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bildungsmangel...

Erstellt von Kali, 25.02.2003, 16:46 Uhr · 46 Antworten · 2.858 Aufrufe

  1. #1
    Kali
    Avatar von Kali

    bildungsmangel...

    Prolog:
    Ich habe überlegt, ob ich es a) überhaupt poste und b) wenn, für alle lesbar oder im Separée.
    Mein Kopf sagte mir: nein, auf keinen Fall – der Bauch aber sagte: ja, auf jeden Fall, denn gerade die, die es auch betrifft, werden´s zumindest lesen, und die, die unterhalten werden wollen, werden ihren Kommentar dazu schreiben (von Ausnahmen natürlich abgesehen). Und hier ist es...[hr:bf43e16935]
    ...ich habe lange überlegt, welchen Begriff ich für das, was mich beschäftigt, benutzen möchte. ´Dummheit´ trifft es nicht, da dieser durch das Unvermögen, auch einfache Lebensumstände begreifen, beschreiben und einordnen zu können, belegt ist.
    Auslöser für meine Gedankengänge ist die von unserem verehrten Iffi gar nicht so unberechtigte Frage: Wie geht Ihr damit um, eben mit dieser scheinbaren Banalität...?, wobei er nach meiner Auffassung eigentlich nur seine Sorge darüber zum Ausdruck brachte, dass da was fehlen könnte, nämlich unter der Mütze. Er zog sogleich den messerscharfen Schluss, dass bei fehlendem intellektuellen Austausch konsequenterweise in der jeweiligen Beziehung eine verstärkte 5exuelle Aktivität zu registrieren wäre, sonst wäre es ja einfach nicht zum Aushalten, und so...

    Mir liegen nun keine Zahlen vor, aber ich schätze einmal, dass die Mehrzahl der angeheirateten Mädels und Frauen aus Thailand nicht über einen entsprechenden akademischen Abschluss verfügt, der folgerichtig jeden Abend ein Brainstorming über die transaktionsanalytischen Vorgänge des Tages zulassen würde. Doch kommen wir wieder einmal vom Allgemeinen auf das Besondere: Auf Suay und mich

    Suay hat – wie jedermann weiss – nie in ihrem Leben eine Schule von innen gesehen. Sie hat sich Lesen und Schreiben im Verlauf der Zeit selbst beigebracht, was sich insofern bemerkbar macht, dass sie zwar lesen und schreiben kann, allerdings auf einem Niveau, das nicht gerade den Besuch einer weiterführenden Schule – auch in Thailand – zulassen würde. Dazu kommt eine ausgeprägte eindimensionale Denkweise, d.h., sie erscheint in ihrer Meinung aufgrund ihrer Entwicklung in Thailand recht festgefahren, z.B. in der Beurteilung von Situationen und Menschen, obwohl sie viel von dem hat, was man gesunde Menschenkenntnis nennt. Sie verfügt nicht über das, das wir als ´Abstraktionsvermögen´ bezeichnen. Sie würde also beim Autofahren nie darüber nachdenken, was hinter der nächsten Kurve, die ja noch nicht einsehbar ist, eventuell bei Würdigung anderer Begleitumstände auf sie zukommen könnte.
    Kurz: ich denke mir schon so manches Mal: "Wie kann man nur so dumm sein ??!!"

    Ich möchte – um vielgeliebte Missverständnisse zu vermeiden – ausdrücklich betonen, dass es bei der Einschätzung des Intellekts nicht um eine Beurteilung der Persönlichkeit handelt. Bei den Charaktereigenschaften – die Zockerinnen, Alkoholikerinnen usw. mal ausgenommen – kann sich so mancher Farang eine Scheibe abschneiden. Ausserdem bin ich nur beschränkt dazu in der Lage das Leistungsvermögen, das intellektuelle, einer Thai mit meinen bescheidenen Farang-Kriterien abzuschätzen. Es stimmt tatsächlich, auch die Gespräche zwischen meiner Frau und mir reduzieren sich aufs Alltägliche, wobei allerdings ein intensiver Austausch über unser Leben, unsere Träume, unsere Wünsche und Hoffnungen möglich ist. Das bedarf jedoch einer gezielten Ansprache, und es hat lange gedauert, bis sie es einordnen konnte, dass man überhaupt darüber spricht. Ihr ganzes Wissen und ihre Fähigkeiten haben sich auf dem Hintergrund des Überlebenskampfes entwickelt, der letztendlich tagtäglich nur ein Ziel hatte: Wo bekomme ich genug zu Essen bzw. Geld für meine Familie und mich her. Um dieses über einen Zeitraum von 45 Jahren erfolgreich zu praktizieren, begann sie recht früh mit der Heranbildung von diversen Techniken, die ihr eben das Überleben sicherten. Dazu gehören eben auch die für uns z.T. total gewöhnungsbedürftigen Nahrungsmittel, von denen ja schon einmal spitzbübisch behauptet wird, dass es zumindest im Isaan Menschen geben soll, die all´ das essen, das nicht schnell genug weglaufen kann.
    Der Umgang mit küchentechnischem Gerät ist – von Ausnahmen abgesehen – ja gar nicht erlernt worden, hat gar nicht erlernt werden können. Abgesehen von ausgeprägter körperlicher Hygiene hat in einer Hütte im Isaan eine relative Staubfreiheit Priorität, wobei allerdings auch nur der ´sichtbare´ Staub gemeint ist. Es gibt tausend Kleinigkeiten im Alltag, die jedem, der näher hinschaut, bekannt sind. Und wer jetzt noch näher hinschaut, der wird auch feststellen, dass die Dinge, die materiellen. anscheinend – abgesehen von der Anschaffung, wenn man denn schon im gelobten Land ist – gar nicht den Wert zu haben scheinen, den wir glauben, dass sie ihn haben müssten. Buddhistischer Alltag ? Es ist eben alles vergänglich, und das Festhalten an den Dingen , na ja, Ihr wisst schon, ist eine der Ursachen des Leidens.

    Wie gehe ich nun damit um, mit dem, was schon einmal leichtsinnigerweise als ´banal´ bezeichnet wird ? Wenn ich mit mir klar bin, denke ich gar nicht drüber nach. Dann geniesse ich gerade die Einfachheit und Natürlichkeit dieser kleinen Frau, die fast jeden Tag für eine Überraschung gut ist, die einfach da ist, ohne viele Worte zu machen. Wir passen gut zusammen, dieses wortkarge Wesen aus einer anderen Welt und der Farang mit ausgeprägten Einzelgängerallüren. Für mich bedeutete sie das Ende jahrelangen selbstzermürbenden Alleinseins, für sie bedeutete ich der Beginn des nächsten, besseren Lebens noch zu jetzigen Lebzeiten – chat na: chat ni: -, so haben´s zumindest ihre Nachbarinnen gesagt. Und so leben wir unser Leben, beide nicht mehr allein und sich gegenseitig darin ergänzend, was der Andere nicht vom Leben weiss. Nun ist es sicher eine Frage des Alters, dass sich unsere Lebensdynamik an anderen Dingen orientiert als es bei 30-Jährigen der Fall ist.
    Doch bin ich ein Produkt dieser unseren Gesellschaft, und bei aller Bereitschaft und auch dem Drang, sich an anderen Dingen zu orientieren, macht sich der Beelzebub ´Intellekt´ mitunter bemerkbar. Er schreit förmlich nach Austausch, fühlt sich nicht ausgelastet, fängt an ´zu leiden´, nämlich daran, dass der Andere an dem fehlenden Austausch gar nicht leidet. Und dann wird dieser ansonsten zufriedene Farang, nämlich ich, schon einmal unzufrieden, wird mürrisch, missgelaunt, und sucht nach Gründen, wie er dieser seiner ´banalen´ Hälfte eins beipulen kann. Er wird immer knatschiger, weil seine bessere Hälfte den Ernst des ´fehlenden intellektuellen Austausches´ gar nicht erkennen will. Und wenn dann noch ´gute Freunde´ mich darauf aufmerksam machen, dass es ja mit den Deutschkenntnissen nicht weit her ist "Was, sie ist jetzt schon zwei Jahre in Deutschland ? Ja, wie gehst Du denn damit um ??", dann nagen sie schon einmal, diese Zweifel, ob es richtig war, was ich da getan habe, nämlich eine Frau von der anderen Seite der Welt zu heiraten, die eben über das Leben und seinen Sinn ihre besonderen Ansichten hat, die beim sonntäglichen Spaziergang in der Natur nichts Besseres zu tun hat als im nahegelegenen Bach nach eventuell vorhandenen Fischen zu sehen, aus denen sich eventuell eine Mahlzeit zubereiten liesse. Wobei doch die ökologischen Probleme durch holländische Industrieabgase gerade auch in unserer Region weit mehr Aufmerksamkeit erheischen.
    Und spätestens dann denkt dieser ansonsten mit sich und der Welt zufriedene Farang schon einmal in selbstherrlich arroganter Weise: "Wie kann man nur so dumm sein??!!"

    Buddha sei Dank, diese Episoden spielten sich bis zum heutigen Tage nur in meinem Kopf ab. Und wenn er mit sich klar ist, dieser Farang, dann denkt er auch nicht darüber nach. Und wenn sie dann, diese stille kleine Frau, in der Nacht wie selbstverständlich aufsteht, nachdem sie von meinem Erkältungs- und Raucherhusten wach geworden, und mir Tee und Inhalationsgerät bereitet, dann frage ich mich, wie ich so bescheuert denken konnte. Und nun komme mir keiner damit, dass man den Goldesel pflegen muss, damit er noch lange Dukaten von sich lassen kann – so goldig ist der Esel nicht, ausserdem macht mir mein Weltbild keiner mehr kaputt.

    Und um wirklich den heissersehnten Missverständnissen vorzubeugen: bei meinen Gedanken handelt es sich wirklich um das Besondere, losgelöst vom Allgemeinen – oder doch nicht ? -, nämlich um Suay und mich. Ich bin fast sicher, dass ich einer der wenigen bin, die da schon einmal mit sich selbst im Unreinen sind, vielleicht auch ein wenig unfertig, was den Umgang mit Thais und überhaupt einer anderen Kultur betrifft.
    Und was den Bildungsmangel betrifft, nun, der ist vorhanden, allerdings nur nach meiner eigenen eindimensionalen Vorstellung – doch ich arbeite dran.

    Mal objektiv gesehen: Es ist manchmal nicht einfach, und in diesem Umfang hatte ich es vorher nie gesehen, es hatte mich allerdings auch keiner darauf aufmerksam gemacht. Vieles, was man im Gespräch mit Freunden und Bekannten einfach voraussetzen kann, ist nicht vorhanden. Und ich will jetzt auch nicht krampfhaft nach Gründen suchen, um meine eigene Beziehung schön zu reden. Sie hat mir allerdings auf der anderen Seite Dinge und Werte vermittelt, die ich vorher noch nie kennen gelernt hatte. Wenn ich mal ehrlich bin, ist mir dieser ´Bildungsmangel´ so im Hinterköpfchen schon deutlich gewesen, habe ihn aber immer hübsch verdrängt, wollte ihn einfach ignorieren, weil es mir sonst ein Bild zerstört hätte, was mit sehr gut gefiel. Die ganze erste Zeit des Kennenlernens, die Bewältigung der Anfangsprobleme, die Faszination des Fremden, der liebevolle Umgang mit mir als Mensch und Mann, und nun der Alltag nach dem zweiten Thailandaufenthalt, der wie ein hässlicher kleiner Nager an der Substanz rumknabbert. Nun ist die erste Euphorie vorbei, die Verständigung zwischen uns klappt gut, es gibt so gut wie keine Missverständnisse mehr aufgrund der Sprache, in Thailand daselbst laufe ich nicht mehr orientierungslos rum, und schon steigen - zunächst mehr unbewusst - die Ansprüche. Dann reicht der Austausch tagsüber nicht mehr, dem ich auf der anderen Seite durch den Feierabend erleichtert und freudestrahlend den Rücken kehre.

    Ich muss verdammt aufpassen, dass ich nicht einen gravierenden Rückfall in diese rein westliche Denk- und Verhaltensweise erleide, denn damit würde ich das kaputt machen, was heute mein Leben bedeutet, das hat mit Materiellem nichts mehr zu tun.

    Epilog:
    @ die, die ein Forum so lediglich als Unterhaltung, und zwar der eigenen sehen: Recht habt Ihr. Falls es interessiert, ich habe ein Grossteil meines Lebens als das verbracht, was man im Volksmund als Pausenclown bezeichnet, und eine gehörige Menge Humor ist auch einfach nicht aus mir rauszukriegen. Das schliesst allerdings nicht aus, dass ich mir ab und zu ein paar ernstere Gedanken mache und die auch zu Papier bzw. auf den Monitor bringe. Das ist mir dann ganz einfach wichtig.
    Und die Freudianer unter Euch werden sicher messerscharf kombinieren, dass sich im Sinne der Sublimierung (ein Verdrängungsmechanismus) mangelnde 5exuelle Aktivität in Vielposterei äußern kann. Ihr habt Recht, Ihr Freudianer:

    Wenn ich poste oder lese bumse ich gerade nicht....

    herzlichst, Kali

  2.  
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  3. #2
    Airport
    Avatar von Airport

    Re: bildungsmangel...

    @ Kali,
    Du bist fuerchterlich... !!
    Warum musst Du immer so kompakt korrekt und so Realitaetsnah schreiben??? !
    Damit nimmst Du jedem halbwegs intelligenten Poster jedwegige Chance, auch nur Ansatzweise diesen Thread mit dummen Kommentaren zuzupflastern !!
    Deshalb wieder mal von mir nur das Eine: :bravo: !!

  4. #3
    Avatar von Peter-Horst

    Registriert seit
    29.06.2002
    Beiträge
    2.314

    Re: bildungsmangel...

    Hallo Jürgen,

    hab mir gerade Dein Posting zur erstenmal durchgelesen, will damit sagen es ist es wert mehr als einmal gelesen zu werden.

    Du sprichst viele Ängste, Sorgen, Bedenken, etc. an, die auch schon gehabt habe und auch wieder haben werden.

    Ich "kenne" meine Frau jetzt schon 10 Jahre und trotzdem kommen mir
    manchmal diese Gedanke wie Du sie beschreibt.

    Mach ich mir deswegen Sorgen eigentlich nicht !

    Ich möchte mal zwei Beispiele machen:

    1) Der Führerschein.
    Es ist für uns Deutsche schon ein kraus diese Borgen auswenig zu lernen, OK es hat lange gedauert und wir haben oft (sehr sehr oft) geübt und meine Frau hat es geschafft. Dann war da die Praktische Prüfung, zur ersten mal durchgefallen, war für ein Drama !
    Was für Sorgen hab ich mir beim zweiten Anlauf gemacht und und
    sie hat es geschafft.
    Was lernen wir (ich) daraus. Doof kann sie nicht sein.

    2) fehlendem intellektuellen Austausch
    Also ich hab einen anspruchsvollen Job muß mich durchauf gewählt ausdrücken und auch mal über Gott und die Welt reden.
    Mein Gott ich bin froh, das der gleiche Anspruch "privat" nicht auch noch an mich gestellt wird.

    Was will ich sagen: Ich stimme Dir zu, aber schlimm ist es nicht, zumindesten nicht für mich.

    Gruß Peter

  5. #4
    Avatar von Mang-gon-Jai

    Registriert seit
    12.02.2002
    Beiträge
    3.479

    Re: bildungsmangel...

    Ja, Postings von Kali ist wohl nichts hinzuzufügen und meist machen sie mich nachdenklich.
    Es ist wohl so, dass wir Farangs überwiegend mit zwei Arten thailändischer Frauen zusammenkommen.
    Da sind erst einmal die, die Schule besucht haben (und sei es nur die Dorfschule). Manche haben sogar studiert. Alle können selbstverständlich lesen und schreiben, sehr viele sprechen englisch. Rechnen können sie auch, zumindest die Grundrechnungsarten. Diese Gruppe hat natürlich eine höheres Niveau (der Begriff Niveau ist in diesem Zusammenhang sicher nicht ganz richtig, aber ich habe keinen anderen Begriff dafür).
    Für einen Farang, der in der Regel ja auch lesen und schreiben kann, ist es dann natürlich viel einfacher, mit Frauen aus dieser Gruppe zu kommunizieren.
    Dann gibt es die zweite Gruppe. Frauen, meist in kleinen Dörfern im Issaan aufgewachsen, die nie zur Schule gegangen sind, oft nicht zur Schule gehen durften. Arbeit war wichtiger.
    Später wurden sie verheiratet, das brachte den Eltern Geld. Die Frauen wurden nicht gefragt, um die Gefühle dieser Frauen, als sie verheiratet wurden, waren sie eigentlich noch Kinder, hat sich niemand gekümmert - weder die Eltern noch der Ehemann. Mann hielt sie oft bewusst dumm. Man hat ihnen nie die Chance gegeben, ein vernünftiges Leben führen zu können.
    Durch Zufall lernt nun eine Frau der zweiten Gruppe einen Farang kennen und verliebt sich ich ihn. Plötzlich ändert sich ihr Leben gravierend. Sie wird anfangs nicht fertig mit ihrer neuen Welt, es ist zu viel für sie.
    Jindi ist auch eine Frau der Gruppe 2, sie ist auch eine Suay.
    Anders als Kali bin ich schon recht lange in Thailand, seit mehr als 30 Jahren jährlich etwa 6 Monate. Das entspricht etwa 15 Jahren am Stück. Ich war auch die ganze Zeit keinesfalls allein sondern habe etliche Thaifrauen kennen gelernt. Ich kenne die Frauen beider Gruppen (und die Zwischenstufen).
    Ich kann euch ehrlich sagen, die Gruppe 2 ist mir deutlich lieber. Wie schon Kali geschrieben hat, auch Jindi lebt für mich. Oft, wenn ich Lesungen an anderen Orten habe, muss ich sehr früh aufstehen. Eine Stunde vorher steht Jindi auf. Sie kocht Kaffee und stellt mir Rührei her. Sie legt meine Kleidung raus und sie hat sogar meine Schuhe geputzt.
    Selbstverständlich kocht sie mein Essen, ist aber etwas sauer, wenn ich mir mal selbst etwas gemacht habe. Egal, wie spät es abends wird, wenn ich nach Hause komme... Jindi ist noch auf und hat auf mich gewartet. Selbstverständlich hat sie auch Essen für mich auf dem Herd.
    Natürlich habe ich das Problem (ist es überhaupt ein Problem?) nicht viele gemeinsame Gesprächsthemen zu haben. Das schadet nichts. Sie kann sich stundenlang hinsetzen und mich beobachten, wenn ich am Schreibtisch arbeite. Sie sagt dann kein Wort, sie schaut nur.
    Mit ihren Deutschkenntnissen hapert es gewaltig. Das ist aber zum größten Teil meine Schuld. Da Junior und ich Thai sprechen, bleibt Deutsch auf der Strecke. Wir sprechen zu Hause nur Thai.
    Den Begriff „Dumm“, den Kali gewählt hat, möchte ich nicht verwenden. „Unwissend“ halte ich für richtiger. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es Ziele gibt, die Jindi nie erreichen kann – z.B. den deutschen Führerschein. Mir macht das nichts. Hauptsache sie ist glücklich. Mir ist es egal, wenn sie nicht 25 durch 5 teilen kann – ich kann es ja. Andererseits kann ich keine Tom-kha-gai herstellen und ein Krokodil fangen kann ich schon gar nicht.
    Mehr als drei Jahre sind wir jetzt zusammen und davon möchte ich nicht einen Tag missen.


    Gruß

    Mang-gon Jai

  6. #5
    pef
    Avatar von pef

    Registriert seit
    24.09.2002
    Beiträge
    3.974

    Re: bildungsmangel...

    Kali,
    Mang-gon Jai,

    endlich mal zwei gute Postings. :bravo:
    Ich bin jetzt bald 4 Jahre verheiratet. Meine frau hat im Isaan
    des öfteren die Schule geschwänzt um durch die Natur zu laufen und was essbares zu suchen.Ihre Erzählungen aus dem Isaan vor 20 Jahren sind faszinierend, was müssen die Kerle Raubbau betrieben haben. Ihr Wissen um Pflanzen die nicht nur zum Essen sondern auch als Medizin gut sind ist phantastisch. Es hat ihr u.a. geholfen zu überleben. Sie ist und bleibt ein Naturkind mit einer unwahrscheinlichen Menschenkenntnis und Bauernschläue.Das reicht und ergänzt.
    Sie hat hier 2 Semester an der VHS belégt, danach hatte sie keine Lust mehr; kann aber immer noch deutsch lesen. Verständigen tun wir uns in Pidgin deutsch/thai/englisch und guten Wörterbüchern. Mit ihrer Tochter spricht sie Thai; ich mit der Tochter deutsch. Tolle zweisprachige Erziehung.
    Intellektuelles wird von mir im Büro abverlangt, das ist genug! Früher musste ich noch anschl. mit meiner EX auf diesem Niveau parlieren, das war echt Stress.
    Heute gibt es viele stressfreie Abende mit Frau und Tochter gutem Essen, Thaimusik und guten Gesprächen nicht über Dax, Politik etc. sondern ganz banalem Interessantem. Wo gibts es die besten Ananas, die den frischen in Thailand geschmacklich annährend das Wasser reichen können. Welcher busfahrer war wieder ausländerfeindlich?
    Und wie sie ihm wieder die Meinung gegeigt hat, köstlich. Und, und und..fast jeden Tag eine neue Überraschung, es ist nicht langweilig. Auch das stärkt den Intellekt.
    Ich möchte sie und ihre Tochter nicht mehr missen.

  7. #6
    waldi
    Avatar von waldi

    Re: bildungsmangel...

    coole post's.... klingen aber auch selbstzweifel mit....

    meiner meinung nach, und die ist nicht wichtig - ....ist es eigentlich ganz einfach....

    stellt euch selbst mal die frage:

    bin ich gluecklich und zufrieden mit meiner situation?

    ....diese antwort dann ...muesste alles beantworten...

    ansonsten laeuft was falsch...

    viele lassen sich durch ihr gewohntes und durch erziehung eingebleutes denken viel zu viel beeinflussen - und natuerlich durch die sogenannte gesellschaft und das umfeld....

    ich zum beispiel machs mir einfach und scheiss auf die gesellschaft, ich mache das was ich fuer richtig finde, und ende... natuerlich in dem rahmen, das ich finanziell und beruflich keine nachteile habe.... da bin ich natuerlich selbst prostituierte....

    ich weiss, das ist einfaches denken.... aber sind nicht schon viele "grosse denker" wahnsinnig geworden??

    meist sind sehr intellegente menschen sehr ungluecklich....
    und sehr einfache menschen sehr gluecklich...

    seht es mal so....

    gruss

    waldi

    P.S. ich selbst bin natuerlich ueberzeugter single - bin fuer eine langjaehrige partnerschaft ungeeignet und viel zu egoistisch dazu.... aber... ich weiss das.......

  8. #7
    Avatar von Monton

    Registriert seit
    14.09.2002
    Beiträge
    439

    Re: bildungsmangel...

    Reizwort: „Intellektuelle Unterforderung“, :-)
    das sind Worte in welchem Zusammenhang sie auch immer mal ausgesprochen oder gehört werden, vermeintlich gefühlt, als Entschuldigung erwähnt und dann auch noch geglaubt werden, gibt es nicht. Jede Beziehung, jede Situation braucht mehr oder weniger Interesse seinerseits. Kein Interesse: keine Aktion.
    Eher also Interesselosigkeit bei dem einen sowie Feuer bei dem anderen. Jeder erinnert sich gerne aus unmöglichen Dingen etwas gemacht zu haben. Daher kommt das „Erfolgserlebnis“. Jeder weiß dass das Erfolgserlebnis wichtig für unsere Psyche ist. Ich denke in meinem Fall dass ich fast unmöglich erscheinendes erreicht habe und fühle mich deshalb „als V“, denn meine Mon und ich lernen voneinander, mit Gefühl aber auch Verstand. Wir erleben Situationen, gerade wegen unserer Kulturunterschiede die andere nie erleben werden. Wir üben gemeinsam Deutsch und Thai, wir kochen zusammen bayrisch und asiatisch. Wir intensivieren Familienkontakte auch neu zu meiner Familie, aber auch nach Thailand. Vor allem aber haben wir den so genannten Alltag mit all seinen üblichen Widrigkeiten gerade wegen unserer „Unterschiede“ ein Schnippchen geschlagen.
    @Kali….Wir haben uns gemeinsam einen Horizont erschlossen, den viele erst suchen und hoffentlich auch finden werden.

  9. #8
    sam
    Avatar von sam

    Registriert seit
    24.09.2002
    Beiträge
    127

    Re: bildungsmangel...

    buuuaaa eh! so viele gute postings auf einmal dazu nur
    respekt

    sam
    meine höchste anerkennung an alle beteiligten, die ihre gefühle und gadanken hier öffentlich preisgeben.

  10. #9
    Airport
    Avatar von Airport

    Re: bildungsmangel...

    ......@ sam,
    leider auch sehr gefaehrlich !!
    Denn solche Art von Threats und Postings waren "frueher" eigentlich an der Tagesordnung!
    Doch leider kamen dann immer oefter "Stoerer", denen es Spass gemacht hat, diese Art des Postings ins laecherliche zu ziehen... !
    Leider :-( :schaem: !!
    Aber ansonsten hast Du recht! Es beweist, dass doch eine Vielzahl der Forums-Mitglieder aus ihren Beziehungen das Beste gemacht haben und sehr zufrieden damit sind. :bravo:
    Uebrigends: Ich gehoere auch dazu, was man nachlesen kann.....
    Als Fazit kann man sagen:
    Egal welche Vorbildung man hat; es kommt darauf an, was man damit im Leben anfaengt und wie man es am Besten umsetzt, oder??

  11. #10
    Avatar von dawarwas

    Registriert seit
    30.10.2002
    Beiträge
    3.385

    Re: bildungsmangel...

    Tolle postings, finde ich auch.
    Da kann ich zwar nicht mit schreiben, aber meine Meinung moechte ich dann doch noch Los werden.

    Ihr wisst ja bestimmt das ich x geschrieben habe, "sie sind mir dort lieber als hier".

    Das bezog sich voll auf die oben genannten Gruende. Ich glaube auch das sie hier nie so gluecklich werden koennen wie unter guten Umstaenden in Thailand.
    Vieleicht ist das auch nur ne Ausrede, weil ich nicht so stark bin, wie z.B. der Kali.
    Und das bist Du Kali. Sehr stark, sogar.
    Bleibe so!
    Wenn man nur x daran denkt, was sie, die "Dummen, Unwissenden, Zurueckgebliebenen" oder wie auch immer sie genannt werden, uns alles geben koennen und tun, sollte es uns doch um einiges Leichter fallen "stark" zu sein oder zu bleiben.
    Einfach bei jeder Macke von ihr, an eine gute Gabe von ihr denken.
    Ich waere froh, ich haette selber etwas mehr davon.

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