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Armut im Isaan

Erstellt von gruffert, 21.11.2001, 12:21 Uhr · 24 Antworten · 2.727 Aufrufe

  1. #1
    gruffert
    Avatar von gruffert

    Armut im Isaan

    Ich sah heute einen Bericht in CNN über die Armut in Asien. Dabei wurde auch erwähnt, daß in Thailand die Zahl der Menschen die unter der Armutsgrenze leben (wo immer die auch liegen mag) erheblich zugenommen hat. Wie diese nüchternen statischen Angaben in der Praxis aussehen, wird vielleicht aus der Schilderung der Situation in meinem Dorf im Isaan deutlich.

    Die Leute hier haben als einzige Einkommensquelle den Reisanbau. Die etwa 100 Familien im Dorf produzieren im Schnitt etwa 5 Tonnen pro Familie für den Verkauf. Im letzten Jahr bekamen sie beim Verkauf dieser 5 Tonnen ca. 6.50 pro kg. In diesem Jahr bekommen sie nur ca. 4.00 Baht pro kg. Das macht pro Familie eine Mindereinnahme von fast 40 % oder etwa 12.500 Baht, also ca. 1.25. Millionen Baht für das ganze Dorf. Diese Mindereinnahme kann auch nicht durch von Thaksin versprochenen 1 Million Baht ausgeglichen werden, denn dieser Betrag soll ja – wenn er überhaupt hier ankommt – als Darlehn für die Schaffung neuer Existenzmöglichkeiten verwandt werden.

    In der Praxis wird wohl kaum jemand Hunger leiden müssen, denn der für den eigenen Verbrauch benötigte Reis kann ja nicht verkauft werden. Für den Kauf der zur nächsten Saison erforderlichen Dinge wie Diesel und Ersatzteile für die kleinen Traktoren, Kunstdünger, Insektenvertilgung u.s.w. , die alle in diesem Jahr im Preis um mehr als 10 % angestiegen sind, bleibt aber. kaum etwas übrig. Erst recht bleibt nichts übrig für die Abzahlung der auf Raten gekauften Dinge (Motorbykes, Fernseher, Traktor u.s.w.)

    Auch die Umstellung auf andere landwirtschaftliche Produkte – soweit überhaupt möglich hat wenig Sinn, da die Preise für alle anderen landwirtschaftlichen Produkte wie Hanf und Mais, ebenfalls stark gefallen sind.

    Da bei weitem nicht alle Familie eine Tochter haben, die in Pattaya anschaffen geht, und auch diese Mädchen vom Rückgang der Farang-Besucher betroffen sind, d.h. nicht mehr viel zur Unterstützung der Familie beitragen können, sehe ich harte Zeiten für die Menschen im Isaan voraus.

    Günther

  2.  
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  3. #2
    mecki
    Avatar von mecki

    Re: Armut im Isaan

    hallo guenther,

    die meisten familien haben aber doch kinder, die koennen doch in bangkok oder sonstwo ausserhalb des dorfes arbeiten, in fabriken, oder wenn schulbildung dafuer nicht ausreicht, auf dem bau. das machen doch so viele, warum geht das in deinem dorf nicht? oder woanders bei der ernte helfen. muss denn alles gleich in den .... oder nach pattaya rennen?
    ich habe es ja (wieder mal) live erlebt, in einem dorf im issan, vor nicht langer zeit: es wurde nur ueber pattaya, farang und natuerlich geld geredet! unter anderem wurde wieder kraeftg abgezokt(bei den anderen farang gestuetzten haushalten, anzahl sieben von einem 100 haeuser dorf), betraege bis in die zig hunderttausende, bei mir ging das nicht. es war ihnen nicht genug das ich das essen und sonstige dinge zum taeglichen leben wie waschpulver, seife, strom, wasser usw. fuer alle bezahlte, nein, sie wollten kohle fuer landkauf, hausanbau, cds(stereo muss sein), neuem trecker und anderes! ende vom lied, ich konnte verschwinden, als geiziger auslaender verschrien. ist das nicht wunderschoen exotisch?

    ja, ein schoenes erlebnis war da noch. im nachbarhaus hatte sich die ehefrau eines thais von einer der bereits in pattaya arbeitenden damen dazu ueberreden lassen, doch auch anschaffen zu gehen. da gab es volles rohr was aufs maul von ihrem ehemann, der gedanke pattaya wurde schnell wieder aufgegeben. es gibt also auch thais die ihre frau wirklich lieben! hut ab!

    mecki

  4. #3
    Avatar von Jinjok

    Registriert seit
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    5.556

    Re: Armut im Isaan

    @Günther

    Die Entwicklung für die Reisbauern könnte noch schlimmer werden als von Dir umrissen. Die USA haben erfolgreich Genmanipulationen an Reissorten vorgenommen, die bisher nur in Südostasien wirtschaftlich sinnvoll angebaut werden konnten und Thailand als #1-Exporteur dafür auch einen entsprechend gute Preis erzielen ließ. Es gab bisher ein Übereinkommen zwischen beiden Ländern, das der Staus Quo auf diesem gebiet unangetastet bleibt, aber wenn es bergab geht, wird Ballast abgeworfen. Nun wird bei diesen Sorten innerhalb weniger Jahre der USA Markt hauptsächlich aber auch Nebenmärkte für diese Sorten wegbrechen, da diese Länder zur Selbstversorgung übergehen können.

    Das Problem der sogenannten 1. Welt, daß Menschen von der Landwirtschaft nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr leben können ereicht nun auch die Schwellenländer. Hat man in der alten Welt das Problem mit irrsinnigen Subventionen einigermaßen ausbalanciert, so wird es in Thailand z.B. unabgefedert auf die Agraerzeuger durchschlagen. Nach wie vor gibt die EU mehr als 50% ihres jährlichen Etats nur für landwirtschaftliche Subventionen aus. Subventionen, die dafür gezahlt werden weniger Agrarprodukte zu erzeugen und durch die manipulierte Verknappung künstlich die Preise hochzuhalten.

    Gleichzeitig verhungern tagtäglich weltweit 10.000e Menschen. Aber es ist eben marktwirtschaftlich nicht sinnvoll, hungernde Menschen von der europäischen Überproduktion zu ernähren. Unter dem Aspekt sehe ich auch für die thailandischen Reisbauern keine Lösung. Denn läßt man andernorts Menschen einfach verhungern, weils ökonomisch keinen Sinn macht zu helfen, wird man sich doch schon gar nicht um die Geldprobleme von Reisbauern kümmern, die wenigstens noch überleben (im Sinne des Wortes) können.

    Danke für Deinen Denkanstoß. In unserer Wohlstandsgesellschaft verdrängt man nur allzuoft, wie gut es uns doch eigentlich geht, auch wenn die Boulevardmagazine immer wieder Bilder von unzufrieden Leuten zeigt, die für mehr Lohn demonstrieren, weil sie sonst die Raten für Eigenheime und ihre PKW-Kredite nicht mehr bezahlen können.. Leider haben sich gesellschaftliche Modelle die nicht auf Konsum basierten, bisher alle als Utopien erwiesen und wir werden Rivivals solcher Ideen kaum erleben außer vielleicht Harakon wenn er solide lebt und 100 jahr alt wird

    Mit Gruß vom Jinjok

  5. #4
    Nelson
    Avatar von Nelson

    Re: Armut im Isaan

    Hallo Günther,

    ich habe Vieles von Dir gelesen und schätze Deine Publikationen sehr, deshalb auch mein Posting.

    Im September diese Jahres habe ich auf eigenen Wunsch mit einem "Pattaya-Mädchen", (32 Jahre alt, Sohn 3 Jahre alt) eine kleine Reise mit einem Miet-Jeep in die Provinz Chaiyaphum zu ihrer Familie. unternommen.

    Wir hatten dort zwei Tage einen wirklich netten Aufenthalt, bevor wir dann weiterfuhren in den "Khao Yai Nationalpark".

    Mich hat allerdings etwas ziemlich überrascht: Bei einem Halbtagsausflug in die Provinzhauptstadt hatte mein Mädchen für ihre Familie folgendes eingekauft: Bananen, Tomaten, Zwiebel! ...und da staunte ich sehr, waren diese landwirtschaftlichen Produkte doch ganz schön teuer!

    Deshalb meine Frage: Warum produzieren die Isaan-Bauern das nicht selbst? Warum wird in einer offensichtlich recht vernünftigen Familie nur Reis produziert?

    Viele Fragen, die ich mir mit meinen sehr bescheidenen Thai-Kenntnissen natürlich nicht erklären konnte.. ...smile!

    Gruß, Nelson

  6. #5
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Re: Armut im Isaan

    Zum Thema Armut in Thailand war ein Bericht in den News von Thailand:

    Die Ärmsten in Thailand haben nur 1.21 Baht pro Tag
    Die Armutsgrenze liegt bei 666.- Baht im Monat
    Das tägliche Einkommen im ärmsten Dorf von Thailand liegt bei 1.21 Baht pro Tag, sagte gestern das Innenministerium nach einer Studie über die landesweite Armut. Das Ministerium gab die Antwort auf eine Studie der jüngsten Thailand Gesellschaftlichen Untersuchung des Berichts der Weltbank: "Armut und Öffentliche Richtlinien" frei, die besagt, dass die Quote von Armut im Königreich sich verschlechterte. Entsprechend dem Bericht leben 16 Prozent der Bevölkerung mit weniger als 900.- Baht pro Person und Monat. Die Welt-Bank definiert das Monatlicheinkommen von 900.- Baht als die Armutsgrenze. Beim Wiedergeben des Berichtes teilte die gemeinschaftliche Entwicklungsabteilung des Innenministeriums mit, dass das durchschnittliche Einkommen von Leuten in ungefähr 1,500 Dörfern niedriger war als 20`000.- Baht pro Jahr, oder 666.- Baht pro Monat. Das 20`000.- Baht Jährlicheinkommen ist ein Indikator, ausser anderen qualitativen Zeigern, von der Regierung benutzt, um die Armut zu identifizieren. Beamte sagten, dass das ärmste Dorf im Land Kork Village im District Nans Pua ist. Das durchschnittliche jährliche Einkommen dort betrage nur 442.- Baht. Das unterstützungsärmste ist Ta Noi Village in dem gleichen Bezirk, wo die Leute auf ein jährliches Einkommen von 648.- Baht kommen. Die gemeinschaftliche Entwicklungsabteilung hatte quantitative und qualitative Daten über das Land von 8`144`073 Haushalten in 64`900 sich ausserhalb Bangkoks befindenden Dörfern gesammelt. Mae Hong Son ist die Provinz mit dem niedrigsten durchschnittlichen Einkommen, während Phuket die reichste Provinz ist.


    Wenn man da die Beträge sieht, könnte es denn meissten schon kalt den Rücken runter laufen. Andererseits muss dazu aber auch gesagt werden, dass aus dem Bericht nicht hervorgeht, wie sich denn diese Familien ernähren. Ich denke da an eigenen Reis und Gemüse-Anbau. Auch die gemeinsammen Mahlzeiten, wo einige der Sippe etwas mehr verdienen gehen leider aus diesen Studien nicht hervor. Wenn eine Person für seine Arbeit nur 666.- Baht im Monat verdient, doch ein oder mehrere Angehörige der Sippe verdient mehr, so kann daraus nicht Armut werden. Wir werden es wohl nie erfahren, wie es wirklich ist.

    Chainat-Bruno

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  7. #6
    Avatar von Jinjok

    Registriert seit
    05.07.2001
    Beiträge
    5.556

    Re: Armut im Isaan

    @Mecki

    Verwechselst Du nicht Liebe zur Frau mit gekränkten Machogefühlen in den Fall wo der Wunsch in Pattayas Puffs anschaffen zu gehen mit einem Satz Ohrfeigen ausdiskutiert wurde?

    @Nelson

    Ein Reisbauer hat sein Land unter Wasser gesetzt, dann wachsen da keine Zwiebeln, Tomaten und anders Gemüse mehr. Reis hat als Produkt den Vorteil es ist gut Lagerfähig und kann gut transportiert werden. Obst und Gemüse hingegen ist leichtverderblich. Außerdem hat nicht jeder Reisbauer auch das Wissen, wie und wo andere Sachen gedeihen.

    Mit Gruß vom Jinjok

  8. #7
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Re: Armut im Isaan

    Ich möchte euch meine Erfahrungen schreiben, die ich bei Gesprächen mit Freunden (thai`s) über den Isaan machte. Möchte aber zuerst bemerken, dass ich den Isaan persöhnlich fast nicht kenne.
    Bei Gesprächen mit Freunden über den Isaan ist mir aufgefallen, dass immer wieder der Spruch kam, dass die Bevölkerung dort sehr faul sein soll. (Hoffe, dass diese Worte nicht dem ein oder anderem im Hals stecken bleiben). So werden diese immer wieder gemieden, wenn es darum gehe, eine Arbeit zu vergeben. Nicht nur das sie sehr langsam arbeiten und schnell mal nicht mehr erscheinen wegen irgendwelchen Bebes, auch sei es jeden Morgen eine Lotterie, ob sie wieder kommen oder nicht, auch ob sie schon nüchtern seien, wenn sie wieder kommen. Auch wurde gesagt, dass im Isaan sehr viel mehr Reis geerntet werden könnt, wenn die Felder besser bearbeitet würden und vielleicht auch 2 oder 3 Mal im Jahr bepflanzt würde, statt deren 1 oder 2 Mal. Auch seien die menschen vom Isaan sehr stur, man könne ihnen nicht erklären, dass eine Arbeit so oder andersrum besser und schneller gehe. Heisst also, sie wollen nichts dazulernen, es zählt nur was sie machen. Daher kommt vielleicht auch das Geschriebene von Jinjok an Nelson wegen dem nur Reis anbauen.

    Also ihr Isaan-Fans, nehmt es mir nicht zu stark übel, sind einfach die Dinge, die ich von meinen Freunden aufgeschnappt habe.

    Chainat-Bruno

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  9. #8
    Jakraphong
    Avatar von Jakraphong

    Re: Armut im Isaan

    Nein Bruno, niemand wird Dir etwas verzeihen müssen. Siehe selbst was der Günther dazu in einem seiner schönen Geschichten schreibt.

    (kopiert von http://www.Dikigoros/Geschichten von Günther Ruffert)

    Die Missionare, die sich seit zwei Jahrhunderten bemühen, die Menschen im Isaan zum Christentum zu bekehren, haben bis heute wenig Erfolg gehabt. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass man hier nicht den Zwang zur Arbeit als eine von Gott verordnete Strafe für die Menschen akzeptiert, etwa nach dem Bibelwort: „Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen".
    Der normale Zustand ist nicht arbeiten, sondern Nichtstun und wird nur dann durch Arbeiten abgelöst, wenn es unbedingt erforderlich ist. Das liegt zum einen wohl daran, dass vor allem körperliche Arbeit in tropischen Regionen wesentlich mehr Energie erfordert als in gemässigten Zonen. Zum anderen daran, dass auf dem Land, wo doch der grösste Teil der Bevölkerung wohnt, nur ein Paar Wochen im Jahr Arbeit da ist, eben beim Reis anpflanzen und bei der Reisernte. Wir Deutschen neigen leicht dazu, die an unserem Standard gemessene geringe Arbeitslust der Menschen hier als etwas Negatives anzusehen.

    Die Einstellung, nur soviel zu arbeiten, wie man zum Leben braucht, und sich im Übrigen nicht zu überanstrengen und das Leben zu geniessen, hat aber durchaus auch etwas Positives. Die Menschen hier leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten nur so viel, wie sie es zum Leben brauchen.

    Wie alle Thais, drücken sich auch hier die Menschen gerne vor Aufgaben, die ihnen keinen Spass machen und keinen unmittelbaren Gewinn bringen. Der Farang, der versucht, sie zu etwas zu bewegen, das keinen unmittelbaren Gewinn an Geld oder „Gesicht" bringt, findet kaum Verständnis. Auch Leute in Behörden oder einflussreichen Stellen haben kaum Ehrgeiz, eine Aufgabe gut durchzuführen. Wichtig ist vor allem der Titel, die Statussymbole und das Geld, das eine Stellung einbringt. Erst wenn es darum geht, in die eigene Tasche zu wirtschaften, entwickeln Thais eine sonst nicht vorhandene Erfindergabe und Aktivität.

    Jeder Farang, der hier länger lebt, wird die Erfahrung gemacht haben, dass es ein vergebliches Unterfangen ist, einen Thai mit noch so einleuchtenden logischen Argumenten von einer vorgefassten Meinung abbringen zu wollen.

    Die Menschen hier denken weniger an die kurz- und schon gar nicht an die längerfristigen Folgen, sondern vor allem an den Augenblick und an ihr „Gesicht". Sie richten ihr Tun und Handeln weniger nach dem aus, was nach unserem Verständnis vernünftig oder logisch ist, sondern zunächst danach, was ihnen „Gesicht„ verleiht.

    Autor:Günther Ruffert

    Ich bin der Meinung, dass die Einstellung der in Thailand lebenden Menschen, zumindestens ein Teil davon, nicht ganz unschuldig an der gegenwärtigen Situation ist.
    Hier ein kurzes Beispiel einer absoluten Fehleinschätzung:
    Da hat einer den ich sehr gut kenne, in der Nähe seines Hauses eine Grube gegraben und die Grube mit Beton abgedichtet. Fast noch in feuchtem Zustand, hat er die betonierten Flächen mit einer mir unbekannten Chemikalie gestrichen. Nach weiteren zwei Tagen hat er begonnen Wasser in die Grube zu füllen und einen Tag später bereits seine Jungtiere (Fischzucht) eingesetzt. Innerhalb 14 Tagen waren sämtliche Fische an der Oberfläche (sprich verreckt). Das Geld war futsch und die Idee dazu auch. Dem Mann, der das volbracht hat, habe ich auch seinen frisch gepflanzten Mangobaum vor der Eingangstüre zur Garage umgesetzt. Was sagt uns das?
    Gruss Jakraphong

    Ps. Günther, verzeih mir bitte wenn ich hier nitnoi Kohsana für Dich mache, gell?





    Letzte Änderung: Jakraphong am 21.11.01, 16:42

  10. #9
    Kali
    Avatar von Kali

    Re: Armut im Isaan

    Es ist interessant für mich, einmal ein paar aktuelle Informationen über die Einkommensverhältnisse im Isaan zu lesen, und auch die wirtschaftliche Entwicklung in Bezug auf Thailand. (Leo hatte auf seiner Page auch schon einmal ein paar statistische Daten veröffentlicht). Man kann sich die graphische Entwicklung der Einkommens-Ausgaben-Kurve schon bildhaft vorstellen. Ganz zu schweigen von den sonstigen sozialen Auswirkungen, die ja bei auch bei CNN nicht nachrichtenmäßig erfaßt werden.
    Nun verfüge ich nicht über statistisches Material über das Dorf meiner Frau in der Nähe von Udon Thani. Abgesehen davon ist das mit der Statistik auch so eine Sache. Wenn ich mit dem Kopf in einem heißen Backofen stecke, und mit den Füßen in einem Eimer mit eiskaltem Wasser, dann fühle ich mich im Durchschnitt. wohl.Meines Wissens nach hat es ca. 2000 Einwohner. Ich kann jetzt nur spekulieren, aber Arbeit ist, wie Suay mir erzählte, nur zu Zeiten der Zuckerrohrernte und des Reisbaus vorhanden. Also im günstigsten Fall für 4 Monate im Jahr. Wenn möglich, bringen Einzelne die Energie auf und gehen noch ein paar Monate nach Bangkok oder sonstwohin auf den Bau arbeiten. Der Einheitstageslohn. beträgt 100 Baht, egal, ob Hausbau, Im Reis oder Zuckerrohr. An der Küste ca. 150 Baht, dafür sind die Lebenshaltungskosten aber auch höher. Also: für 4 Monate im Regelfall, wenn überhaupt, ca. 12.000 Baht (ca. 600 DEM). Wenn man sich überlegt, daß der Durchschnittsverdienst eines Thais - auf die Gesamtpopulation gerechnet. - 1000 – 1200 DEM p.a. betragen soll, dann haben wir das schon wieder mit der Statistik. Ganz abgesehen von der Neigung, das Geld dann auszugeben, wenn es da ist, also sparen, wie wir es kennen, gibt es auf dem Dorf wohl nicht. Wovon auch ?? Suay hat mir anhand von Beispielen (Büschelpreise für Zwiebeln, Mangos und anderer Dinge) vorgerechnet, daß für eine Person ca. 50 Baht pro Tag aufgewendet werden müssen. Fleisch ist in der Regel dabei nicht mehr drin. Nach meiner Rechnung fehlen dann bereits pro Monat 500 Baht. Dazu kann sich noch einer glücklich schätzen, wenn er denn diesen Betrag für sich alleine hat, in der Regel hängen da noch Kinder, Eheleute, Eltern pp. dran. Daß eine Schachtel Zigaretten zwischen 35 – 45 Baht und eine Flasche Bier ca. 25 Baht kosten, soll schon gar nicht mehr hierhingehören. Die Erwähnung der Tatsache, daß an diverse Luxusartikel gar nicht erst zu denken ist, könnte ich mir eigentlich sparen, wenn da nicht noch die Praxis der Darlehensgewährung wäre. Vor allen Dingen im privaten Bereich, wobei 10 % Zinsen noch als günstig angesehen werden ...im Monat, versteht sich...Hier würde man das einen Teufelskreis bezeichnen, vor dem jede Schuldnerberatung die Waffen strecken würde. Übrigens hat ´Nivea´ dort. eine Marktlücke entdeckt: "Whiteness", eine Creme, die viel benutzt wird, weil sie eben die Haut aufhellen soll. Nur einmal so am Rande als Beispiel für glorreichen Errungenschaften unserer Zivilisation.
    Eine verrückte Welt. Die vorkommende Abzocke eingeschlossen.
    Die Natur gibt natürlich reichlich. Mangos und Bananen wachsen direkt neben dem Haus, und Suay kümmerte sich. um den kleinen Gemüsegarten. Hinterm Haus waren Hühner, sogar eine Farang-Rasse. Was mir bereits am zweiten Tag auffiel, war, daß alles Grünwerk in der Umgebung bis zu einer Höhe von zwei Metern kahl war. Eines Morgens habe ich gesehen, warum: ein paar ältere Frauen zogen umher und haben das Grünzeug, das sie ohne Leiter erreichen konnten, in Beuteln oder Tüten eingesammelt. Ich hatte Skrupel, sie dabei zu photographieren. Ich wäre mir vorgekommen wie ein Sozial-Voyeur, dessen einziges Interesse das photographische Motiv ist.
    Das ist die andere Seite, eben die Menschen, wo keine Tochter aus der Familie an der Küste arbeitet, einen farang-phua hat, oder sie sonst jemand unterstützt. Es gibt keine Altersversorgung, keine Witwenrente, und mit etwaigen Unterhaltszahlungen nach der Scheidung einer amtlich geschlossenen Ehe ist es auch so eine Sache. Tja, und das sind eben nur 2000 von den Bewohnern des Isaans, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung Thailands ja bei ca. 33 % liegen soll.

    Das sind nur Fragmente einer Vielzahl von Beobachtungen, die ich in vier Wochen im Ban Tap Kung gemacht habe. Aber sie haben mein Denken ganz schön umgekrempelt. Meine Welt ist nicht mehr so heil, wie sie vorher schien. Ich fange an, diesen Teil Thailands zu lieben, auch, wenn ich sicher noch einiges von den anderen Schönheiten sehen möchte. Auf diese Entdeckungsreise werde ich mit Suay zusammen gehen. Und, objektiv betrachtet, das Leben in dem Dorf hatte nichts Spektakuläres, wie ich schon einmal sagte, ein Tag wie der andere, und doch immer wieder neu. Es ist einfach das alltägliche Leben, was mich in seinen Bann gezogen hatte. Und da war es eben, dieses ´sanuk´, das eigentlich keinen Platz läßt für Grübeleien und dieses sportive Problematisieren von nichtigen Dingen, wie es vorher zu meinem Lebenskreis gehört hatte.
    Um es abzuschließen. Meine Existenz läßt sich mit der dortigen nicht vergleichen. Und diese hinter mir liegenden Jahre im Wohlstand kann ich nicht einfach abstreifen. Aber es gibt so etwas wie ´Schlüsselerlebnisse´, und der Aufenthalt dort war so eines.. Diese erlebte Armut hat mich mehr geschockt als alles vorher Erlebte – und das war nicht wenig.

  11. #10
    Chainat-Bruno
    Avatar von Chainat-Bruno

    Re: Armut im Isaan

    kali
    dan frag doch mal deine suay, warum in den restlichen 8 monaten kein reis angebaut wird?
    meine süsse sagte mir jetzt, als wir dieses von dir gemeinsam gelesen haben, dass es damit zu tun hat, dass sie nach der ernte etwas geld in der tasche haben, dann eben nur noch ans saufen etz. denken. und bis sie merken, dass kein geld mehr übrig ist, ist es eben schon zu spät, also wieder zur bank und geld für die saat pumpen.

    bruno

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