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Die Reisen einer buddhistischen Nonne

Erstellt von Jinjok, 11.04.2002, 13:55 Uhr · 2 Antworten · 896 Aufrufe

  1. #1
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    Die Reisen einer buddhistischen Nonne

    Die folgenden 3 Episoden fand ich auf den Webseiten von Brigitte Jankord.

    Reise nach Kanada

    Im April 1995 hatte die Nonne B. die Gelegenheit, eine Reihe von buddhistischen Zentren in Kanada zu besuchen und an einer buddhistischen Gelehrtenkonferenz an der Universität von Toronto teilzunehmen. Hier wird kurz über ihre Kontakte mit Buddhisten in Kanada berichtet. Dieser und die folgenden Berichte entsprechen den realen Tatsachen, und aus diesem Grund soll der Name der Nonne B. ungenannt bleiben.

    In den großen Städten wie Toronto und Montreal gibt es zahlreiche buddhistische Zentren vieler Nationalitäten, von denen die meisten durch asiatische Emigranten gegründet worden sind. Fast nur die tibetischen und die Zen-Zentren werden ähnlich wie in Europa überwiegend von westlichen Anhängern besucht und unterstützt.

    Die Nonne B. hatte die Ehre, Gast bei verschiedenen vietnamesischen, chinesischen, burmesischen und Khmer-Zentren zu sein. Leider war die Zeit ihres Aufenthalts zu kurz bemessen, um die anderen indischen, thailändischen, japanischen, laotischen und singhalesischen Zentren zu besuchen. Die Gemeinschaften dienen jeweils hauptsächlich denen, die ihre Sprache sprechen, denn Kultur und Buddhismus haben sich in den verschiedenen Ländern miteinander vermengt. Es gibt kaum Kontakte zwischen den Zentren verschiedener Nationen.

    Als die Nonne B. bei lokalen Behörden nach buddhistischen Zentren fragte, erfuhr sie, daß diese Gemeinden in der Öffentlichkeit überhaupt nicht bekannt sind, und daß sie eher den Charakter von privaten Vereinigungen haben. Selbst die nächsten Nachbarn wußten nicht, um welche Art von Gesellschaft es sich da handelte. Intern schienen diese Gemeinden sehr gut zu funktionieren. Es fanden sich dort Menschen zusammen, die aufrichtig versuchten, die Lehre des Buddha in der Neuen Welt in die Praxis umzusetzen. Und vielleicht war und ist es gerade der besondere Reiz vieler Zentren, die sich zur Zeit in einer Aufbauphase befinden, daß vieles improvisiert werden muß. Es ist ein Anfang. Die Unterbringung, die Ausstattung und die Verwaltung brauchen Zeit, um zu wachsen und sich in die neue Umwelt einzupassen. Diese Orte müssen sogar einem mißtrauischen Betrachter als harmlos, wenn nicht bedeutungslos erscheinen. Manchmal sind es Wohnungen, manchmal Häuser, manchmal gewerbliche Gebäude, die ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet und in Tempel umfunktioniert werden. Die äußere Erscheinung, die Manifestation des Buddhismus in Kanada - und in Europa sieht es von Ausnahmen abgesehen ähnlich aus - spiegelt in keiner Weise die Vortrefflichkeit des Wissens und der Weisheit wieder, zu deren Erhaltung und Vermittlung sie dienen soll. Doch die Buddhisten in Kanada glänzen nicht durch eindrucksvolle Monumente, sondern durch ihre Praxis.

    Es fehlen buddhistische Schulen für die Kinder vor allem in Städten wie Toronto, wo Tausende von Buddhisten leben. In diesen Schulen, die nach buddhistischen Prinzipien zu organisieren wären, sollten Kinder dahin geführt werden, emanzipierte Erwachsene mit buddhistischen Wertvorstellungen zu werden.

    Am 20. April 1995 begann eine Konferenz zum Thema "Buddhismus nach dem Patriarchat" an der Universität von Toronto. Dort traf die Nonne B. mit buddhistischen Akademikern zusammen. Das Thema der Frauenemanzipation wurde mit der Hilfe buddhistischer Paradigmen analysiert und diskutiert.

    Das Leben ist kurz, und die Zeit das Dhamma zu praktizieren entsprechend knapp. Wenn wir anderen helfen möchten, müssen wir uns erst selber von Illusionen und falschen Vorstellungen befreien. Wenn uns dies gelungen ist, hindert uns die Ignoranz nicht mehr, das zu tun, was wirklich Not tut. Nicht nur Worte sondern vor allem unser gelebtes Beispiel kann große Wirkung auf andere haben.

    Der Veranstalter der Konferenz Dr. Sugunasiri ist in einem buddhistischen Land aufgewachsen und kennt den Buddhismus und den Mönchs- und Nonnenorden nicht nur aus Büchern und durch einige Ferienreisen nach Asien. Der Beitrag von Dr. Sugunasiri brachte das zum Ausdruck, was bei dieser Konferenz kritisch zu sehen war. Der Titel seines Vortrags lautete: "Nicht-monastischer Laienbuddhismus, ein schlüpfriger Weg zur Verminderung des Begehrens". Die westlichen Gelehrten zeigten keinerlei Achtung, auch nicht rein äußerlich, vor dem was ein Mönch oder eine Nonne in Roben repräsentiert. Es scheint für sie keine Bedeutung zu haben.

    Der schweigende Beitrag einer Gruppe chinesischer Frauen zu dieser Konferenz war ein von ihnen zubereitetes Abendessen für die Teilnehmer.

    Die Reise hatte in Montreal begonnen und sie endete dort. Die Nonne B. hat Tempel in Montreal, Toronto, Windsor, Ottawa und auf dem Lande besucht, und wurde überall offen und gastfreundlich empfangen. (Besonders zwei Nonnen haben zu dem Erfolg dieser Reise beigetragen, die Nonne Chân-Dao aus Montreal und die Nonne Chân-Quy aus Toronto. Die Mutter der Nonne B. hat die Reise finanziert.)

  2.  
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  3. #2
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    Re: Die Reisen einer buddhistischen Nonne

    Reise nach Frankreich

    Während ihrer Reisen in Frankreich und Europa konnte die Nonne B. feststellen, daß außer den Buddhisten selber kaum jemand weiß, daß es in Europa Buddhisten gibt. Die Information, daß es mehrere hundert buddhistische Zentren in Europa gibt, von denen einige wie in Asien in Tempelgebäuden untergebracht sind, während die meisten sich in einer Aufbauphase befinden, ruft allgemein Überraschung hervor. In unzähligen Gesprächen hat die Nonne B. während ihrer Reisen von den Buddhisten und ihrer schwierigen und wertvollen Aufbauarbeit, die sie zur Zeit leisten berichtet.

    Wenn man sich höflich, freundlich und vernünftig verhält, kann man selbst mit kahl geschorenem Kopf und in buddhistischen Roben hingehen, wohin man möchte. Im Sommer 1995 führte der Weg der Nonne B. zum Vajra Yogini Institut in der Nähe von Toulouse. Das Institut befindet sich in einem alten Schloß auf einem Hügel und ist auf drei Seiten von einem Wald umgeben. Was es dort nicht gibt, sind Nonnen, die im Tibetischen als "Yogini" bezeichnet werden. Einige tibetische Mönche, vielleicht leben sie wie Nonnen, und Haushälter, Männer, Frauen und Kinder leben an diesem romantischen Ort. Vor dem Haupteingang ist eine große, weiße Stupa errichtet worden. Nebenan in den früheren Wirtschaftsgebäuden gibt es einen Kindergarten mit dem Namen "die Bananenstauden". Die Zierde des Parks bilden einige Pfauen, die dort in Freiheit leben.

    Anfang Juni war die Region von Toulouse bereits von Touristen überschwemmt, und so fuhr die Nonne B. nach Uzerche, ein altes Städtchen an der Nationalstraße 20 rund 60 Kilometer südlich von Limoges. Sie blieb eine Woche auf einem Campingplatz an den Ufern des Flusses Vézère - ein Zelt war in dieser Jahreszeit nicht notwendig- und nutzte die Gelegenheit, neue Roben zu nähen. Als diese Arbeit beendet war und der Campingplatz sich mit Gästen gefüllt hatte, brach sie auf und folgte dem Fluß Vézère in südlicher Richtung. Der Weg führte durch tiefe Täler, Weiden und Wälder.

    Weit entfernt von allen Dörfern fragte sie bei Bauernhöfen nach lokalen Produkten. Die Kunde, daß sie wirklich kein Geld hätte, hatte sich schnell verbreitet. Die Leute gaben Nahrung und Wasser, wenn dies auch nicht aus Verehrung für den Buddha geschah, sondern vielleicht aus Achtung vor ihrer Disziplin. Wenn in einem Dorf ein Kirchlein geöffnet war, gab sie dem geistlichen Ort die Ehre ihres Besuchs. Einmal, als es in Strömen regnete, blieb sie einen Tag und eine Nacht.

    Dann verließ sie die Hügel und Berge und setzte den Weg in östlicher Richtung fort. Nun wurde es schwierig, Almosen zu erhalten. Eine Frau, die in einem Verkaufswagen Lebensmittel verkaufte, schrie sie an: "Willst du dies? Willst du das? Umsonst gibt es hier nichts." Eine alte Großmutter, die kaum noch laufen konnte, erzählte ihr wieder und wieder ihre Lebensgeschichte. Sie hatte einen Sohn, der zwei Töchter hatte, eine hier und eine in Paris. Ihr Sohn hatte das Haus, in dem sie lebte, vollständig renoviert, und nun war er dabei, ein weiteres Haus, das er gekauft hatte, zu renovieren. Da sie über Einsamkeit klagte, leistete die Nonne B. ihr Gesellschaft. Doch dann kehrten einige Familienmitglieder zurück, und die alte Frau schämte sich ihres ungewöhnlichen Gastes. Die Nonne B. brach eilig auf. Ein Restaurant neben der Kirche, gab ihr eine Mahlzeit. Eine alte Frau in einem uralten Haus an einem Teich bot ihr Leitungswasser in einem schmutzigen, verschmierten Glas zum Trinken an. Als sie es ablehnte, aus diesem Glas zu trinken, wurde sie beschimpft, bedroht und verjagt, als sie sich schon längst zum Gehen abgewandt hatte.

    An einem Campingplatz wusch und trocknete sie ihre Wäsche. Zu guter Letzt bot ihr der Verkäufer eines Spezialitätengeschäfts an der Nationalstraße 20 von Paris nach Toulouse, auf die sie wieder gestoßen war, eine Limonade an. Während sie trank, es war sehr heiß geworden, erhielt er einen Anruf und eine riesige Bestellung für seine Produkte. Als sie aufbrach, wollte er Geld von ihr, obwohl sie ihm zuvor versichert hatte, daß sie kein Geld hätte. Vielleicht hatte er es nicht geglaubt. Schließlich entschuldigte sie sich für das von ihr nicht verschuldete Mißverständnis, und er jagte sie davon.

    Sicherlich waren zwei Wochen in dieser Gegend genug. Die Menschen hatten Gelegenheit gehabt, einen Eindruck davon zu bekommen, was eine wandernde Bhikkhuni ist. "Bhikkhuni" bedeutet wörtlich übersetzt "Bettelnonne". Eine Bettelnonne lebt von Almosen und hat diese Lebensweise aus religiösen Motiven gewählt.

    Die Nonne B. fuhr per Autostop in die Nähe eines Dorfes im Norden von Limoges. Sie blieb zur Meditation in einem alten Tannenwald mit einem wunderbaren Duft und mit Blick auf einen einsamen Waldsee. Nach drei Tagen ohne Nahrung und ohne Trinkwasser bei hochsommerlichen Temperaturen verließ sie diesen bezaubernden Ort und schleppte sich zur Straße.

    Sie fuhr per Autostop nach Paris. Der Fahrer gab ihr etwas Geld und davon kaufte sie Nahrungsmittel und Getränke. Sie suchte nach einem chinesischen Tempel, der sich im Osten von Paris in der Nähe von Disneyland befinden sollte, doch alle Nachforschungen blieben erfolglos.

    So besuchte sie am 12. Juli zwei vietnamesische Zentren, eines in Savigny und eines in Sèvres. Schließlich kehrte sie nach Chateauponsac zurück.

    Am 15. und 16. Juli fand dort ein buddhistisches Jugendtreffen statt. Die jungen Leute hatten Zelte mitgebracht und schliefen darin auf dem Tempel-grundstück. Bei dieser Gelegenheit wurde eine riesige, schwarze Glocke, die von einer vietnamesischen Nonne gespendet und schon vor einem Jahr aus den U.S.A. angekommen war, von Meister HuyenVi und Meister Ming Tam eingeweiht.

    Man bot der Nonne B. eine Schale Reis vom Vortag an. Da gekochter Reis, der bei warmem Wetter aufbewahrt wird, zu unangenehmen Durchfällen führen kann, versorgte sie sich von den während der Autofahrten erhaltenen Geldspenden mit Nahrungsmitteln aus dem Dorf und trug weiter ihren Mantel. Es war eine Freude, die Disziplin der jungen Leute, die sie die ganze Zeit aufrecht hielten, ohne ihre Rücken zu krümmen, zu beobachten.

    Am 19. Juli 1997 brach sie zu einer kurzen Reise in den Westen von Limoges in Richtung Bordeaux auf. Zuerst besuchte sie "Plum-Village", das Zentrum des Meisters Nhat Hanh. Dort waren rund 50 Menschen zur Meditation versammelt, Westler und Vietnamesen, aus Frankreich, Belgien, Deutschland und den U.S.A. Sie hörten die Lehren des Meisters Nhat Hanh an und übten Meditation. Wenn ein Telefon klingelt oder eine Glocke läutet, halten alle in ihrer Bewegung inne, schweigen einige Augenblicke und richten ihre erhöhte Achtsamkeit auf den Augenblick im Hier und Jetzt.

    Am nächsten Morgen reiste die Nonne B. weiter. Ihr Budget war verbraucht, doch am Nachmittag erhielt sie eine Spende von einer Mutter und ihrer Tochter, die Besitzer eines kleinen Restaurants an der Landstraße und beide Moslem waren. Unter den Moslems ist die Tradition des religiösen Wandertums noch lebendig, und es herrscht auch über die Religionen hinweg Verständnis dafür.

    Am Abend erreichte sie das buddhistische Zentrum von Lormont, einem Vorort von Bordeaux. Sie übergab ein Buddhagemälde und kehrte spät in der Nacht nach Limoges zurück. In den nächsten Tagen besuchte sie dort Altenheime in Le Dorat und Magnac Laval.

    Am 30. Juli 1995 kehrte die Nonne B. nach Paris zurück, um ihre buddhistischen Forschungen an den Universitätsbibliotheken fortzusetzen und den chinesischen Tempel in der Avenue Stalingrad zu besuchen. Seine Vorderseite ist fast immer verschlossen, und von dieser Seite aus betrachtet scheint das Zentrum verlassen und unbewohnt. Doch es gibt noch einen anderen Eingang auf der Hinterseite.

    Sie konnte in Paris keine Unterkunft finden, reiste weiter und kehrte nach Chateauponsac bei Limoges zurück. Die Fahrer, von denen sie mitgenommen wurde, gaben ihr kleine Geldspenden. Und wieder nach Paris und so weiter. Besuche bei Linh Son (Jointville), Kanh Anh (Bagneux), International Meditation Center (Le Bourget) und so weiter und so weiter. Die Nacht auf der Parkbank und der Tag in der Universitäts-bibliothek.

    Dies war das Leben der Hauslosigkeit der Nonne B.

  4. #3
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    Re: Die Reisen einer buddhistischen Nonne

    Reise nach Italien

    Im Mittelpunkt dieser Reise standen der Vatikan und Assisi. Der Vatikan, Demonstration von Reichtum und Macht, und Assisi, Mythos der Entsagung und der Liebe, sind zwei ganz verschiedene Gesichter der christlichen Religion.

    In Rom angekommen besuchte die Nonne B. den Bahnhof und die Universität, und dann durchquerte sie Rom zu Fuß in Richtung Vatikan, da das Geld für einen Busfahrschein nicht ausreichte. Als sie zum Vatikan gelangte, war es früher Abend.

    An der Straße, die auf den Petersplatz führt, befindet sich die kanadische Botschaft. Das fiel ihr auf. Es herrschte ein gewaltiges Verkehrschaos auf der Straße um den Vatikan. Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen krönten das Chaos mit Sirenen und Lichtalarm.

    Der Petersplatz mit seinen riesigen Steinsäulen auf beiden Seiten ist viel größer und gewaltiger als Bilder es vermitteln können. Die Nonne B. war erschöpft und staubig und hungrig und durstig. "Ob der Petersdom wohl noch geöffnet ist? Hoffentlich denkt niemand, daß ich mich einschleichen wolle, um dort zu übernachten," so ging es ihr durch den Kopf.

    Ein großes Portal stand offen. Sie näherte sich, um nachzusehen, ob dies der Eingang zum Petersdom wäre. Sie stieg einige Stufen der Treppe, die zu dem Portal führte, hinauf. Dahinter lag ein langer Gang, der an einer weiteren Treppe endete, die wieder zu einem Portal führte. In dem Gang und auf der Treppe lag ein grauer Teppich in der Form eines Läufers.

    Da baute sich ein Uniformierter der päpstlichen Wache breitbeinig vor ihr auf. Seine Miene war gar nicht freundlich und einladend, und die Hände hatte er auf die Hüften gestützt, so daß die Ellbogen nach außen zeigten. Sie war ohnehin bereits entmutigt, so daß das Auftreten des Wachpostens sie vollends davon überzeugte, daß eine Audienz beim Papst zur Zeit nicht in Frage käme. Was hatte sie anzubieten? Leere Hände?

    Sie hatte nicht mehr die Kraft, Leute wegen einer Möglichkeit zur Übernachtung anzusprechen. Als die Nacht hereingebrochen war und die Straßen sich leerten, schlief sie in der Nähe des Vatikans sitzend im Eingang einer geschlossenen Tankstelle.

    Am nächsten Morgen, bevor die Stadt erwachte, wanderte die Nonne B. zu Fuß Richtung Assisi. Zahlreiche wunderschöne Kathedralen und Kirchen lagen am Wege, eine prächtiger als die andere. Sie waren bis ins letzte Detail sauber und gepflegt. Der Buddhismus hat keine vergleichbaren Gebäude hervorgebracht. Gerade Kostbarkeiten sind oft vernachlässigt, so daß sie den Schein des Schönen verlieren und sich ihre wahre Natur der Vergänglichkeit zeigt. Der Tempel in Bodhgaya, dem Ort der Erleuchtung des Buddha, soll dem Verfall nahe sein. Risse in den Wänden bedrohen seine Stabilität, und immer wieder werden Teile der Ornamente und Statuen entwendet. Höhepunkte der buddhistischen Religion sind die Bibliotheken. Einige der ältesten und bedeutendsten waren in China und wurden während der kommunistischen Kulturrevolution vollständig zerstört. Alle diese schönen Dinge sind vergänglich. Über den Tod hinaus wirkt nur das Kamma, das in diesem Leben noch keine Wirkung zeigen konnten.

    In Sutri, etwa 50 Kilometer nördlich von Rom, haben die Etrusker in vorchristlicher Zeit ein Amphitheater und Kultstätten in den Fels gemeißelt. Eine der größten Felsenhallen ist verschlossen. Ein Schild außen teilt mit, daß sich heute darin eine katholische Kapelle befindet. Von einer Reihe christlicher Kirchen in Deutschland heißt es, daß sie auf dem Grund ehemaliger germanischer Kultstätten errichtet sind. Die meisten dieser Stätten wurden von ihren Besitzern nicht freiwillig aufgegeben, sondern sie verloren sie durch Mord und Raub, wie uns von christlicher Seite unbestritten überliefert ist. Wie es zu solchen Verbrechen im Namen des Christentums, das die Nächstenliebe auf seine Fahnen schreibt, kommen konnte, ist eine lange Geschichte, die hier nicht dargelegt werden kann. Es gibt im Buddhismus dazu keine Entsprechungen.

    Assisi, der Geburtsort von Klara und Franziskus, liegt etwa 160 km nordöstlich von Rom auf einer Anhöhe vor den Bergen. Bischofspalast und Kathedralen sind von weitem zu sehen. Der mittelalterliche Charakter der Stadt ist erhalten geblieben. Nostalgie hat sich mit dem Mythos des heiligen Franziskus und der heiligen Klara vermischt. Die Gebäude sind restauriert, und die Stadt strahlt blitzblank. Schlicht und alt, aber nicht billig soll es sein, denn die Stadt lebt vom religiösen Tourismus.

    Die Einsiedelei, die der heilige Franziskus einmal bewohnt hat, liegt an einem schattigen, kühlen Ort in den Bergen. Von dort hat man eine herrliche Aussicht weit über die Ebene vor den Bergen. Die Nonne B. wurde in der Einsiedelei von einem Mönch empfangen, der wohl Typ und Charakter des ehemaligen Franziskus verkörperte. Man gab ihr ein Mahl und nach einer Besichtigung der Gebäude ging sie wieder. Auf einen anschließenden Besuch im Kloster San Damiano, das Franziskus eigenhändig für Klara erbaut hatte, verzichtete sie, da es von einem Touristenstrom heimgesucht wurde. Ob Klara wohl auch heute dort leben würde?

    Die Nonne B. wanderte einige Tage in der Umgebung Assisis und machte sich dann auf den Weg nach Perugia, der Hauptstadt der Region. Auf der Suche nach einem trockenen Platz für die Nacht lief sie erschöpft durch den Nieselregen durch die dunklen Gassen Perugias. Der Eingang einer Kirche war hell erleuchtet und wirkte einladend. Sie ging hinein und fand eine bis zum letzten Platz gefüllte Kirche. Überall saßen und standen Leute. Auf einem Informationsblatt war zu lesen, daß dies die Kirche San Philippo Nero war und daß hier und jetzt in der Nacht des 1. April ein Konzert der Berliner Bach Gesellschaft zum Thema der Kreuzigung stattfand. Obwohl der Chor auf Deutsch sang, waren nur vereinzelte Worte zu verstehen. Das Konzert dauerte bis halb zwölf. Über dem Chor prangte sich ein großes Wandgemälde mit Engeln im Himmel. Die Musik und die Kirche zusammen waren wie ein Traum, der alles Irdische vergessen ließ. Doch das Himmlische ist nicht die endgültige Befreiung vom Leid, denn es ist bedingt und hat einen Anfang und somit auch ein Ende. Die wirkliche Befreiung vom Leiden liegt jenseits von Himmel und Erde.

    Auf dem Rückweg nach Deutschland kam die Nonne B. nach Brixen, wo sich das berühmte Neustift der Augustinernonnen befindet. Das Stift gleicht einem reichen Schloß und wurde im Jahr 1150 gegründet. Der größte Teil des Klosters wurde 1995 öffentlich genutzt. Außer den Klostergebäuden umfaßte das Kloster einen Friedhof, eine Kirche, ein Internat und eine Gärtnerei. Nur in einem Gebäude waren noch Nonnen untergebracht. Sie trugen weiße Schleier und schwarze Roben.

    Dies ist kein Einzelfall. Das Benediktinerkloster in Zug soll wegen Überalterung und Mangel an Nachwuchs geschlossen werden. In Montignac in Frankreich beabsichtigte die Nonne B. einmal ein Klarissenkloster zu besuchen, doch außer dem Namensschild war nichts von dem Kloster geblieben. Eine Stadtbibliothek und eine Musikschule waren dort untergebracht, und es gab keine Klarissen mehr.

    Sind diese Erscheinungen Zeichen unserer Zeit oder können die christlichen Lehrer Sinn und Zweck des monastischen Lebens nicht mehr vermitteln? Der westliche Buddhismus hat keine Nachwuchssorgen, die Gemeinden wachsen, die Zahl der Anhänger nimmt zu, doch es fehlt überall an Räumlichkeiten und finanziellen Mitteln.

    Das monastische Leben ist eine reelle Alternative zu dem Teufelskreis aus Konsum und Frustration und immer mehr Konsum. Ein Ausweg aus diesem Teufelskreis ist der religiöse Weg des Verzichts und der Selbstbeschränkung. Das Anhaften bedingt das Dasein. Das Dasein bedingt die Geburt. Die Geburt bedingt Alter, Krankheit, Tod, Trauer und Schmerz. Freiwilliger Verzicht und Selbstbeschränkung üben das Loslassen. Durch ein bescheidenes Leben der Mäßigung geben wir anderen Lebewesen die Möglichkeit, diesen Planeten mit uns zu teilen. Die Hinwendung zum Edlen und Guten verändert den Menschen. Wer nicht mehr anhaftet an dieser oder jener Welt, der ist befreit.

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