Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 12

Das offene Gespräch

Erstellt von DisainaM, 27.09.2001, 22:57 Uhr · 11 Antworten · 1.247 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.817

    Das offene Gespräch

    Die meisten Menschen aus der westlichen Kultur sind daran gewöhnt, eine Sache klar und deutlich anzusprechen.
    Nach unserer Auffassung lassen sich durch die deutliche Beschreibung des Problems oder des Sachverhaltes, alle Unklarheiten am besten klären.

    Für Thais ist die Form des Gespräches zum Teil wichtiger, als der Inhalt.

    Wenn 2 Leute streiten, der eine ist still, während der andere weiter argumentiert, ist derjenige, der spricht, im Unrecht, während derjenige, der schweigt, im Recht, auch wenn tatsächlich vom Inhalt der Redene recht hatte.

    Ein Beispiel von Kriengsak Niratpattanasai, auf den ich im Nachtrag eingehe:
    " For example, in situations where 2 people are arguing, if one of them remains silent while the other maintains a verbal attack, the attacker will be blamed and the person who is silent will get full support even if the attacker was right. "
    Quelle

    Das heißt, nicht der Inhalt zählt, sondern die Form des Vortrages.

    Wenn nun ein Farang seiner Thai mit aller Deutlichkeit in einem ´offenen Gespräch´ etwas erklären will, dann weiß sie aufgrund ihrer Erziehung, wenn die Form der Erklärung zu deutlich/zu aufdringlich wird, dann ist der Farang im Unrecht, auch wenn das, was er sagt, vielleicht richtig wäre, weil seine Art das ungeschriebene Gesetz der Harmonie verletzt.

    Darum heißt es in Thailand auch, Farangs sind gut, die Probleme auf den Punkt zu bekommen, doch Thais sind besser darin, das Klare wieder unklar zu machen.
    Wer einer Thai im falschen Ton sagt, was sie nicht machen darf, erreicht damit, das sie nun gezwungen ist, das gerade zu machen.
    Nur so macht sie ´das Sichtbare wieder unsichtbar´, wie es Kriengsak beschreibt.

    Das Sichtbare ist in dem Fall, das der Farang die Harmonie verletzt hat, indem er mit dem falschen Ton gesprochen hat.
    Indem sie das Gegenteil von dem Gesagten macht, stellt sie für sich die Harmonie wieder her, und hebt dadurch den Fehler des Farang wieder auf.

    Kriengsak Beispiel ist deshalb auch so unklar, das es wahrscheinlich nur Thais so ausdrücken würden :

    " What Thais are good at

    Westerners are good at making the intangible visible. For example, they are able to document concepts of skill building into manuals. On the other hand, Thais are better at making visible things invisible. For example, we are good at making that manual disappear and with good reason! "

    Es zeigt, wie er auch in seiner eigenen Beschreibung, wie er die Begründung, warum Thais ´das Sichtbare unsichtbar machen müssen´
    völlig im Nebel der Unklarheit verschwinden läßt.


    Wie muss eine Aussage am besten an eine Thai vermittelt werden ?

    Freundlich, humorvoll und mit Verstand,
    also alles immer schön im SABAI SABAI verpacken.

    Und ohne jetzt den ganzen Text gelesen zu haben, machen viele Farangs im Umgang mit ihrer Thai die Gespräche sowieso schon so, das damit nie ein Problem entsteht.

    Nur diejenigen, die etwas besonders gut und deutlich erklären wollen,
    die erreichen genau das Gegenteil, weil ihre Art zu aufdringlich wird.

    Wer jedoch schon viel von Farangs weiß, der/die wird mit der typisch deutschen Gründlichkeit, nachsichtig sein.

    Wenn im Gegenzug Farangs sagen, Thais lügen;
    drücken sie dadurch aus, das das Gesagte nicht mit dem Tatsächlichen übereinstimmt.
    Um zu verstehen, ob eine Thai nun vielleicht genau das Gegenteil von dem Ausdrücken will, was sie mit Worten sagt, muß man deshalb ebenso
    auf die Form ihrer Aussage achten.

    Dies beschreibt Kriengsak durch folgendes Beispiel einer Thai, die sagt, das sie von einem Farang, der ihr Boss ist, verstanden wird :

    "They don´t only listen to the words, but also observe my body language and tone of voice."

    Körpersprache und Klang der Stimme sind daher der Schlüssel, um die gesagten Worte richtig einzuordnen.

    Quelle :


    Nachtrag :
    Um nicht selber mir den Kranz - phud mark - aufzusetzen, nehme ich hier immer auf Kriengsak Niratpattanasai Bezug,
    einem Thai, der als Vize-Präsident der DBS Thai Danu Bank in Bangkok,
    umfangreiche Artikel geschrieben hat, über die kulturellen Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen Thais und Nicht-Thais.
    Seine Schriften gehört zum Lehrmaterial, das ausländische Firmen ihren Mitarbeitern geben, die in Thailand mit Thais zusammenarbeiten müssen.


    Letzte Änderung: DisainaM am 27.09.01, 22:58

  2.  
    Anzeige
  3. #2
    Avatar von seven

    Registriert seit
    20.08.2001
    Beiträge
    1.676

    Re: Das offene Gespräch

    Darin liegt wirklich ein großes Konfliktpotential bei Thai-Deutschen Familien, da die Denkweise des Partners einem immer fremd erscheint, wenn man sie nicht kennt. Ist aber gut zu wissen ... :-)
    Werde mir die Links gleich mal anschauen.

    Letzte Änderung: seven am 28.09.01, 09:01

  4. #3
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.817

    Re: Das offene Gespräch

    Ja seven,

    da hast Du Recht.
    Besonders in den Fällen, wo die Thai Ehefrau (im Auftrag ihres Bruders z.B.) ihren Mann nach Geld fragen soll, aber dem Mann nicht den wahren Grund sagen darf.
    Sie erzählt ihm folglich eine Geschichte, und macht durch Tonfall und Gestik klar, das er den Worten nicht glauben darf.
    Er aber glaubt den Worten, steigt auf die Geschichte ein, und gibt ihr am Ende das Geld - tragischer Fall.

    Ein anderes Beispiel, wo der gute Klaus an die Decke geht, ist z.B. die Situation, wo die Bevölkerung bei der nächsten Wahl endlich einen korrupten Politiker loswerden will.
    Der einzige Gegenkandidat macht aber den Fehler, das er seine Rede im falschen Tonfall hält. Obwohl alles was er sagte, stimmte, durfte man ihn nicht wählen, weil sich der korrupte Politiker richtig verhielt, und gar nichts sagte. (Schweigen ist Gold)

    - Leben im Ritual -

    This was evident in our recent Bangkok governor election. When Sudarat, who was second popular to Samak, came out and challenged Samak whenever they appeared in public or through the media for a face-to-face debate in public, Samak, who really knows himself and that he easily loses his temper, did not react. He kept quiet. So, the public become HEN-JAI (feeling sympathy for him). Hence, the voters emotionally took the side of Samak.
    Thais and Sympathy

  5. #4
    Avatar von seven

    Registriert seit
    20.08.2001
    Beiträge
    1.676

    Re: Das offene Gespräch

    Das ist interessant!
    Wie macht den eine Thai ihrem Mann durch Worte und Gestik klar, dass man ihren Ausführungen keinen Glauben schenken soll? Selbst wenn man das merkt, soll man dann Geld geben oder drückt ihre Körpersprache auch aus, dass man nicht davon hält dem Bruder finanziell zu helfen?

  6. #5
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.817

    Re: Das offene Gespräch

    Da kommst Du genau zu dem Punkt, wo derjenige, der schon mehrere echte Thaibeziehungen hintersich hat, dem Neuanfänger klar im Vorteil ist.

    Nur bringt es Dir nichts, dies jetzt lernen zu wollen, denn wenn Du eine Thaifrundin hast, die sich wirklich um Dich kümmert, dann wird sie Dich schon hereinholen.

    Vor ca. 10 Jahren lautete mein Rezept, geh mit deiner Freundin, und ihren Freundinen gemeinsam aus, setze dich auf einen Platz, wo du über einen Spiegel gut alle (unauffällig) beobachten kannst, und pass auf, wie ein Schießhund, was unter den Frauen abgeht (es geht nämlich nur um dich und dein Verhalten, über das sie sich verständigen), und wie.

    Das wie ist von Altersgruppen, sozialen Schichten, Stadt/Land sehr unterschiedlich, doch wenn Du das Grundmuster erstmal drinnen hast,
    dann macht die keiner was vor.


  7. #6
    Avatar von seven

    Registriert seit
    20.08.2001
    Beiträge
    1.676

    Re: Das offene Gespräch

    Ich beobachte auch gern Leute und versuche über Ihre Körpersprache herauszufinden, was sie denken. Aber dies ist mir noch nie aufgefallen. Wie soll man die Körpersprache so genau deuten können und dann auch noch richtig handeln, wenn man eh schon Probleme hat aufgrund der verschiedenen Kulturkreise sich immer zu verstehen? Ich hoffe ich benötige keine 10 Jahre um das herauszufinden ...

    Hmmm, ich werde einfach mal die Augen offen halten. Bin ja bald wieder in Thailand. Vielleicht bekomme ich dann etwas von dieser "lautlosen Kommunikation" mit :-)

  8. #7
    ThomasH
    Avatar von ThomasH

    Re: Das offene Gespräch

    Ich möchte den durchaus richtigen Ausführungen von DisainaM noch etwas hinzufügen, das mir doch auch als sehr wesentlich erscheint.
    Zuerst mal aus meiner Sicht als Arbeitgeber von Thais. Das Wichtigste erscheint mir die Harmonie untereinander, das Gefühl zu vermitteln, daß wir eine Art Familie sind, auch mal zusammen wegzugehen, Spaß miteinander zu haben - dann ist es auch unproblematisch möglich entstandene Probleme auszudiskutieren und Lösungen zu finden. Das hat bei uns einige Zeit gedauert, aber seit gut einem Jahr läuft das sehr gut. Es war beispielsweise so, daß unsere Küchenhilfe 200DM Vorschuß brauchte, sie fragte nicht mich, sondern eine andere Mitarbeiterin, diese hat sich das Geld von jemandem aus dem Service geborgt und die hat mich dann um einen Vorschuß gebeten. Ich habe das dann an einem Abend, an dem wir nach der Arbeit weggegangen sind geklärt. Die anderen waren am tanzen und ich habe der Frau gesagt, daß sie jederzeit direkt zu mir kommen kann, wenn sie etwas braucht, daß ich es verstehe, daß es ihr peinlich ist, es ihr aber nicht peinlich sein muß, da sie ja auch eine gute Leistung für ihr Geld bringt. Dann habe ich mit ihr getanzt und seit diesem Tag hat sich auch ihre Arbeitsleistung noch gesteigert. Es erfordert Einfühlungsvermögen, man sollte tunlichst vermeiden jemanden direkt zu kritisieren, vor allen Dingen niemals vor anderen. Aber wenn man es als Vorschlag formuliert und dem Anderen die Möglichkeit gibt, das aufzugreifen und weiterzuspinnen, dann ist man auf der Gewinnerseite.
    Im privaten Bereich gibt es natürlich Unterschiede, die auch dadurch bedingt sind, daß meine Frau seit zehn Jahren in Deutschland ist und vorhger eine Zeit lang in Australien war. Sie hat sich ziemlich assimiliert. Sie kennt die anderen Verhaltensweisen der Europäer und hat sich damit arrangiert. Andererseits bin ich auch ziemlich emphatisch, so daß es fast nie zu einer wirklichen Konfrontation kommt. Mittlerweile können wir Probleme ganz gut ausdiskutieren, aber ab und zu gibt es halt noch das große Schweigen, das ich mittlerweile als ihr persönliches Verhaltensmuster toleriere, aber nicht akzeptiere. Es dauert ja auch nie länger als ein, zwei, maximal drei Stunden und hat nichts mit einem Bestrafungsritual zu tun, höchstens mit einer Selbstbestrafung meiner Frau. Ich habe manchmal das Gefühl, daß sie sich dabei einen Leidensdruck aufbaut, um anschließend alles rauslassen zu können und es endet ja auch meist damit, daß sie unter Tränen mit mir über das Problem redet.
    Euer ThomasH

  9. #8
    Infatuatedfool
    Avatar von Infatuatedfool

    Re: Das offene Gespräch

    @DisainaM,
    zunaechst mal recht herzlichen Dank, für die Links in Deiner urspruenglichen Message. Es macht einen riesigen Spass, sich da durchzulesen. Es ist auch eine Art persönlicher Test, der einem zeigt, in wie weit man sich denn schon in der Thaigesellschaft sicher bewegen kann.
    Da sich in meinem Bekanntenkreis Personen in Managerpositionen in Thailand befinden, und auch ich gerade nicht ganz unbeteiligt mit jemandem dort ein IT related Geschaeft aufziehe, kommen mir Deine Links nicht gerade ungelegen.

    Ausserdem habe ich mal diese "Schweige Threads" zum Anlass genommen eine mir fast unbekannte Dame zu interviewen. Sie bedient aushilfsweise am Abend in einer Hotelbar in einer schweizer Kleinstadt. Nichts Verruchtes, sondern eine stinknormale Bar, wo man sich nach einem Meeting oder vor dem Bettgehen noch schnell was zum wieder-locker-werden reinzieht. Die Dame kommt aus Chiangmai, ist etwas ueber 40, seit 20 Jahren in der Schweiz und spricht perfekt Schwietzerdüüüütsch, Deutsch und Englisch.

    "Darf ich sie mal was fragen ?"

    "Natürlichchchch, nur los."

    "Was bedeutet das eigentlich, wenn Thaifrauen "mai puht" für Stunden, Tage oder Wochen ?"

    "Ah, sie meinen "hart Kopp ?, stur." lachte sie.

    "Ja, so ähnlich, aber warum, tamai kap ?"

    "Dann hat er was falsch gemacht."

    "Wie, was denn falsch gemacht ?"

    "Da kann ich nicht drüber sprechen, er hat einfach was falsch gemacht."

    "Und wovon hängt es ab, wie lange sie dann schweigt ? Stunden, Tage, Wochen ?"

    "Er muss zuerst kommen. Ich kann darauf Monate warten, wenn es sein muss, denn alles andere tue ich so weiter, wie immer. Ich koche, wasche für ihn, rede mit meinen Bekannten genauso freundlich wie vorher. Ich rede nur einfach nicht mehr mit ihm ". .

    "Warum muss eigentlich er immer zuerst einlenken ?"

    "Weil er was falsch gemacht hat und nicht ich." drehen wir uns im Kreis.

    "OK, können sie mir verraten, was er dann tun soll? Was muss er machen, damit sie wieder reden ?" versuche ich hoffnungsvoll

    "Er muss einfach wieder freundlich zu mir sein. z.B. einen Witz machen. Er muss einfach lieb zu mir sein. Aber bloss nicht versuchen, darüber zu reden und mich fragen, warum ich sauer bin. Dann bleibe ich stur. Er hat ja was falsch gemacht. Er muss zuerst kommen. Ich bin stärker als er."

    "Und wenn er richtig leidet und nicht weiss, was er tun soll ?"

    "Er soll ja leiden. Er hat ja was falsch gemacht. Manchmal helfe ich ihm schon, aber nicht immer. "

    Dann gab sie noch zu, nicht ohne einen gewissen Stolz, dass sie besonders stur wäre und einen besonders "hart Kopp" hätte.

    Sie erzählte dies alles in absolut guter Laune und auch mit Selbstironie.

    "Uebrigens, sie sind nicht der Erste, der mich sowas fragt. Manche Gäste hier sind mit Thaifrauen verheiratet. Nach ein paar Bier trauen sie sich, mich zu fragen." sagt sie lachend.

    Ein wahres Gespräch. Vor 2 Tagen erlebt.




  10. #9
    Niko
    Avatar von Niko

    Re: Das offene Gespräch

    Ja IFFi,
    das mit dem Witzchen machen stimmt so ist es bei mir auch ganz schnell wieder ok. Nur etwas lustig machen auch über ihr schweigen das hilft schon. Meine Frau hat danach auch schon gelacht und zugegeben das es fast nicht der Rede wert war warum sie geschwiegen hat aber ich habe ja was falsch gemacht.
    Weiß bis heute zwar nicht was genau, aber was solls.

  11. #10
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.817

    Re: Das offene Gespräch

    hallo Infatuatedfool,

    bei nicht so schlimmen Fehlern klappt der lustige Weg auf alle Fälle.
    Bei schlimmeren Fehler muß man durch einen längeren Zeitraum durch,
    auch wenns bitter wird.

    Muß man manchmal auch durch die
    SAT tur day show -)

    Grüsse
    DisainaM

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Noch ein paar offene Fragen...
    Von FernwehKathi im Forum Touristik
    Antworten: 37
    Letzter Beitrag: 28.06.12, 13:58
  2. Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 13.12.08, 09:45
  3. Offene Videos
    Von DisainaM im Forum Essen & Musik
    Antworten: 43
    Letzter Beitrag: 10.01.07, 02:02
  4. Offene Ports
    Von waldi im Forum Computer-Board
    Antworten: 18
    Letzter Beitrag: 07.03.04, 17:30
  5. ...offene Ports
    Von Kali im Forum Computer-Board
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 22.06.03, 16:17