Seite 3 von 3 ErsteErste 123
Ergebnis 21 bis 23 von 23

Beerdigung in Thailand

Erstellt von Oberkracher, 13.11.2008, 10:49 Uhr · 22 Antworten · 6.601 Aufrufe

  1. #21
    Avatar von DisainaM

    Registriert seit
    15.11.2000
    Beiträge
    26.844

    Re: Beerdigung in Thailand


  2.  
    Anzeige
  3. #22
    Tom_Bern
    Avatar von Tom_Bern

    Re: Beerdigung in Thailand

    Ich habe in einem anderen Forum vor einiger Zeit mal einen grossen Bericht über den Tod des Grossvaters meiner Frau und die Geschehnisse danach geschrieben. Ich kopiere ihn einfach mal hier rein (halt ohne Fotos, diese sind nur in der Originalversion im anderen Forum in einem geschützten Bereich zu sehen... da sie sehr persönlich sind bitte ich um Verständnis, dass ich sie hier nicht reinstelle). Hier der Bericht:

    Am 25.4.2007, nur 1 Tag nachdem wir auf Koh Samui angekommen sind, erreichte uns die traurige Nachricht, dass der Grossvater meiner Frau ganz plötzlich verstorben ist. Somit suchten meine Frau und ich sofort ein Reisebüro auf und flogen dann am Tag darauf auf dem schnellsten Weg via Bangkok nach Ubon Ratchanthani, wo wir vom Cousin meiner Schwiegermutter abgeholt und nach Bannasanuan gebracht wurden. Mein Bruder passte inzwischen auf Samui auf die 3 Kinder auf...

    In Bannasanuan angekommen war die Abschiedsfeier für den Grossvater bereits seit 1 Tag im vollen Gange. Es war vom Hauptmönch des Wats festgelegt worden, dass der Leichnam des Grossvaters infolge der hohen Temperaturen, des bevorstehenden Wochenendes und Unpässlichkeit am darauf folgenden Montag bereits am Freitag Nachmittag verbrannt werden soll.

    Die ganze Familie und alle Nachbarn waren gekommen und im und ums Haus herum tummelten sich sicher an die 50-70 Personen. Ich kondolierte zuerst den betroffenen Personen in der Familie. Der Sarg mit dem Leichnam des Grossvaters wurde im Haus aufbewahrt.

    Der Sarg stand dort, wo ansonsten der kleine Shop meiner Schwiegermutter ist. Rund um den Sarg herum sassen die Leute und zockten, tranken, schauten TV, hörten Musik oder sangen Karaoke. Andere wiederum lagen irgendwo in einer Ecke und versuchten zu schlafen, da es seit dem Eintritt des Todes vom Grossvater keine ruhige Minute gab und bis zur Verbrennung des Leichnams auch keine geben wird.

    Für mich war es das erste Mal, in Thailand derart eng mit einem Todesfall in Berührung zu kommen. Entsprechend wusste ich oft nicht, was ich tun sollte und beobachtete etwas abseits das Geschehen und versuchte, die Hingergründe für die verschiedenen Taten der Leute zu erkennen. Es fiel mir zum Beispiel auf, dass die engsten Angehörigen keinen Alkohol tranken. Wie mir später gesagt wurde gibt es zwar kein "Gesetz" dies so zu handhaben, allerdings wäre es unangebracht, wenn die engsten Angehörigen plötzlich besoffen rumliegen würden. Zudem hatte jede einzelne Person ja auch ständig irgendetwas zu organisieren. Weiter fiel mir auf, dass ständig neu gekocht wurde und das Essen dann quasi wie in einem Take-away verkauft wurde. Es kamen Leute aus dem Dorf vorbei, sprachen kurz mit den Angehörigen, kauften sich dann etwas zu essen und bezahlten einen Betrag nach Gutdünken für das Essen. Dieses Geld wurde dann für die Unkosten der Abdankungsfeier verwendet.

    Der Tag ging vorbei, es wurde Nacht, doch an Schlaf war nicht zu denken. Die Soundanlage dröhnte auf vollster Lautstärke zur DVD- oder Karaoke-Anlage. Weiterhin wurde gezockt und ich weiss nicht, wieviel Geld während dieser Nacht den Besitzer wechselte... Irgendwann während der Nacht war es dann vorbei mit DVD- oder Karaoke-Konsum und aus der Soundanlage ertönte laut ein Lied, welches fortan ständig wiederholt wurde. Es war eine schöne Melodie, welche irgendwie nie endete. Es wurde mir mitgeteilt, dass dies eine Melodie sei, welche die Seele des Verstorbenen von nun an begleiten würde und für speziell hierfür komponiert wurde.

    Am nächsten Morgen kam ein Arzt des Ortsspitals vorbei und zu meiner Ueberraschung wurde von ihm zuhanden der direkten Angehörigen ein Betrag von 12000 Baht ausbezahlt. Grossvater hat anscheinend mit Inkrafttreten seines 50. Lebensjahr jedes Jahr einen Betrag von 500 Baht einbezahlt, welcher dann im Todesfall in Form einer Versicherungsprämie ausbezahlt wird. Grossvater wurde 76 Jahre alt und hat somit insgesamt 13000 Baht einbezahlt. Ich nehme an, dass die Differenz von 1000 Baht als "Spesen und administrative Kosten" einbehalten wurden.

    So gegen 12.30 Uhr - wegen des befürchteten bevorstehenden Gewitters etwas früher als geplant - wurde dann die Soundanlage abgestellt und der Sarg auf einen Pick-up verladen. Der Pick-up wurde geschmückt und die Mönche stiegen auf die Ladebrücke zum Sarg. Die engsten Familienangehörigen besammelten sich vor dem Pick-up und mittels einer Schnur, welche jedes Familienmitglied anfasste, wurde eine Verbindung zum Sarg hergestellt. Die restlichen Trauergäste sammelten sich hinter dem Auto und dann setzte sich der Tross langsam Richtung Wat in Bewegung (hierzu gibt es keine Fotos, da ich vorne mitlief). Der ganze Trauerzug wurde mit Musik begleitet und ab und zu knallten heftige Petardenknaller in der Luft.

    Nach rund 20 Minuten kamen wir im Wat an und der Pick-up mit dem Sarg wurde rückwärts in Richtung eines Holzhaufens gefahren.

    Der Sarg wurde sorgfältig abgeladen (ich hatte trotzdem ständig Angst, dass er runterfallen würde...) und danach auf den Holzhaufen gelegt und mit Seilen und Stämmen fixiert.

    Die ganze Menschenmenge (es waren inzwischen sicher mehr als 200 Personen anwesend) bewegte sich dann vom Sarg weg zu den Mönchen, welche etwas abseits auf einem kleinen Podest sassen. Doch vorher wurden noch alle mit kalten Getränken versorgt, denn inzwischen betrugen die Temparaturen mehr als 40 Grad. Auch hier habe ich keine Fotos gemacht, da ich vor den Mönchen kniete.

    Die Mönche sprachen und sangen dann in für die meisten unbekannter Sprache rund 30 Minuten. Danach erhob sich die gesamte Menschenmasse und dislozierte wieder zum Sarg. Dieser wurde inzwischen geöffnet und von den Mönchen wurde das Gesicht des Grossvaters mittels einem in Wasser getauchten Zweiges mit Blättern "gewaschen" (ähnlich wie wenn etwas gesegnet wird). Auch die Familienangehörigen und Freunde und Bekannte konnten dies tun, für diese war es jedoch freiwillig. Meiner Beobachtung nach haben rund 50% der Anwesenden darauf verzichtet, dies zu tun.

    Dies alles dauerte vielleicht eine weitere halbe Stunde und dann traten die Leute vom Sarg weg, welcher geöffnet blieb. Es wurde eine Zündschnur gezogen und der Holzhaufen wurde mit Brennbeschleuniger getränkt.

    Es wurde dann von allen Personen verlangt, mindestens 30 Meter vom Sarg wegzutreten. Plötzlich ertönte ein Zischen und man sah wie sich eine kleine Flamme der Zündschnur entlang züngelte. Erst jetzt merkte ich, dass die Zündschnur gar nicht mit dem Sarg verbunden war, sondern am Sarg vorbeiging. Die Flamme suchte sich ihren Weg und setzte dann auf einmal ein "Rad" in Bewegung, welches sich entzündete, drehte und weitere Flammen entzündete. Eine dieser Flammen zog weiter und entzündete dann eine Rakete, welche sich aus ca. 5 m Entfernung mit einem lauten Knall entzündete und mit voller Wucht in den Holzhaufen flog, wo sie das Feuer entfachte. Ich stand nur noch mit offenem Mund da und konnte kaum fassen, was ich sah...

    Danach folgten Bilder, welche ich nicht mehr fotografierte. Beispielsweise erhob sich aus dem offenen Sarg plötzlich eine Hand des Grossvaters aus dem Rauch und Feuer, als ob sie allen winken würde... Hier löste sich dann die Trauergemeinde ganz rasch auf und man fuhr nach Hause. Der brennende Sarg wurde in Obhut der Mönche und von Angestellten hinterlassen, welche dies alles organisiert hatten.

    Der Zeitplan sah vor, dass die engsten Familienangehörigen um ca. 19 Uhr wieder in den Wat zurückkehren, was wir dann auch taten. Nachdem ich mit der sich aus dem Sarg erhebenden Hand des Grossvaters eigentlich gedacht habe dass mich nun nichts mehr umhauen könnte, wurde ich etwas besseren gelernt. Inzwischen war nämlich alles verbrannt und man fand sich rund um die schwelende Asche ein, welche mit Wasserspritzern sorgfältig gelöscht wurde. Mit einer Schaufel wurde nun aus der Asche von einem Angestellten des Wats tatsächlich ein Menschenkörper geformt! Ein Kopf, Hals, Oberkörper, Arme, Beine... Auf diesen Aschenkörper wurden nun Kleider des Grossvaters gelegt. Ein T-Shirt, ein Sarong... und Bahtmünzen. Die Mönche kamen nun wieder dazu und sprachen und sangen nochmals rund 10 Minuten dazu. Anscheinend war dies nun der Zeitpunkt, in welchem die Seele des Grossvaters uns definitiv verliess. Auf jeden Fall habe ich es so verstanden. Nachdem mich nun wirklich nichts mehr erschüttern konnte war es mir auch egal, dass als letzte Aufgabe noch etwas ganz heftiges kam (für meinen Begriff, nicht aber für die anwesenden Thais). Aus dem Aschenkörper wurden nun nämlich bei Lampenlicht mit den blossen Händen die Knochenreste des Grossvaters herausgesucht, welche wegen ihrer schneeweissen Farbe relativ einfach zu erkennen waren. Diese Knochenreste (es gab am Schluss vielleicht 3-4 grosse Hände voll) kamen dann in eine Urne, welche in den Chedi gelegt wurde, welche wir am Vormittag noch für den Grossvater gekauft hatten. Von diesen Geschehnissen habe ich logischerweise keine Fotos gemacht.

    Und diese Urne ruht im Chedi inzwischen nun an einem schönen Platz im Wat.

    Für mich war dies eine ganz besondere Begegnung mit der thailändischen Kultur und Lebensweise, welche mich sehr beeindruckt hat. Diese unglaublichen Unterschiede zu uns und daneben dann doch wieder auch sehr grosse Aehnlichkeiten. Obwohl es eigentlich ein Trauertag war, was es für mich schlussendlich doch ein sehr schöner Tag und ich wünsche mir, dass mein Ende auch mal so würdevoll sein wird.

    Zu guter letzt noch etwas, was sicher alle interessieren wird. Sämtliche Unkosten dieser 3-tägigen Abschiedsfeier (inkl. Sarg, Chedi, Verbrennung, Essen und Trinken, Gelder für den Wat etc.) betrugen ca. 35000 Baht, von welchen 12000 Baht von der Versicherung und die Einnahmen aus dem verkauften Essen abgezogen werden konnten. Die verbliebenen rund 20000 Baht wurden von allen Familienmitgliedern beglichen, wobei man einfach soviel gab, wie man geben konnte.

    So, und nun ist mein Bericht zum Todesfall des Grossvaters meiner Frau zu Ende. Bitte beachtet, dass ich dies erstmals erlebt habe und einfach meine Eindrücke schilderte. Ich habe echt keine Ahnung, ob ich alles richtig verstanden habe...

    Gruss Tom

  4. #23
    Avatar von Schwarzwasser

    Registriert seit
    13.12.2005
    Beiträge
    1.552

    Re: Beerdigung in Thailand

    Hallo,

    nun, das mit der sich erhebenden Hand des Großvaters lässt sich auch im Krematorium hierzulande erleben, denn durch die extreme Hitze wird die Haut des Leichnams angespannt und zieht sich zusammen. Nicht selten bäumt sich der Körper durch die Hitze auch auf, was Zuschauern das kalte Grausen verursacht.

    Rational erklärbar zwar, aber in Thailand ist das der letzte Gruß des Verstorbenen.

    Grüße

    Rainer

Seite 3 von 3 ErsteErste 123

Ähnliche Themen

  1. Beerdigung
    Von k_m_333 im Forum Ehe & Familie
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 27.06.11, 11:33
  2. Beerdigung in Thailand.
    Von Otto-Nongkhai im Forum Literarisches
    Antworten: 44
    Letzter Beitrag: 11.12.05, 11:58
  3. Beerdigung im Isaan
    Von Palawan im Forum Literarisches
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 22.05.05, 20:55
  4. Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 21.10.04, 22:42
  5. Beerdigung in Thailand
    Von irrlicht im Forum Treffpunkt
    Antworten: 28
    Letzter Beitrag: 28.07.04, 23:21