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Deutsche Diplomatie

Erstellt von DisainaM, 02.02.2007, 19:55 Uhr · 17 Antworten · 2.695 Aufrufe

  1. #11
    Avatar von x-pat

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    Re: Deutsche Diplomatie

    @DisainaM,

    Danke dass du den Artikel hier hereingestellt hast. Obwohl ich in den letzten Tagen die Bangkok Post gelesen hatte, war mir dieser sehr interessante Austausch entgangen. Es kommt nicht oft vor, dass diplomatische Konversationen offen gelegt und in der Presse abgedruckt werden. Ich finde es stellt eine interessante Momentaufnahme der deutsch-thailändischen Beziehungen dar.

    Nun ein kurzer Kommentar. Ich finde das Gejammere von Kulkumut Singhara na Ayudhaya sehr unsachlich und unkonstruktiv. Ertens, die Thai Regierung kann vor den Veruntreuungen von Tsunami Hilfsgeldern nicht einfach die Augen verschließen. Diese Dinge sind nun mal passiert und das ist sicher nicht nur eine "innere Angelegenheit" von Thailand. Zweitens, eine Militärregierung kann nicht erwarten, dass sie von der Weltgemeinschaft mit dem gleichen Vertrauen empfangen wird wie eine demokratisch gewählte Regierung. Obwohl ich das Ende der Thaksin Ära persönlich begrüße, ist es auch ein Zeichen der Schwäche der thailändischen Demokratie, dass die Probleme die in der Thaksin Ära entstanden sind nur mit einem Militäreingriff und nicht mit demokratischen Mitteln gelöst werden können.

    Es wäre es unter normalen Umständen sicherlich besser gewesen, den Brief von Kulkumut unbeantwortet zu lassen. Jedoch spricht erstens Kulkumut im letzten Teil seines Schreibens direkt die deutsche Vertretung an und zweitens geht Kulkumut so weit, dass er die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Thailand und der EU in Frage stellt. Dies ist nicht nur provokant, sondern auch sehr unprofessionell. Die Antwort des deutschen Botschafters ist daher vollkommen verständlich.

    Das Antwortschreiben von Dr. Bruemmer ist ungewöhnlich offen und streckenweise -zumindest für Thai Ohren- sogar recht harsch ausgefallen. Obwohl ich dies aus deutscher Sicht für absolut angebracht halte, zweifle ich daran dass die Mitteilung den gewünschten klärenden Effekt hat, und zwar aus folgendem Grund: Das Schreiben ist ohne Blick auf die Thai Mentalität und die typischen Sensibilitäten geschrieben worden, was aus der Wortwahl klar wird. In der Sache, nämlich das Thailand von seinen europäischen Partnern nicht erwarten kann, das sie den Kopf in den Sand stecken und die Augen vor Problemen verschließen, hat Herr Bruemmer gewiss Recht, aber das hätte man als Berufsdiplomat auch diplomatischer sagen können. Oder war es doch ein gewollter Tritt in den Hintern?

    Cheers, X-Pat

  2.  
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  3. #12
    Avatar von songthaeo

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    Re: Deutsche Diplomatie

    @DisainaM
    eine Antwort darauf,dass der Brief "echt" ist, haette ich schon gerne vom Botschafter selber.
    Ich halte eine Bemerkung, dass der Botschafter kurz vor seiner Pensionierung steht, in diesem Zusammenhang nicht gerade fuer gluecklich.
    Fuer wichtiger hielte ich es, wenn Botschafter, bevor sie Botschafter in einem Lande werden, erst mal ein "Praktikum von, sagen wir, einem Jahr in dem jeweils betreffenden Land absolvieren. :-)

  4. #13
    Avatar von x-pat

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    Re: Deutsche Diplomatie

    DisainaM: DIES IST DIE INNERE ANGELEGENHEIT DES LANDES THAILAND, UNS STEHT ES NICHT ZU, DIESES ZU KOMMENTIEREN

    Naja, das bekommt man eher von Burma, China, und anderen Diktaturen zu hören, wenn mal wieder Dutzende von Zivilisten aus politischen Gründen gemeuchelt wurden und sich dabei internationaler Protest erhebt. Sicherlich kein allgemeingültiger diplomatischer Grundsatz, sondern eher eine schwache Verteidigung.

    DisainaM: denn es geht für Thailand nicht um die Frage, ob die EU eine Militärregierung unterstützt, sondern um die Frage, ob die EU ein Land, wie Thailand respektiert, wo die jeweilige Regierungsform vom König von Thailand bestimmt wird.

    Also ich weiss ja nicht wie du persönlich dazu stehst, aber ich beurteile Regierungen nach ihren Prinzipien und ihren Leistungen und nicht danach wer sie ausgwewählt oder abgenickt hat. Ich wünsche mir von der deutschen Regierung, dass sie das gleiche tut.

    DisainaM: man gibt zu verstehen, was bz. wer unter Partnerschaft gesehen wird - USA und China in ihrer Reaktion, und nicht Deutschland und die EU.

    Dazu kann ich nur sagen: die USA gehören zu den (laut-)stärksten Kritikern der neuen Militärregierung. Das kann Kulkumut also nicht gemeint haben.

    DisainaM: Tut das die EU nicht, so wird dies als eine fehlende Respektierung gegenüber seiner Majestät verstanden, und dies wird vom thailändischen Volk auch sehr lange in Erinnerung bleiben

    Man muss schon ziemlich engstirnig und einfach gestrickt sein, um Kritik an der Regierung, bzw. an einzelnen Personen und Vorgängen in der Regierung als Disrespekt gegenüber dem Thai König oder dem thailändischen Volk aufzufassen. Zum Glück ist die Mehrheit der Thais bei weitem nicht so engstirnig.

    Die derzeitigen politischen Wirren Thailands schlagen sich unvermeidlich auch in der Diplomatie nieder. In den vergangenen vier Monaten haben nicht nur die Innenpolitik, sondern auch die Auslandsbeziehungen einige Kapriolen geschlagen. Als Beispiele nenne ich die jüngsten Beschlüsse des Finanzministeriums, die Diskussion um die "Self Sufficiency" Politik, und die diplomatischen Auseinandersetzungen mit Singapur. (Sollte Deutschland der Nächste sein?) Dies sind meiner Ansicht nach Anzeichen von mangelnder Professionalität. Da es sich nur um eine Übergangsregierung handelt, ist man international gewillt ein Auge zuzudrücken. Hoffen wir, das Thailand besseren und konsolidierteren Zeiten entgegengeht.

    Cheers, X-Pat

  5. #14
    Avatar von garni1

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    Re: Deutsche Diplomatie

    Ich möchte noch etwas wichtiges Klarstellen. Deutschland ist zwar in Europa zur Zeit als Vorsitzender der EU zu betrachten, allerdings NICHT in TH. Dort existiert eine EU-Vertretung in BKK, mit dessen Chef gehe Ich Segeln. Der deutsche Botschafter spricht zuerst für D. Wenn man die Militärregierung in Myanmar an den Pranger stellt, kann man nicht die in TH hochleben lassen. Wenn Spendengelder veruntreut wurden,ist es die Pflicht der Spender darauf hin zu weisen. Und selbst wenn "Seine Majestät" sein o.k. zum Putsch gab, bedeutet das nicht, dem zuzustimmen. In TH wurde 1936 die Monarchie ins Exil verjagt, und 10 Jahre war TH ohne König. Thaksin war nicht unterwürfig, mancher hatte Angst das mit der neuen Verfassung ala D,F,GB ein modernes TH entstehen würde. Aber die Militärs lassen nicht locker. Ich finde die Aussagen des D Botschafters voll in Ordnung, besser als manches geheuchle anderer. Gruß Matthias

  6. #15
    Avatar von DisainaM

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    Re: Deutsche Diplomatie

    Man muß davon ausgehen, dass es im Vorfeld bereits umfangreiche Kommunikation gab,
    - wobei mit Sicherheit auch nicht zustande gekommende Einladungen zu persönlichen Gesprächen,
    Teil dieser Kommunikation war, die nun hiermit wohl auf seinen absoluten Tiefstpunkt gekommen ist,

    --- Landesvertreter tauschen sich auf der Leserbriefseite einer Zeitung aus ---

    Was ist bisher im Hintergrund passiert, was die Beziehung derart abkühlen ließ ?

    Von deutscher Seite muß offensichtlich ein Benchmarkwert in die Kommunikation eingebracht worden sein,
    wie man Thailand seit der Machtübernahme bewertet,
    versehen, mit einem gleichzeitigen Abbruch von Wirtschaftsverhandlungen (der Privatindustrie -VIP-).

    Natürlich sind Benchmarkwerte nicht gerade förderlich, für eine Freundschaftsbeziehung, wäre ein Abwarten bis zur angekündigten demokratischen Wahl in Thailand doch das moderatere Mittel gewesen.

    Sieht man sich die AA Seite von Thailand an,
    http://www.auswaertiges-amt.de/diplo...irtschaft.html

    Stand Oktober 2006, so muß der Kommunikationsaustausch seitdem erhebliche Schwankungen erfahren haben.

    Seitdem die Kommunikation öffentlich ist, wurde Deutschland zum Gespött nicht nur bei den Amerikanern.

    Persönlich wünsche ich mir eine deutsche Diplomatische Vertretung, die im Stande ist, diskreter vorzugehen.

  7. #16
    Avatar von DisainaM

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    Re: Deutsche Diplomatie

    offensichtlich scheint der gesamte diplomatische Kontakt zwischen der dt. Botschaft und der th. Regierung seit geraumer Zeit zu hacken.

    Es passieren da auch schon wirklich merkwürdige Schoten,

    Die Deusche Botschaft hatte ins Shangri-La geladen

    ...

    DAS Tanzpaar des Abends: eindeutig
    der Botschafter mit seiner Gattin Antje.
    Stundenlang schwebten und hüpften die
    beiden fröhlich und verliebt übers Parkett!
    Ein Vorbild der guten Laune!

    - (negativ)
    das abrupte Ende der Veranstaltung: die
    Band packt zusammen, Musik aus, grelles
    Licht an – Feierabend! Wie ungemütlich,
    schade!
    http://www.alexheitkamp.de/Thaizeit_1206.pdf
    (S. 24 links)


    stundenlang war das Botschafterpaar auf der Bühne am Tanzen,
    bis ihnen plötzlich von der Band der Saft abgedreht wurde.

  8. #17
    Avatar von simon

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    Re: Deutsche Diplomatie

    Ich finde die Antwort auf das Gejammere des thailändischen Ministers absolut korrekt, ob es die gewünschte Wirkung hat ist allerdings mehr als fraglich. Dass es die Aufgabe einer Botschaft ist seine Bürger und Firmen sachlich und kritisch zu informieren ist absolut klar, und dass sie nicht einfach der jetzigen Regierung nachplappern soll auch. Und dass momentan aus gutem Grund erst die zukünftige Entwicklung abgewartet wird, bevor neu investiert werden kann macht auch Sinn, und genau das erwartet man von einer Botschaft auch zu hören. Die Vorwürfe und Anschuldigungen hat der deutsche Botschafter kühl und klar, vielleicht zu klar, von sich gewiesen. Thailand ist nun mal nicht in der Position Chinas, wo die ausländische Gemeinschaft nur wenig oder gar keinen Einfluss auf die Wirtschafts- und Aussenpolitik haben kann. Das versucht sich die Übergangsregierung zwar einzureden, und weist jegliche Kritik sehr unprofessionell von sich, aber dass es nicht funktioniert ist mittlerweile vielen Thais auch klar.

  9. #18
    Avatar von Dieter1

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    Re: Deutsche Diplomatie

    Zitat Zitat von Chak3",p="446626
    ....wohingegen die Thais mit denen ich gesprochen habe, zugegebenermaßen nicht viele, einhellig der Meinung sind, Thaksin war schlecht, aber diese Regierung ist auch nicht das richtige. Diese Meinung kommt sowohl aus bildungsfernen, als auch aus eher gebildeten Schichten.
    Das deckt sich voellig mit meinen eigenen Beobachtungen und scheint so eine Art "common sense" zu sein.

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