass ich zu bedenkenlos mit der Wahrheit (sprich mit realen und unverfälschten Äusserungen) umgehen-, und mir damit (im übertragenen Sinne auch noch zuviel Mühe geben) würde. Welch Ironie... aber...
    Sie argumentiert nämlich wie folgt: "wieso solltest du die Wahrheit immer preisgeben, wenn dein Gegenüber das nicht tut (die Wahrheit absichtlich verfälscht - bzw. sich gar nicht dieselbe Mühe gibt, die Dinge Wahrheitsgetreu wiederzugeben), - im Grunde oft nur nachlässig mit der Wahrheit und auch mit dir umgeht?"


    Deine Frau ist weise und hat recht!
    Es ist zwar immer gut zu wissen "was" man sagt, es ist jedoch nicht gut immer "alles" zu sagen was man weiss

    Luk: Im Nachhinein frage ich mich aber auch ob ich Wahrheiten preisgeben soll, die mich in eine schlechte (nachteilige) Position bringen könnten oder nicht!? Und ab hier wird´s leicht kompliziert, und wenn man so will dreckig - denn was ist nun Fakt? Bringe ich mich durch eine wahre Aussage in eine nachteilige Position, oder bin ich es ohnehin - gebe es lediglich zu - setze mich sozusagen der Wahrheit aus?

    Auch hier gilt:
    Es ist zwar immer gut zu wissen "was" man sagt, es ist jedoch nicht gut immer "alles" zu sagen was man weiss ;-D

    Luk: Aber passt eine solche Einstellung noch in die "allgemeine Tendenz", ist das überhaupt noch zeitgemäss - und vor allem passt das überhaupt ´hierher´? Ich kann ja nur durch Preisgeben (m)einer ´nachteiligen´ Wahrheit lernen, wenn ich eine ehrliche (und nicht etwa eine nachlässige) Reaktion bekomme. Anderenfalls werde ich ja lediglich und zusätzlich um "die Wahrheit" betrogen. Lerne im Grunde nichts (gutes). Oder ist ab einem gewissen Punkt der "Einsicht" etwa nur grosse Zurückhaltung und ´Diskretion´ angesagt?

    Ich verstehe sehr gut was du meinst habe jahrelang das gleiche Problem gehabt und dadurch viele Freunde verloren weil ich das "halbherzige zuhören" die Fehlinterpretationen durch Bequemlichkeit und die daraus entstandenen Lügen nicht mehr ertragen konnte.
    Auch heute fällt es mir noch schwer mich in Zurückhaltung und Diskretion zu üben.
    Auch wenns wie ein Selbstlob klingt, ich bin nun mal eine ehrliche Haut und ein offener Mensch...nur leider ist sowas beim heutigen Kommunikationsstil absolut out, scheinbar nicht mehr zeitgemäss und teilweise wie ein Tritt in Hundescheisse.

    Deshalb fahre ich mit: "Es ist zwar immer gut zu wissen "was" man sagt, es ist jedoch nicht gut immer "alles" zu sagen was man weiss" recht gut

    Es ist für mich immer eine Wohltat wenn ich jemandem treffe dem ich vertrauen kann wenn "die Schwingung stimmt" und ich frei von der Leber reden kann ohne das es sofort zerhackt wird.
    Am schönsten ist es wenn man sich mit Menschen auch ohne viele komplizierte Worte "verstehen" kann, dies erfordert großes Vertrauen und ist dann auch meist eine "echte" Freundschaft...jedoch leider sehr selten zu finden

    x-pat: Wittgenstein sagt am Anfang seines Tractatus: "Die Welt ist alles was der Fall ist", und am Ende: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen." Eine gute Empfehlung, finde ich.

    klar ist eine sehr schöne Aussage, ich liebe sie geradezu weil sie ein Paradox aus dem ZEN sein könnte, demnach müssten alle Philosophen schweigen weil mit dieser Aussage jegliche Grundlage der Philosophie entzogen wird.
    In dem Moment wäre "reine Stille" :bravo:

    gruß taoman

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